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Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 4. Berlin, 1786.

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Ueber die Adelsprobe in Deutschland.
ses, daß sie eine geschlossene adliche Ritterschaft sey, wel-
che keine andere als solche, die sich nach obigen Grund-
sätzen als altadliche Geschlechter darstellen können, in ihre
Versammlungen als Mitglieder zulasse, gehörig beschei-
nigen: so müssen ihre Zeugnisse insgemein gültig seyn, und
die Reichsgerichte darauf erkennen. Es kömmt sodann
nicht darauf an, ob eine oder andere Ritterschaft vorhin
minder strenge zu Werke gegangen sey; indem, sobald
jene Vereinigung zu Stande gekommen ist, für die Zu-
kunft nichts weiter zu befürchten ist, und das Vergan-
gene den Besitzstand, welcher so wohl bey den ersten Tur-
niergesetzen, als bey den ersten Ritterschaftlichen Verei-
nigungen, für zulänglich gehalten wurde, zum Grunde
hat; einen Grund, den auch alle Capitel haben gelten
lassen, als sie sich zuerst gegen die künftigen Zeiten schlos-
sen, und nicht allein alle diejenigen, welche in dem Be-
sitze der Pfründen waren, sondern auch deren ihre Waf-
fengenossen, für Stiftsfähig erkannten.

Ohne Zweifel sind in Ansehung der Beweisart noch
mehrere Punkte zu berichtigen, ehe man sich über ihre
völlige Gleichförmigkeit wird vereinigen können. Gleich-
wie aber diese von jedem Stifte, oder jeder Ritterschaft,
am besten werden angegeben, und zu einer gemeinschaft-
lichen Bestimmung befördert werden können: also wird
es unnöthig seyn, sich dermalen darauf umständlich ein-
zulassen. Die Hauptangelegenheit muß jetzt seyn, das
höchste Reichsoberhaupt zu bewegen, die beyden Punkte,
was einer, der sich als ein alter Edelmann darstellen will,
beweisen, und wie dieser Beweis geführet werden solle,
einmal für alle zu bestimmen, und darüber allenfalls das
Gutachten des gesammten Reichs zu erfordern, um den
Adel bey seinem alten Glanze zu erhalten, und allen fer-

nern

Ueber die Adelsprobe in Deutſchland.
ſes, daß ſie eine geſchloſſene adliche Ritterſchaft ſey, wel-
che keine andere als ſolche, die ſich nach obigen Grund-
ſaͤtzen als altadliche Geſchlechter darſtellen koͤnnen, in ihre
Verſammlungen als Mitglieder zulaſſe, gehoͤrig beſchei-
nigen: ſo muͤſſen ihre Zeugniſſe insgemein guͤltig ſeyn, und
die Reichsgerichte darauf erkennen. Es koͤmmt ſodann
nicht darauf an, ob eine oder andere Ritterſchaft vorhin
minder ſtrenge zu Werke gegangen ſey; indem, ſobald
jene Vereinigung zu Stande gekommen iſt, fuͤr die Zu-
kunft nichts weiter zu befuͤrchten iſt, und das Vergan-
gene den Beſitzſtand, welcher ſo wohl bey den erſten Tur-
niergeſetzen, als bey den erſten Ritterſchaftlichen Verei-
nigungen, fuͤr zulaͤnglich gehalten wurde, zum Grunde
hat; einen Grund, den auch alle Capitel haben gelten
laſſen, als ſie ſich zuerſt gegen die kuͤnftigen Zeiten ſchloſ-
ſen, und nicht allein alle diejenigen, welche in dem Be-
ſitze der Pfruͤnden waren, ſondern auch deren ihre Waf-
fengenoſſen, fuͤr Stiftsfaͤhig erkannten.

Ohne Zweifel ſind in Anſehung der Beweisart noch
mehrere Punkte zu berichtigen, ehe man ſich uͤber ihre
voͤllige Gleichfoͤrmigkeit wird vereinigen koͤnnen. Gleich-
wie aber dieſe von jedem Stifte, oder jeder Ritterſchaft,
am beſten werden angegeben, und zu einer gemeinſchaft-
lichen Beſtimmung befoͤrdert werden koͤnnen: alſo wird
es unnoͤthig ſeyn, ſich dermalen darauf umſtaͤndlich ein-
zulaſſen. Die Hauptangelegenheit muß jetzt ſeyn, das
hoͤchſte Reichsoberhaupt zu bewegen, die beyden Punkte,
was einer, der ſich als ein alter Edelmann darſtellen will,
beweiſen, und wie dieſer Beweis gefuͤhret werden ſolle,
einmal fuͤr alle zu beſtimmen, und daruͤber allenfalls das
Gutachten des geſammten Reichs zu erfordern, um den
Adel bey ſeinem alten Glanze zu erhalten, und allen fer-

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[294/0306] Ueber die Adelsprobe in Deutſchland. ſes, daß ſie eine geſchloſſene adliche Ritterſchaft ſey, wel- che keine andere als ſolche, die ſich nach obigen Grund- ſaͤtzen als altadliche Geſchlechter darſtellen koͤnnen, in ihre Verſammlungen als Mitglieder zulaſſe, gehoͤrig beſchei- nigen: ſo muͤſſen ihre Zeugniſſe insgemein guͤltig ſeyn, und die Reichsgerichte darauf erkennen. Es koͤmmt ſodann nicht darauf an, ob eine oder andere Ritterſchaft vorhin minder ſtrenge zu Werke gegangen ſey; indem, ſobald jene Vereinigung zu Stande gekommen iſt, fuͤr die Zu- kunft nichts weiter zu befuͤrchten iſt, und das Vergan- gene den Beſitzſtand, welcher ſo wohl bey den erſten Tur- niergeſetzen, als bey den erſten Ritterſchaftlichen Verei- nigungen, fuͤr zulaͤnglich gehalten wurde, zum Grunde hat; einen Grund, den auch alle Capitel haben gelten laſſen, als ſie ſich zuerſt gegen die kuͤnftigen Zeiten ſchloſ- ſen, und nicht allein alle diejenigen, welche in dem Be- ſitze der Pfruͤnden waren, ſondern auch deren ihre Waf- fengenoſſen, fuͤr Stiftsfaͤhig erkannten. Ohne Zweifel ſind in Anſehung der Beweisart noch mehrere Punkte zu berichtigen, ehe man ſich uͤber ihre voͤllige Gleichfoͤrmigkeit wird vereinigen koͤnnen. Gleich- wie aber dieſe von jedem Stifte, oder jeder Ritterſchaft, am beſten werden angegeben, und zu einer gemeinſchaft- lichen Beſtimmung befoͤrdert werden koͤnnen: alſo wird es unnoͤthig ſeyn, ſich dermalen darauf umſtaͤndlich ein- zulaſſen. Die Hauptangelegenheit muß jetzt ſeyn, das hoͤchſte Reichsoberhaupt zu bewegen, die beyden Punkte, was einer, der ſich als ein alter Edelmann darſtellen will, beweiſen, und wie dieſer Beweis gefuͤhret werden ſolle, einmal fuͤr alle zu beſtimmen, und daruͤber allenfalls das Gutachten des geſammten Reichs zu erfordern, um den Adel bey ſeinem alten Glanze zu erhalten, und allen fer- nern

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Zitationshilfe: Möser, Justus: Patriotische Phantasien. Bd. 4. Berlin, 1786, S. 294. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/moeser_phantasien04_1786/306>, abgerufen am 12.04.2024.