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Reichspost. Nr. 219, Wien, 26.09.1899.

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Wien, Dienstag Reichspost 26. September 1899 219

[Spaltenumbruch] Wohlmuth und Charles und die Herren Pohl, Swoboda,
Maier und Clement. -- Director Lischke steht betreffs
des Aufsührungsrechtes des Schwankes "Die goldene
Eva"
für das Jantsch-Theater mit Herrn Director
v. Bukovics und Herrn v. Schönthan in Unter-
handlung. Frl. Paula Kurt wird in der Titelrolle
debutiren.

-- Kaiser Franz Joseph-Theater in Bern-
dorf.

Mittwoch, den 27. d., wird das vom Groß-
industriellen Arthur Krupp in Berndorf er-
richtete Theater in Anwesenheit des Kaisers feier-
lich eröffnet. Se. Majestät wird vom Südbahnhofe in
einem Hofseparatzuge, in welchem die Erzherzoge, Mi-
nister und Hofwürdenträger die Reise mitmachen, nach
Berndorf fahren und dort um 2 Uhr 20 Minuten
eintreffen. Auf dem Bahnhofe wird der Monarch vom
Statthalter Grafen Kielmansegg, den Spitzen
der Behörden, dem Clerus, der Gemeindevertretung,
dem Fabriksbesitzer und seiner Gemalin empfangen.
Vor dem Bahnhofe werden Feuerwehr, Veteranen-
vereine und Schuljugend Spalier bilden. Auf Ein-
ladung des Fabriksbesitzers wird Se. Majestät die
Fabriksanlagen -- Gießerei, Schmiede, Patronenfabrik,
Bestecksabrik, Sanitätsstation, Versilberung -- die
Arbeitercolonie Margarethen, ein Arbeiterhaus, das
Bad, die Knaberfeuerwehr, die Haushaltungsschule und
den Lesesaal besichtigen. Um 1/24 Uhr trifft der Kaiser beim
Franz Josef Theater ein und wird von Herrn Krupp
zur Loge geleitet, worauf dieser das Zeichen zum Be-
ginne der Festvorstellung gibt. Zur Aufführung gelangt
"Der kleine Mann", Volksstück von Karl-
weis.
Ein von Girardi gesprochener Prolog
geht voraus. Am Schlusse der Vorstellung werden
sämmtliche Arbeiter des Fabriksetablissements über die
Bühne marschiren, um Sr. Majestät ihre Huldigung
darzubringen. Die Vorstellung zu der an 500 Ein-
ladungen ergangen sind und zu der die Wiener Ehren-
gäste sich in einem Sonderzuge begeben, endet um
1/26 Uhr Abends. Auf Bitte des Herrn Krupp wird
Sr. Majestät der Kaiser sodann zu dem Wohnhaus des
Fabriksbesitzers fahren und dort die Vorstellung der
[Spaltenumbruch] Fabriksleitung, einiger anderer Persönlichkeiten und der
vier ältesten Arbe ter entgegennehmen. Die Gemalin
des Fabriksbesitzers, Frau Krupp, wird dem Mon-
archen eine Erfrischung anbie en, worauf Se. Majestät
zum Bahnhofe in Berndorf fährt und nach Wien
zurückkehrt

-- Sarah Bernhardt trifft mit ihrem aus
vierzig Person[e]n bestehenden Ensemble am 9. October
direct aus Brüssel in Wien ein und wird hier einen
Cyclus von Vorstellungen geben.

-- Der Singverein der Gesellschaft der
Musikfreunde
beginnt am Montag, den 2 October,
unter Leitung des Concertdirectors Richard v.
Perger seine diesjährige Thä[t]igkeit. Die Aufnahms
prüfungen für Neueintretende finden am 2., 4., 9. und
11. October um 5 Uhr im kleinen Musikvereins-Saale
statt. Nach dem letztbezeichneten Termine wird die Auf-
nahme für neue Mitglieder definitiv geschlossen.




Volkswirthschaftlicher Theil.
Die Aufhebung des Mahlverkehres.

Eine
Ministerialverordnung vom 22. d. M verordnet: Der
Mahlverkehr der Mühlen im Zollgebiete, welche aus-
ländisches Getreide für den Export vermahlen, wird
mit der Wirkung vom 1. Jänner 1900 aufgehoben.
Von diesem Zeitpunkte an wird demnach eine Ab-
fertigung von Getreide im Mahlverkehre auf Grund
der citirten Bestimmungen nicht mehr stattfinden.
Getreide, welches vor dem 1. Jänner 1900 zum Ver-
mahlen angemeldet wird, ist nach den bisherigen Be-
stimmungen zu behandeln und demgemäß binnen sechs
Monaten vom Zeitpunkte der Anmeldung -- also
längstens bis zum 30. Juni 1900 -- im vermahlenen
Zustande auszuführen oder der Verzollung zu unter-
ziehen. Der auf Grund von Handelsverträgen bestehende
Gegenseitigkeitsverkehr der Grenzbewohner mit Getreide
zum Vermahlen bleibt nach wie vor den hiefür be-
stehenden besonderen Anordnungen unterworfen. Diese
Verordnung tritt am 1. Jänner 1900 in Kraft. Eine
[Spaltenumbruch] gleiche Verordnung wird seitens der königlich ungari-
schen Regierung mit der Giltigkeit für die Länder der
ungarischen Krone erlassen.

Neue Couponsbogen zu den A[c]tien der
Oesterreichisch-ungarischen Bank.

Im Sinne der
anläßlich der Vertheilung der Dividende vom ersten
Semester d. J. erlassenen Kundmachungen beginnen die
Hauptanstalten der Oesterreichisch-ungarischen Bank in
Wien und Ofen-Pest, sowie sämmtliche Bankfilialen
vom 2. October l. J. an mit der Hinausgabe von
neuen Couponsbogen zu den Actien der Oesterreichisch-
ungar schen Bank. Die neuen Couponsbogen umfassen
die Coupons Nr. 41 bis 60, d. i. vom II. Se-
mester 1899 bis einschließlich I. Semester 1909. Zum
Bezug der neuen Couponsbogen sind die Talons mit
Confignationen einzureichen wozu die Blankette un-
entgeltlich verabfolgt werden.

Die ungarischen Eisenindustriellen haben
die Roheisenpreise

dieser Tage um 5% erhöht.
Desgleichen wurden die Preise von Gußwaare und von
gußeisernen Muffen- und Flanschenröhren um 5% er-
höht. Eine Regulirung der Grundpreise durch Herah-
setzung der Rabatte um 10% hat ferner in Schmiede-
eisen-Röhren stattgefunden.

Ungarische Maßregeln gegen die öster-
reichische Zuckerfabrikation.

Ein Beispiel un-
garischer Vertragstreue wird, kaum daß die Ausgleichs-
gesetze, die das österreichisch-ungarische Handelsbündniß
stipuliren, publicirt sind, aus Budapest berichtet. Dem
"Pesti Naplo" zu Folge hat die Direction der öster-
reichisch-ungarischen Staatsbahnen den österreichischen
Zuckerfabriken die Transportbegünstigungen für Zucker-
rübe entzogen. Dies sei über Requisition der un-
garischen Zuckerfabriken geschehen, die in diesen Be-
günstigungen eine Schädigung ihrer Interessen erblicken.




Lottoziehungen vom 23. September.

Linz 57 62 50 2 74

Triest 86 48 81 47 35

Bozen 36 59 9 70 5[unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]




[Spaltenumbruch]

(13) (Nachdruck verboten.)

Gertrude Mannering.
Geschichte eines Opfers.

"Werde sein Weib, gib ihm nach, noch ist es Zeit,
und vertraue im Uebrigen ihm", wiederholte der böse
Geist.

Mit einem plötzlichen entschiedenen Entschluß wies
ihn Gerty ab.

"O mein Gott, hilf mir! Kann ich denn eine
Todsünde begehen und nachgeben, damit aus dem
Bösen später Gutes werde?"

Und das Gebet in der Klostercapelle, wo sie so
ernst gegen die "Versuchung" gebetet, trug seine
Frucht; himmlische Kraft strömte in das schwache
Mädchenherz. Sie beschloß, schon morgen in aller
Frühe zu entfliehen -- sie durfte Stanley nicht
wiedersehen. Für heute ließ sie sich durch die nach
ihr blickende Zofe entschuldigen, sie habe Kopfweh;
für morgen Früh erbat sie sich eine Unterredung mit
Lady Hunter. Dann entkleidete sie sich -- ach, der
liebe Ring, den ihr Stanley heute Früh gegeben --
sie küßte ihn und legte ihn dann entschlossen bei
Seite. In ihrer Hand das kleine Institutskreuz
haltend, entschlummerte Gerty zu jenem tiefen Schlafe
der Erschöpfung, wie er großen Erregungen zu-
weilen folgt.




Es war Tag und Lady Hunter saß an Gerty's
Bett, auf das Tiefste und Schmerzlichste erregt von
[Spaltenumbruch] dem, was ihr Gerty mittheilte. Sie, die Protestantin,
konnte es nur halb verstehen und erschöpste sich in
Gründen, Gerty zum Nachgeben zu bewegen. Aber, da
sie einerseits Gerty's tiefe glühende Liebe für Stanley
längst kannte und anderseits deren ernsten Entschluß
der Entsagung unerschütterlich fand, regte sie dies bis
in die Tiefen ihres Wesens auf. Niemals war sie solchem
Glauben bis jetzt begegnet, nie geahnt, daß die Reli-
gion wirklich zu solchen Opfern befähigen könne. Dies
war wie eine Offenbarung für sie, wie ein Samenkorn,
daß im Innern ihres Herzens keinem und sprossen und
zu seiner Zeit Frucht tragen sollte.

Stanley war mit sämmtlichen Herren früh zur
Jagd geritten und die Lady begriff Gerty's Wunsch,
ihm nicht mehr zu begegnen.

So wurde denn an Mr. Mannering telegraphirt,
zu einem bestimmten Zuge den Wagen an die Bahn zu
senden, und Gerty begann dann die schwere Aufgabe,
einige Zeilen an Stanley Graham zu schreiben, in
denen sie ihm seinen Ring zurücksandte. Es waren
Worte inniger Dankbarkeit für seine ehrenvolle Offen-
heit, Versicherungen, daß Gerty zeitlebens für ihn beten
werde.

Eln kurzer Abschied bei den Damen, die ziemlich
verwirrt und erstaunt waren ob Gerty's plötzlicher Ab-
reise, die Lady Hunter einem Unwohlsein zuschrieb und
der Besorgniß von Gerty's Vater um sie -- und dann
rollten Lady Hunter und Gerty der Eisenbahnstation
zu, von der sie vor drei Tagen gekommen Erst drei
Tage -- und ein Menschenleben voll Glück und Leiden
dazwischen -- dachte Gerty.

Ein kurzer thränenvoller Abschied von der Lady
-- und Gerty eilte der Heimath zu. Die alte Haus-
[Spaltenumbruch] hälterin nahm sie in Empfang -- zu discret, um zu
fragen, aber erstaunt, ob der Veränderung, die in
Gertys Gesichtsausdruck lag; sie schien um ein Jahr-
zehnt gereift in den wenigen Tagen.

Mr. Mannering erwartete sie am Fuße der
Treppe; als sie ihn umarmte, flüsterte sie: "Papa, ich
werde Dich nie mehr verlassen!" -- und droben im
Zimmer sank sie auf einen Stuhl: alle Kraft, die sie
bis jetzt aufrecht gehalten, schien sie plötzlich verlassen
zu haben. Das Haupt an Mr. Mannering's Brust ge-
lehnt, die Arme um seinen Nacken, weinte sie nun den
zurückgehaltenen Schmerz aus, in trostlosem Schluchzen;
weinte aus ihr Leid über die verlorene Liebe, das ver-
lorene Idol ihres Herzens.

"Mein Liebling!" -- und der Vater ließ sie
weinen und streichelte nur, wie er 's früher so oft
gethan, ihr schönes Haar, von dem er den Hut weg-
geschleudert und das nun in reicher Fülle gegen seine
Schulter herabfiel.

"Papa", flüsterte sie, als sie etwas ruhiger ge-
worden, "Du hast für mich gebetet, Du und Vater
Walmsley -- oder -- oder -- ich hätte es nicht thun
können, ich wäre zu schwach gewesen. Ich zittere,
wenn ich an gestern Abend denke -- wenn ich's noch
mal erleben müßte."

Und als die schluchzenden Worte ihr entschlüpften,
da wußte Mr. Mannering, welche Art von Kummer
über seinen kleinen Sonnenstrahl gekommen, ihn für
immer verdunkelnd. Er wußte ungefähr, welche Ge-
schichte sein Liebling ihm ins Ohr flüstern würde.

(Fortsetzung folgt.)




[irrelevantes Material]

Druck, Herausgabe und Verlag von Ambr. Opitz, Wien. -- Verantwortlicher Redacteur Hermann Hikisch, Wien.


Wien, Dienſtag Reichspoſt 26. September 1899 219

[Spaltenumbruch] Wohlmuth und Charles und die Herren Pohl, Swoboda,
Maier und Clement. — Director Liſchke ſteht betreffs
des Aufſührungsrechtes des Schwankes „Die goldene
Eva“
für das Jantſch-Theater mit Herrn Director
v. Bukovics und Herrn v. Schönthan in Unter-
handlung. Frl. Paula Kurt wird in der Titelrolle
debutiren.

— Kaiſer Franz Joſeph-Theater in Bern-
dorf.

Mittwoch, den 27. d., wird das vom Groß-
induſtriellen Arthur Krupp in Berndorf er-
richtete Theater in Anweſenheit des Kaiſers feier-
lich eröffnet. Se. Majeſtät wird vom Südbahnhofe in
einem Hofſeparatzuge, in welchem die Erzherzoge, Mi-
niſter und Hofwürdenträger die Reiſe mitmachen, nach
Berndorf fahren und dort um 2 Uhr 20 Minuten
eintreffen. Auf dem Bahnhofe wird der Monarch vom
Statthalter Grafen Kielmansegg, den Spitzen
der Behörden, dem Clerus, der Gemeindevertretung,
dem Fabriksbeſitzer und ſeiner Gemalin empfangen.
Vor dem Bahnhofe werden Feuerwehr, Veteranen-
vereine und Schuljugend Spalier bilden. Auf Ein-
ladung des Fabriksbeſitzers wird Se. Majeſtät die
Fabriksanlagen — Gießerei, Schmiede, Patronenfabrik,
Beſteckſabrik, Sanitätsſtation, Verſilberung — die
Arbeitercolonie Margarethen, ein Arbeiterhaus, das
Bad, die Knaberfeuerwehr, die Haushaltungsſchule und
den Leſeſaal beſichtigen. Um ½4 Uhr trifft der Kaiſer beim
Franz Joſef Theater ein und wird von Herrn Krupp
zur Loge geleitet, worauf dieſer das Zeichen zum Be-
ginne der Feſtvorſtellung gibt. Zur Aufführung gelangt
„Der kleine Mann“, Volksſtück von Karl-
weis.
Ein von Girardi geſprochener Prolog
geht voraus. Am Schluſſe der Vorſtellung werden
ſämmtliche Arbeiter des Fabriksetabliſſements über die
Bühne marſchiren, um Sr. Majeſtät ihre Huldigung
darzubringen. Die Vorſtellung zu der an 500 Ein-
ladungen ergangen ſind und zu der die Wiener Ehren-
gäſte ſich in einem Sonderzuge begeben, endet um
½6 Uhr Abends. Auf Bitte des Herrn Krupp wird
Sr. Majeſtät der Kaiſer ſodann zu dem Wohnhaus des
Fabriksbeſitzers fahren und dort die Vorſtellung der
[Spaltenumbruch] Fabriksleitung, einiger anderer Perſönlichkeiten und der
vier älteſten Arbe ter entgegennehmen. Die Gemalin
des Fabriksbeſitzers, Frau Krupp, wird dem Mon-
archen eine Erfriſchung anbie en, worauf Se. Majeſtät
zum Bahnhofe in Berndorf fährt und nach Wien
zurückkehrt

— Sarah Bernhardt trifft mit ihrem aus
vierzig Perſon[e]n beſtehenden Enſemble am 9. October
direct aus Brüſſel in Wien ein und wird hier einen
Cyclus von Vorſtellungen geben.

— Der Singverein der Geſellſchaft der
Muſikfreunde
beginnt am Montag, den 2 October,
unter Leitung des Concertdirectors Richard v.
Perger ſeine diesjährige Thä[t]igkeit. Die Aufnahms
prüfungen für Neueintretende finden am 2., 4., 9. und
11. October um 5 Uhr im kleinen Muſikvereins-Saale
ſtatt. Nach dem letztbezeichneten Termine wird die Auf-
nahme für neue Mitglieder definitiv geſchloſſen.




Volkswirthſchaftlicher Theil.
Die Aufhebung des Mahlverkehres.

Eine
Miniſterialverordnung vom 22. d. M verordnet: Der
Mahlverkehr der Mühlen im Zollgebiete, welche aus-
ländiſches Getreide für den Export vermahlen, wird
mit der Wirkung vom 1. Jänner 1900 aufgehoben.
Von dieſem Zeitpunkte an wird demnach eine Ab-
fertigung von Getreide im Mahlverkehre auf Grund
der citirten Beſtimmungen nicht mehr ſtattfinden.
Getreide, welches vor dem 1. Jänner 1900 zum Ver-
mahlen angemeldet wird, iſt nach den bisherigen Be-
ſtimmungen zu behandeln und demgemäß binnen ſechs
Monaten vom Zeitpunkte der Anmeldung — alſo
längſtens bis zum 30. Juni 1900 — im vermahlenen
Zuſtande auszuführen oder der Verzollung zu unter-
ziehen. Der auf Grund von Handelsverträgen beſtehende
Gegenſeitigkeitsverkehr der Grenzbewohner mit Getreide
zum Vermahlen bleibt nach wie vor den hiefür be-
ſtehenden beſonderen Anordnungen unterworfen. Dieſe
Verordnung tritt am 1. Jänner 1900 in Kraft. Eine
[Spaltenumbruch] gleiche Verordnung wird ſeitens der königlich ungari-
ſchen Regierung mit der Giltigkeit für die Länder der
ungariſchen Krone erlaſſen.

Neue Couponsbogen zu den A[c]tien der
Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank.

Im Sinne der
anläßlich der Vertheilung der Dividende vom erſten
Semeſter d. J. erlaſſenen Kundmachungen beginnen die
Hauptanſtalten der Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank in
Wien und Ofen-Peſt, ſowie ſämmtliche Bankfilialen
vom 2. October l. J. an mit der Hinausgabe von
neuen Couponsbogen zu den Actien der Oeſterreichiſch-
ungar ſchen Bank. Die neuen Couponsbogen umfaſſen
die Coupons Nr. 41 bis 60, d. i. vom II. Se-
meſter 1899 bis einſchließlich I. Semeſter 1909. Zum
Bezug der neuen Couponsbogen ſind die Talons mit
Confignationen einzureichen wozu die Blankette un-
entgeltlich verabfolgt werden.

Die ungariſchen Eiſeninduſtriellen haben
die Roheiſenpreiſe

dieſer Tage um 5% erhöht.
Desgleichen wurden die Preiſe von Gußwaare und von
gußeiſernen Muffen- und Flanſchenröhren um 5% er-
höht. Eine Regulirung der Grundpreiſe durch Herah-
ſetzung der Rabatte um 10% hat ferner in Schmiede-
eiſen-Röhren ſtattgefunden.

Ungariſche Maßregeln gegen die öſter-
reichiſche Zuckerfabrikation.

Ein Beiſpiel un-
gariſcher Vertragstreue wird, kaum daß die Ausgleichs-
geſetze, die das öſterreichiſch-ungariſche Handelsbündniß
ſtipuliren, publicirt ſind, aus Budapeſt berichtet. Dem
„Peſti Naplo“ zu Folge hat die Direction der öſter-
reichiſch-ungariſchen Staatsbahnen den öſterreichiſchen
Zuckerfabriken die Transportbegünſtigungen für Zucker-
rübe entzogen. Dies ſei über Requiſition der un-
gariſchen Zuckerfabriken geſchehen, die in dieſen Be-
günſtigungen eine Schädigung ihrer Intereſſen erblicken.




Lottoziehungen vom 23. September.

Linz 57 62 50 2 74

Trieſt 86 48 81 47 35

Bozen 36 59 9 70 5[unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]




[Spaltenumbruch]

(13) (Nachdruck verboten.)

Gertrude Mannering.
Geſchichte eines Opfers.

„Werde ſein Weib, gib ihm nach, noch iſt es Zeit,
und vertraue im Uebrigen ihm“, wiederholte der böſe
Geiſt.

Mit einem plötzlichen entſchiedenen Entſchluß wies
ihn Gerty ab.

„O mein Gott, hilf mir! Kann ich denn eine
Todſünde begehen und nachgeben, damit aus dem
Böſen ſpäter Gutes werde?“

Und das Gebet in der Kloſtercapelle, wo ſie ſo
ernſt gegen die „Verſuchung“ gebetet, trug ſeine
Frucht; himmliſche Kraft ſtrömte in das ſchwache
Mädchenherz. Sie beſchloß, ſchon morgen in aller
Frühe zu entfliehen — ſie durfte Stanley nicht
wiederſehen. Für heute ließ ſie ſich durch die nach
ihr blickende Zofe entſchuldigen, ſie habe Kopfweh;
für morgen Früh erbat ſie ſich eine Unterredung mit
Lady Hunter. Dann entkleidete ſie ſich — ach, der
liebe Ring, den ihr Stanley heute Früh gegeben —
ſie küßte ihn und legte ihn dann entſchloſſen bei
Seite. In ihrer Hand das kleine Inſtitutskreuz
haltend, entſchlummerte Gerty zu jenem tiefen Schlafe
der Erſchöpfung, wie er großen Erregungen zu-
weilen folgt.




Es war Tag und Lady Hunter ſaß an Gerty’s
Bett, auf das Tiefſte und Schmerzlichſte erregt von
[Spaltenumbruch] dem, was ihr Gerty mittheilte. Sie, die Proteſtantin,
konnte es nur halb verſtehen und erſchöpſte ſich in
Gründen, Gerty zum Nachgeben zu bewegen. Aber, da
ſie einerſeits Gerty’s tiefe glühende Liebe für Stanley
längſt kannte und anderſeits deren ernſten Entſchluß
der Entſagung unerſchütterlich fand, regte ſie dies bis
in die Tiefen ihres Weſens auf. Niemals war ſie ſolchem
Glauben bis jetzt begegnet, nie geahnt, daß die Reli-
gion wirklich zu ſolchen Opfern befähigen könne. Dies
war wie eine Offenbarung für ſie, wie ein Samenkorn,
daß im Innern ihres Herzens keinem und ſproſſen und
zu ſeiner Zeit Frucht tragen ſollte.

Stanley war mit ſämmtlichen Herren früh zur
Jagd geritten und die Lady begriff Gerty’s Wunſch,
ihm nicht mehr zu begegnen.

So wurde denn an Mr. Mannering telegraphirt,
zu einem beſtimmten Zuge den Wagen an die Bahn zu
ſenden, und Gerty begann dann die ſchwere Aufgabe,
einige Zeilen an Stanley Graham zu ſchreiben, in
denen ſie ihm ſeinen Ring zurückſandte. Es waren
Worte inniger Dankbarkeit für ſeine ehrenvolle Offen-
heit, Verſicherungen, daß Gerty zeitlebens für ihn beten
werde.

Eln kurzer Abſchied bei den Damen, die ziemlich
verwirrt und erſtaunt waren ob Gerty’s plötzlicher Ab-
reiſe, die Lady Hunter einem Unwohlſein zuſchrieb und
der Beſorgniß von Gerty’s Vater um ſie — und dann
rollten Lady Hunter und Gerty der Eiſenbahnſtation
zu, von der ſie vor drei Tagen gekommen Erſt drei
Tage — und ein Menſchenleben voll Glück und Leiden
dazwiſchen — dachte Gerty.

Ein kurzer thränenvoller Abſchied von der Lady
— und Gerty eilte der Heimath zu. Die alte Haus-
[Spaltenumbruch] hälterin nahm ſie in Empfang — zu discret, um zu
fragen, aber erſtaunt, ob der Veränderung, die in
Gertys Geſichtsausdruck lag; ſie ſchien um ein Jahr-
zehnt gereift in den wenigen Tagen.

Mr. Mannering erwartete ſie am Fuße der
Treppe; als ſie ihn umarmte, flüſterte ſie: „Papa, ich
werde Dich nie mehr verlaſſen!“ — und droben im
Zimmer ſank ſie auf einen Stuhl: alle Kraft, die ſie
bis jetzt aufrecht gehalten, ſchien ſie plötzlich verlaſſen
zu haben. Das Haupt an Mr. Mannering’s Bruſt ge-
lehnt, die Arme um ſeinen Nacken, weinte ſie nun den
zurückgehaltenen Schmerz aus, in troſtloſem Schluchzen;
weinte aus ihr Leid über die verlorene Liebe, das ver-
lorene Idol ihres Herzens.

„Mein Liebling!“ — und der Vater ließ ſie
weinen und ſtreichelte nur, wie er ’s früher ſo oft
gethan, ihr ſchönes Haar, von dem er den Hut weg-
geſchleudert und das nun in reicher Fülle gegen ſeine
Schulter herabfiel.

„Papa“, flüſterte ſie, als ſie etwas ruhiger ge-
worden, „Du haſt für mich gebetet, Du und Vater
Walmsley — oder — oder — ich hätte es nicht thun
können, ich wäre zu ſchwach geweſen. Ich zittere,
wenn ich an geſtern Abend denke — wenn ich’s noch
mal erleben müßte.“

Und als die ſchluchzenden Worte ihr entſchlüpften,
da wußte Mr. Mannering, welche Art von Kummer
über ſeinen kleinen Sonnenſtrahl gekommen, ihn für
immer verdunkelnd. Er wußte ungefähr, welche Ge-
ſchichte ſein Liebling ihm ins Ohr flüſtern würde.

(Fortſetzung folgt.)




[irrelevantes Material]

Druck, Herausgabe und Verlag von Ambr. Opitz, Wien. — Verantwortlicher Redacteur Hermann Hikiſch, Wien.


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        <p>Druck, Herausgabe und Verlag von Ambr. Opitz, Wien. &#x2014; Verantwortlicher Redacteur Hermann Hiki&#x017F;ch, Wien.</p><lb/>
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[10/0010] Wien, Dienſtag Reichspoſt 26. September 1899 219 Wohlmuth und Charles und die Herren Pohl, Swoboda, Maier und Clement. — Director Liſchke ſteht betreffs des Aufſührungsrechtes des Schwankes „Die goldene Eva“ für das Jantſch-Theater mit Herrn Director v. Bukovics und Herrn v. Schönthan in Unter- handlung. Frl. Paula Kurt wird in der Titelrolle debutiren. — Kaiſer Franz Joſeph-Theater in Bern- dorf. Mittwoch, den 27. d., wird das vom Groß- induſtriellen Arthur Krupp in Berndorf er- richtete Theater in Anweſenheit des Kaiſers feier- lich eröffnet. Se. Majeſtät wird vom Südbahnhofe in einem Hofſeparatzuge, in welchem die Erzherzoge, Mi- niſter und Hofwürdenträger die Reiſe mitmachen, nach Berndorf fahren und dort um 2 Uhr 20 Minuten eintreffen. Auf dem Bahnhofe wird der Monarch vom Statthalter Grafen Kielmansegg, den Spitzen der Behörden, dem Clerus, der Gemeindevertretung, dem Fabriksbeſitzer und ſeiner Gemalin empfangen. Vor dem Bahnhofe werden Feuerwehr, Veteranen- vereine und Schuljugend Spalier bilden. Auf Ein- ladung des Fabriksbeſitzers wird Se. Majeſtät die Fabriksanlagen — Gießerei, Schmiede, Patronenfabrik, Beſteckſabrik, Sanitätsſtation, Verſilberung — die Arbeitercolonie Margarethen, ein Arbeiterhaus, das Bad, die Knaberfeuerwehr, die Haushaltungsſchule und den Leſeſaal beſichtigen. Um ½4 Uhr trifft der Kaiſer beim Franz Joſef Theater ein und wird von Herrn Krupp zur Loge geleitet, worauf dieſer das Zeichen zum Be- ginne der Feſtvorſtellung gibt. Zur Aufführung gelangt „Der kleine Mann“, Volksſtück von Karl- weis. Ein von Girardi geſprochener Prolog geht voraus. Am Schluſſe der Vorſtellung werden ſämmtliche Arbeiter des Fabriksetabliſſements über die Bühne marſchiren, um Sr. Majeſtät ihre Huldigung darzubringen. Die Vorſtellung zu der an 500 Ein- ladungen ergangen ſind und zu der die Wiener Ehren- gäſte ſich in einem Sonderzuge begeben, endet um ½6 Uhr Abends. Auf Bitte des Herrn Krupp wird Sr. Majeſtät der Kaiſer ſodann zu dem Wohnhaus des Fabriksbeſitzers fahren und dort die Vorſtellung der Fabriksleitung, einiger anderer Perſönlichkeiten und der vier älteſten Arbe ter entgegennehmen. Die Gemalin des Fabriksbeſitzers, Frau Krupp, wird dem Mon- archen eine Erfriſchung anbie en, worauf Se. Majeſtät zum Bahnhofe in Berndorf fährt und nach Wien zurückkehrt — Sarah Bernhardt trifft mit ihrem aus vierzig Perſonen beſtehenden Enſemble am 9. October direct aus Brüſſel in Wien ein und wird hier einen Cyclus von Vorſtellungen geben. — Der Singverein der Geſellſchaft der Muſikfreunde beginnt am Montag, den 2 October, unter Leitung des Concertdirectors Richard v. Perger ſeine diesjährige Thätigkeit. Die Aufnahms prüfungen für Neueintretende finden am 2., 4., 9. und 11. October um 5 Uhr im kleinen Muſikvereins-Saale ſtatt. Nach dem letztbezeichneten Termine wird die Auf- nahme für neue Mitglieder definitiv geſchloſſen. Volkswirthſchaftlicher Theil. Die Aufhebung des Mahlverkehres. Eine Miniſterialverordnung vom 22. d. M verordnet: Der Mahlverkehr der Mühlen im Zollgebiete, welche aus- ländiſches Getreide für den Export vermahlen, wird mit der Wirkung vom 1. Jänner 1900 aufgehoben. Von dieſem Zeitpunkte an wird demnach eine Ab- fertigung von Getreide im Mahlverkehre auf Grund der citirten Beſtimmungen nicht mehr ſtattfinden. Getreide, welches vor dem 1. Jänner 1900 zum Ver- mahlen angemeldet wird, iſt nach den bisherigen Be- ſtimmungen zu behandeln und demgemäß binnen ſechs Monaten vom Zeitpunkte der Anmeldung — alſo längſtens bis zum 30. Juni 1900 — im vermahlenen Zuſtande auszuführen oder der Verzollung zu unter- ziehen. Der auf Grund von Handelsverträgen beſtehende Gegenſeitigkeitsverkehr der Grenzbewohner mit Getreide zum Vermahlen bleibt nach wie vor den hiefür be- ſtehenden beſonderen Anordnungen unterworfen. Dieſe Verordnung tritt am 1. Jänner 1900 in Kraft. Eine gleiche Verordnung wird ſeitens der königlich ungari- ſchen Regierung mit der Giltigkeit für die Länder der ungariſchen Krone erlaſſen. Neue Couponsbogen zu den Actien der Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank. Im Sinne der anläßlich der Vertheilung der Dividende vom erſten Semeſter d. J. erlaſſenen Kundmachungen beginnen die Hauptanſtalten der Oeſterreichiſch-ungariſchen Bank in Wien und Ofen-Peſt, ſowie ſämmtliche Bankfilialen vom 2. October l. J. an mit der Hinausgabe von neuen Couponsbogen zu den Actien der Oeſterreichiſch- ungar ſchen Bank. Die neuen Couponsbogen umfaſſen die Coupons Nr. 41 bis 60, d. i. vom II. Se- meſter 1899 bis einſchließlich I. Semeſter 1909. Zum Bezug der neuen Couponsbogen ſind die Talons mit Confignationen einzureichen wozu die Blankette un- entgeltlich verabfolgt werden. Die ungariſchen Eiſeninduſtriellen haben die Roheiſenpreiſe dieſer Tage um 5% erhöht. Desgleichen wurden die Preiſe von Gußwaare und von gußeiſernen Muffen- und Flanſchenröhren um 5% er- höht. Eine Regulirung der Grundpreiſe durch Herah- ſetzung der Rabatte um 10% hat ferner in Schmiede- eiſen-Röhren ſtattgefunden. Ungariſche Maßregeln gegen die öſter- reichiſche Zuckerfabrikation. Ein Beiſpiel un- gariſcher Vertragstreue wird, kaum daß die Ausgleichs- geſetze, die das öſterreichiſch-ungariſche Handelsbündniß ſtipuliren, publicirt ſind, aus Budapeſt berichtet. Dem „Peſti Naplo“ zu Folge hat die Direction der öſter- reichiſch-ungariſchen Staatsbahnen den öſterreichiſchen Zuckerfabriken die Transportbegünſtigungen für Zucker- rübe entzogen. Dies ſei über Requiſition der un- gariſchen Zuckerfabriken geſchehen, die in dieſen Be- günſtigungen eine Schädigung ihrer Intereſſen erblicken. Lottoziehungen vom 23. September. Linz 57 62 50 2 74 Trieſt 86 48 81 47 35 Bozen 36 59 9 70 5_ (13) (Nachdruck verboten.) Gertrude Mannering. Geſchichte eines Opfers. Nach dem Engliſchen bearbeitet von Louiſe Fogs. „Werde ſein Weib, gib ihm nach, noch iſt es Zeit, und vertraue im Uebrigen ihm“, wiederholte der böſe Geiſt. Mit einem plötzlichen entſchiedenen Entſchluß wies ihn Gerty ab. „O mein Gott, hilf mir! Kann ich denn eine Todſünde begehen und nachgeben, damit aus dem Böſen ſpäter Gutes werde?“ Und das Gebet in der Kloſtercapelle, wo ſie ſo ernſt gegen die „Verſuchung“ gebetet, trug ſeine Frucht; himmliſche Kraft ſtrömte in das ſchwache Mädchenherz. Sie beſchloß, ſchon morgen in aller Frühe zu entfliehen — ſie durfte Stanley nicht wiederſehen. Für heute ließ ſie ſich durch die nach ihr blickende Zofe entſchuldigen, ſie habe Kopfweh; für morgen Früh erbat ſie ſich eine Unterredung mit Lady Hunter. Dann entkleidete ſie ſich — ach, der liebe Ring, den ihr Stanley heute Früh gegeben — ſie küßte ihn und legte ihn dann entſchloſſen bei Seite. In ihrer Hand das kleine Inſtitutskreuz haltend, entſchlummerte Gerty zu jenem tiefen Schlafe der Erſchöpfung, wie er großen Erregungen zu- weilen folgt. Es war Tag und Lady Hunter ſaß an Gerty’s Bett, auf das Tiefſte und Schmerzlichſte erregt von dem, was ihr Gerty mittheilte. Sie, die Proteſtantin, konnte es nur halb verſtehen und erſchöpſte ſich in Gründen, Gerty zum Nachgeben zu bewegen. Aber, da ſie einerſeits Gerty’s tiefe glühende Liebe für Stanley längſt kannte und anderſeits deren ernſten Entſchluß der Entſagung unerſchütterlich fand, regte ſie dies bis in die Tiefen ihres Weſens auf. Niemals war ſie ſolchem Glauben bis jetzt begegnet, nie geahnt, daß die Reli- gion wirklich zu ſolchen Opfern befähigen könne. Dies war wie eine Offenbarung für ſie, wie ein Samenkorn, daß im Innern ihres Herzens keinem und ſproſſen und zu ſeiner Zeit Frucht tragen ſollte. Stanley war mit ſämmtlichen Herren früh zur Jagd geritten und die Lady begriff Gerty’s Wunſch, ihm nicht mehr zu begegnen. So wurde denn an Mr. Mannering telegraphirt, zu einem beſtimmten Zuge den Wagen an die Bahn zu ſenden, und Gerty begann dann die ſchwere Aufgabe, einige Zeilen an Stanley Graham zu ſchreiben, in denen ſie ihm ſeinen Ring zurückſandte. Es waren Worte inniger Dankbarkeit für ſeine ehrenvolle Offen- heit, Verſicherungen, daß Gerty zeitlebens für ihn beten werde. Eln kurzer Abſchied bei den Damen, die ziemlich verwirrt und erſtaunt waren ob Gerty’s plötzlicher Ab- reiſe, die Lady Hunter einem Unwohlſein zuſchrieb und der Beſorgniß von Gerty’s Vater um ſie — und dann rollten Lady Hunter und Gerty der Eiſenbahnſtation zu, von der ſie vor drei Tagen gekommen Erſt drei Tage — und ein Menſchenleben voll Glück und Leiden dazwiſchen — dachte Gerty. Ein kurzer thränenvoller Abſchied von der Lady — und Gerty eilte der Heimath zu. Die alte Haus- hälterin nahm ſie in Empfang — zu discret, um zu fragen, aber erſtaunt, ob der Veränderung, die in Gertys Geſichtsausdruck lag; ſie ſchien um ein Jahr- zehnt gereift in den wenigen Tagen. Mr. Mannering erwartete ſie am Fuße der Treppe; als ſie ihn umarmte, flüſterte ſie: „Papa, ich werde Dich nie mehr verlaſſen!“ — und droben im Zimmer ſank ſie auf einen Stuhl: alle Kraft, die ſie bis jetzt aufrecht gehalten, ſchien ſie plötzlich verlaſſen zu haben. Das Haupt an Mr. Mannering’s Bruſt ge- lehnt, die Arme um ſeinen Nacken, weinte ſie nun den zurückgehaltenen Schmerz aus, in troſtloſem Schluchzen; weinte aus ihr Leid über die verlorene Liebe, das ver- lorene Idol ihres Herzens. „Mein Liebling!“ — und der Vater ließ ſie weinen und ſtreichelte nur, wie er ’s früher ſo oft gethan, ihr ſchönes Haar, von dem er den Hut weg- geſchleudert und das nun in reicher Fülle gegen ſeine Schulter herabfiel. „Papa“, flüſterte ſie, als ſie etwas ruhiger ge- worden, „Du haſt für mich gebetet, Du und Vater Walmsley — oder — oder — ich hätte es nicht thun können, ich wäre zu ſchwach geweſen. Ich zittere, wenn ich an geſtern Abend denke — wenn ich’s noch mal erleben müßte.“ Und als die ſchluchzenden Worte ihr entſchlüpften, da wußte Mr. Mannering, welche Art von Kummer über ſeinen kleinen Sonnenſtrahl gekommen, ihn für immer verdunkelnd. Er wußte ungefähr, welche Ge- ſchichte ſein Liebling ihm ins Ohr flüſtern würde. (Fortſetzung folgt.) _ Druck, Herausgabe und Verlag von Ambr. Opitz, Wien. — Verantwortlicher Redacteur Hermann Hikiſch, Wien.

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grepect GmbH: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung. (2018-01-26T13:38:42Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Reichspost. Nr. 219, Wien, 26.09.1899, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_reichspost219_1899/10>, abgerufen am 19.07.2024.