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Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Erster Theil: Naturkunde der Liebe. Leipzig, 1798.

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Ein und zwanzigstes Kapitel.

Absonderung der Leidenschaft der Liebe von der Leidenschaft nach Vereinigung mit der Person, und nach ihrem ausschließenden Besitze.

Dieß sind Beyspiele von leidenschaftlichen Bestrebungen nach einzelnen Verhältnissen mit einer Person von verschiedenem Geschlechte; Verhältnissen, die zur Befriedigung einzelner Triebe der körperlichen Lüsternheit oder Seelenlüsternheit leidenschaftlich, d. h. mit Aufopferungen vieler Neigungen, begehrt werden, die für den kalten Menschen zum unentbehrlichen Wohlbestehen zu gehören scheinen.

Diese unterscheiden sich noch von der Leidenschaft nach dem Besitze der Person selbst.

Wenn wir bloß mit Leidenschaft streben, unsere körperliche Lüsternheit oder unsere Eitelkeit durch eine Person vom andern Geschlechte befriedigt zu sehen; so erscheint uns nicht die Person im Ganzen, sondern sie erscheint uns nur in dem besondern Verhältnisse, worin wir Genuß von ihr erwarten, oder bereits erhalten haben. Wir tragen das Bild einer Umarmung oder einer Auszeichnung mit uns herum. Von diesem Bilde werden wir besessen, und seiner Realisierung opfern wir so vieles auf.

Wir können aber auch den ausschließenden Besitz der Person selbst leidenschaftlich begehren, und dann verfolgt uns das Bild der gänzlichen Zueignung, des völligen, vollkommensten Angehörens. Es ist nicht mehr ein particuläres Verhältniß, in welches wir mit der Person zu kommen suchen; ihr ganzes Wesen macht den Gegenstand unserer Sehnsucht aus.

Ein und zwanzigstes Kapitel.

Absonderung der Leidenschaft der Liebe von der Leidenschaft nach Vereinigung mit der Person, und nach ihrem ausschließenden Besitze.

Dieß sind Beyspiele von leidenschaftlichen Bestrebungen nach einzelnen Verhältnissen mit einer Person von verschiedenem Geschlechte; Verhältnissen, die zur Befriedigung einzelner Triebe der körperlichen Lüsternheit oder Seelenlüsternheit leidenschaftlich, d. h. mit Aufopferungen vieler Neigungen, begehrt werden, die für den kalten Menschen zum unentbehrlichen Wohlbestehen zu gehören scheinen.

Diese unterscheiden sich noch von der Leidenschaft nach dem Besitze der Person selbst.

Wenn wir bloß mit Leidenschaft streben, unsere körperliche Lüsternheit oder unsere Eitelkeit durch eine Person vom andern Geschlechte befriedigt zu sehen; so erscheint uns nicht die Person im Ganzen, sondern sie erscheint uns nur in dem besondern Verhältnisse, worin wir Genuß von ihr erwarten, oder bereits erhalten haben. Wir tragen das Bild einer Umarmung oder einer Auszeichnung mit uns herum. Von diesem Bilde werden wir besessen, und seiner Realisierung opfern wir so vieles auf.

Wir können aber auch den ausschließenden Besitz der Person selbst leidenschaftlich begehren, und dann verfolgt uns das Bild der gänzlichen Zueignung, des völligen, vollkommensten Angehörens. Es ist nicht mehr ein particuläres Verhältniß, in welches wir mit der Person zu kommen suchen; ihr ganzes Wesen macht den Gegenstand unserer Sehnsucht aus.

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[324/0324] Ein und zwanzigstes Kapitel. Absonderung der Leidenschaft der Liebe von der Leidenschaft nach Vereinigung mit der Person, und nach ihrem ausschließenden Besitze. Dieß sind Beyspiele von leidenschaftlichen Bestrebungen nach einzelnen Verhältnissen mit einer Person von verschiedenem Geschlechte; Verhältnissen, die zur Befriedigung einzelner Triebe der körperlichen Lüsternheit oder Seelenlüsternheit leidenschaftlich, d. h. mit Aufopferungen vieler Neigungen, begehrt werden, die für den kalten Menschen zum unentbehrlichen Wohlbestehen zu gehören scheinen. Diese unterscheiden sich noch von der Leidenschaft nach dem Besitze der Person selbst. Wenn wir bloß mit Leidenschaft streben, unsere körperliche Lüsternheit oder unsere Eitelkeit durch eine Person vom andern Geschlechte befriedigt zu sehen; so erscheint uns nicht die Person im Ganzen, sondern sie erscheint uns nur in dem besondern Verhältnisse, worin wir Genuß von ihr erwarten, oder bereits erhalten haben. Wir tragen das Bild einer Umarmung oder einer Auszeichnung mit uns herum. Von diesem Bilde werden wir besessen, und seiner Realisierung opfern wir so vieles auf. Wir können aber auch den ausschließenden Besitz der Person selbst leidenschaftlich begehren, und dann verfolgt uns das Bild der gänzlichen Zueignung, des völligen, vollkommensten Angehörens. Es ist nicht mehr ein particuläres Verhältniß, in welches wir mit der Person zu kommen suchen; ihr ganzes Wesen macht den Gegenstand unserer Sehnsucht aus.

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Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Erster Theil: Naturkunde der Liebe. Leipzig, 1798, S. 324. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus01_1798/324>, abgerufen am 20.04.2021.