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Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798.

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vergessen machten, und diesem Ausdrucke hat Ninon gewiß hauptsächlich die heftige Sensation verdanken müssen, die sie noch in späten Jahren auf die Sinnlichkeit der Jugend gemacht hat.

So wichtig die Sorge für unser Aeußeres ist, so sehr hat man sich zu hüten, nicht in Coquetterie und Ziererey zu verfallen. Es ist nichts, was so leicht Ekel erweckt, als das Alter, das im Anzuge, im Anstande, im ganzen Betragen sich der Jugend gleich stellt; es ist nichts, was den guten Geschmack so leicht beleidigt, als wenn jede Mode, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich für die individuelle Person paßt, unbedingt mitgemacht wird. Eine übertriebene Sorge für den Anzug und den Putz, die Verlust an Zeit und Vermögen nach sich zieht, verträgt sich in keinem Alter mit einer edlen Denkungsart, und das sicherste Mittel, lächerlich zu werden, ist dieß, Ansprüche in unserm Aeußeren anzukündigen, die mit dem Charakter unserer Gestalt, unserer Seele und unserer Verhältnisse streiten!

Siebentes Kapitel.

Mittel, um immer interessant und wichtig zu bleiben.

Es ist den Liebenden hoher Genuß, das Unglück das dem einen von ihnen widerfährt, gemeinschaftlich zu tragen, und sich zu einem Schicksale zu verbinden. Aber es kann unserm Herzen auch zu viel aufgelegt werden, und das Gefühl, den Verbündeten immer leidend, immer trauernd zu sehen, erkältet leicht das Streben nach Vereinigung der Wesen, wenn gleich unsere Pflicht uns fernerhin

vergessen machten, und diesem Ausdrucke hat Ninon gewiß hauptsächlich die heftige Sensation verdanken müssen, die sie noch in späten Jahren auf die Sinnlichkeit der Jugend gemacht hat.

So wichtig die Sorge für unser Aeußeres ist, so sehr hat man sich zu hüten, nicht in Coquetterie und Ziererey zu verfallen. Es ist nichts, was so leicht Ekel erweckt, als das Alter, das im Anzuge, im Anstande, im ganzen Betragen sich der Jugend gleich stellt; es ist nichts, was den guten Geschmack so leicht beleidigt, als wenn jede Mode, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich für die individuelle Person paßt, unbedingt mitgemacht wird. Eine übertriebene Sorge für den Anzug und den Putz, die Verlust an Zeit und Vermögen nach sich zieht, verträgt sich in keinem Alter mit einer edlen Denkungsart, und das sicherste Mittel, lächerlich zu werden, ist dieß, Ansprüche in unserm Aeußeren anzukündigen, die mit dem Charakter unserer Gestalt, unserer Seele und unserer Verhältnisse streiten!

Siebentes Kapitel.

Mittel, um immer interessant und wichtig zu bleiben.

Es ist den Liebenden hoher Genuß, das Unglück das dem einen von ihnen widerfährt, gemeinschaftlich zu tragen, und sich zu einem Schicksale zu verbinden. Aber es kann unserm Herzen auch zu viel aufgelegt werden, und das Gefühl, den Verbündeten immer leidend, immer trauernd zu sehen, erkältet leicht das Streben nach Vereinigung der Wesen, wenn gleich unsere Pflicht uns fernerhin

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[364/0364] vergessen machten, und diesem Ausdrucke hat Ninon gewiß hauptsächlich die heftige Sensation verdanken müssen, die sie noch in späten Jahren auf die Sinnlichkeit der Jugend gemacht hat. So wichtig die Sorge für unser Aeußeres ist, so sehr hat man sich zu hüten, nicht in Coquetterie und Ziererey zu verfallen. Es ist nichts, was so leicht Ekel erweckt, als das Alter, das im Anzuge, im Anstande, im ganzen Betragen sich der Jugend gleich stellt; es ist nichts, was den guten Geschmack so leicht beleidigt, als wenn jede Mode, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich für die individuelle Person paßt, unbedingt mitgemacht wird. Eine übertriebene Sorge für den Anzug und den Putz, die Verlust an Zeit und Vermögen nach sich zieht, verträgt sich in keinem Alter mit einer edlen Denkungsart, und das sicherste Mittel, lächerlich zu werden, ist dieß, Ansprüche in unserm Aeußeren anzukündigen, die mit dem Charakter unserer Gestalt, unserer Seele und unserer Verhältnisse streiten! Siebentes Kapitel. Mittel, um immer interessant und wichtig zu bleiben. Es ist den Liebenden hoher Genuß, das Unglück das dem einen von ihnen widerfährt, gemeinschaftlich zu tragen, und sich zu einem Schicksale zu verbinden. Aber es kann unserm Herzen auch zu viel aufgelegt werden, und das Gefühl, den Verbündeten immer leidend, immer trauernd zu sehen, erkältet leicht das Streben nach Vereinigung der Wesen, wenn gleich unsere Pflicht uns fernerhin

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Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798, S. 364. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798/364>, abgerufen am 15.04.2021.