Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 1. Göttingen, 1748.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Geschichte
Ehre; da ich Sie so liebe, als nie Frauenzimmer
einander geliebet haben; und da Sie mir Erlaub-
niß gegeben haben, Sorge und Liebe mit Jhnen
zu theilen; und schon mehrere Jahre (wenigstens
kann man sie in einen so jungen Alter mehrere
nennen) einen Platz in der ersten Classe Jhrer
Freundinnen gegönnet haben, Jhrer ewig danck-
baren und ergebensten

Anna Howe.

P. S. Wollen Sie mir die Gefälligkeit erzeigen,
mir eine Abschrifft des Eingangs zu den in Jh-
res Groß-Vaters letzten Willen Jhrentwegen ge-
machten Clausuln zu übersenden? und mir erlau-
ben solche meiner Base Harman zu schicken? Sie
ist sehr begierig diesen Eingang zu sehen. Jedoch
ist sie von Jhuen so eingenommen, daß ob Sie
ihr gleich von Person unbekannt sind, sie doch
schon zum voraus billiget, daß Jhr Groß-Va-
ter Sie vorzüglich vor andern bedacht hat, ohne
die Ursachen noch zur Zeit zu wissen, die ihn hie-
zu bewogen haben.



Zweyter Brief
von
Fräulein Clarissa Harlowe an Fräulein
Howe.

Wie überhäuffen Sie mich mit einer rechten
Last von Höflichkeit! Jch kan zwar an Jh-

rer

Die Geſchichte
Ehre; da ich Sie ſo liebe, als nie Frauenzimmer
einander geliebet haben; und da Sie mir Erlaub-
niß gegeben haben, Sorge und Liebe mit Jhnen
zu theilen; und ſchon mehrere Jahre (wenigſtens
kann man ſie in einen ſo jungen Alter mehrere
nennen) einen Platz in der erſten Claſſe Jhrer
Freundinnen gegoͤnnet haben, Jhrer ewig danck-
baren und ergebenſten

Anna Howe.

P. S. Wollen Sie mir die Gefaͤlligkeit erzeigen,
mir eine Abſchrifft des Eingangs zu den in Jh-
res Groß-Vaters letzten Willen Jhrentwegen ge-
machten Clauſuln zu uͤberſenden? und mir erlau-
ben ſolche meiner Baſe Harman zu ſchicken? Sie
iſt ſehr begierig dieſen Eingang zu ſehen. Jedoch
iſt ſie von Jhuen ſo eingenommen, daß ob Sie
ihr gleich von Perſon unbekannt ſind, ſie doch
ſchon zum voraus billiget, daß Jhr Groß-Va-
ter Sie vorzuͤglich vor andern bedacht hat, ohne
die Urſachen noch zur Zeit zu wiſſen, die ihn hie-
zu bewogen haben.



Zweyter Brief
von
Fraͤulein Clariſſa Harlowe an Fraͤulein
Howe.

Wie uͤberhaͤuffen Sie mich mit einer rechten
Laſt von Hoͤflichkeit! Jch kan zwar an Jh-

rer
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0026" n="6"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b"><hi rendition="#g">Die Ge&#x017F;chichte</hi></hi></fw><lb/>
Ehre; da ich Sie &#x017F;o liebe, als nie Frauenzimmer<lb/>
einander geliebet haben; und da Sie mir Erlaub-<lb/>
niß gegeben haben, Sorge und Liebe mit Jhnen<lb/>
zu theilen; und &#x017F;chon mehrere Jahre (wenig&#x017F;tens<lb/>
kann man &#x017F;ie in einen &#x017F;o jungen Alter mehrere<lb/>
nennen) einen Platz in der er&#x017F;ten Cla&#x017F;&#x017F;e Jhrer<lb/>
Freundinnen gego&#x0364;nnet haben, Jhrer ewig danck-<lb/>
baren und ergeben&#x017F;ten</p><lb/>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#et"> <hi rendition="#b">Anna Howe.</hi> </hi> </salute>
          </closer><lb/>
          <postscript>
            <p><hi rendition="#b"><hi rendition="#aq">P. S.</hi></hi> Wollen Sie mir die Gefa&#x0364;lligkeit erzeigen,<lb/>
mir eine Ab&#x017F;chrifft des Eingangs zu den in Jh-<lb/>
res Groß-Vaters letzten Willen Jhrentwegen ge-<lb/>
machten Clau&#x017F;uln zu u&#x0364;ber&#x017F;enden? und mir erlau-<lb/>
ben &#x017F;olche meiner Ba&#x017F;e <hi rendition="#fr">Harman</hi> zu &#x017F;chicken? Sie<lb/>
i&#x017F;t &#x017F;ehr begierig die&#x017F;en Eingang zu &#x017F;ehen. Jedoch<lb/>
i&#x017F;t &#x017F;ie von Jhuen &#x017F;o eingenommen, daß ob Sie<lb/>
ihr gleich von Per&#x017F;on unbekannt &#x017F;ind, &#x017F;ie doch<lb/>
&#x017F;chon zum voraus billiget, daß Jhr Groß-Va-<lb/>
ter Sie vorzu&#x0364;glich vor andern bedacht hat, ohne<lb/>
die Ur&#x017F;achen noch zur Zeit zu wi&#x017F;&#x017F;en, die ihn hie-<lb/>
zu bewogen haben.</p>
          </postscript>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#fr">Zweyter Brief</hi><lb/>
von<lb/><hi rendition="#fr">Fra&#x0364;ulein Clari&#x017F;&#x017F;a Harlowe an Fra&#x0364;ulein<lb/>
Howe.</hi></head><lb/>
          <dateline> <hi rendition="#et">Harlowburg den 13. Jan.</hi> </dateline><lb/>
          <p><hi rendition="#in">W</hi>ie u&#x0364;berha&#x0364;uffen Sie mich mit einer rechten<lb/>
La&#x017F;t von Ho&#x0364;flichkeit! Jch kan zwar an Jh-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">rer</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[6/0026] Die Geſchichte Ehre; da ich Sie ſo liebe, als nie Frauenzimmer einander geliebet haben; und da Sie mir Erlaub- niß gegeben haben, Sorge und Liebe mit Jhnen zu theilen; und ſchon mehrere Jahre (wenigſtens kann man ſie in einen ſo jungen Alter mehrere nennen) einen Platz in der erſten Claſſe Jhrer Freundinnen gegoͤnnet haben, Jhrer ewig danck- baren und ergebenſten Anna Howe. P. S. Wollen Sie mir die Gefaͤlligkeit erzeigen, mir eine Abſchrifft des Eingangs zu den in Jh- res Groß-Vaters letzten Willen Jhrentwegen ge- machten Clauſuln zu uͤberſenden? und mir erlau- ben ſolche meiner Baſe Harman zu ſchicken? Sie iſt ſehr begierig dieſen Eingang zu ſehen. Jedoch iſt ſie von Jhuen ſo eingenommen, daß ob Sie ihr gleich von Perſon unbekannt ſind, ſie doch ſchon zum voraus billiget, daß Jhr Groß-Va- ter Sie vorzuͤglich vor andern bedacht hat, ohne die Urſachen noch zur Zeit zu wiſſen, die ihn hie- zu bewogen haben. Zweyter Brief von Fraͤulein Clariſſa Harlowe an Fraͤulein Howe. Harlowburg den 13. Jan. Wie uͤberhaͤuffen Sie mich mit einer rechten Laſt von Hoͤflichkeit! Jch kan zwar an Jh- rer

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa01_1748
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa01_1748/26
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 1. Göttingen, 1748, S. 6. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa01_1748/26>, abgerufen am 17.05.2021.