Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751.

Bild:
<< vorherige Seite


Und so habe ich dir nach dem Bericht der gu-
ten Frauen wieder erzählet, was seit meiner Ab-
wesenheit bis auf diesen Abend vorgefallen ist.

Mich verlangt nach dem morgenden Tage,
damit ich sie sehen möge: und gleichwohl ist es
ein so trauriges Verlangen, als ich niemals em-
pfunden habe und nicht zu beschreiben weiß.


Jch war eine halbe Stunde nach sieben in Smi-
thens Hause. Sie erzählten mir, daß die
Fräulein sich nach St. Dunstans Kirche tragen
lassen, aber sich besser befände, als an einem von
den beyden vorhergehenden Tagen, und, wie sie in
die Sänfte gestiegen wäre, zu der Fr. Lovick und
Fr. Smithinn gesagt hätte: Jch habe Jhnen,
meine liebe Freundinnen, wegen meines verdries-
lichen Gesprächs von gestern, Abends, viele Ent-
schuldigung zu machen.

Wo mir nicht aufs neue etwas begegnet, Fr.
Lovick, sprach sie mit Lächeln, das mich in Unord-
nung bringet: so glaube ich, werden meine Lebens-
geister ganz rein aushalten.

Sie kam alsobald nach der Bethstunde wie-
der zu Hause.

Herr Belford, sagte sie, als sie in den hintern
Laden, wo ich war, hineintrat und ich ihr entgegen
ging, es ist mir sehr lieb, daß ich sie sehe. Sie
haben ihrem armen Freunde einen liebreichen letz-
ten Dienst erwiesen. Es ist nicht lange, daß sie
eben das bey einem nahen Anverwandten gethan.

Kommt
L 4


Und ſo habe ich dir nach dem Bericht der gu-
ten Frauen wieder erzaͤhlet, was ſeit meiner Ab-
weſenheit bis auf dieſen Abend vorgefallen iſt.

Mich verlangt nach dem morgenden Tage,
damit ich ſie ſehen moͤge: und gleichwohl iſt es
ein ſo trauriges Verlangen, als ich niemals em-
pfunden habe und nicht zu beſchreiben weiß.


Jch war eine halbe Stunde nach ſieben in Smi-
thens Hauſe. Sie erzaͤhlten mir, daß die
Fraͤulein ſich nach St. Dunſtans Kirche tragen
laſſen, aber ſich beſſer befaͤnde, als an einem von
den beyden vorhergehenden Tagen, und, wie ſie in
die Saͤnfte geſtiegen waͤre, zu der Fr. Lovick und
Fr. Smithinn geſagt haͤtte: Jch habe Jhnen,
meine liebe Freundinnen, wegen meines verdries-
lichen Geſpraͤchs von geſtern, Abends, viele Ent-
ſchuldigung zu machen.

Wo mir nicht aufs neue etwas begegnet, Fr.
Lovick, ſprach ſie mit Laͤcheln, das mich in Unord-
nung bringet: ſo glaube ich, werden meine Lebens-
geiſter ganz rein aushalten.

Sie kam alſobald nach der Bethſtunde wie-
der zu Hauſe.

Herr Belford, ſagte ſie, als ſie in den hintern
Laden, wo ich war, hineintrat und ich ihr entgegen
ging, es iſt mir ſehr lieb, daß ich ſie ſehe. Sie
haben ihrem armen Freunde einen liebreichen letz-
ten Dienſt erwieſen. Es iſt nicht lange, daß ſie
eben das bey einem nahen Anverwandten gethan.

Kommt
L 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0173" n="167"/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
            <p>Und &#x017F;o habe ich dir nach dem Bericht der gu-<lb/>
ten Frauen wieder erza&#x0364;hlet, was &#x017F;eit meiner Ab-<lb/>
we&#x017F;enheit bis auf die&#x017F;en Abend vorgefallen i&#x017F;t.</p><lb/>
            <p>Mich verlangt nach dem morgenden Tage,<lb/>
damit ich &#x017F;ie &#x017F;ehen mo&#x0364;ge: und gleichwohl i&#x017F;t es<lb/>
ein &#x017F;o trauriges Verlangen, als ich niemals em-<lb/>
pfunden habe und nicht zu be&#x017F;chreiben weiß.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <dateline> <hi rendition="#et">Dien&#x017F;tags, den 29ten Aug.</hi> </dateline><lb/>
            <p><hi rendition="#in">J</hi>ch war eine halbe Stunde nach &#x017F;ieben in Smi-<lb/>
thens Hau&#x017F;e. Sie erza&#x0364;hlten mir, daß die<lb/>
Fra&#x0364;ulein &#x017F;ich nach St. Dun&#x017F;tans Kirche tragen<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en, aber &#x017F;ich be&#x017F;&#x017F;er befa&#x0364;nde, als an einem von<lb/>
den beyden vorhergehenden Tagen, und, wie &#x017F;ie in<lb/>
die Sa&#x0364;nfte ge&#x017F;tiegen wa&#x0364;re, zu der Fr. Lovick und<lb/>
Fr. Smithinn ge&#x017F;agt ha&#x0364;tte: Jch habe Jhnen,<lb/>
meine liebe Freundinnen, wegen meines verdries-<lb/>
lichen Ge&#x017F;pra&#x0364;chs von ge&#x017F;tern, Abends, viele Ent-<lb/>
&#x017F;chuldigung zu machen.</p><lb/>
            <p>Wo mir nicht aufs neue etwas begegnet, Fr.<lb/>
Lovick, &#x017F;prach &#x017F;ie mit La&#x0364;cheln, das mich in Unord-<lb/>
nung bringet: &#x017F;o glaube ich, werden meine Lebens-<lb/>
gei&#x017F;ter ganz rein aushalten.</p><lb/>
            <p>Sie kam al&#x017F;obald nach der Beth&#x017F;tunde wie-<lb/>
der zu Hau&#x017F;e.</p><lb/>
            <p>Herr Belford, &#x017F;agte &#x017F;ie, als &#x017F;ie in den hintern<lb/>
Laden, wo ich war, hineintrat und ich ihr entgegen<lb/>
ging, es i&#x017F;t mir &#x017F;ehr lieb, daß ich &#x017F;ie &#x017F;ehe. Sie<lb/>
haben ihrem armen Freunde einen liebreichen letz-<lb/>
ten Dien&#x017F;t erwie&#x017F;en. Es i&#x017F;t nicht lange, daß &#x017F;ie<lb/>
eben das bey einem nahen Anverwandten gethan.<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">L 4</fw><fw place="bottom" type="catch">Kommt</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[167/0173] Und ſo habe ich dir nach dem Bericht der gu- ten Frauen wieder erzaͤhlet, was ſeit meiner Ab- weſenheit bis auf dieſen Abend vorgefallen iſt. Mich verlangt nach dem morgenden Tage, damit ich ſie ſehen moͤge: und gleichwohl iſt es ein ſo trauriges Verlangen, als ich niemals em- pfunden habe und nicht zu beſchreiben weiß. Dienſtags, den 29ten Aug. Jch war eine halbe Stunde nach ſieben in Smi- thens Hauſe. Sie erzaͤhlten mir, daß die Fraͤulein ſich nach St. Dunſtans Kirche tragen laſſen, aber ſich beſſer befaͤnde, als an einem von den beyden vorhergehenden Tagen, und, wie ſie in die Saͤnfte geſtiegen waͤre, zu der Fr. Lovick und Fr. Smithinn geſagt haͤtte: Jch habe Jhnen, meine liebe Freundinnen, wegen meines verdries- lichen Geſpraͤchs von geſtern, Abends, viele Ent- ſchuldigung zu machen. Wo mir nicht aufs neue etwas begegnet, Fr. Lovick, ſprach ſie mit Laͤcheln, das mich in Unord- nung bringet: ſo glaube ich, werden meine Lebens- geiſter ganz rein aushalten. Sie kam alſobald nach der Bethſtunde wie- der zu Hauſe. Herr Belford, ſagte ſie, als ſie in den hintern Laden, wo ich war, hineintrat und ich ihr entgegen ging, es iſt mir ſehr lieb, daß ich ſie ſehe. Sie haben ihrem armen Freunde einen liebreichen letz- ten Dienſt erwieſen. Es iſt nicht lange, daß ſie eben das bey einem nahen Anverwandten gethan. Kommt L 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/173
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 7. Göttingen, 1751, S. 167. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa07_1751/173>, abgerufen am 20.05.2024.