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Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

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lin aus Leutholds Leichenpredigt auf die Prin-
zeßinn Elisabeth Magdalena, eine Tochter
Churfürst Joachims II. welche als verwittwete
Herzoginn zu Braunschweig lange in Berlin
lebte, und 1595 starb, daß sich dieselbige schon
mit der Seidenwürmerzucht beschäftiget, und
also wahrscheinlich schon damals Maulbeerbäu-
me vorhanden gewesen. b) D. Andreas Liba-
vius pflanzte ihn 1599 zu Rothenburg an der
Tauber an, doch war dieses blos ein Versuch im
Kleinen. Er fand also, daß das Deutsche Clima
dem Maulbeerbaum nicht ganz ungünstig sey,
welches in neuern Zeiten der Abt Sauvages
noch näher bestimmt hat. Einen wichtigern
Schritt that hierinne der Churfürst von Maynz,
Johann Philipp, welcher zu Veytshochem der-
gleichen Pflanzungen ins größere unternahm,
wobey ihn die günstige Lage des Orts in Anse-
hung des Himmelstrichs unterstützte. Er leg-
te nicht nur mit Glück viel Maulbeerbäume an,
sondern munterte auch die Industrie auf, in-
dem er für diejenigen, und sonderlich für die
Bauerkinder, die die meiste Seide sammeln
würden, Preise aussetzte. c) Aehnliche An-

stalten
b) Die Geschichte des Seidenbaues überhaupt hat
uns H. D. Schreber im 1. Theil seiner Cam-
meralschriften S. 171. geliefert, und ich habe
sie hier in Ansehung Deutschlands auch mit ge-
braucht, allein ich vermisse darinne noch vieles
was Deutschland betrifft und sonderlich den
Fortgang des Geschäffts in den neuern Zeiten.
c) S. Schröters Fürstl. Schatz- und Rentk. p. 201.

lin aus Leutholds Leichenpredigt auf die Prin-
zeßinn Eliſabeth Magdalena, eine Tochter
Churfuͤrſt Joachims II. welche als verwittwete
Herzoginn zu Braunſchweig lange in Berlin
lebte, und 1595 ſtarb, daß ſich dieſelbige ſchon
mit der Seidenwuͤrmerzucht beſchaͤftiget, und
alſo wahrſcheinlich ſchon damals Maulbeerbaͤu-
me vorhanden geweſen. b) D. Andreas Liba-
vius pflanzte ihn 1599 zu Rothenburg an der
Tauber an, doch war dieſes blos ein Verſuch im
Kleinen. Er fand alſo, daß das Deutſche Clima
dem Maulbeerbaum nicht ganz unguͤnſtig ſey,
welches in neuern Zeiten der Abt Sauvages
noch naͤher beſtimmt hat. Einen wichtigern
Schritt that hierinne der Churfuͤrſt von Maynz,
Johann Philipp, welcher zu Veytshochem der-
gleichen Pflanzungen ins groͤßere unternahm,
wobey ihn die guͤnſtige Lage des Orts in Anſe-
hung des Himmelſtrichs unterſtuͤtzte. Er leg-
te nicht nur mit Gluͤck viel Maulbeerbaͤume an,
ſondern munterte auch die Induſtrie auf, in-
dem er fuͤr diejenigen, und ſonderlich fuͤr die
Bauerkinder, die die meiſte Seide ſammeln
wuͤrden, Preiſe ausſetzte. c) Aehnliche An-

ſtalten
b) Die Geſchichte des Seidenbaues uͤberhaupt hat
uns H. D. Schreber im 1. Theil ſeiner Cam-
meralſchriften S. 171. geliefert, und ich habe
ſie hier in Anſehung Deutſchlands auch mit ge-
braucht, allein ich vermiſſe darinne noch vieles
was Deutſchland betrifft und ſonderlich den
Fortgang des Geſchaͤffts in den neuern Zeiten.
c) S. Schroͤters Fuͤrſtl. Schatz- und Rentk. p. 201.
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[283/0309] lin aus Leutholds Leichenpredigt auf die Prin- zeßinn Eliſabeth Magdalena, eine Tochter Churfuͤrſt Joachims II. welche als verwittwete Herzoginn zu Braunſchweig lange in Berlin lebte, und 1595 ſtarb, daß ſich dieſelbige ſchon mit der Seidenwuͤrmerzucht beſchaͤftiget, und alſo wahrſcheinlich ſchon damals Maulbeerbaͤu- me vorhanden geweſen. b) D. Andreas Liba- vius pflanzte ihn 1599 zu Rothenburg an der Tauber an, doch war dieſes blos ein Verſuch im Kleinen. Er fand alſo, daß das Deutſche Clima dem Maulbeerbaum nicht ganz unguͤnſtig ſey, welches in neuern Zeiten der Abt Sauvages noch naͤher beſtimmt hat. Einen wichtigern Schritt that hierinne der Churfuͤrſt von Maynz, Johann Philipp, welcher zu Veytshochem der- gleichen Pflanzungen ins groͤßere unternahm, wobey ihn die guͤnſtige Lage des Orts in Anſe- hung des Himmelſtrichs unterſtuͤtzte. Er leg- te nicht nur mit Gluͤck viel Maulbeerbaͤume an, ſondern munterte auch die Induſtrie auf, in- dem er fuͤr diejenigen, und ſonderlich fuͤr die Bauerkinder, die die meiſte Seide ſammeln wuͤrden, Preiſe ausſetzte. c) Aehnliche An- ſtalten b) Die Geſchichte des Seidenbaues uͤberhaupt hat uns H. D. Schreber im 1. Theil ſeiner Cam- meralſchriften S. 171. geliefert, und ich habe ſie hier in Anſehung Deutſchlands auch mit ge- braucht, allein ich vermiſſe darinne noch vieles was Deutſchland betrifft und ſonderlich den Fortgang des Geſchaͤffts in den neuern Zeiten. c) S. Schroͤters Fuͤrſtl. Schatz- und Rentk. p. 201.

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Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 283. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/309>, abgerufen am 18.04.2021.