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Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603.

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Friederich/ in dem Hispanier Krieg gefangen war/ vnd aus
mitleiden gantz Teutschland schwartze Kleidung annahm[unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]
Fressen Korn/ Mist vnd Fleisch/ vnd bleiben gemeinlich Win-
ters zeit in den Stedten vnd Dörffern/ sind der Raben Gesel-
len.

Die vierten sind vnter diesen/ die allergrössesten vnd
sehwartzesten/ ruffen jmmer Kras, Kras, vnd werden inson-
derheit Corui, Raben vnd Kolckraben genant. Von diesen
sehreibt man.

I. Das sie an geringen örthen/ da nicht viel tod Viehe
oder Ases fellet/ keinen Raben mehr leiden wollen. Sondern
ein pahr bleibt daselbst nur allein/ vnd treibt die andern vber
zwo oder drey meil weges von dannen. Man findet aber den-
noch in grossen Stedten/ wol zwey oder drey pahr/ die auff den
hohen Türmen nisten.

II. Das sie einander nicht treten/ wie andere Vogel/
sondern durch den Mund sich mit einander vermischen vnd
besamen. Jtem/ die Eyer außspeien. Das auch vnter an-
dern Christophorus Enzelius schreibt. Jst aber ein vnnatür-
liche vnbedechtige meinung. Denn die Glieder sind nicht Jn-
strument zur Geburth der Eyer oder Kinder/ sondern zur er-
haltung der Eltern verordnet.

III. Wann sie jhre jungen außgehecket haben/ sollen sie
von denen wegk ziehen/ vnd die sieben tage verlassen. Wie
Plinius vnd Seruius schreiben/ aus angeborner vergessenheit/
das sie jhrer nicht mehr gedencken. Wie andere wollen/ aus
der vrsach/ das sie noch nicht schwartz sein/ sondern weiß. Dar-
umb halten sie die nicht für jhre rechte/ sondern vntergeschobe-
ne Kinder.

Daher ist in allen Büchern/ klage vber die Astorgiam
corui.
Das der Rabe/ so ein vnbarmhertziger Vater vnd
Mutter sey. Autor de natura rerum.

IIII. Jn

Friederich/ in dem Hiſpanier Krieg gefangen war/ vnd aus
mitleiden gantz Teutſchland ſchwartze Kleidung annahm[unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]
Freſſen Korn/ Miſt vnd Fleiſch/ vnd bleiben gemeinlich Win-
ters zeit in den Stedten vnd Doͤrffern/ ſind der Raben Geſel-
len.

Die vierten ſind vnter dieſen/ die allergroͤſſeſten vnd
ſehwartzeſten/ ruffen jmmer Kras, Kras, vnd werden inſon-
derheit Corui, Raben vnd Kolckraben genant. Von dieſen
ſehreibt man.

I. Das ſie an geringen oͤrthen/ da nicht viel tod Viehe
oder Aſes fellet/ keinen Raben mehr leiden wollen. Sondern
ein pahr bleibt daſelbſt nur allein/ vnd treibt die andern vber
zwo oder drey meil weges von dannen. Man findet aber den-
noch in groſſen Stedten/ wol zwey oder drey pahr/ die auff den
hohen Tuͤrmen niſten.

II. Das ſie einander nicht treten/ wie andere Vogel/
ſondern durch den Mund ſich mit einander vermiſchen vnd
beſamen. Jtem/ die Eyer außſpeien. Das auch vnter an-
dern Chriſtophorus Enzelius ſchreibt. Jſt aber ein vnnatuͤr-
liche vnbedechtige meinung. Denn die Glieder ſind nicht Jn-
ſtrument zur Geburth der Eyer oder Kinder/ ſondern zur er-
haltung der Eltern verordnet.

III. Wann ſie jhre jungen außgehecket haben/ ſollen ſie
von denen wegk ziehen/ vnd die ſieben tage verlaſſen. Wie
Plinius vnd Seruius ſchreiben/ aus angeborner vergeſſenheit/
das ſie jhrer nicht mehr gedencken. Wie andere wollen/ aus
der vrſach/ das ſie noch nicht ſchwartz ſein/ ſondern weiß. Dar-
umb halten ſie die nicht fuͤr jhre rechte/ ſondern vntergeſchobe-
ne Kinder.

Daher iſt in allen Buͤchern/ klage vber die Aſtorgiam
corui.
Das der Rabe/ ſo ein vnbarmhertziger Vater vnd
Mutter ſey. Autor de natura rerum.

IIII. Jn
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[274/0284] Friederich/ in dem Hiſpanier Krieg gefangen war/ vnd aus mitleiden gantz Teutſchland ſchwartze Kleidung annahm_ Freſſen Korn/ Miſt vnd Fleiſch/ vnd bleiben gemeinlich Win- ters zeit in den Stedten vnd Doͤrffern/ ſind der Raben Geſel- len. Die vierten ſind vnter dieſen/ die allergroͤſſeſten vnd ſehwartzeſten/ ruffen jmmer Kras, Kras, vnd werden inſon- derheit Corui, Raben vnd Kolckraben genant. Von dieſen ſehreibt man. I. Das ſie an geringen oͤrthen/ da nicht viel tod Viehe oder Aſes fellet/ keinen Raben mehr leiden wollen. Sondern ein pahr bleibt daſelbſt nur allein/ vnd treibt die andern vber zwo oder drey meil weges von dannen. Man findet aber den- noch in groſſen Stedten/ wol zwey oder drey pahr/ die auff den hohen Tuͤrmen niſten. II. Das ſie einander nicht treten/ wie andere Vogel/ ſondern durch den Mund ſich mit einander vermiſchen vnd beſamen. Jtem/ die Eyer außſpeien. Das auch vnter an- dern Chriſtophorus Enzelius ſchreibt. Jſt aber ein vnnatuͤr- liche vnbedechtige meinung. Denn die Glieder ſind nicht Jn- ſtrument zur Geburth der Eyer oder Kinder/ ſondern zur er- haltung der Eltern verordnet. III. Wann ſie jhre jungen außgehecket haben/ ſollen ſie von denen wegk ziehen/ vnd die ſieben tage verlaſſen. Wie Plinius vnd Seruius ſchreiben/ aus angeborner vergeſſenheit/ das ſie jhrer nicht mehr gedencken. Wie andere wollen/ aus der vrſach/ das ſie noch nicht ſchwartz ſein/ ſondern weiß. Dar- umb halten ſie die nicht fuͤr jhre rechte/ ſondern vntergeſchobe- ne Kinder. Daher iſt in allen Buͤchern/ klage vber die Aſtorgiam corui. Das der Rabe/ ſo ein vnbarmhertziger Vater vnd Mutter ſey. Autor de natura rerum. IIII. Jn

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Zitationshilfe: Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603, S. 274. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/284>, abgerufen am 25.02.2024.