Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 2. Berlin, 1842.

Bild:
<< vorherige Seite

N001
Nachdem wir das Wasser geschöpft hatten, kehr- N002
ten wir um, und fuhren auf demselben Wege wieder N003
zurück, auf welchem wir gekommen waren 1). Um N004
101/2 Uhr des 16. Octobers waren wir wieder im An- N005
gesicht von Tschetyre bugri, wo wir diessmal aber N006
nicht vorüber fuhren, sondern, um die Insel näher ken- N007
nen zu lernen, anlanden wollten. Wegen des flachen N008
Ufers konnte diess indessen nur mit Schwierigkeiten N009
bewerkstelligt werden. Das Dampfschiff konnte sich N010
dem Ufer nur bis auf eine Entfernung von 3 Wersten N011
nahen, hier mussten wir schon das Boot, und als auch N012
dieses sich nicht dem Ufer hinreichend nähern konnte, N013
noch ein kleineres Fischerboot besteigen, welches wir N014
glücklicherweise in der Nähe mit einigen Fischern N015
sahen, und zu Hülfe riefen, und welches uns nun we- N016
nigstens so weit brachte, dass die Fischer ins Wasser N017
steigen und uns einzeln ans Land tragen konnten.

N001
Die Insel ist wie alle übrigen an dem Ufer gröss- N002
tentheils mit Schilf bewachsen, weiterhin ist Gras- N003
wuchs. Das Gras war gemäht, und das Heu in ein- N004
zelnen Haufen zusammengethürmt und mit kleinen N005
Gräben und Staketen umgeben, um es vor dem umher N006
weidenden Viehe zu schützen. Hinter den Wiesen N007
erhebt sich ein höheres sandiges Plateau, das bis zur N008
südlichen Spitze der Insel reicht, wo der Leuchtthurm N009
und neben demselben einige hölzerne Häuser stehen. N010
Der Leuchtthurm ist ein sehr altes baufälliges, höl- N011
zernes, sechseckiges, nach oben etwas spitz zulaufen- N012
des Gebäude, das durch grosse Taue, welche von der

[footnote-continued reference] [footnote reference]
[footnote-continued reference] N001
wald bemerkt, sehr auffallend von der des schwarzen Meeres, denn N002
hier finden sich Hayfische, Rochen und Schollen, die in dem Kaspi- N003
schen Meere gar nicht vorkommen. Dieser Umstand redet einer N004
früher statt gehabten Verbindung des kaspischen und schwarzen Mee- N005
res, die man häufig angenommen hat und annimmt, nicht das Wort.
[footnote reference] N001
1) In der Morgendämmerung sahen wir einen Seehund öfter N002
auftauchen.

N001
Nachdem wir das Wasser geschöpft hatten, kehr- N002
ten wir um, und fuhren auf demselben Wege wieder N003
zurück, auf welchem wir gekommen waren 1). Um N004
10½ Uhr des 16. Octobers waren wir wieder im An- N005
gesicht von Tschetyre bugri, wo wir diessmal aber N006
nicht vorüber fuhren, sondern, um die Insel näher ken- N007
nen zu lernen, anlanden wollten. Wegen des flachen N008
Ufers konnte diess indessen nur mit Schwierigkeiten N009
bewerkstelligt werden. Das Dampfschiff konnte sich N010
dem Ufer nur bis auf eine Entfernung von 3 Wersten N011
nahen, hier mussten wir schon das Boot, und als auch N012
dieses sich nicht dem Ufer hinreichend nähern konnte, N013
noch ein kleineres Fischerboot besteigen, welches wir N014
glücklicherweise in der Nähe mit einigen Fischern N015
sahen, und zu Hülfe riefen, und welches uns nun we- N016
nigstens so weit brachte, dass die Fischer ins Wasser N017
steigen und uns einzeln ans Land tragen konnten.

N001
Die Insel ist wie alle übrigen an dem Ufer gröss- N002
tentheils mit Schilf bewachsen, weiterhin ist Gras- N003
wuchs. Das Gras war gemäht, und das Heu in ein- N004
zelnen Haufen zusammengethürmt und mit kleinen N005
Gräben und Staketen umgeben, um es vor dem umher N006
weidenden Viehe zu schützen. Hinter den Wiesen N007
erhebt sich ein höheres sandiges Plateau, das bis zur N008
südlichen Spitze der Insel reicht, wo der Leuchtthurm N009
und neben demselben einige hölzerne Häuser stehen. N010
Der Leuchtthurm ist ein sehr altes baufälliges, höl- N011
zernes, sechseckiges, nach oben etwas spitz zulaufen- N012
des Gebäude, das durch grosse Taue, welche von der

[footnote-continued reference] [footnote reference]
[footnote-continued reference] N001
wald bemerkt, sehr auffallend von der des schwarzen Meeres, denn N002
hier finden sich Hayfische, Rochen und Schollen, die in dem Kaspi- N003
schen Meere gar nicht vorkommen. Dieser Umstand redet einer N004
früher statt gehabten Verbindung des kaspischen und schwarzen Mee- N005
res, die man häufig angenommen hat und annimmt, nicht das Wort.
[footnote reference] N001
1) In der Morgendämmerung sahen wir einen Seehund öfter N002
auftauchen.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb facs="#f0338" xml:id="img_0336" n="320"/>
        <p><lb n="N001"/>
Nachdem wir das Wasser geschöpft hatten, kehr-             <lb n="N002"/>
ten wir um, und fuhren auf demselben Wege wieder             <lb n="N003"/>
zurück, auf welchem wir gekommen waren 1). Um <lb n="N004"/>
10½ Uhr des 16. Octobers waren wir wieder im An-             <lb n="N005"/>
gesicht von Tschetyre bugri, wo wir diessmal aber             <lb n="N006"/>
nicht vorüber fuhren, sondern, um die Insel näher ken-             <lb n="N007"/>
nen zu lernen, anlanden wollten. Wegen des flachen             <lb n="N008"/>
Ufers konnte diess indessen nur mit Schwierigkeiten             <lb n="N009"/>
bewerkstelligt werden. Das Dampfschiff konnte sich             <lb n="N010"/>
dem Ufer nur bis auf eine Entfernung von 3 Wersten             <lb n="N011"/>
nahen, hier mussten wir schon das Boot, und als auch             <lb n="N012"/>
dieses sich nicht dem Ufer hinreichend nähern konnte,             <lb n="N013"/>
noch ein kleineres Fischerboot besteigen, welches wir             <lb n="N014"/>
glücklicherweise in der Nähe mit einigen Fischern             <lb n="N015"/>
sahen, und zu Hülfe riefen, und welches uns nun we-             <lb n="N016"/>
nigstens so weit brachte, dass die Fischer ins Wasser             <lb n="N017"/>
steigen und uns einzeln ans Land tragen konnten.</p>
        <p><lb n="N001"/>
Die Insel ist wie alle übrigen an dem Ufer gröss-             <lb n="N002"/>
tentheils mit Schilf bewachsen, weiterhin ist Gras-             <lb n="N003"/>
wuchs. Das Gras war gemäht, und das Heu in ein-             <lb n="N004"/>
zelnen Haufen zusammengethürmt und mit kleinen             <lb n="N005"/>
Gräben und Staketen umgeben, um es vor dem umher             <lb n="N006"/>
weidenden Viehe zu schützen. Hinter den Wiesen             <lb n="N007"/>
erhebt sich ein höheres sandiges Plateau, das bis zur             <lb n="N008"/>
südlichen Spitze der Insel reicht, wo der Leuchtthurm             <lb n="N009"/>
und neben demselben einige hölzerne Häuser stehen.             <lb n="N010"/>
Der Leuchtthurm ist ein sehr altes baufälliges, höl-             <lb n="N011"/>
zernes, sechseckiges, nach oben etwas spitz zulaufen-             <lb n="N012"/>
des Gebäude, das durch grosse Taue, welche von der</p>
        <note place="foot" n="[footnote-continued reference]"><lb n="N001"/>
wald bemerkt, sehr auffallend von der des schwarzen Meeres, denn             <lb n="N002"/>
hier finden sich Hayfische, Rochen und Schollen, die in dem Kaspi-             <lb n="N003"/>
schen Meere gar nicht vorkommen. Dieser Umstand redet einer             <lb n="N004"/>
früher statt gehabten Verbindung des kaspischen und schwarzen Mee-             <lb n="N005"/>
res, die man häufig angenommen hat und annimmt, nicht das Wort.</note>
        <note place="foot" n="[footnote reference]"><lb n="N001"/>
1) In der Morgendämmerung sahen wir einen Seehund öfter <lb n="N002"/>
auftauchen.</note>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[320/0338] N001 Nachdem wir das Wasser geschöpft hatten, kehr- N002 ten wir um, und fuhren auf demselben Wege wieder N003 zurück, auf welchem wir gekommen waren 1). Um N004 10½ Uhr des 16. Octobers waren wir wieder im An- N005 gesicht von Tschetyre bugri, wo wir diessmal aber N006 nicht vorüber fuhren, sondern, um die Insel näher ken- N007 nen zu lernen, anlanden wollten. Wegen des flachen N008 Ufers konnte diess indessen nur mit Schwierigkeiten N009 bewerkstelligt werden. Das Dampfschiff konnte sich N010 dem Ufer nur bis auf eine Entfernung von 3 Wersten N011 nahen, hier mussten wir schon das Boot, und als auch N012 dieses sich nicht dem Ufer hinreichend nähern konnte, N013 noch ein kleineres Fischerboot besteigen, welches wir N014 glücklicherweise in der Nähe mit einigen Fischern N015 sahen, und zu Hülfe riefen, und welches uns nun we- N016 nigstens so weit brachte, dass die Fischer ins Wasser N017 steigen und uns einzeln ans Land tragen konnten. N001 Die Insel ist wie alle übrigen an dem Ufer gröss- N002 tentheils mit Schilf bewachsen, weiterhin ist Gras- N003 wuchs. Das Gras war gemäht, und das Heu in ein- N004 zelnen Haufen zusammengethürmt und mit kleinen N005 Gräben und Staketen umgeben, um es vor dem umher N006 weidenden Viehe zu schützen. Hinter den Wiesen N007 erhebt sich ein höheres sandiges Plateau, das bis zur N008 südlichen Spitze der Insel reicht, wo der Leuchtthurm N009 und neben demselben einige hölzerne Häuser stehen. N010 Der Leuchtthurm ist ein sehr altes baufälliges, höl- N011 zernes, sechseckiges, nach oben etwas spitz zulaufen- N012 des Gebäude, das durch grosse Taue, welche von der [footnote-continued reference] [footnote reference] [footnote-continued reference] N001 wald bemerkt, sehr auffallend von der des schwarzen Meeres, denn N002 hier finden sich Hayfische, Rochen und Schollen, die in dem Kaspi- N003 schen Meere gar nicht vorkommen. Dieser Umstand redet einer N004 früher statt gehabten Verbindung des kaspischen und schwarzen Mee- N005 res, die man häufig angenommen hat und annimmt, nicht das Wort. [footnote reference] N001 1) In der Morgendämmerung sahen wir einen Seehund öfter N002 auftauchen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

OCR-D: Bereitstellung der Texttranskription. (2019-10-24T14:59:58Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig, Dennis Dietrich, Christian Thomas: Bearbeitung der digitalen Edition. (2019-10-24T14:59:58Z)

Weitere Informationen:

Verfahren der Texterfassung: OCR ohne Nachkorrektur.

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.ocr-d.de/gt_guidelines formulierten Richtlinien und wurde in Richtung des Zielformats DTABf angepasst. Der Textinhalt einzelner Tabellen wurde von der OCR nur teilweise erfasst.

Weitere Textphänomene wurden wie folgt behandelt:

  • Bogensignaturen: gekennzeichnet;
  • Druckfehler: dokumentiert;
  • fremdsprachliches Material: nicht gekennzeichnet;
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): gekennzeichnet;
  • langes s (ſ): als s transkribiert;
  • Normalisierungen: dokumentiert;
  • Seitenumbrüche markiert: ja;
  • Silbentrennung: wie Vorlage;
  • Vollständigkeit: vollständig erfasst;
  • Zeichensetzung: wie Vorlage;
  • Zeilenumbrüche markiert: ja;

Die Faksimiles der Karten, #f0631 bis #f0634, stammen aus dem Digitalisat der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, Werks-URN (URL): https://www.digi-hub.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:kobv:11-d-6431605.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/rose_ural02_1842
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/rose_ural02_1842/338
Zitationshilfe: Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 2. Berlin, 1842, S. 320. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rose_ural02_1842/338>, abgerufen am 14.08.2022.