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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 1. Salzburg, 1686.

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Ad Lectorem.

LIeber vnd Günstiger Leser/ allhier stöll ich dir vor Augen
den saubern Lebens-Wandl deß Iscariothischen Bößwichts/ wel-
chen ich auß vnderschidlichen Authoribus mit sonderm Fleiß gezo-
gen/ maistens aber hat mir gedient der gelehrte Jacobus a Vora-
gine,
wie auch andere Authentisierte Rabiner/ derer Schrifften
mir auß der Kayserlichen Bibliotech vor etlich Jahren zu lesen vergonnt wor-
den. In disem Ersten Thail hab ich vnderschidliche Geschicht vnd Gedicht ne-
ben andern Sittlichen Lehrs-Puncten eingemischt/ wessenthalben ich gar wol
glauben will/ daß einige ernsthaffte Catones oder Platones über etliche hierin-
begriffene Zeil die Nasen rumpffen werden/ vorgebend/ daß sehr vngereimbt/
der Dagon zu dem Göttlichen Bunds-Kasten/ die Fablen zu dem Göttlichen
Wort gesellet werden. Dißfalls mag ich mich gar nit mehr entschuldigen mit
dem H. Gregorio Turonensi lib. 2. mit Belluacensi in Spect. Moral. Part. 3.
lib. 13. Dist.
10. mit Stengelio, Cornelio, Drexelio, welche öffters auch die
Fablen gebraucht/ sonder mein GOtt/ als ein genauer Gemüths-Erforscher
waiß es/ was gestalten ich zu keinem andern Zihl vnd End dergleichen Ding
habe eingemengt/ als daß ich die jetzige/ mehresten Thails schämlose vnd
z[ä]hmlose Welt zu dem Guten locke/ welche sich nit anderst/ als durch derglei-
chen Keder fangen lasset: Seye ihm wie ihm woll/ daß Petrus auß dem Meer
einen Fisch mit dem Angl herauß gezogen/ in dessen Maul er ein paares Gelt
gefunden/ glaub ich gar gern: daß er aber nit habe ein Mucken/ oder Wür-
mel angekedert/ glaub ich nit; wer will es dann mir für ein Vnfug tauffen/
daß ich bißweilen Mucken vnd Grillen in meine Schrifften menge/ wormit ich
nur suche einige zu fischen. Daß aber diser Erste Thail gar spath sich an das
Liecht gewagt/ ist maistens Ursach der vnglückliche Verlurst viler meiner
Schrifften/ auch ist diser derenthalben so vnformlich abgekürtzt worden/ weil
mich der Gehorsamb wegen Religions-Geschäfften anderwerts verhindert.
Hoffe aber/ der Andere Thail werde dem Leser etwann mehrere Begnügung
laisten. Vive & vale, & pro me Peccatore precare.

CEN-
)( )(

Ad Lectorem.

LIeber vnd Guͤnſtiger Leſer/ allhier ſtoͤll ich dir vor Augen
den ſaubern Lebens-Wandl deß Iſcariothiſchen Boͤßwichts/ wel-
chen ich auß vnderſchidlichen Authoribus mit ſonderm Fleiß gezo-
gen/ maiſtens aber hat mir gedient der gelehrte Jacobus à Vora-
gine,
wie auch andere Authentiſierte Rabiner/ derer Schrifften
mir auß der Kayſerlichen Bibliotech vor etlich Jahren zu leſen vergonnt wor-
den. In diſem Erſten Thail hab ich vnderſchidliche Geſchicht vnd Gedicht ne-
ben andern Sittlichen Lehrs-Puncten eingemiſcht/ weſſenthalben ich gar wol
glauben will/ daß einige ernſthaffte Catones oder Platones uͤber etliche hierin-
begriffene Zeil die Naſen rumpffen werden/ vorgebend/ daß ſehr vngereimbt/
der Dagon zu dem Goͤttlichen Bunds-Kaſten/ die Fablen zu dem Goͤttlichen
Wort geſellet werden. Dißfalls mag ich mich gar nit mehr entſchuldigen mit
dem H. Gregorio Turonenſi lib. 2. mit Belluacenſi in Spect. Moral. Part. 3.
lib. 13. Diſt.
10. mit Stengelio, Cornelio, Drexelio, welche oͤffters auch die
Fablen gebraucht/ ſonder mein GOtt/ als ein genauer Gemuͤths-Erforſcher
waiß es/ was geſtalten ich zu keinem andern Zihl vnd End dergleichen Ding
habe eingemengt/ als daß ich die jetzige/ mehreſten Thails ſchaͤmloſe vnd
z[aͤ]hmloſe Welt zu dem Guten locke/ welche ſich nit anderſt/ als durch derglei-
chen Keder fangen laſſet: Seye ihm wie ihm woll/ daß Petrus auß dem Meer
einen Fiſch mit dem Angl herauß gezogen/ in deſſen Maul er ein paares Gelt
gefunden/ glaub ich gar gern: daß er aber nit habe ein Mucken/ oder Wuͤr-
mel angekedert/ glaub ich nit; wer will es dann mir fuͤr ein Vnfug tauffen/
daß ich bißweilen Mucken vnd Grillen in meine Schrifften menge/ wormit ich
nur ſuche einige zu fiſchen. Daß aber diſer Erſte Thail gar ſpath ſich an das
Liecht gewagt/ iſt maiſtens Urſach der vngluͤckliche Verlurſt viler meiner
Schrifften/ auch iſt diſer derenthalben ſo vnformlich abgekuͤrtzt worden/ weil
mich der Gehorſamb wegen Religions-Geſchaͤfften anderwerts verhindert.
Hoffe aber/ der Andere Thail werde dem Leſer etwann mehrere Begnuͤgung
laiſten. Vive & vale, & pro me Peccatore precare.

CEN-
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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 1. Salzburg, 1686, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas01_1686/17>, abgerufen am 25.02.2024.