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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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obschon das äusserliche Werck nit übel geschienen.
Absolom hat sich derenthalben also gedemüthiget/ damit er das
Volck auf sein Seiten bringe/ und der Ehrgeitzige Gesell desto
leichter zu der Cron gelange/ wie er dann solcher Gestalten ein
allgemeinen Aufstand in dem gantzen Königreich erweckt hat.
P. Desiderius ist etliche Jahr im Closter/ verricht alle Observantz
und Ordens-Satzungen/ ist neben seiner grossen Scientz und Wis-
senschafft so demüthig/ daß er mit dem aller geringsten Geistlichen
gern umbgehet/ es ist ihme wol nichts/ oder gar wenig auszustel-
len: Jch glaube auch der Mann sammle ihme einen grossen Schatz
im Himmel. Es geschicht aber zuweilen/ daß die Meinung weit
anderst im Hertzen/ als das äusserliche Werck an sich selbst zeigt.
Wann P. Desiderius sich derenthalben so wol hält/ sich darumben
so demüthiget/ damit er einmal durch einhellige Stimm zu der
Praelatur möge steigen und erhoben werden/ wann er/ P. Deside-
rius, desidero desiderat Praelaturam,
und das Ascende Superius
bey dem Evangelisten Luc. am 14. Cap. erwartet/ so dann ist all
sein Demuth nicht ein Heller werth/ diese böse Meinung stürtzt das
gantze Werck.

Das Predigen ist gleichsam ein Göttliches Werck/ und ver-
dienen die Apostolische Männer/ so mit sonderm Eifer dem Volck
das Wort GOttes vorgetragen/ ein grosse Vergeltung und Cron
im Himmel. Der rechte Schächer Dismas hat so unverhofft ein
Lad-Schreiben bekommen von dem Heyland JESU/ welcher
ihme noch selben Tag das Paradeiß versprochen/ was muß der
Mensch doch haben guts gethan? das ist sattsam bekannt/ daß er
sein Lebenlang ein Ertz-Schelm und lasterhaffter Böswicht gewe-
sen/ dort auf dem Creutz/ auf welches er/ als auf einem wolver-
dienten Galgen gehenckt worden/ hat er die Füß nicht können brau-
chen zum Wallfahrten gehen/ dort hat er die Händ nicht frey ge-
habt/ wormit er etwan denen Krancken im Spittal hätte können
dienen/ dort hat er weder Geld noch andere Mittel gehabt/ die
er unter die Arme hätte können haustheilen/ dort hat er nicht Zeit
oder Gelegenheit gehabt den Leib mit harten Cilicien zu casteyen;

was
Pars IV. V

obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen.
Abſolom hat ſich derenthalben alſo gedemuͤthiget/ damit er das
Volck auf ſein Seiten bringe/ und der Ehrgeitzige Geſell deſto
leichter zu der Cron gelange/ wie er dann ſolcher Geſtalten ein
allgemeinen Aufſtand in dem gantzen Koͤnigreich erweckt hat.
P. Deſiderius iſt etliche Jahr im Cloſter/ verricht alle Obſervantz
und Ordens-Satzungen/ iſt neben ſeiner groſſen Scientz und Wiſ-
ſenſchafft ſo demuͤthig/ daß er mit dem aller geringſten Geiſtlichen
gern umbgehet/ es iſt ihme wol nichts/ oder gar wenig auszuſtel-
len: Jch glaube auch der Mann ſammle ihme einen groſſen Schatz
im Himmel. Es geſchicht aber zuweilen/ daß die Meinung weit
anderſt im Hertzen/ als das aͤuſſerliche Werck an ſich ſelbſt zeigt.
Wann P. Deſiderius ſich derenthalben ſo wol haͤlt/ ſich darumben
ſo demuͤthiget/ damit er einmal durch einhellige Stimm zu der
Prælatur moͤge ſteigen und erhoben werden/ wann er/ P. Deſide-
rius, deſidero deſiderat Prælaturam,
und das Aſcende Superius
bey dem Evangeliſten Luc. am 14. Cap. erwartet/ ſo dann iſt all
ſein Demuth nicht ein Heller werth/ dieſe boͤſe Meinung ſtuͤrtzt das
gantze Werck.

Das Predigen iſt gleichſam ein Goͤttliches Werck/ und ver-
dienen die Apoſtoliſche Maͤnner/ ſo mit ſonderm Eifer dem Volck
das Wort GOttes vorgetragen/ ein groſſe Vergeltung und Cron
im Himmel. Der rechte Schaͤcher Diſmas hat ſo unverhofft ein
Lad-Schreiben bekommen von dem Heyland JESU/ welcher
ihme noch ſelben Tag das Paradeiß verſprochen/ was muß der
Menſch doch haben guts gethan? das iſt ſattſam bekannt/ daß er
ſein Lebenlang ein Ertz-Schelm und laſterhaffter Boͤswicht gewe-
ſen/ dort auf dem Creutz/ auf welches er/ als auf einem wolver-
dienten Galgen gehenckt worden/ hat er die Fuͤß nicht koͤnnen brau-
chen zum Wallfahrten gehen/ dort hat er die Haͤnd nicht frey ge-
habt/ wormit er etwan denen Krancken im Spittal haͤtte koͤnnen
dienen/ dort hat er weder Geld noch andere Mittel gehabt/ die
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oder Gelegenheit gehabt den Leib mit harten Cilicien zu caſteyen;

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Pars IV. V
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[153/0165] obſchon das aͤuſſerliche Werck nit uͤbel geſchienen. Abſolom hat ſich derenthalben alſo gedemuͤthiget/ damit er das Volck auf ſein Seiten bringe/ und der Ehrgeitzige Geſell deſto leichter zu der Cron gelange/ wie er dann ſolcher Geſtalten ein allgemeinen Aufſtand in dem gantzen Koͤnigreich erweckt hat. P. Deſiderius iſt etliche Jahr im Cloſter/ verricht alle Obſervantz und Ordens-Satzungen/ iſt neben ſeiner groſſen Scientz und Wiſ- ſenſchafft ſo demuͤthig/ daß er mit dem aller geringſten Geiſtlichen gern umbgehet/ es iſt ihme wol nichts/ oder gar wenig auszuſtel- len: Jch glaube auch der Mann ſammle ihme einen groſſen Schatz im Himmel. Es geſchicht aber zuweilen/ daß die Meinung weit anderſt im Hertzen/ als das aͤuſſerliche Werck an ſich ſelbſt zeigt. Wann P. Deſiderius ſich derenthalben ſo wol haͤlt/ ſich darumben ſo demuͤthiget/ damit er einmal durch einhellige Stimm zu der Prælatur moͤge ſteigen und erhoben werden/ wann er/ P. Deſide- rius, deſidero deſiderat Prælaturam, und das Aſcende Superius bey dem Evangeliſten Luc. am 14. Cap. erwartet/ ſo dann iſt all ſein Demuth nicht ein Heller werth/ dieſe boͤſe Meinung ſtuͤrtzt das gantze Werck. Das Predigen iſt gleichſam ein Goͤttliches Werck/ und ver- dienen die Apoſtoliſche Maͤnner/ ſo mit ſonderm Eifer dem Volck das Wort GOttes vorgetragen/ ein groſſe Vergeltung und Cron im Himmel. Der rechte Schaͤcher Diſmas hat ſo unverhofft ein Lad-Schreiben bekommen von dem Heyland JESU/ welcher ihme noch ſelben Tag das Paradeiß verſprochen/ was muß der Menſch doch haben guts gethan? das iſt ſattſam bekannt/ daß er ſein Lebenlang ein Ertz-Schelm und laſterhaffter Boͤswicht gewe- ſen/ dort auf dem Creutz/ auf welches er/ als auf einem wolver- dienten Galgen gehenckt worden/ hat er die Fuͤß nicht koͤnnen brau- chen zum Wallfahrten gehen/ dort hat er die Haͤnd nicht frey ge- habt/ wormit er etwan denen Krancken im Spittal haͤtte koͤnnen dienen/ dort hat er weder Geld noch andere Mittel gehabt/ die er unter die Arme haͤtte koͤnnen haustheilen/ dort hat er nicht Zeit oder Gelegenheit gehabt den Leib mit harten Cilicien zu caſteyen; was Pars IV. V

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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 153. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/165>, abgerufen am 17.06.2021.