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Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657.

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Johannis Angeli
196. GOtt hat alle Nahmen/ und keinen.
Man kan den höchsten Gott mit allen Nahmen nennen:
Man kan jhm widerumb nicht einen zu erkennen.
197. GOtt ist nichts und alles.
GOtt der ist nichts und alls ohn alle deutelei: (sey?
Dann nenn was daß Er ist? auch was daß Er nicht
198. Christus ist unser Muster.
Mensch wenn du dich wilt GOtt zum Tempel aufer-
bauen/
Mustu daß rechte Maß an Christo dir abschauen.
199. Der Lieb gegenwurf.
Der Liebe gegen-wurff ists höchste Gutt allein:
Liebt sie was ausser dem/ so muß sie Närrisch sein.
200. Was man liebt/ in daß verwandelt
man sich auß S. Augustino.
Mensch was du liebst in daß wirstu verwandelt werden
GOtt wirstu liebstu GOtt/ und Erde liebstu Erden.
201. Die wolgeordnete Liebe.
Liebstu GOtt über dich/ den Nächsten wie dein Leben/
Was sonst ist/ unter dir: so liebstu recht und eben.
202. Die Vereinigung mit GOtt ma-
chet alles Edeler.
Krist alles was du thust/ muß dir zu Golde werden:
Wo dus Vereinigest mit Christi thun auf Erden.
203. Der Welt Mensch ist Verblendt.
Mensch thu die Augen auf/ der Himmel steht ja offen:
Du hast dieh mit der Welt/ wo dus nicht siehst besoffen.
204. GOtt ist güttiger als wir vermeinen.
GOtt ist so gut auf unß/ daß ichs nicht sagen kan:
Begehren wir Jhn gleich nicht/ er bieth sich selber an.
205. Auf.
Johannis Angeli
196. GOtt hat alle Nahmen/ uñ keinen.
Man kan den hoͤchſten Gott mit allen Nahmen neñen:
Man kan jhm widerumb nicht einen zu erkennen.
197. GOtt iſt nichts und alles.
GOtt der iſt nichts und alls ohn alle deutelei: (ſey?
Dann nenn was daß Er iſt? auch was daß Er nicht
198. Chriſtus iſt unſer Muſter.
Menſch wenn du dich wilt GOtt zum Tempel aufer-
bauen/
Muſtu daß rechte Maß an Chriſto dir abſchauen.
199. Der Lieb gegenwurf.
Der Liebe gegen-wurff iſts hoͤchſte Gutt allein:
Liebt ſie was auſſer dem/ ſo muß ſie Naͤrriſch ſein.
200. Was man liebt/ in daß verwandelt
man ſich auß S. Auguſtino.
Menſch was du liebſt in daß wirſtu verwandelt werdẽ
GOtt wirſtu liebſtu GOtt/ und Erde liebſtu Erden.
201. Die wolgeordnete Liebe.
Liebſtu GOtt uͤber dich/ den Naͤchſten wie dein Leben/
Was ſonſt iſt/ unter dir: ſo liebſtu recht und eben.
202. Die Vereinigung mit GOtt ma-
chet alles Edeler.
Kriſt alles was du thuſt/ muß dir zu Golde werden:
Wo dus Vereinigeſt mit Chriſti thun auf Erden.
203. Der Welt Menſch iſt Verblendt.
Menſch thu die Augen auf/ der Himmel ſteht ja offen:
Du haſt dieh mit der Welt/ wo dus nicht ſiehſt beſoffẽ.
204. GOtt iſt guͤttiger als wir vermeinẽ.
GOtt iſt ſo gut auf unß/ daß ichs nicht ſagen kan:
Begehren wir Jhn gleich nicht/ er bieth ſich ſelber an.
205. Auf.
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[172[170]/0176] Johannis Angeli 196. GOtt hat alle Nahmen/ uñ keinen. Man kan den hoͤchſten Gott mit allen Nahmen neñen: Man kan jhm widerumb nicht einen zu erkennen. 197. GOtt iſt nichts und alles. GOtt der iſt nichts und alls ohn alle deutelei: (ſey? Dann nenn was daß Er iſt? auch was daß Er nicht 198. Chriſtus iſt unſer Muſter. Menſch wenn du dich wilt GOtt zum Tempel aufer- bauen/ Muſtu daß rechte Maß an Chriſto dir abſchauen. 199. Der Lieb gegenwurf. Der Liebe gegen-wurff iſts hoͤchſte Gutt allein: Liebt ſie was auſſer dem/ ſo muß ſie Naͤrriſch ſein. 200. Was man liebt/ in daß verwandelt man ſich auß S. Auguſtino. Menſch was du liebſt in daß wirſtu verwandelt werdẽ GOtt wirſtu liebſtu GOtt/ und Erde liebſtu Erden. 201. Die wolgeordnete Liebe. Liebſtu GOtt uͤber dich/ den Naͤchſten wie dein Leben/ Was ſonſt iſt/ unter dir: ſo liebſtu recht und eben. 202. Die Vereinigung mit GOtt ma- chet alles Edeler. Kriſt alles was du thuſt/ muß dir zu Golde werden: Wo dus Vereinigeſt mit Chriſti thun auf Erden. 203. Der Welt Menſch iſt Verblendt. Menſch thu die Augen auf/ der Himmel ſteht ja offen: Du haſt dieh mit der Welt/ wo dus nicht ſiehſt beſoffẽ. 204. GOtt iſt guͤttiger als wir vermeinẽ. GOtt iſt ſo gut auf unß/ daß ichs nicht ſagen kan: Begehren wir Jhn gleich nicht/ er bieth ſich ſelber an. 205. Auf.

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Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Geistreiche Sinn- vnd Schlussrime. Wien, 1657, S. 172[170]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_schlussrime_1657/176>, abgerufen am 22.02.2024.