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Storm, Theodor: Bötjer Basch. Berlin, 1887.

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weiter, aber es war kein so fröhlicher Gang mehr wie vorher; die Musik von Frau Line's lebensfrischer Stimme fehlte. - Wenn Fritz in seiner Klippschule saß und um neun Uhr Vormittags auch die Arbeitsfrau sich entfernt hatte, dann lag das lange Vorderhaus wie ausgestorben; es rührte sich nichts mehr darin, zumal wenn dann auch zur Frühstückszeit im Pesel und auf dem Hof die Arbeit ruhte und Meister und Gesell sich auf der Schnitzbank oder kleinen Fässern schweigend gegenüber saßen und ihr Stückchen Brot verzehrten. Es war, als ob beide nach der Stille lauschten, die vorne in dem todten Hause herrschte. Fiel dort von den Wänden etwa ein Stückchen Kalk mit leisem Geräusch zu Boden, dann flog es wohl auf einen Augenblick wie ein Leuchten über des Meisters Angesicht; war ihm doch, als sei der leichte Fußtritt seiner Line ihm ins Ohr gedrungen, aber er wischte es bald mit seiner harten Hand wieder fort. Einmal hatte sich die Nachbarskatze in die dämmerige nach einem engen Gang belegene Küche eingeschlichen; so heimlich sie auch schlich, es kam doch ein Geräusch von da

weiter, aber es war kein so fröhlicher Gang mehr wie vorher; die Musik von Frau Line’s lebensfrischer Stimme fehlte. – Wenn Fritz in seiner Klippschule saß und um neun Uhr Vormittags auch die Arbeitsfrau sich entfernt hatte, dann lag das lange Vorderhaus wie ausgestorben; es rührte sich nichts mehr darin, zumal wenn dann auch zur Frühstückszeit im Pesel und auf dem Hof die Arbeit ruhte und Meister und Gesell sich auf der Schnitzbank oder kleinen Fässern schweigend gegenüber saßen und ihr Stückchen Brot verzehrten. Es war, als ob beide nach der Stille lauschten, die vorne in dem todten Hause herrschte. Fiel dort von den Wänden etwa ein Stückchen Kalk mit leisem Geräusch zu Boden, dann flog es wohl auf einen Augenblick wie ein Leuchten über des Meisters Angesicht; war ihm doch, als sei der leichte Fußtritt seiner Line ihm ins Ohr gedrungen, aber er wischte es bald mit seiner harten Hand wieder fort. Einmal hatte sich die Nachbarskatze in die dämmerige nach einem engen Gang belegene Küche eingeschlichen; so heimlich sie auch schlich, es kam doch ein Geräusch von da

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[22/0022] weiter, aber es war kein so fröhlicher Gang mehr wie vorher; die Musik von Frau Line’s lebensfrischer Stimme fehlte. – Wenn Fritz in seiner Klippschule saß und um neun Uhr Vormittags auch die Arbeitsfrau sich entfernt hatte, dann lag das lange Vorderhaus wie ausgestorben; es rührte sich nichts mehr darin, zumal wenn dann auch zur Frühstückszeit im Pesel und auf dem Hof die Arbeit ruhte und Meister und Gesell sich auf der Schnitzbank oder kleinen Fässern schweigend gegenüber saßen und ihr Stückchen Brot verzehrten. Es war, als ob beide nach der Stille lauschten, die vorne in dem todten Hause herrschte. Fiel dort von den Wänden etwa ein Stückchen Kalk mit leisem Geräusch zu Boden, dann flog es wohl auf einen Augenblick wie ein Leuchten über des Meisters Angesicht; war ihm doch, als sei der leichte Fußtritt seiner Line ihm ins Ohr gedrungen, aber er wischte es bald mit seiner harten Hand wieder fort. Einmal hatte sich die Nachbarskatze in die dämmerige nach einem engen Gang belegene Küche eingeschlichen; so heimlich sie auch schlich, es kam doch ein Geräusch von da

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Zitationshilfe: Storm, Theodor: Bötjer Basch. Berlin, 1887, S. 22. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/storm_basch_1887/22>, abgerufen am 15.07.2024.