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Storm, Theodor: Bötjer Basch. Berlin, 1887.

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einander in die Werkstatt, und Meister Daniel nahm wieder sein Handwerkszeug und machte sich schweigend an die Arbeit.

Erst wenn nach elf Uhr die Glocke der Straßenthür schellte und Fritz, aus der Schule kommend, durch den engen Flur nach dem Pesel stürzte, kam wieder Leben in das Haus und in den alten Meister. Der Gesell stand dann am Herd, um die kleine Mahlzeit zu bereiten, Vater und Sohn aber gingen in den Garten und zu Fritzens Beeten. War hie und da eine Knospe an einer Blume aufgegangen, dann grub er sie unbarmherzig aus, und am Feierabend ging er mit seinem Vater nach dem Kirchhof und pflanzte sie auf Mutters Grab. "Sie sieht es doch, Vater?" frug er dann. Der Alte nickte: "Das hoffen wir, mein liebes Kind."

Aber die Welt war so voll andern Dingen und viele davon waren so vergnüglich: Hunde und Katzen, Marmel und Haselnüsse, Pflaumen und Kirschen; der Junge konnte doch nicht immer an seine todte Mutter denken. Einmal in der Dämmerstunde, da er mit seinem Vater im Garten

einander in die Werkstatt, und Meister Daniel nahm wieder sein Handwerkszeug und machte sich schweigend an die Arbeit.

Erst wenn nach elf Uhr die Glocke der Straßenthür schellte und Fritz, aus der Schule kommend, durch den engen Flur nach dem Pesel stürzte, kam wieder Leben in das Haus und in den alten Meister. Der Gesell stand dann am Herd, um die kleine Mahlzeit zu bereiten, Vater und Sohn aber gingen in den Garten und zu Fritzens Beeten. War hie und da eine Knospe an einer Blume aufgegangen, dann grub er sie unbarmherzig aus, und am Feierabend ging er mit seinem Vater nach dem Kirchhof und pflanzte sie auf Mutters Grab. „Sie sieht es doch, Vater?“ frug er dann. Der Alte nickte: „Das hoffen wir, mein liebes Kind.“

Aber die Welt war so voll andern Dingen und viele davon waren so vergnüglich: Hunde und Katzen, Marmel und Haselnüsse, Pflaumen und Kirschen; der Junge konnte doch nicht immer an seine todte Mutter denken. Einmal in der Dämmerstunde, da er mit seinem Vater im Garten

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[24/0024] einander in die Werkstatt, und Meister Daniel nahm wieder sein Handwerkszeug und machte sich schweigend an die Arbeit. Erst wenn nach elf Uhr die Glocke der Straßenthür schellte und Fritz, aus der Schule kommend, durch den engen Flur nach dem Pesel stürzte, kam wieder Leben in das Haus und in den alten Meister. Der Gesell stand dann am Herd, um die kleine Mahlzeit zu bereiten, Vater und Sohn aber gingen in den Garten und zu Fritzens Beeten. War hie und da eine Knospe an einer Blume aufgegangen, dann grub er sie unbarmherzig aus, und am Feierabend ging er mit seinem Vater nach dem Kirchhof und pflanzte sie auf Mutters Grab. „Sie sieht es doch, Vater?“ frug er dann. Der Alte nickte: „Das hoffen wir, mein liebes Kind.“ Aber die Welt war so voll andern Dingen und viele davon waren so vergnüglich: Hunde und Katzen, Marmel und Haselnüsse, Pflaumen und Kirschen; der Junge konnte doch nicht immer an seine todte Mutter denken. Einmal in der Dämmerstunde, da er mit seinem Vater im Garten

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Zitationshilfe: Storm, Theodor: Bötjer Basch. Berlin, 1887, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/storm_basch_1887/24>, abgerufen am 15.07.2024.