Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Treviranus, Gottfried Reinhold: Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte. Bd. 2. Göttingen, 1803.

Bild:
<< vorherige Seite

aufzuweisen hat. Aber diese steht auch der vege-
tabilischen Bildung näher, als irgend eine andere
Familie der Phytozoen.

§. 3.

Wir haben also zwey formelle Bedingungen
des Lebens gefunden, die einander in den mannich-
faltigsten Verhältnissen auf der Erde entgegenge-
setzt sind. Entspricht jedem dieser verschiedenen
Verhältnisse bey gleichen materiellen Bedingungen
ein eigenes lebendes Gebilde, was bedarf es denn
weiter noch, als blos dieser materiellen Bedingungen,
um alle ursprüngliche Mannichfaltigkeit der leben-
den Natur zu erklären? Wir sagen, ursprüng-
liche
: denn mit dem Entstehen der ersten leben-
den Körper mussten auch neue formelle Bedingun-
gen des Lebens eintreten, wodurch die Organi-
sation der folgenden Generationen abgeändert
wurde.

Vergleichen wir Länder, die sich unter glei-
chen Breiten, obgleich noch so verschiedenen Gra-
den der Länge befinden, und wo keine locale Ursa-
chen den Grad der Wärme und des Lichts abän-
dern, so finden wir in der That auch viele Gründe
für diese Vermuthung. So liegen z. B. Philadelphia
und Peking unter einer gleichen Breite und an den-
selben Seiten von Amerika und Asien, nehmlich
den östlichen. An beyden Orten sind die Winter

kalt,
Ee 2

aufzuweisen hat. Aber diese steht auch der vege-
tabilischen Bildung näher, als irgend eine andere
Familie der Phytozoen.

§. 3.

Wir haben also zwey formelle Bedingungen
des Lebens gefunden, die einander in den mannich-
faltigsten Verhältnissen auf der Erde entgegenge-
setzt sind. Entspricht jedem dieser verschiedenen
Verhältnisse bey gleichen materiellen Bedingungen
ein eigenes lebendes Gebilde, was bedarf es denn
weiter noch, als blos dieser materiellen Bedingungen,
um alle ursprüngliche Mannichfaltigkeit der leben-
den Natur zu erklären? Wir sagen, ursprüng-
liche
: denn mit dem Entstehen der ersten leben-
den Körper muſsten auch neue formelle Bedingun-
gen des Lebens eintreten, wodurch die Organi-
sation der folgenden Generationen abgeändert
wurde.

Vergleichen wir Länder, die sich unter glei-
chen Breiten, obgleich noch so verschiedenen Gra-
den der Länge befinden, und wo keine locale Ursa-
chen den Grad der Wärme und des Lichts abän-
dern, so finden wir in der That auch viele Gründe
für diese Vermuthung. So liegen z. B. Philadelphia
und Peking unter einer gleichen Breite und an den-
selben Seiten von Amerika und Asien, nehmlich
den östlichen. An beyden Orten sind die Winter

kalt,
Ee 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <p><pb facs="#f0445" n="435"/>
aufzuweisen hat. Aber diese steht auch der vege-<lb/>
tabilischen Bildung näher, als irgend eine andere<lb/>
Familie der Phytozoen.</p>
              </div><lb/>
              <div n="5">
                <head>§. 3.</head><lb/>
                <p>Wir haben also zwey formelle Bedingungen<lb/>
des Lebens gefunden, die einander in den mannich-<lb/>
faltigsten Verhältnissen auf der Erde entgegenge-<lb/>
setzt sind. Entspricht jedem dieser verschiedenen<lb/>
Verhältnisse bey gleichen materiellen Bedingungen<lb/>
ein eigenes lebendes Gebilde, was bedarf es denn<lb/>
weiter noch, als blos dieser materiellen Bedingungen,<lb/>
um alle ursprüngliche Mannichfaltigkeit der leben-<lb/>
den Natur zu erklären? Wir sagen, <hi rendition="#g">ursprüng-<lb/>
liche</hi>: denn mit dem Entstehen der ersten leben-<lb/>
den Körper mu&#x017F;sten auch neue formelle Bedingun-<lb/>
gen des Lebens eintreten, wodurch die Organi-<lb/>
sation der folgenden Generationen abgeändert<lb/>
wurde.</p><lb/>
                <p>Vergleichen wir Länder, die sich unter glei-<lb/>
chen Breiten, obgleich noch so verschiedenen Gra-<lb/>
den der Länge befinden, und wo keine locale Ursa-<lb/>
chen den Grad der Wärme und des Lichts abän-<lb/>
dern, so finden wir in der That auch viele Gründe<lb/>
für diese Vermuthung. So liegen z. B. Philadelphia<lb/>
und Peking unter einer gleichen Breite und an den-<lb/>
selben Seiten von Amerika und Asien, nehmlich<lb/>
den östlichen. An beyden Orten sind die Winter<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#g">Ee</hi> 2</fw><fw place="bottom" type="catch">kalt,</fw><lb/></p>
              </div>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[435/0445] aufzuweisen hat. Aber diese steht auch der vege- tabilischen Bildung näher, als irgend eine andere Familie der Phytozoen. §. 3. Wir haben also zwey formelle Bedingungen des Lebens gefunden, die einander in den mannich- faltigsten Verhältnissen auf der Erde entgegenge- setzt sind. Entspricht jedem dieser verschiedenen Verhältnisse bey gleichen materiellen Bedingungen ein eigenes lebendes Gebilde, was bedarf es denn weiter noch, als blos dieser materiellen Bedingungen, um alle ursprüngliche Mannichfaltigkeit der leben- den Natur zu erklären? Wir sagen, ursprüng- liche: denn mit dem Entstehen der ersten leben- den Körper muſsten auch neue formelle Bedingun- gen des Lebens eintreten, wodurch die Organi- sation der folgenden Generationen abgeändert wurde. Vergleichen wir Länder, die sich unter glei- chen Breiten, obgleich noch so verschiedenen Gra- den der Länge befinden, und wo keine locale Ursa- chen den Grad der Wärme und des Lichts abän- dern, so finden wir in der That auch viele Gründe für diese Vermuthung. So liegen z. B. Philadelphia und Peking unter einer gleichen Breite und an den- selben Seiten von Amerika und Asien, nehmlich den östlichen. An beyden Orten sind die Winter kalt, Ee 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/treviranus_biologie02_1803
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/treviranus_biologie02_1803/445
Zitationshilfe: Treviranus, Gottfried Reinhold: Biologie, oder Philosophie der lebenden Natur für Naturforscher und Ärzte. Bd. 2. Göttingen, 1803, S. 435. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/treviranus_biologie02_1803/445>, abgerufen am 11.04.2021.