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[N. N.]: Der vollkommene rechtschaffene Welt-Mann. Frankfurt (Main), 1680.

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Welt-Mann.
Regul.
Wann man ein Land mit Krieg ü-
berzeucht/ muß man/ wann man
kan/ alsofort vor die Haupt Stadt
rücken/ an statt daß man sich
vor andern Vestungen
auffhält.

UBer diß/ daß so eine kühne That unsern
Waffen eine Reputation zuwege brin-
get/ und den Feinden eine Furcht einjaget/
so ist gewiß/ daß die ansehnlichste Stadt von
einer Herrschafft gemeiniglich alle die an-
dern Städte nach sich ins Verderben
schleppet. Nichts destoweniger kan man
antworten/ daß wann die Soldaten den
Krieg durch eine langweilige und gefähr-
liche Belägerung anheben/ sie nicht so hitzig
seynd/ als wann man sie erst vor Festungen
geführet hätte/ die sie leicht hätten einneh-
men können. Uber diß/ daß wann man eine
grosse feste Stadt belägert/ man sich gleich-
sam wieder belägert befindet von allen den
andern/ deren man sich nicht bemeistert
hat/ und von dannen man so viel Ungele-
genheit bekommt/ als man Vortheil wür-

de
G 4
Welt-Mann.
Regul.
Wann man ein Land mit Krieg ü-
berzeucht/ muß man/ wann man
kan/ alſofort vor die Haupt Stadt
ruͤcken/ an ſtatt daß man ſich
vor andern Veſtungen
auffhaͤlt.

UBer diß/ daß ſo eine kuͤhne That unſern
Waffen eine Reputation zuwege brin-
get/ und den Feinden eine Furcht einjaget/
ſo iſt gewiß/ daß die anſehnlichſte Stadt võ
einer Herrſchafft gemeiniglich alle die an-
dern Staͤdte nach ſich ins Verderben
ſchleppet. Nichts deſtoweniger kan man
antworten/ daß wann die Soldaten den
Krieg durch eine langweilige und gefaͤhr-
liche Belaͤgerung anheben/ ſie nicht ſo hitzig
ſeynd/ als wann man ſie erſt vor Feſtungen
gefuͤhret haͤtte/ die ſie leicht haͤtten einneh-
men koͤnnen. Uber diß/ daß wann man eine
groſſe feſte Stadt belaͤgert/ man ſich gleich-
ſam wieder belaͤgert befindet von allen den
andern/ deren man ſich nicht bemeiſtert
hat/ und von dannen man ſo viel Ungele-
genheit bekommt/ als man Vortheil wuͤr-

de
G 4
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[151/0167] Welt-Mann. Regul. Wann man ein Land mit Krieg ü- berzeucht/ muß man/ wann man kan/ alſofort vor die Haupt Stadt ruͤcken/ an ſtatt daß man ſich vor andern Veſtungen auffhaͤlt. UBer diß/ daß ſo eine kuͤhne That unſern Waffen eine Reputation zuwege brin- get/ und den Feinden eine Furcht einjaget/ ſo iſt gewiß/ daß die anſehnlichſte Stadt võ einer Herrſchafft gemeiniglich alle die an- dern Staͤdte nach ſich ins Verderben ſchleppet. Nichts deſtoweniger kan man antworten/ daß wann die Soldaten den Krieg durch eine langweilige und gefaͤhr- liche Belaͤgerung anheben/ ſie nicht ſo hitzig ſeynd/ als wann man ſie erſt vor Feſtungen gefuͤhret haͤtte/ die ſie leicht haͤtten einneh- men koͤnnen. Uber diß/ daß wann man eine groſſe feſte Stadt belaͤgert/ man ſich gleich- ſam wieder belaͤgert befindet von allen den andern/ deren man ſich nicht bemeiſtert hat/ und von dannen man ſo viel Ungele- genheit bekommt/ als man Vortheil wuͤr- de G 4

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Zitationshilfe: [N. N.]: Der vollkommene rechtschaffene Welt-Mann. Frankfurt (Main), 1680, S. 151. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/unbekannt_weltmann_1680/167>, abgerufen am 14.06.2024.