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Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870.

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[Spaltenumbruch] 14 Einem Kamel, das zum Reiten bestimmt ist, wird der Sattel angeboren.

15 Einem Kamel, das zusammenbricht, muss man seine Last mindern.

In Aegypten: Wenn das Kamel zusammenbricht, so lege ihm eine Eselslast auf. (Burckhardt, 17.) Verlange von niemand mehr, als er zufolge seiner Kräfte leisten kann, oder: Richte deine Geschäfte nach den Umständen ein.

16 Je länger das Kamel gedurstet, desto mehr säuft es.

17 Mit dem Kamel wächst auch sein Buckel. - Altmann VI, 417.

18 Nach dem Kamele richtet sich die Last.

19 Nur die knienden Kamele werden beladen. (S. Grün 6 und Treten.)

Wer sich aufpacken lässt, der muss auch tragen.

20 Viele alte Kamele müssen die Häute der jungen tragen. (S. Kalbshaut 3.) - Gryphius, 35.

Viele Junge sterben vor den Alten. "Wenn sie die verkehrte Ordnung der Natur, da es manchmal geschicht, dass Eltern ihren Kindern die augen zudrücken müssen, andeuten wollen, sprechen sie: Viele alte Kameele müssen die Häute der jungen tragen." (Räthselweisheit.)

21 Was ein Kamel säuft, damit können sich viel Fliegen den Durst löschen. - Sprichwörtergarten, 64; Schulzeitung, 1835, 35.

Der eine Mensch bedarf viel, der andere wenig zu seinem Bestehen.

22 Wenn man das Kamel überbürdet, trägt es närrisch.

23 Wenn man einem Kamel einen Doctorhut aufsetzt, es bleibt doch ein Kamel.

"Ein Rhinoceros kann durch zehn Universitätssäle laufen, es bleibt darum doch ein Rhinoceros." (Westdeutsche Zeitung 1850.)

24 Wer seine eigenen Kamele tränkt, will keine fremden dazulassen. - Fabricius, 9; Erpenii, Proverb. Arabic., 9.

*25 Das Kamel auf dem Affen reiten lassen. - Altmann VI, 519.

*26 Das Kamel will tanzen. - Eyering, I, 282, 446 u. 706; Körte, 3270a.

Von Unpassendem, Unbehülflichem. Wenn jemand von Natur ernst und finster ist und den Feinen, Zierlichen spielen will, so thut er der Natur Gewalt an. Hieronymus wendet die Redensart auf einen Mann an, der, den Musen ganz entfremdet, für beredt gehalten werden will.

Lat.: Camelus saltat. (Seybold, 63.)

*27 Dem Kamel einen Buckel wünschen. - Altmann VI, 518.

*28 Du bist ein wahres Kamel.

Hier als Scheltwort, soviel wie Dummkopf. In der Studentensprache bezeichnet Kamel einen Studenten, der keiner Verbindung angehört oder sich überhaupt vom studentischen Treiben fern hält; auch Philister, Büffler. (Grimm, V, 96.)

*29 Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen. - Matth. 19, 24.

Ehe das oder jenes geschieht.

*30 Ein Kamel in eine Ameise verwandeln.

*31 Ein Kamel verschlucken und wegen einer Mücke Gesichter schneiden.

*32 Er ist ein Kamel, das vorher (mit den Füssen) das Wasser tritt, eh' er's trinkt.

Von gewissen Advocaten und derlei Leuten.

*33 Vom Kamel Disteln fordern (kaufen). - Altmann VI, 524.


Kamelmilch.

Wer Kamelmilch trinken will, muss nicht die Kuh melken.


Kamerad.

Frag' meinen Kameraden, ob ich ein Dieb bin.

Engl.: Ask my fellow whether I be a thief. (Gaal, 1038.)


Kämi.

* Er hat ein kurzes Kämi1 (Schweiz.)

1) Ich suche das Wort bei Stalder vergeblich.


Kamilla.

Wenn die Kamill und Ludmill kommen zur Sibyll, so schweigt kein Maul von allen still.


Kamille.

1 Je mehr die Kamille betreten wird, desto schneller wächst sie.

[Spaltenumbruch] *2 Dat sünt ole Kamellen, de rükt (riecht) nig mer. (Holst.) - Schütze, II, 217; Diermissen, 108; hochdeutsch bei Simrock, 5377; Körte, 3271.

Von allgemein bekannten Dingen. (S. Viole.) Bekanntlich führt eine der gelesensten Schriften Fritz Reuter's den Titel: Olle Kamellen, der aber verschiedene hochdeutsche Auslegungen gefunden hatte. Dr. R. Reusch hat dieselben in einem an den Verfasser gerichteten plattdeutsch geschriebenen Briefe vom 1. Juni 1863 zusammengefasst und um dessen Erklärung gebeten. Dieser antwortet, datirt Nigenbramborg, den 17. Juni 1863, und sagt hierauf bezüglich: "Du fröggst, wat >Olle Kamellen< heit. Dat will ik di seggen; dat heit so vel ungefihr, as Meidinger, as olle längst an de Schauh afgedragene Geschichten, de halw vergeten sünd und stammt sik von de Kamellenblaumen her, de ok nich recht mihr fär Bukweihday' helpen willen, wenn sei äwerjöhrig worden sünd. De Redensart is bi uns gäng' un gäw; un wenn Einer recht wat vertellen will, denn föllt em en Anner wull in de Red' un seggt: Na, dat lat man, dat sünd olle Kamellen." (Vgl. Unterhaltungen des literarischen Kränzchens in Königsberg, herausgegeben von R. Reusch, Königsberg 1865, Nr. 1, S. 12.)


Kamin.

1 Das Kamin entzündet sich von innen. - Schlechta, 82.

2 Ein Kamin zeucht mehr rauch als das andere. - Lehmann, 430, 28.

Die Fähigkeiten der Menschen sind verschieden.

3 Ein klein Kamin macht grossen Rauch.

Frz.: En petite cheminee fait on grande fumee. (Leroux, II, 117.)

4 Ein schönes Kamin macht ein schönes Zimmer. - Reinsberg I, 47.

Eine schöne Nase macht ein schönes Gesicht.

5 In einem kleinen Kamin kann auch ein gross Feuer brennen.

Frz.: En petite cheminee fait on bien grand feu. (Leroux, II, 117.)

6 Wenn man auch einen Kamin weisst, es wird doch bald wieder schwarz.

Frz.: Nouvelle cheminee est bien tost en fumee. (Leroux, II, 148.)

*7 Ein rauchend Kamin im Hause haben.

Böses, zänkisches Weib.

Lat.: Caminus fumans. - Rixosa mulier. (Bovill, I, 68.)

*8 Er hat es unter dem Kamin gethan.

Heimlich.

*9 Wir wollen es in den Kamin schreiben, wo es die Hühner 'nicht auskratzen. - Eiselein, 360; Simrock, 5388.

Scherzhaft, um das Vergessen auszudrücken, es scheinbar sichern, da die Schrift doch bald wieder verrusst. (Grimm, V, 101.)

Jüd.-deutsch: Schreibs uf Keren Zwi (auf das Horn eines Hirsches). (Tendlau, 504.)

Frz.: Il faut faire une croix a la cheminee.


Kaminfeger.

Der Kaminfeger trägt Sonntags wol auch ein Hemd so weiss wie Schnee.


Kaminkehrer.

* Forsch den Koimenkehrer zi (ob) hot er lieb Eingemachtes. (Jüd.-deutsch. Brody.)

Etwas, das sich von selbst versteht, unnütz erörtern.


Kamm.

1 An Kamm und Sporen erkennt man den Hahn.

Holl.: Aan kam en sporen kent men den haan. (Harrebomee, I, 377a.)

2 An Kamm und Sporen sieht man, ob der Hahn alt oder jung ist.

Holl.: Kam en sporen van den haan doen zijn' ouderdom verstaan. (Harrebomee, I, 377a.)

3 Beim Kamm kennt man die Hühner.

4 Der Kamm zeigt schon früh, was ein Hahn werden will. - Simrock, 5389; Körte, 3272.

It.: Da vitello si conosce il bue, che ha da venire.

5 Ein Kamm, der Haare verrichtet, wird selber wüst und lausig. - Parömiakon, 1361.

Wer andern ihre Fehler abgewöhnen soll, fällt oft gerade dadurch selbst hinein.

6 Man sieht's zeitig am Kamm schon, was ein Hahn werden will. - Reinsberg II, 61.

Kürbisse, sagen die Hebräer, sind schon aus der Knospe kenntlich. (Reinsberg II, 61.) Die Hindus fragen indess: Wenn das Kind in der Wiege liegt, kannst du erkennen, was es ist? Die Aegypter dagegen: Ein hübsches Hühnchen gibt seine Vortrefflichkeit vom Ei an zu erkennen. (Reinsberg VII, 36.)

Lat.: Cantat avis quaevis, sicut rostrum sibi crevit. (Sutor, 544.)

[Spaltenumbruch] 14 Einem Kamel, das zum Reiten bestimmt ist, wird der Sattel angeboren.

15 Einem Kamel, das zusammenbricht, muss man seine Last mindern.

In Aegypten: Wenn das Kamel zusammenbricht, so lege ihm eine Eselslast auf. (Burckhardt, 17.) Verlange von niemand mehr, als er zufolge seiner Kräfte leisten kann, oder: Richte deine Geschäfte nach den Umständen ein.

16 Je länger das Kamel gedurstet, desto mehr säuft es.

17 Mit dem Kamel wächst auch sein Buckel.Altmann VI, 417.

18 Nach dem Kamele richtet sich die Last.

19 Nur die knienden Kamele werden beladen. (S. Grün 6 und Treten.)

Wer sich aufpacken lässt, der muss auch tragen.

20 Viele alte Kamele müssen die Häute der jungen tragen. (S. Kalbshaut 3.) – Gryphius, 35.

Viele Junge sterben vor den Alten. „Wenn sie die verkehrte Ordnung der Natur, da es manchmal geschicht, dass Eltern ihren Kindern die augen zudrücken müssen, andeuten wollen, sprechen sie: Viele alte Kameele müssen die Häute der jungen tragen.“ (Räthselweisheit.)

21 Was ein Kamel säuft, damit können sich viel Fliegen den Durst löschen.Sprichwörtergarten, 64; Schulzeitung, 1835, 35.

Der eine Mensch bedarf viel, der andere wenig zu seinem Bestehen.

22 Wenn man das Kamel überbürdet, trägt es närrisch.

23 Wenn man einem Kamel einen Doctorhut aufsetzt, es bleibt doch ein Kamel.

„Ein Rhinoceros kann durch zehn Universitätssäle laufen, es bleibt darum doch ein Rhinoceros.“ (Westdeutsche Zeitung 1850.)

24 Wer seine eigenen Kamele tränkt, will keine fremden dazulassen.Fabricius, 9; Erpenii, Proverb. Arabic., 9.

*25 Das Kamel auf dem Affen reiten lassen.Altmann VI, 519.

*26 Das Kamel will tanzen.Eyering, I, 282, 446 u. 706; Körte, 3270a.

Von Unpassendem, Unbehülflichem. Wenn jemand von Natur ernst und finster ist und den Feinen, Zierlichen spielen will, so thut er der Natur Gewalt an. Hieronymus wendet die Redensart auf einen Mann an, der, den Musen ganz entfremdet, für beredt gehalten werden will.

Lat.: Camelus saltat. (Seybold, 63.)

*27 Dem Kamel einen Buckel wünschen.Altmann VI, 518.

*28 Du bist ein wahres Kamel.

Hier als Scheltwort, soviel wie Dummkopf. In der Studentensprache bezeichnet Kamel einen Studenten, der keiner Verbindung angehört oder sich überhaupt vom studentischen Treiben fern hält; auch Philister, Büffler. (Grimm, V, 96.)

*29 Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen.Matth. 19, 24.

Ehe das oder jenes geschieht.

*30 Ein Kamel in eine Ameise verwandeln.

*31 Ein Kamel verschlucken und wegen einer Mücke Gesichter schneiden.

*32 Er ist ein Kamel, das vorher (mit den Füssen) das Wasser tritt, eh' er's trinkt.

Von gewissen Advocaten und derlei Leuten.

*33 Vom Kamel Disteln fordern (kaufen).Altmann VI, 524.


Kamelmilch.

Wer Kamelmilch trinken will, muss nicht die Kuh melken.


Kamerad.

Frag' meinen Kameraden, ob ich ein Dieb bin.

Engl.: Ask my fellow whether I be a thief. (Gaal, 1038.)


Kämi.

* Er hat ein kurzes Kämi1 (Schweiz.)

1) Ich suche das Wort bei Stalder vergeblich.


Kamilla.

Wenn die Kamill und Ludmill kommen zur Sibyll, so schweigt kein Maul von allen still.


Kamille.

1 Je mehr die Kamille betreten wird, desto schneller wächst sie.

[Spaltenumbruch] *2 Dat sünt ôle Kamellen, de rükt (riecht) nig mêr. (Holst.) – Schütze, II, 217; Diermissen, 108; hochdeutsch bei Simrock, 5377; Körte, 3271.

Von allgemein bekannten Dingen. (S. Viole.) Bekanntlich führt eine der gelesensten Schriften Fritz Reuter's den Titel: Olle Kamellen, der aber verschiedene hochdeutsche Auslegungen gefunden hatte. Dr. R. Reusch hat dieselben in einem an den Verfasser gerichteten plattdeutsch geschriebenen Briefe vom 1. Juni 1863 zusammengefasst und um dessen Erklärung gebeten. Dieser antwortet, datirt Nigenbramborg, den 17. Juni 1863, und sagt hierauf bezüglich: „Du fröggst, wat ›Olle Kamellen‹ heit. Dat will ik di seggen; dat heit so vel ungefihr, as Meidinger, as olle längst an de Schauh afgedragene Geschichten, de halw vergeten sünd und stammt sik von de Kamellenblaumen her, de ok nich recht mihr fär Bukweihday' helpen willen, wenn sei äwerjöhrig worden sünd. De Redensart is bi uns gäng' un gäw; un wenn Einer recht wat vertellen will, denn föllt em en Anner wull in de Red' un seggt: Na, dat lat man, dat sünd olle Kamellen.“ (Vgl. Unterhaltungen des literarischen Kränzchens in Königsberg, herausgegeben von R. Reusch, Königsberg 1865, Nr. 1, S. 12.)


Kamin.

1 Das Kamin entzündet sich von innen.Schlechta, 82.

2 Ein Kamin zeucht mehr rauch als das andere.Lehmann, 430, 28.

Die Fähigkeiten der Menschen sind verschieden.

3 Ein klein Kamin macht grossen Rauch.

Frz.: En petite cheminée fait on grande fumée. (Leroux, II, 117.)

4 Ein schönes Kamin macht ein schönes Zimmer.Reinsberg I, 47.

Eine schöne Nase macht ein schönes Gesicht.

5 In einem kleinen Kamin kann auch ein gross Feuer brennen.

Frz.: En petite cheminée fait on bien grand feu. (Leroux, II, 117.)

6 Wenn man auch einen Kamin weisst, es wird doch bald wieder schwarz.

Frz.: Nouvelle cheminée est bien tost en fumée. (Leroux, II, 148.)

*7 Ein rauchend Kamin im Hause haben.

Böses, zänkisches Weib.

Lat.: Caminus fumans. – Rixosa mulier. (Bovill, I, 68.)

*8 Er hat es unter dem Kamin gethan.

Heimlich.

*9 Wir wollen es in den Kamin schreiben, wo es die Hühner 'nicht auskratzen.Eiselein, 360; Simrock, 5388.

Scherzhaft, um das Vergessen auszudrücken, es scheinbar sichern, da die Schrift doch bald wieder verrusst. (Grimm, V, 101.)

Jüd.-deutsch: Schreibs uf Keren Zwi (auf das Horn eines Hirsches). (Tendlau, 504.)

Frz.: Il faut faire une croix à la cheminée.


Kaminfeger.

Der Kaminfeger trägt Sonntags wol auch ein Hemd so weiss wie Schnee.


Kaminkehrer.

* Forsch den Koimenkehrer zi (ob) hot er lieb Eingemachtes. (Jüd.-deutsch. Brody.)

Etwas, das sich von selbst versteht, unnütz erörtern.


Kamm.

1 An Kamm und Sporen erkennt man den Hahn.

Holl.: Aan kam en sporen kent men den haan. (Harrebomée, I, 377a.)

2 An Kamm und Sporen sieht man, ob der Hahn alt oder jung ist.

Holl.: Kam en sporen van den haan doen zijn' ouderdom verstaan. (Harrebomée, I, 377a.)

3 Beim Kamm kennt man die Hühner.

4 Der Kamm zeigt schon früh, was ein Hahn werden will.Simrock, 5389; Körte, 3272.

It.: Da vitello si conosce il bue, che ha da venire.

5 Ein Kamm, der Haare verrichtet, wird selber wüst und lausig.Parömiakon, 1361.

Wer andern ihre Fehler abgewöhnen soll, fällt oft gerade dadurch selbst hinein.

6 Man sieht's zeitig am Kamm schon, was ein Hahn werden will.Reinsberg II, 61.

Kürbisse, sagen die Hebräer, sind schon aus der Knospe kenntlich. (Reinsberg II, 61.) Die Hindus fragen indess: Wenn das Kind in der Wiege liegt, kannst du erkennen, was es ist? Die Aegypter dagegen: Ein hübsches Hühnchen gibt seine Vortrefflichkeit vom Ei an zu erkennen. (Reinsberg VII, 36.)

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[[561]/0567] 14 Einem Kamel, das zum Reiten bestimmt ist, wird der Sattel angeboren. 15 Einem Kamel, das zusammenbricht, muss man seine Last mindern. In Aegypten: Wenn das Kamel zusammenbricht, so lege ihm eine Eselslast auf. (Burckhardt, 17.) Verlange von niemand mehr, als er zufolge seiner Kräfte leisten kann, oder: Richte deine Geschäfte nach den Umständen ein. 16 Je länger das Kamel gedurstet, desto mehr säuft es. 17 Mit dem Kamel wächst auch sein Buckel. – Altmann VI, 417. 18 Nach dem Kamele richtet sich die Last. 19 Nur die knienden Kamele werden beladen. (S. Grün 6 und Treten.) Wer sich aufpacken lässt, der muss auch tragen. 20 Viele alte Kamele müssen die Häute der jungen tragen. (S. Kalbshaut 3.) – Gryphius, 35. Viele Junge sterben vor den Alten. „Wenn sie die verkehrte Ordnung der Natur, da es manchmal geschicht, dass Eltern ihren Kindern die augen zudrücken müssen, andeuten wollen, sprechen sie: Viele alte Kameele müssen die Häute der jungen tragen.“ (Räthselweisheit.) 21 Was ein Kamel säuft, damit können sich viel Fliegen den Durst löschen. – Sprichwörtergarten, 64; Schulzeitung, 1835, 35. Der eine Mensch bedarf viel, der andere wenig zu seinem Bestehen. 22 Wenn man das Kamel überbürdet, trägt es närrisch. 23 Wenn man einem Kamel einen Doctorhut aufsetzt, es bleibt doch ein Kamel. „Ein Rhinoceros kann durch zehn Universitätssäle laufen, es bleibt darum doch ein Rhinoceros.“ (Westdeutsche Zeitung 1850.) 24 Wer seine eigenen Kamele tränkt, will keine fremden dazulassen. – Fabricius, 9; Erpenii, Proverb. Arabic., 9. *25 Das Kamel auf dem Affen reiten lassen. – Altmann VI, 519. *26 Das Kamel will tanzen. – Eyering, I, 282, 446 u. 706; Körte, 3270a. Von Unpassendem, Unbehülflichem. Wenn jemand von Natur ernst und finster ist und den Feinen, Zierlichen spielen will, so thut er der Natur Gewalt an. Hieronymus wendet die Redensart auf einen Mann an, der, den Musen ganz entfremdet, für beredt gehalten werden will. Lat.: Camelus saltat. (Seybold, 63.) *27 Dem Kamel einen Buckel wünschen. – Altmann VI, 518. *28 Du bist ein wahres Kamel. Hier als Scheltwort, soviel wie Dummkopf. In der Studentensprache bezeichnet Kamel einen Studenten, der keiner Verbindung angehört oder sich überhaupt vom studentischen Treiben fern hält; auch Philister, Büffler. (Grimm, V, 96.) *29 Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen. – Matth. 19, 24. Ehe das oder jenes geschieht. *30 Ein Kamel in eine Ameise verwandeln. *31 Ein Kamel verschlucken und wegen einer Mücke Gesichter schneiden. *32 Er ist ein Kamel, das vorher (mit den Füssen) das Wasser tritt, eh' er's trinkt. Von gewissen Advocaten und derlei Leuten. *33 Vom Kamel Disteln fordern (kaufen). – Altmann VI, 524. Kamelmilch. Wer Kamelmilch trinken will, muss nicht die Kuh melken. Kamerad. Frag' meinen Kameraden, ob ich ein Dieb bin. Engl.: Ask my fellow whether I be a thief. (Gaal, 1038.) Kämi. * Er hat ein kurzes Kämi1 (Schweiz.) 1) Ich suche das Wort bei Stalder vergeblich. Kamilla. Wenn die Kamill und Ludmill kommen zur Sibyll, so schweigt kein Maul von allen still. Kamille. 1 Je mehr die Kamille betreten wird, desto schneller wächst sie. *2 Dat sünt ôle Kamellen, de rükt (riecht) nig mêr. (Holst.) – Schütze, II, 217; Diermissen, 108; hochdeutsch bei Simrock, 5377; Körte, 3271. Von allgemein bekannten Dingen. (S. Viole.) Bekanntlich führt eine der gelesensten Schriften Fritz Reuter's den Titel: Olle Kamellen, der aber verschiedene hochdeutsche Auslegungen gefunden hatte. Dr. R. Reusch hat dieselben in einem an den Verfasser gerichteten plattdeutsch geschriebenen Briefe vom 1. Juni 1863 zusammengefasst und um dessen Erklärung gebeten. Dieser antwortet, datirt Nigenbramborg, den 17. Juni 1863, und sagt hierauf bezüglich: „Du fröggst, wat ›Olle Kamellen‹ heit. Dat will ik di seggen; dat heit so vel ungefihr, as Meidinger, as olle längst an de Schauh afgedragene Geschichten, de halw vergeten sünd und stammt sik von de Kamellenblaumen her, de ok nich recht mihr fär Bukweihday' helpen willen, wenn sei äwerjöhrig worden sünd. De Redensart is bi uns gäng' un gäw; un wenn Einer recht wat vertellen will, denn föllt em en Anner wull in de Red' un seggt: Na, dat lat man, dat sünd olle Kamellen.“ (Vgl. Unterhaltungen des literarischen Kränzchens in Königsberg, herausgegeben von R. Reusch, Königsberg 1865, Nr. 1, S. 12.) Kamin. 1 Das Kamin entzündet sich von innen. – Schlechta, 82. 2 Ein Kamin zeucht mehr rauch als das andere. – Lehmann, 430, 28. Die Fähigkeiten der Menschen sind verschieden. 3 Ein klein Kamin macht grossen Rauch. Frz.: En petite cheminée fait on grande fumée. (Leroux, II, 117.) 4 Ein schönes Kamin macht ein schönes Zimmer. – Reinsberg I, 47. Eine schöne Nase macht ein schönes Gesicht. 5 In einem kleinen Kamin kann auch ein gross Feuer brennen. Frz.: En petite cheminée fait on bien grand feu. (Leroux, II, 117.) 6 Wenn man auch einen Kamin weisst, es wird doch bald wieder schwarz. Frz.: Nouvelle cheminée est bien tost en fumée. (Leroux, II, 148.) *7 Ein rauchend Kamin im Hause haben. Böses, zänkisches Weib. Lat.: Caminus fumans. – Rixosa mulier. (Bovill, I, 68.) *8 Er hat es unter dem Kamin gethan. Heimlich. *9 Wir wollen es in den Kamin schreiben, wo es die Hühner 'nicht auskratzen. – Eiselein, 360; Simrock, 5388. Scherzhaft, um das Vergessen auszudrücken, es scheinbar sichern, da die Schrift doch bald wieder verrusst. (Grimm, V, 101.) Jüd.-deutsch: Schreibs uf Keren Zwi (auf das Horn eines Hirsches). (Tendlau, 504.) Frz.: Il faut faire une croix à la cheminée. Kaminfeger. Der Kaminfeger trägt Sonntags wol auch ein Hemd so weiss wie Schnee. Kaminkehrer. * Forsch den Koimenkehrer zi (ob) hot er lieb Eingemachtes. (Jüd.-deutsch. Brody.) Etwas, das sich von selbst versteht, unnütz erörtern. Kamm. 1 An Kamm und Sporen erkennt man den Hahn. Holl.: Aan kam en sporen kent men den haan. (Harrebomée, I, 377a.) 2 An Kamm und Sporen sieht man, ob der Hahn alt oder jung ist. Holl.: Kam en sporen van den haan doen zijn' ouderdom verstaan. (Harrebomée, I, 377a.) 3 Beim Kamm kennt man die Hühner. 4 Der Kamm zeigt schon früh, was ein Hahn werden will. – Simrock, 5389; Körte, 3272. It.: Da vitello si conosce il bue, che ha da venire. 5 Ein Kamm, der Haare verrichtet, wird selber wüst und lausig. – Parömiakon, 1361. Wer andern ihre Fehler abgewöhnen soll, fällt oft gerade dadurch selbst hinein. 6 Man sieht's zeitig am Kamm schon, was ein Hahn werden will. – Reinsberg II, 61. Kürbisse, sagen die Hebräer, sind schon aus der Knospe kenntlich. (Reinsberg II, 61.) Die Hindus fragen indess: Wenn das Kind in der Wiege liegt, kannst du erkennen, was es ist? Die Aegypter dagegen: Ein hübsches Hühnchen gibt seine Vortrefflichkeit vom Ei an zu erkennen. (Reinsberg VII, 36.) Lat.: Cantat avis quaevis, sicut rostrum sibi crevit. (Sutor, 544.)

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Zitationshilfe: Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig, 1870, S. [561]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wander_sprichwoerterlexikon02_1870/567>, abgerufen am 03.03.2024.