Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Weigel, Valentin: Gnothi seavton Oder cognosce teipsum genandt. Das Newe Erkenne dich selbst. Bd. 3. Neustadt, 1618.

Bild:
<< vorherige Seite

Gnothi Seavton.
Himmel/ daß geschicht so er in dieser kurtzen zeit das Feld
bawet/ davon er genommen ist/ denn wer das Felde
bawet/ hat Früchte zugewarten. Darumb hat Gott der
HERR den Menschen nach dem fall oder vielmehr
durch den Fall/ auß dem Paradeyß getrieben in die Welt/
daß er forschen vnd Lehrnen solte in seinem kurtzen Leben/
das daraus er gemacht ist/ er solte sich selber lernen erken-
nen vnd Gott/ auff daß er durch solches hohe notwendi-
ge erkentnuß nicht ein Maul oder Thier würde/ Son-
dern ein Mensch/ vnd das rechte ende erlangete/ nemb-
lich das ewige Leben. Gott hat den Menschen/ sag ich/
darumb in den Garten dieser grossen Welt gesetzt/ daß
er eben das Studierete vnd erkennete/ darauß er geschaf-
fen vnd gemacht ist/ das bezeuget vnd erkleret vns die hei-
lige schrifft die vns sol anfang vnd grund seyen/ zu aller
jrrdischen vnd Himlischen Weißheit/ wie oben gesagt:
Gott trieb Adam auß/ das er daß Feld Bawete darvon
er genommen ist/ die Hebreische Sprache nennet das
Feld Adama terram agrum, Erden das Feld
darvon der Mensch genommen ist oder gemacht wird in
Philosophia
oder vera Thologia genandt limus terrae
der Erden Kloß/ wer den limum wolkennet/ kennet auch
den Menschen der auß dem limo terrae gemacht ist/ vnnd
Gott der HERR schuff den Menschen auß dem Er-
denkloß/ Vnd bließ jhm ein den Lebendigen Athem/ etc.
Nun ist ein zweyfacher limus terrae, ein siehtbahrer/ zeit-
licher/ vnd ein Vnsichtbarer Ewiger. Also ist auch der
Mensch zwiefach/ als der Tödtliche Sterbliche Mensch
auß dem Jrrdischen limo terrae mit Adam/ vnd auß dem
Ewigen Himlischen limo terrae, Das ist auß Christo

oder
E iij

Gnothi Seavton.
Himmel/ daß geſchicht ſo er in dieſer kurtzen zeit das Feld
bawet/ davon er genommen iſt/ denn wer das Felde
bawet/ hat Fruͤchte zugewarten. Darumb hat Gott der
HERR den Menſchen nach dem fall oder vielmehr
durch den Fall/ auß dem Paradeyß getrieben in die Welt/
daß er forſchen vnd Lehrnen ſolte in ſeinem kurtzen Leben/
das daraus er gemacht iſt/ er ſolte ſich ſelber lernen erken-
nen vnd Gott/ auff daß er durch ſolches hohe notwendi-
ge erkentnuß nicht ein Maul oder Thier wuͤrde/ Son-
dern ein Menſch/ vnd das rechte ende erlangete/ nemb-
lich das ewige Leben. Gott hat den Menſchen/ ſag ich/
darumb in den Garten dieſer groſſen Welt geſetzt/ daß
er eben das Studierete vnd erkennete/ darauß er geſchaf-
fen vnd gemacht iſt/ das bezeuget vnd erkleret vns die hei-
lige ſchrifft die vns ſol anfang vnd grund ſeyen/ zu aller
jrrdiſchen vnd Himliſchen Weißheit/ wie oben geſagt:
Gott trieb Adam auß/ das er daß Feld Bawete darvon
er genommen iſt/ die Hebreiſche Sprache nennet das
Feld Adama terram agrum, Erden das Feld
darvon der Menſch genommen iſt oder gemacht wird in
Philoſophia
oder vera Thologia genandt limus terræ
der Erden Kloß/ wer den limum wolkennet/ kennet auch
den Menſchen der auß dem limo terræ gemacht iſt/ vnnd
Gott der HERR ſchuff den Menſchen auß dem Er-
denkloß/ Vnd bließ jhm ein den Lebendigen Athem/ etc.
Nun iſt ein zweyfacher limus terræ, ein ſiehtbahrer/ zeit-
licher/ vnd ein Vnſichtbarer Ewiger. Alſo iſt auch der
Menſch zwiefach/ als der Toͤdtliche Sterbliche Menſch
auß dem Jrrdiſchen limo terræ mit Adam/ vnd auß dem
Ewigen Himliſchen limo terræ, Das iſt auß Chriſto

oder
E iij
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0037" n="19"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq">Gnothi Seavton.</hi></fw><lb/>
Himmel/ daß ge&#x017F;chicht &#x017F;o er in die&#x017F;er kurtzen zeit das Feld<lb/>
bawet/ davon er genommen i&#x017F;t/ denn wer das Felde<lb/>
bawet/ hat Fru&#x0364;chte zugewarten. Darumb hat Gott der<lb/><hi rendition="#g">HERR</hi> den Men&#x017F;chen nach dem fall oder vielmehr<lb/>
durch den Fall/ auß dem Paradeyß getrieben in die Welt/<lb/>
daß er for&#x017F;chen vnd Lehrnen &#x017F;olte in &#x017F;einem kurtzen Leben/<lb/>
das daraus er gemacht i&#x017F;t/ er &#x017F;olte &#x017F;ich &#x017F;elber lernen erken-<lb/>
nen vnd Gott/ auff daß er durch &#x017F;olches hohe notwendi-<lb/>
ge erkentnuß nicht ein Maul oder Thier wu&#x0364;rde/ Son-<lb/>
dern ein Men&#x017F;ch/ vnd das rechte ende erlangete/ nemb-<lb/>
lich das ewige Leben. Gott hat den Men&#x017F;chen/ &#x017F;ag ich/<lb/>
darumb in den Garten die&#x017F;er gro&#x017F;&#x017F;en Welt ge&#x017F;etzt/ daß<lb/>
er eben das Studierete vnd erkennete/ darauß er ge&#x017F;chaf-<lb/>
fen vnd gemacht i&#x017F;t/ das bezeuget vnd erkleret vns die hei-<lb/>
lige &#x017F;chrifft die vns &#x017F;ol anfang vnd grund &#x017F;eyen/ zu aller<lb/>
jrrdi&#x017F;chen vnd Himli&#x017F;chen Weißheit/ wie oben ge&#x017F;agt:<lb/>
Gott trieb Adam auß/ das er daß Feld Bawete darvon<lb/>
er genommen i&#x017F;t/ die Hebrei&#x017F;che Sprache nennet das<lb/>
Feld <hi rendition="#aq">Adama terram agrum,</hi> Erden das Feld<lb/>
darvon der Men&#x017F;ch genommen i&#x017F;t oder gemacht wird <hi rendition="#aq">in<lb/>
Philo&#x017F;ophia</hi> oder <hi rendition="#aq">vera Thologia</hi> genandt <hi rendition="#aq">limus terræ</hi><lb/>
der Erden Kloß/ wer den <hi rendition="#aq">limum</hi> wolkennet/ kennet auch<lb/>
den Men&#x017F;chen der auß dem <hi rendition="#aq">limo terræ</hi> gemacht i&#x017F;t/ vnnd<lb/>
Gott der <hi rendition="#g">HERR</hi> &#x017F;chuff den Men&#x017F;chen auß dem Er-<lb/>
denkloß/ Vnd bließ jhm ein den Lebendigen Athem/ etc.<lb/>
Nun i&#x017F;t ein zweyfacher <hi rendition="#aq">limus terræ,</hi> ein &#x017F;iehtbahrer/ zeit-<lb/>
licher/ vnd ein Vn&#x017F;ichtbarer Ewiger. Al&#x017F;o i&#x017F;t auch der<lb/>
Men&#x017F;ch zwiefach/ als der To&#x0364;dtliche Sterbliche Men&#x017F;ch<lb/>
auß dem Jrrdi&#x017F;chen <hi rendition="#aq">limo terræ</hi> mit Adam/ vnd auß dem<lb/>
Ewigen Himli&#x017F;chen <hi rendition="#aq">limo terræ,</hi> Das i&#x017F;t auß Chri&#x017F;to<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">E iij</fw><fw place="bottom" type="catch">oder</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[19/0037] Gnothi Seavton. Himmel/ daß geſchicht ſo er in dieſer kurtzen zeit das Feld bawet/ davon er genommen iſt/ denn wer das Felde bawet/ hat Fruͤchte zugewarten. Darumb hat Gott der HERR den Menſchen nach dem fall oder vielmehr durch den Fall/ auß dem Paradeyß getrieben in die Welt/ daß er forſchen vnd Lehrnen ſolte in ſeinem kurtzen Leben/ das daraus er gemacht iſt/ er ſolte ſich ſelber lernen erken- nen vnd Gott/ auff daß er durch ſolches hohe notwendi- ge erkentnuß nicht ein Maul oder Thier wuͤrde/ Son- dern ein Menſch/ vnd das rechte ende erlangete/ nemb- lich das ewige Leben. Gott hat den Menſchen/ ſag ich/ darumb in den Garten dieſer groſſen Welt geſetzt/ daß er eben das Studierete vnd erkennete/ darauß er geſchaf- fen vnd gemacht iſt/ das bezeuget vnd erkleret vns die hei- lige ſchrifft die vns ſol anfang vnd grund ſeyen/ zu aller jrrdiſchen vnd Himliſchen Weißheit/ wie oben geſagt: Gott trieb Adam auß/ das er daß Feld Bawete darvon er genommen iſt/ die Hebreiſche Sprache nennet das Feld Adama terram agrum, Erden das Feld darvon der Menſch genommen iſt oder gemacht wird in Philoſophia oder vera Thologia genandt limus terræ der Erden Kloß/ wer den limum wolkennet/ kennet auch den Menſchen der auß dem limo terræ gemacht iſt/ vnnd Gott der HERR ſchuff den Menſchen auß dem Er- denkloß/ Vnd bließ jhm ein den Lebendigen Athem/ etc. Nun iſt ein zweyfacher limus terræ, ein ſiehtbahrer/ zeit- licher/ vnd ein Vnſichtbarer Ewiger. Alſo iſt auch der Menſch zwiefach/ als der Toͤdtliche Sterbliche Menſch auß dem Jrrdiſchen limo terræ mit Adam/ vnd auß dem Ewigen Himliſchen limo terræ, Das iſt auß Chriſto oder E iij

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi03_1618
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi03_1618/37
Zitationshilfe: Weigel, Valentin: Gnothi seavton Oder cognosce teipsum genandt. Das Newe Erkenne dich selbst. Bd. 3. Neustadt, 1618, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/weigel_gnothi03_1618/37>, abgerufen am 24.05.2022.