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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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dem wir cap. 37. gedacht haben/ daß er in die
Compagnie auffgenommen worden/ und der
ins künfftige Sigmund heissen soll/ sein Wo[rt]
auch darzu. Die Gewonheit/ sagte er/ ist
so weit eingerissen/ daß man schwerlich eine
Enderung hoffen kan/ und über dißscheint es
zwar/ als wären die Mummereyen den Kin-
dern zu gefallen angestellt. Doch die Alten
thun es ihrer eigenen Ergetzlichkeit wegen/in-
dem sie auß übermässiger Liebe den Narren
an den Kindern fressen/ und dannenhero in ihren
Affecten nie besser vergnügt sind/ als wenn
sie dergleichen Auffzüge vernehmen sollen.
Drumb worzu die Leute ingesamt Lust haben/
das läst sich schwerlich abbringen.

Solche Discurse wurden continuirt, biß
sie auf etwas anders fielen. Da war ein vor-
nehmer Hoffrath mit am Tische/ welcher sich
der Ferien zu gebrauchen/ etliche Meilen von
dar auf eine Gevatterschafft begeben wolte.
Der hatte an den Gesprechen ein sonderlich
Gefallen/ und damit er auch etwas von dem
seinigen möchte beytragen/ sagte er: Jhr Her-
ren/ ihr habt viel Sachen auf die Bahn ge-
bracht/ ich wil auch etwas vorbringen/ dar-
in ich eure Meynung gern hören möchte. Un-
längst war ein ansehnlicher Pfarrdienst ledig

wor-


dem wir cap. 37. gedacht haben/ daß er in die
Compagnie auffgenommen worden/ und der
ins kuͤnfftige Sigmund heiſſen ſoll/ ſein Wo[rt]
auch darzu. Die Gewonheit/ ſagte er/ iſt
ſo weit eingeriſſen/ daß man ſchwerlich eine
Enderung hoffen kan/ und uͤber dißſcheint es
zwar/ als waͤren die Mummereyen den Kin-
dern zu gefallen angeſtellt. Doch die Alten
thun es ihrer eigenen Ergetzlichkeit wegen/in-
dem ſie auß uͤbermaͤſſiger Liebe den Narren
an den Kindern freſſen/ und dañenhero in ihrẽ
Affecten nie beſſer vergnuͤgt ſind/ als wenn
ſie dergleichen Auffzuͤge vernehmen ſollen.
Drumb worzu die Leute ingeſamt Luſt haben/
das laͤſt ſich ſchwerlich abbringen.

Solche Diſcurſe wurden continuirt, biß
ſie auf etwas anders fielen. Da war ein vor-
nehmer Hoffrath mit am Tiſche/ welcher ſich
der Ferien zu gebrauchen/ etliche Meilen von
dar auf eine Gevatterſchafft begeben wolte.
Der hatte an den Geſprechen ein ſonderlich
Gefallen/ und damit er auch etwas von dem
ſeinigen moͤchte beytragen/ ſagte er: Jhr Her-
ren/ ihr habt viel Sachen auf die Bahn ge-
bracht/ ich wil auch etwas vorbringen/ dar-
in ich eure Meynung gern hoͤren moͤchte. Un-
laͤngſt war ein anſehnlicher Pfarrdienſt ledig

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[327/0333] dem wir cap. 37. gedacht haben/ daß er in die Compagnie auffgenommen worden/ und der ins kuͤnfftige Sigmund heiſſen ſoll/ ſein Wort auch darzu. Die Gewonheit/ ſagte er/ iſt ſo weit eingeriſſen/ daß man ſchwerlich eine Enderung hoffen kan/ und uͤber dißſcheint es zwar/ als waͤren die Mummereyen den Kin- dern zu gefallen angeſtellt. Doch die Alten thun es ihrer eigenen Ergetzlichkeit wegen/in- dem ſie auß uͤbermaͤſſiger Liebe den Narren an den Kindern freſſen/ und dañenhero in ihrẽ Affecten nie beſſer vergnuͤgt ſind/ als wenn ſie dergleichen Auffzuͤge vernehmen ſollen. Drumb worzu die Leute ingeſamt Luſt haben/ das laͤſt ſich ſchwerlich abbringen. Solche Diſcurſe wurden continuirt, biß ſie auf etwas anders fielen. Da war ein vor- nehmer Hoffrath mit am Tiſche/ welcher ſich der Ferien zu gebrauchen/ etliche Meilen von dar auf eine Gevatterſchafft begeben wolte. Der hatte an den Geſprechen ein ſonderlich Gefallen/ und damit er auch etwas von dem ſeinigen moͤchte beytragen/ ſagte er: Jhr Her- ren/ ihr habt viel Sachen auf die Bahn ge- bracht/ ich wil auch etwas vorbringen/ dar- in ich eure Meynung gern hoͤren moͤchte. Un- laͤngſt war ein anſehnlicher Pfarrdienſt ledig wor-

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 327. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/333>, abgerufen am 16.04.2021.