Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766.

Bild:
<< vorherige Seite

denn wolte man mich böse machen, so dürfte sel-
biger leicht noch genauer ausfallen.

§. 23.

Weit entfernt also daß durch die Aufhe-
bung der Gemeinheiten, die Anzahl des Schaaf-
viehes im Lande solte vermindert werden, so ist
sie vielmehr das bequemste Mittel, selbiges an-
sehnlich zu vermehren. Hier ist der Beweis da-
von. Es sind bekantermassen sehr viel Dör-
fer in der Marck, wo das Recht, Schaafe zu
halten, nur allein dem Herrn des Dorfs zu-
stehet, und kein Bauer dergleichen auf die
Weide bringen darf. Sind die Aecker und
Hüthungen aber vermessen und vertheilet, wer
will es denen Bauren wehren auf ihren Grund-
stücken, einen kleinen Plaz abzuhägen, diesen
mit zwanzig, dreißig oder mehrern Schaafen
zu besetzen, und solche auf engelländische Ma-
nier zu ernähren, wenn sie es vortheilhaft für
sich finden? nehmen wir nun hundert der-
gleichen Dörfer an, in deren jedem zwanzig
Bauren wohnen, und diese halten ein jeder nur
dreißig Stück, so machet solches die Anzahl
von sechzigtausend Schaafen aus, die in
einem so kleinen Bezirck mehr gehalten werden
können, ohne daß irgend jemanden dadurch
Eintrag oder Abbruch geschiehet. Auf eine
ähnliche Weise kann man die übrigen Dörfer
berechnen, allwo denen Einwohnern nur eine

gewisse

denn wolte man mich boͤſe machen, ſo duͤrfte ſel-
biger leicht noch genauer ausfallen.

§. 23.

Weit entfernt alſo daß durch die Aufhe-
bung der Gemeinheiten, die Anzahl des Schaaf-
viehes im Lande ſolte vermindert werden, ſo iſt
ſie vielmehr das bequemſte Mittel, ſelbiges an-
ſehnlich zu vermehren. Hier iſt der Beweis da-
von. Es ſind bekantermaſſen ſehr viel Doͤr-
fer in der Marck, wo das Recht, Schaafe zu
halten, nur allein dem Herrn des Dorfs zu-
ſtehet, und kein Bauer dergleichen auf die
Weide bringen darf. Sind die Aecker und
Huͤthungen aber vermeſſen und vertheilet, wer
will es denen Bauren wehren auf ihren Grund-
ſtuͤcken, einen kleinen Plaz abzuhaͤgen, dieſen
mit zwanzig, dreißig oder mehrern Schaafen
zu beſetzen, und ſolche auf engellaͤndiſche Ma-
nier zu ernaͤhren, wenn ſie es vortheilhaft fuͤr
ſich finden? nehmen wir nun hundert der-
gleichen Doͤrfer an, in deren jedem zwanzig
Bauren wohnen, und dieſe halten ein jeder nur
dreißig Stuͤck, ſo machet ſolches die Anzahl
von ſechzigtauſend Schaafen aus, die in
einem ſo kleinen Bezirck mehr gehalten werden
koͤnnen, ohne daß irgend jemanden dadurch
Eintrag oder Abbruch geſchiehet. Auf eine
aͤhnliche Weiſe kann man die uͤbrigen Doͤrfer
berechnen, allwo denen Einwohnern nur eine

gewiſſe
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0060" n="42"/>
denn wolte man mich bo&#x0364;&#x017F;e machen, &#x017F;o du&#x0364;rfte &#x017F;el-<lb/>
biger leicht noch genauer ausfallen.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 23.</head><lb/>
            <p>Weit entfernt al&#x017F;o daß durch die Aufhe-<lb/>
bung der Gemeinheiten, die Anzahl des Schaaf-<lb/>
viehes im Lande &#x017F;olte vermindert werden, &#x017F;o i&#x017F;t<lb/>
&#x017F;ie vielmehr das bequem&#x017F;te Mittel, &#x017F;elbiges an-<lb/>
&#x017F;ehnlich zu vermehren. Hier i&#x017F;t der Beweis da-<lb/>
von. Es &#x017F;ind bekanterma&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ehr viel Do&#x0364;r-<lb/>
fer in der <hi rendition="#fr">Marck,</hi> wo das Recht, Schaafe zu<lb/>
halten, nur allein dem Herrn des Dorfs zu-<lb/>
&#x017F;tehet, und kein Bauer dergleichen auf die<lb/>
Weide bringen darf. Sind die Aecker und<lb/>
Hu&#x0364;thungen aber verme&#x017F;&#x017F;en und vertheilet, wer<lb/>
will es denen Bauren wehren auf ihren Grund-<lb/>
&#x017F;tu&#x0364;cken, einen kleinen Plaz abzuha&#x0364;gen, die&#x017F;en<lb/>
mit zwanzig, dreißig oder mehrern Schaafen<lb/>
zu be&#x017F;etzen, und &#x017F;olche auf engella&#x0364;ndi&#x017F;che Ma-<lb/>
nier zu erna&#x0364;hren, wenn &#x017F;ie es vortheilhaft fu&#x0364;r<lb/>
&#x017F;ich finden? nehmen wir nun <hi rendition="#fr">hundert</hi> der-<lb/>
gleichen Do&#x0364;rfer an, in deren jedem <hi rendition="#fr">zwanzig</hi><lb/>
Bauren wohnen, und die&#x017F;e halten ein jeder nur<lb/><hi rendition="#fr">dreißig</hi> Stu&#x0364;ck, &#x017F;o machet &#x017F;olches die Anzahl<lb/>
von <hi rendition="#fr">&#x017F;echzigtau&#x017F;end</hi> Schaafen aus, die in<lb/>
einem &#x017F;o kleinen Bezirck mehr gehalten werden<lb/>
ko&#x0364;nnen, ohne daß irgend jemanden dadurch<lb/>
Eintrag oder Abbruch ge&#x017F;chiehet. Auf eine<lb/>
a&#x0364;hnliche Wei&#x017F;e kann man die u&#x0364;brigen Do&#x0364;rfer<lb/>
berechnen, allwo denen Einwohnern nur eine<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">gewi&#x017F;&#x017F;e</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[42/0060] denn wolte man mich boͤſe machen, ſo duͤrfte ſel- biger leicht noch genauer ausfallen. §. 23. Weit entfernt alſo daß durch die Aufhe- bung der Gemeinheiten, die Anzahl des Schaaf- viehes im Lande ſolte vermindert werden, ſo iſt ſie vielmehr das bequemſte Mittel, ſelbiges an- ſehnlich zu vermehren. Hier iſt der Beweis da- von. Es ſind bekantermaſſen ſehr viel Doͤr- fer in der Marck, wo das Recht, Schaafe zu halten, nur allein dem Herrn des Dorfs zu- ſtehet, und kein Bauer dergleichen auf die Weide bringen darf. Sind die Aecker und Huͤthungen aber vermeſſen und vertheilet, wer will es denen Bauren wehren auf ihren Grund- ſtuͤcken, einen kleinen Plaz abzuhaͤgen, dieſen mit zwanzig, dreißig oder mehrern Schaafen zu beſetzen, und ſolche auf engellaͤndiſche Ma- nier zu ernaͤhren, wenn ſie es vortheilhaft fuͤr ſich finden? nehmen wir nun hundert der- gleichen Doͤrfer an, in deren jedem zwanzig Bauren wohnen, und dieſe halten ein jeder nur dreißig Stuͤck, ſo machet ſolches die Anzahl von ſechzigtauſend Schaafen aus, die in einem ſo kleinen Bezirck mehr gehalten werden koͤnnen, ohne daß irgend jemanden dadurch Eintrag oder Abbruch geſchiehet. Auf eine aͤhnliche Weiſe kann man die uͤbrigen Doͤrfer berechnen, allwo denen Einwohnern nur eine gewiſſe

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/60
Zitationshilfe: Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/60>, abgerufen am 20.07.2024.