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Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764.

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des Herrn Bonnet.
Bonnet, der dieses nicht recht verstanden hat,
widerspricht dem Herrn von Haller. Er sagt
die Ruhe macht die Theile unsichtbar, und der
Theil würde folglich, wenn er sich bewegte, da-
durch sichtbar werden. Aber das ist es eben, was
der Herr von Haller nicht haben will. Wir
sehn eine Zeitlang nicht das Herz sich bewegen,
und das ist nicht gut; deswegen sagt er, eben die
Ursachen, die uns das Herz verbergen, machen
auch, daß wir es nicht sehen können, ob es sich
gleich bewegt. Allein das geht uns eigentlich nicht
viel an; es ist ein kleiner Mangel der Einsicht,
den wir Herren Bonnet gern vergeben wollen,
ob er gleich mit einer sehr verächtlichen Mine nur
kurz vorher noch gesagt hat, mais la foiblesse
de cette objection se fait aisement sentir.

Sie sehen leicht, daß wenn ich wider den
ersten Satz des Herrn Bonnets beweise, daß ich
bey der Vertheidigung der Epigenesis nicht aus
dem Anfang der Sichtbarkeit der Theile den An-
fang des Daseyns derselben schließe, ich alsdann
den zweyten Satz zu widerlegen nicht nöthig habe,
und daß ich hingegen, wenn ich diesen widerlege
das erstere nicht beweisen dürfe. Jch will aber
dieses beweisen und jenes widerlegen; und mit
der Widerlegung den Anfang machen.

Drey Stücke sollen uns die Thei-Wenn ein
Theil des Ein-
bryo da ist, so
ist weder die

le den Augen entziehen; die Ruhe,
die Kleinheit und die Durchsichtigkeit.

Was
G 2

des Herrn Bonnet.
Bonnet, der dieſes nicht recht verſtanden hat,
widerſpricht dem Herrn von Haller. Er ſagt
die Ruhe macht die Theile unſichtbar, und der
Theil wuͤrde folglich, wenn er ſich bewegte, da-
durch ſichtbar werden. Aber das iſt es eben, was
der Herr von Haller nicht haben will. Wir
ſehn eine Zeitlang nicht das Herz ſich bewegen,
und das iſt nicht gut; deswegen ſagt er, eben die
Urſachen, die uns das Herz verbergen, machen
auch, daß wir es nicht ſehen koͤnnen, ob es ſich
gleich bewegt. Allein das geht uns eigentlich nicht
viel an; es iſt ein kleiner Mangel der Einſicht,
den wir Herren Bonnet gern vergeben wollen,
ob er gleich mit einer ſehr veraͤchtlichen Mine nur
kurz vorher noch geſagt hat, mais la foibleſſe
de cette objection ſe fait aiſement ſentir.

Sie ſehen leicht, daß wenn ich wider den
erſten Satz des Herrn Bonnets beweiſe, daß ich
bey der Vertheidigung der Epigeneſis nicht aus
dem Anfang der Sichtbarkeit der Theile den An-
fang des Daſeyns derſelben ſchließe, ich alsdann
den zweyten Satz zu widerlegen nicht noͤthig habe,
und daß ich hingegen, wenn ich dieſen widerlege
das erſtere nicht beweiſen duͤrfe. Jch will aber
dieſes beweiſen und jenes widerlegen; und mit
der Widerlegung den Anfang machen.

Drey Stuͤcke ſollen uns die Thei-Wenn ein
Theil des Ein-
bryo da iſt, ſo
iſt weder die

le den Augen entziehen; die Ruhe,
die Kleinheit und die Durchſichtigkeit.

Was
G 2
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[99/0121] des Herrn Bonnet. Bonnet, der dieſes nicht recht verſtanden hat, widerſpricht dem Herrn von Haller. Er ſagt die Ruhe macht die Theile unſichtbar, und der Theil wuͤrde folglich, wenn er ſich bewegte, da- durch ſichtbar werden. Aber das iſt es eben, was der Herr von Haller nicht haben will. Wir ſehn eine Zeitlang nicht das Herz ſich bewegen, und das iſt nicht gut; deswegen ſagt er, eben die Urſachen, die uns das Herz verbergen, machen auch, daß wir es nicht ſehen koͤnnen, ob es ſich gleich bewegt. Allein das geht uns eigentlich nicht viel an; es iſt ein kleiner Mangel der Einſicht, den wir Herren Bonnet gern vergeben wollen, ob er gleich mit einer ſehr veraͤchtlichen Mine nur kurz vorher noch geſagt hat, mais la foibleſſe de cette objection ſe fait aiſement ſentir. Sie ſehen leicht, daß wenn ich wider den erſten Satz des Herrn Bonnets beweiſe, daß ich bey der Vertheidigung der Epigeneſis nicht aus dem Anfang der Sichtbarkeit der Theile den An- fang des Daſeyns derſelben ſchließe, ich alsdann den zweyten Satz zu widerlegen nicht noͤthig habe, und daß ich hingegen, wenn ich dieſen widerlege das erſtere nicht beweiſen duͤrfe. Jch will aber dieſes beweiſen und jenes widerlegen; und mit der Widerlegung den Anfang machen. Drey Stuͤcke ſollen uns die Thei- le den Augen entziehen; die Ruhe, die Kleinheit und die Durchſichtigkeit. Was Wenn ein Theil des Ein- bryo da iſt, ſo iſt weder die G 2

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Zitationshilfe: Wolff, Caspar Friedrich: Theorie von der Generation. Berlin, 1764, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/wolff_theorie_1764/121>, abgerufen am 14.04.2024.