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Zesen, Philip von: Neues Buß- und Gebätt-buch. Schaffhausen, 1660.

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Asonderliche Beichte
Absonderliche Beichte/
Einer erwachsenen Jung-
frauen.

OJEsu/ du Sohn des lebendigen Got-
tes/ weil ich arme sünderin schwärlich [unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]g fa-
len/ und übel gethan für dir; ja ich wol weiß
daß du am jüngsten tage in einem grossen wätter
und erschröklichem feür kommen wirst/ zu richten die
lebendigen/ und die todten; und für so viel tausend
völkern/ ja für so einer grossen mänge der Engel/ alle
meine sünden sollen offenbahr werden; so ängstigt
sich mein herz in meinem leibe/ und alle meine gebeine
seind erschroken/ ja meine gestalt ist verfallen für
tauren/ mein haupt ist krank/ mein herz ist matt/ von
der fuß-sollen an biß auff die schejtel ist nichts gesun-
des an meinem leibe/ sondern eitel sündliche wunden/
streimen und eiter beulen. Jch schäme mich zu le-
ben/ und förchte mich zusterben. Dann ich habe mich
nicht gehalten als deine verlobte/ daß bekenne ich/ ich
habe mich nicht erwiesen als deine Brant/ daß bereue
ich/ habe dich meinen Bräutigam verlassen/ und mit
andern gebuhlet/ daß beweine ich/ ich habe dich ver-
achtet/ verfchmähet/ und deine grosse liebe/ die du mir
selbst biß zum tode/ ja zum tode deß kreüzes/ bezeüget/
mit undank belohnet; daß beseuffzet meine seele/ ich
bin im welt-leben ersoffen/ in der stinkenden hoffart
vernarret/ in unzucht vertieffet/ und in allen schänd-
lichen untugenden erstorben/ so gar/ daß ich auch
meinen jungfräulichen leib/ der eine wohnung deines
heiligen Geistes sein sollen/ durch übergeben in alle

wol-
Aſonderliche Beichte
Abſonderliche Beichte/
Einer erwachſenen Jung-
frauen.

OJEſu/ du Sohn des lebendigen Got-
tes/ weil ich arme ſünderin ſchwaͤrlich [unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]g fa-
len/ und übel gethan für dir; ja ich wol weiß
daß du am jüngſten tage in einem groſſen waͤtter
und erſchroͤklichem feür kom̃en wirſt/ zu richten die
lebendigen/ und die todten; und für ſo viel tauſend
voͤlkern/ ja für ſo einer groſſen maͤnge der Engel/ alle
meine ſünden ſollen offenbahr werden; ſo aͤngſtigt
ſich mein herz in meinem leibe/ und alle meine gebeine
ſeind erſchroken/ ja meine geſtalt iſt verfallen für
tauren/ mein haupt iſt krank/ mein herz iſt matt/ von
der fuß-ſollen an biß auff die ſchejtel iſt nichts geſun-
des an meinem leibe/ ſondern eitel ſündliche wunden/
ſtreimen und eiter beulen. Jch ſchaͤme mich zu le-
ben/ und foͤrchte mich zuſterben. Dañ ich habe mich
nicht gehalten als deine verlobte/ daß bekeñe ich/ ich
habe mich nicht erwieſen als deine Brant/ daß bereue
ich/ habe dich meinen Braͤutigam verlaſſen/ und mit
andern gebuhlet/ daß beweine ich/ ich habe dich ver-
achtet/ verfchmaͤhet/ und deine groſſe liebe/ die du mir
ſelbſt biß zum tode/ ja zum tode deß kreüzes/ bezeüget/
mit undank belohnet; daß beſeuffzet meine ſeele/ ich
bin im welt-leben erſoffen/ in der ſtinkenden hoffart
vernarꝛet/ in unzucht vertieffet/ und in allen ſchaͤnd-
lichen untugenden erſtorben/ ſo gar/ daß ich auch
meinen jungfraͤulichen leib/ der eine wohnung deines
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[318/0331] Aſonderliche Beichte Abſonderliche Beichte/ Einer erwachſenen Jung- frauen. OJEſu/ du Sohn des lebendigen Got- tes/ weil ich arme ſünderin ſchwaͤrlich _g fa- len/ und übel gethan für dir; ja ich wol weiß daß du am jüngſten tage in einem groſſen waͤtter und erſchroͤklichem feür kom̃en wirſt/ zu richten die lebendigen/ und die todten; und für ſo viel tauſend voͤlkern/ ja für ſo einer groſſen maͤnge der Engel/ alle meine ſünden ſollen offenbahr werden; ſo aͤngſtigt ſich mein herz in meinem leibe/ und alle meine gebeine ſeind erſchroken/ ja meine geſtalt iſt verfallen für tauren/ mein haupt iſt krank/ mein herz iſt matt/ von der fuß-ſollen an biß auff die ſchejtel iſt nichts geſun- des an meinem leibe/ ſondern eitel ſündliche wunden/ ſtreimen und eiter beulen. Jch ſchaͤme mich zu le- ben/ und foͤrchte mich zuſterben. Dañ ich habe mich nicht gehalten als deine verlobte/ daß bekeñe ich/ ich habe mich nicht erwieſen als deine Brant/ daß bereue ich/ habe dich meinen Braͤutigam verlaſſen/ und mit andern gebuhlet/ daß beweine ich/ ich habe dich ver- achtet/ verfchmaͤhet/ und deine groſſe liebe/ die du mir ſelbſt biß zum tode/ ja zum tode deß kreüzes/ bezeüget/ mit undank belohnet; daß beſeuffzet meine ſeele/ ich bin im welt-leben erſoffen/ in der ſtinkenden hoffart vernarꝛet/ in unzucht vertieffet/ und in allen ſchaͤnd- lichen untugenden erſtorben/ ſo gar/ daß ich auch meinen jungfraͤulichen leib/ der eine wohnung deines heiligen Geiſtes ſein ſollen/ durch übergeben in alle wol-

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Zitationshilfe: Zesen, Philip von: Neues Buß- und Gebätt-buch. Schaffhausen, 1660, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zesen_gebetbuch_1660/331>, abgerufen am 13.07.2024.