Am Dienstag, dem 19. November 2019, finden von 9 bis 14 Uhr Wartungsarbeiten an unseren Servern statt. Bitte beachten Sie, dass die DTA-Seiten in dieser Zeit nicht erreichbar sein werden.
Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite

Staatswissenschaft.
es mag solche der Zuhörer als eine Vorbereitung,
oder als eine kurtze Wiederhohlung der ganzen
Geschichte ansehen.

§. 9.

Mit diesem Wegweiser fangen wir nun
an, die fürnehmsten Merkwürdigkeiten eines
Reichs in Augenschein zu nehmen. Alles, was
wir darinnen antreffen, läßt sich in zween Haupt-
puneten zusammen fassen. Man betrachtet ent-
weder ein Reich vor sich allein, oder verschie-
dene Reiche mit einander.
Jenes macht den
eigentlichen Staat eines Reiches aus; dieses
aber lehrt uns das Verhältniß der Reiche ge-
gen einander
erkennen, und muß besonders
traetirt werden.

§. 10.

Der erste Anblick der vielen Merkwürdig-
keiten eines Reiches, wenn man es an sich selbst
betrachtet, kommt mir wie ein Jrrgarten vor.
Ein jeder, der den rechten Gang nicht weiß,
nimmt seine besondere Wege. Herein kommt
man leicht: aber wie findet man sich heraus?
Man muß alles in zwo Classen absondern. Ein
Reich bestehet aus Land und Leuten. Unter
diese beyde Begriffe lässet sich alles bringen.

§. 11.

Wenn ich hier Land (Territorium) nen-

ne,
A 4

Staatswiſſenſchaft.
es mag ſolche der Zuhoͤrer als eine Vorbereitung,
oder als eine kurtze Wiederhohlung der ganzen
Geſchichte anſehen.

§. 9.

Mit dieſem Wegweiſer fangen wir nun
an, die fuͤrnehmſten Merkwuͤrdigkeiten eines
Reichs in Augenſchein zu nehmen. Alles, was
wir darinnen antreffen, laͤßt ſich in zween Haupt-
puneten zuſammen faſſen. Man betrachtet ent-
weder ein Reich vor ſich allein, oder verſchie-
dene Reiche mit einander.
Jenes macht den
eigentlichen Staat eines Reiches aus; dieſes
aber lehrt uns das Verhaͤltniß der Reiche ge-
gen einander
erkennen, und muß beſonders
traetirt werden.

§. 10.

Der erſte Anblick der vielen Merkwuͤrdig-
keiten eines Reiches, wenn man es an ſich ſelbſt
betrachtet, kommt mir wie ein Jrrgarten vor.
Ein jeder, der den rechten Gang nicht weiß,
nimmt ſeine beſondere Wege. Herein kommt
man leicht: aber wie findet man ſich heraus?
Man muß alles in zwo Claſſen abſondern. Ein
Reich beſtehet aus Land und Leuten. Unter
dieſe beyde Begriffe laͤſſet ſich alles bringen.

§. 11.

Wenn ich hier Land (Territorium) nen-

ne,
A 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0021" n="7"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Staatswi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft.</hi></fw><lb/>
es mag &#x017F;olche der Zuho&#x0364;rer als eine Vorbereitung,<lb/>
oder als eine kurtze Wiederhohlung der ganzen<lb/>
Ge&#x017F;chichte an&#x017F;ehen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 9.</head><lb/>
          <p>Mit die&#x017F;em Wegwei&#x017F;er fangen wir nun<lb/>
an, die fu&#x0364;rnehm&#x017F;ten Merkwu&#x0364;rdigkeiten eines<lb/>
Reichs in Augen&#x017F;chein zu nehmen. Alles, was<lb/>
wir darinnen antreffen, la&#x0364;ßt &#x017F;ich in zween Haupt-<lb/>
puneten zu&#x017F;ammen fa&#x017F;&#x017F;en. Man betrachtet ent-<lb/>
weder ein Reich <hi rendition="#fr">vor &#x017F;ich allein,</hi> oder <hi rendition="#fr">ver&#x017F;chie-<lb/>
dene Reiche mit einander.</hi> Jenes macht den<lb/><hi rendition="#fr">eigentlichen Staat</hi> eines Reiches aus; die&#x017F;es<lb/>
aber lehrt uns das <hi rendition="#fr">Verha&#x0364;ltniß der Reiche ge-<lb/>
gen einander</hi> erkennen, und muß be&#x017F;onders<lb/>
traetirt werden.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 10.</head><lb/>
          <p>Der er&#x017F;te Anblick der vielen Merkwu&#x0364;rdig-<lb/>
keiten eines Reiches, wenn man es <hi rendition="#fr">an &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t</hi><lb/>
betrachtet, kommt mir wie ein Jrrgarten vor.<lb/>
Ein jeder, der den rechten Gang nicht weiß,<lb/>
nimmt &#x017F;eine be&#x017F;ondere Wege. Herein kommt<lb/>
man leicht: aber wie findet man &#x017F;ich heraus?<lb/>
Man muß alles in zwo Cla&#x017F;&#x017F;en ab&#x017F;ondern. Ein<lb/>
Reich be&#x017F;tehet aus <hi rendition="#fr">Land</hi> und <hi rendition="#fr">Leuten.</hi> Unter<lb/>
die&#x017F;e beyde Begriffe la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et &#x017F;ich alles bringen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 11.</head><lb/>
          <p>Wenn ich hier <hi rendition="#fr">Land</hi> <hi rendition="#aq">(Territorium)</hi> nen-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">A 4</fw><fw place="bottom" type="catch">ne,</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[7/0021] Staatswiſſenſchaft. es mag ſolche der Zuhoͤrer als eine Vorbereitung, oder als eine kurtze Wiederhohlung der ganzen Geſchichte anſehen. §. 9. Mit dieſem Wegweiſer fangen wir nun an, die fuͤrnehmſten Merkwuͤrdigkeiten eines Reichs in Augenſchein zu nehmen. Alles, was wir darinnen antreffen, laͤßt ſich in zween Haupt- puneten zuſammen faſſen. Man betrachtet ent- weder ein Reich vor ſich allein, oder verſchie- dene Reiche mit einander. Jenes macht den eigentlichen Staat eines Reiches aus; dieſes aber lehrt uns das Verhaͤltniß der Reiche ge- gen einander erkennen, und muß beſonders traetirt werden. §. 10. Der erſte Anblick der vielen Merkwuͤrdig- keiten eines Reiches, wenn man es an ſich ſelbſt betrachtet, kommt mir wie ein Jrrgarten vor. Ein jeder, der den rechten Gang nicht weiß, nimmt ſeine beſondere Wege. Herein kommt man leicht: aber wie findet man ſich heraus? Man muß alles in zwo Claſſen abſondern. Ein Reich beſtehet aus Land und Leuten. Unter dieſe beyde Begriffe laͤſſet ſich alles bringen. §. 11. Wenn ich hier Land (Territorium) nen- ne, A 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/21
Zitationshilfe: Achenwall, Gottfried: Abriß der neuesten Staatswissenschaft der vornehmsten Europäischen Reiche und Republicken. Göttingen, 1749, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/achenwall_staatswissenschaft_1749/21>, abgerufen am 13.11.2019.