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Anzengruber, Ludwig: Der G'wissenswurm. Wien, 1874.

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Bauer. Ho, dö find ich mer scho aus! (Wendet sich, fort-
strickend, zum Abgehen, es entfällt ihm ein Knäuel.)
Eh, eh, halt Dich Sakra,
(in der Bemühung diesen aufzuheben der Zweite und dann der Dritte.) Teufi h'nein!
-- Oeha -- no krieg eng schon!
(Schleift sie ein Stück an langen Fäden
hinter sich.)
No wann's nöt wöllt's, hol eng allz'samm der Teufel,
braucht er neama bloßfüaßet z'geh'n!
(Stößt das ganze Strickzeug mit
dem Fuß in einen Winkel.)
No g'freut's eng Buama, alle mit ein-
ander krieg'n mer's, wann mer hoamkimmen, wonn uns nur
nöt' es Wetter derwischt!

(Den Abgegangenen nach.)
(Kleine Pause. Erneuerte dumpfe Wetterschläge.)
Fünfzehnte Scene.
Grillhofer, Dusterer, (durch die offene Einfahrt,) darauf: die Bäuerin aus dem
Hause.
Dusterer. No Schwoger, is do recht, daß ich mit bin,
gelt ja? Daß'd net mußt so allanig herumsteig'n. Hon's gleich
g'seh'n, daß mer mit'n Wagen net zu können. Dös is es
oanzige G'höft an der Lehnten.
Grillhofer (auf einen Stock gestützt, kommt langsam vor). Jo jo, kimmt
mer aber a weng z'groß für, als daß sich's ließt von oan
oanschichtigen Weib bewirthschäften.
Dusterer. No, no, werd'n mer ja seh'n, wer darauf sitzt!
Wer weiß was dem versoffenen Unfriedstifter, dem Lenhardt,
fürkämma is?! Am End' is er noch a verlogener Spitzbua
dazu und hat uns nur herg'narrt.
Bäuerin (von Innen). Wer is d'raußt? (Tritt unter die Thür.)
Seid's ös es schon?
Grillhofer. Gut'n Abend!
Bäuerin. Gut'n Abend -- was wöllt's denn?
Grillhofer (tritt zitternd näher). Bist Du die Riesler Mag-
dalen'?
Bäuerin (keifend, wobei sie aus der Thüre den Angesprochenen immer näher
tritt).
Wer fragt darnach? Ich frag', wer darnach z'fragen
hat?! D'Poltner bin ich, die Bäurin an der Lehnten, hat
Neamand darnach z'fragen, was ich sunst bin oder war!
War allweil a Ruh, hizt af amal war 'es Fragens kein
Bauer. Ho, dö find ich mer ſcho aus! (Wendet ſich, fort-
ſtrickend, zum Abgehen, es entfällt ihm ein Knäuel.)
Eh, eh, halt Dich Sakra,
(in der Bemühung dieſen aufzuheben der Zweite und dann der Dritte.) Teufi h’nein!
— Oeha — no krieg eng ſchon!
(Schleift ſie ein Stück an langen Fäden
hinter ſich.)
No wann’s nöt wöllt’s, hol eng allz’ſamm der Teufel,
braucht er neama bloßfüaßet z’geh’n!
(Stößt das ganze Strickzeug mit
dem Fuß in einen Winkel.)
No g’freut’s eng Buama, alle mit ein-
ander krieg’n mer’s, wann mer hoamkimmen, wonn uns nur
nöt’ es Wetter derwiſcht!

(Den Abgegangenen nach.)
(Kleine Pauſe. Erneuerte dumpfe Wetterſchläge.)
Fünfzehnte Scene.
Grillhofer, Duſterer, (durch die offene Einfahrt,) darauf: die Bäuerin aus dem
Hauſe.
Duſterer. No Schwoger, is do recht, daß ich mit bin,
gelt ja? Daß’d net mußt ſo allanig herumſteig’n. Hon’s gleich
g’ſeh’n, daß mer mit’n Wagen net zu können. Dös is es
oanzige G’höft an der Lehnten.
Grillhofer (auf einen Stock geſtützt, kommt langſam vor). Jo jo, kimmt
mer aber a weng z’groß für, als daß ſich’s ließt von oan
oanſchichtigen Weib bewirthſchäften.
Duſterer. No, no, werd’n mer ja ſeh’n, wer darauf ſitzt!
Wer weiß was dem verſoffenen Unfriedſtifter, dem Lenhardt,
fürkämma is?! Am End’ is er noch a verlogener Spitzbua
dazu und hat uns nur herg’narrt.
Bäuerin (von Innen). Wer is d’raußt? (Tritt unter die Thür.)
Seid’s ös es ſchon?
Grillhofer. Gut’n Abend!
Bäuerin. Gut’n Abend — was wöllt’s denn?
Grillhofer (tritt zitternd näher). Biſt Du die Riesler Mag-
dalen’?
Bäuerin (keifend, wobei ſie aus der Thüre den Angeſprochenen immer näher
tritt).
Wer fragt darnach? Ich frag’, wer darnach z’fragen
hat?! D’Poltner bin ich, die Bäurin an der Lehnten, hat
Neamand darnach z’fragen, was ich ſunſt bin oder war!
War allweil a Ruh, hizt af amal war ’es Fragens kein
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[50/0058] Bauer. Ho, dö find ich mer ſcho aus! (Wendet ſich, fort- ſtrickend, zum Abgehen, es entfällt ihm ein Knäuel.) Eh, eh, halt Dich Sakra, (in der Bemühung dieſen aufzuheben der Zweite und dann der Dritte.) Teufi h’nein! — Oeha — no krieg eng ſchon! (Schleift ſie ein Stück an langen Fäden hinter ſich.) No wann’s nöt wöllt’s, hol eng allz’ſamm der Teufel, braucht er neama bloßfüaßet z’geh’n! (Stößt das ganze Strickzeug mit dem Fuß in einen Winkel.) No g’freut’s eng Buama, alle mit ein- ander krieg’n mer’s, wann mer hoamkimmen, wonn uns nur nöt’ es Wetter derwiſcht! (Den Abgegangenen nach.) (Kleine Pauſe. Erneuerte dumpfe Wetterſchläge.) Fünfzehnte Scene. Grillhofer, Duſterer, (durch die offene Einfahrt,) darauf: die Bäuerin aus dem Hauſe. Duſterer. No Schwoger, is do recht, daß ich mit bin, gelt ja? Daß’d net mußt ſo allanig herumſteig’n. Hon’s gleich g’ſeh’n, daß mer mit’n Wagen net zu können. Dös is es oanzige G’höft an der Lehnten. Grillhofer (auf einen Stock geſtützt, kommt langſam vor). Jo jo, kimmt mer aber a weng z’groß für, als daß ſich’s ließt von oan oanſchichtigen Weib bewirthſchäften. Duſterer. No, no, werd’n mer ja ſeh’n, wer darauf ſitzt! Wer weiß was dem verſoffenen Unfriedſtifter, dem Lenhardt, fürkämma is?! Am End’ is er noch a verlogener Spitzbua dazu und hat uns nur herg’narrt. Bäuerin (von Innen). Wer is d’raußt? (Tritt unter die Thür.) Seid’s ös es ſchon? Grillhofer. Gut’n Abend! Bäuerin. Gut’n Abend — was wöllt’s denn? Grillhofer (tritt zitternd näher). Biſt Du die Riesler Mag- dalen’? Bäuerin (keifend, wobei ſie aus der Thüre den Angeſprochenen immer näher tritt). Wer fragt darnach? Ich frag’, wer darnach z’fragen hat?! D’Poltner bin ich, die Bäurin an der Lehnten, hat Neamand darnach z’fragen, was ich ſunſt bin oder war! War allweil a Ruh, hizt af amal war ’es Fragens kein

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Zitationshilfe: Anzengruber, Ludwig: Der G'wissenswurm. Wien, 1874, S. 50. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/anzengruber_gwissenswurm_1874/58>, abgerufen am 19.01.2019.