Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897.

Bild:
<< vorherige Seite

Stilpe.
denken. Es giebt meistenteils Rindfleisch mit Ge¬
miese, und Brot kann sich jeder nachholen, wenn
er noch nicht satt ist. Ich hole mir immer welches.
Bier giebts keins, blos Wasser. Wir haben einen
neuen Schüsseloberst. Das ist der schönste Junge
im ganzen Kasten und ein Serbe. Er ist sehr
gut und macht feine Witze. Gestern sagt er zu
mir: Du, Schund, jetzt laß ich Dichs Wasser
karieren. Da haben wir aber alle gelacht. Er
heißt Miokovitsch. Ist das nicht ein schöner Name?
Wenn ich groß bin, geh ich mit ihm nach Serbien.
Er kann den Ball übern Thurm pritschen. Auch
die Riesenwelle kann er. Er hat aber auch schon
beinah einen Schnurbart. Ich bab ihn furchtbar
gern. Liebe Mama, die Kiste ist schon lange alle.

Es grüßt und küßt Dich
Dein Dich vielmals liebender Sohn
Willibald Stilpe No. 171.
[Abbildung]
Liebe gute Mamma!

Der Schisseloberst hat gestern dem Terz eine
Schelle neingehaun, weil er mich geknufft hat.

Stilpe.
denken. Es giebt meiſtenteils Rindfleiſch mit Ge¬
mieſe, und Brot kann ſich jeder nachholen, wenn
er noch nicht ſatt iſt. Ich hole mir immer welches.
Bier giebts keins, blos Waſſer. Wir haben einen
neuen Schüſſeloberſt. Das iſt der ſchönſte Junge
im ganzen Kaſten und ein Serbe. Er iſt ſehr
gut und macht feine Witze. Geſtern ſagt er zu
mir: Du, Schund, jetzt laß ich Dichs Waſſer
karieren. Da haben wir aber alle gelacht. Er
heißt Miokovitſch. Iſt das nicht ein ſchöner Name?
Wenn ich groß bin, geh ich mit ihm nach Serbien.
Er kann den Ball übern Thurm pritſchen. Auch
die Rieſenwelle kann er. Er hat aber auch ſchon
beinah einen Schnurbart. Ich bab ihn furchtbar
gern. Liebe Mama, die Kiſte iſt ſchon lange alle.

Es grüßt und küßt Dich
Dein Dich vielmals liebender Sohn
Willibald Stilpe No. 171.
[Abbildung]
Liebe gute Mamma!

Der Schiſſeloberſt hat geſtern dem Terz eine
Schelle neingehaun, weil er mich geknufft hat.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div type="letter">
              <p><pb facs="#f0038" n="24"/><fw place="top" type="header">Stilpe.<lb/></fw>denken. Es giebt mei&#x017F;tenteils Rindflei&#x017F;ch mit Ge¬<lb/>
mie&#x017F;e, und Brot kann &#x017F;ich jeder nachholen, wenn<lb/>
er noch nicht &#x017F;att i&#x017F;t. Ich hole mir immer welches.<lb/>
Bier giebts keins, blos Wa&#x017F;&#x017F;er. Wir haben einen<lb/>
neuen Schü&#x017F;&#x017F;elober&#x017F;t. Das i&#x017F;t der &#x017F;chön&#x017F;te Junge<lb/>
im ganzen Ka&#x017F;ten und ein Serbe. Er i&#x017F;t &#x017F;ehr<lb/>
gut und macht feine Witze. Ge&#x017F;tern &#x017F;agt er zu<lb/>
mir: Du, Schund, jetzt laß ich Dichs Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
karieren. Da haben wir aber alle gelacht. Er<lb/>
heißt Miokovit&#x017F;ch. I&#x017F;t das nicht ein &#x017F;chöner Name?<lb/>
Wenn ich groß bin, geh ich mit ihm nach Serbien.<lb/>
Er kann den Ball übern Thurm prit&#x017F;chen. Auch<lb/>
die Rie&#x017F;enwelle kann er. Er hat aber auch &#x017F;chon<lb/>
beinah einen Schnurbart. Ich bab ihn furchtbar<lb/>
gern. Liebe Mama, die Ki&#x017F;te i&#x017F;t &#x017F;chon lange alle.<lb/></p>
              <closer rendition="#right">Es grüßt und küßt Dich<lb/>
Dein Dich vielmals liebender Sohn<lb/>
Willibald Stilpe No. 171.</closer><lb/>
            </div>
            <figure/>
            <div type="letter">
              <opener rendition="#c">Liebe gute Mamma!</opener><lb/>
              <p>Der Schi&#x017F;&#x017F;elober&#x017F;t hat ge&#x017F;tern dem Terz eine<lb/>
Schelle neingehaun, weil er mich geknufft hat.<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0038] Stilpe. denken. Es giebt meiſtenteils Rindfleiſch mit Ge¬ mieſe, und Brot kann ſich jeder nachholen, wenn er noch nicht ſatt iſt. Ich hole mir immer welches. Bier giebts keins, blos Waſſer. Wir haben einen neuen Schüſſeloberſt. Das iſt der ſchönſte Junge im ganzen Kaſten und ein Serbe. Er iſt ſehr gut und macht feine Witze. Geſtern ſagt er zu mir: Du, Schund, jetzt laß ich Dichs Waſſer karieren. Da haben wir aber alle gelacht. Er heißt Miokovitſch. Iſt das nicht ein ſchöner Name? Wenn ich groß bin, geh ich mit ihm nach Serbien. Er kann den Ball übern Thurm pritſchen. Auch die Rieſenwelle kann er. Er hat aber auch ſchon beinah einen Schnurbart. Ich bab ihn furchtbar gern. Liebe Mama, die Kiſte iſt ſchon lange alle. Es grüßt und küßt Dich Dein Dich vielmals liebender Sohn Willibald Stilpe No. 171. [Abbildung] Liebe gute Mamma! Der Schiſſeloberſt hat geſtern dem Terz eine Schelle neingehaun, weil er mich geknufft hat.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/38
Zitationshilfe: Bierbaum, Otto Julius: Stilpe. Ein Roman aus der Froschperspektive. Berlin, 1897, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/bierbaum_stilpe_1897/38>, abgerufen am 17.02.2019.