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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779.

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len ihnen die Federn von selbst aus, und wer-
den dann (wie die Haare vieler Säugethiere)
neue an ihre Statt reproducirt. Dieses Wech-
seln der Federn scheint viel zum hohen Alter der
Vögel beyzutragen, ist doch aber immer mit
einer kleinen Unpäßlichkeit verbunden; daher
zumal ausländische Vögel in fremden Climaten
leicht zur Mauserzeit sterben, und die einheimi-
mischen Sangvögel wärend der Zeit übel dispo-
nirt und stille sind. Die neuen Federn haben
bey jungen Vögeln oft ganz andere Farbe als die
ausgefallnen; daher man bey Bestimmung der
Gattungen auf das Alter dieser Thiere und auf
die davon abhängende Verschiedenheit in der
Farbe, Rücksicht nehmen muß. In der Kunst-
spräche heißt ein Vogel, der sich noch nie ge-
mausert hat, avis hornotina; wenn er aber Fe-
dern gewechselt hat, avis adulta.

§. 61.

Die Federn variiren unendlich in der Grösse,
Farbe u. s. w. Die stärksten sind in den Fittigen
und im Schwänze. Jene heissen Schwungfe-
dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimmter
Anzal, nach aussen und nach hinten zu gerichtet,
und bilden gleichsam breite Fächer, womit sich
die Vögel in die Luft heben und fliegen können.
Einige wenige Vögel (aves impennes) wie
die Pinguine etc. haben gar keine Schwungfedern

len ihnen die Federn von selbst aus, und wer-
den dann (wie die Haare vieler Säugethiere)
neue an ihre Statt reproducirt. Dieses Wech-
seln der Federn scheint viel zum hohen Alter der
Vögel beyzutragen, ist doch aber immer mit
einer kleinen Unpäßlichkeit verbunden; daher
zumal ausländische Vögel in fremden Climaten
leicht zur Mauserzeit sterben, und die einheimi-
mischen Sangvögel wärend der Zeit übel dispo-
nirt und stille sind. Die neuen Federn haben
bey jungen Vögeln oft ganz andere Farbe als die
ausgefallnen; daher man bey Bestimmung der
Gattungen auf das Alter dieser Thiere und auf
die davon abhängende Verschiedenheit in der
Farbe, Rücksicht nehmen muß. In der Kunst-
spräche heißt ein Vogel, der sich noch nie ge-
mausert hat, avis hornotina; wenn er aber Fe-
dern gewechselt hat, avis adulta.

§. 61.

Die Federn variiren unendlich in der Grösse,
Farbe u. s. w. Die stärksten sind in den Fittigen
und im Schwänze. Jene heissen Schwungfe-
dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri-
ces
). Die Schwungfedern sind von unbestimmter
Anzal, nach aussen und nach hinten zu gerichtet,
und bilden gleichsam breite Fächer, womit sich
die Vögel in die Luft heben und fliegen können.
Einige wenige Vögel (aves impennes) wie
die Pinguine ꝛc. haben gar keine Schwungfedern

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[150/0173] len ihnen die Federn von selbst aus, und wer- den dann (wie die Haare vieler Säugethiere) neue an ihre Statt reproducirt. Dieses Wech- seln der Federn scheint viel zum hohen Alter der Vögel beyzutragen, ist doch aber immer mit einer kleinen Unpäßlichkeit verbunden; daher zumal ausländische Vögel in fremden Climaten leicht zur Mauserzeit sterben, und die einheimi- mischen Sangvögel wärend der Zeit übel dispo- nirt und stille sind. Die neuen Federn haben bey jungen Vögeln oft ganz andere Farbe als die ausgefallnen; daher man bey Bestimmung der Gattungen auf das Alter dieser Thiere und auf die davon abhängende Verschiedenheit in der Farbe, Rücksicht nehmen muß. In der Kunst- spräche heißt ein Vogel, der sich noch nie ge- mausert hat, avis hornotina; wenn er aber Fe- dern gewechselt hat, avis adulta. §. 61. Die Federn variiren unendlich in der Grösse, Farbe u. s. w. Die stärksten sind in den Fittigen und im Schwänze. Jene heissen Schwungfe- dern (remiges), diese Schwanzfedern (rectri- ces). Die Schwungfedern sind von unbestimmter Anzal, nach aussen und nach hinten zu gerichtet, und bilden gleichsam breite Fächer, womit sich die Vögel in die Luft heben und fliegen können. Einige wenige Vögel (aves impennes) wie die Pinguine ꝛc. haben gar keine Schwungfedern

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. Bd. 1. Göttingen, 1779, S. 150. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1779/172>, abgerufen am 20.07.2019.