Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde. Leipzig, 1890.

Bild:
<< vorherige Seite
VI. Die hervorragendsten Waffensammlungen.
5. Die gräflich Erbachsche Sammlung im Schlosse zu
Erbach.

In den gräflich Erbachschen Sammlungen bilden die Kriegs-
und Jagdwaffen besondere Abteilungen; diese geniessen wegen ihres
waffentechnischen und künstlerischen Wertes wie auch in anbetracht
der Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Gegenstände einen Weltruf.

Der Gründer der Sammlungen ist der Urgrossvater des jetzigen
Besitzers, Graf Franz zu Erbach-Erbach, der die Waffensammlung um
1820 aus einer kleinen Rüstkammer bildete, die er im Schlosse vor-
gefunden hatte. Diese ist in dem sogenannten Rittersaal, in der Ge-
wehrkammer und in der Hirschgalerie aufgestellt. Die Sammlungen
zählen rund 1100 Gegenstände, wovon allein 650 Stück auf Jagd-
waffen entfallen.

6. Das Landeszeughaus in Graz.

Ein Zeughaus mit allem seinem Inhalte und seiner unversehrten
Einrichtung aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eine Erschei-
nung, die einzig dasteht in der Welt. Schon um deswillen muss das
Landeszeughaus in Graz das höchste Interesse des Waffenfreundes in
Anspruch nehmen.

Wenngleich anzunehmen ist, dass das Land in seinem schon
seit dem 14. Jahrhundert und bis zur Stunde an demselben Orte
bestehenden Landhause eine Rüstkammer besass, so erfahren wir doch
erst 1547 etwas von den darin untergebrachten Waffen. Das gegen-
wärtige Zeughaus mit seinen vier Stockwerken stammt aus dem Jahre
1642, und sein Waffeninhalt wie seine Lagerungseinrichtungen haben
sich seit dem 17. Jahrhundert wunderbar erhalten. Mit Ausnahme
von wenigen Gegenständen, die noch dem 15. Jahrhundert angehören,
besteht der Inhalt aus gemeinen, knechtischen Waffen vom Ende des
16. und aus dem 17. Jahrhundert, aber in ungemein grosser Zahl,
in einer Reichhaltigkeit und einer relativen Vollständigkeit, die
Staunen erregt. Für das Studium des Waffenwesens vom rein
waffentechnischen und historischen Gesichtspunkte ist das Grazer
Zeughaus von hoher Wichtigkeit. Der Bestand ist ungemein gross;
er beziffert sich mit 26000 Stücken, worunter freilich massenhaft
Stücke gleicher Form sich befinden. So zählt es nicht weniger
als 1000 Fussangeln von einerlei Gestalt und dgl., aber anderseits
auch Formen, die nur hier allein angetroffen werden.


VI. Die hervorragendsten Waffensammlungen.
5. Die gräflich Erbachsche Sammlung im Schlosse zu
Erbach.

In den gräflich Erbachschen Sammlungen bilden die Kriegs-
und Jagdwaffen besondere Abteilungen; diese genieſsen wegen ihres
waffentechnischen und künstlerischen Wertes wie auch in anbetracht
der Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Gegenstände einen Weltruf.

Der Gründer der Sammlungen ist der Urgroſsvater des jetzigen
Besitzers, Graf Franz zu Erbach-Erbach, der die Waffensammlung um
1820 aus einer kleinen Rüstkammer bildete, die er im Schlosse vor-
gefunden hatte. Diese ist in dem sogenannten Rittersaal, in der Ge-
wehrkammer und in der Hirschgalerie aufgestellt. Die Sammlungen
zählen rund 1100 Gegenstände, wovon allein 650 Stück auf Jagd-
waffen entfallen.

6. Das Landeszeughaus in Graz.

Ein Zeughaus mit allem seinem Inhalte und seiner unversehrten
Einrichtung aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eine Erschei-
nung, die einzig dasteht in der Welt. Schon um deswillen muſs das
Landeszeughaus in Graz das höchste Interesse des Waffenfreundes in
Anspruch nehmen.

Wenngleich anzunehmen ist, daſs das Land in seinem schon
seit dem 14. Jahrhundert und bis zur Stunde an demselben Orte
bestehenden Landhause eine Rüstkammer besaſs, so erfahren wir doch
erst 1547 etwas von den darin untergebrachten Waffen. Das gegen-
wärtige Zeughaus mit seinen vier Stockwerken stammt aus dem Jahre
1642, und sein Waffeninhalt wie seine Lagerungseinrichtungen haben
sich seit dem 17. Jahrhundert wunderbar erhalten. Mit Ausnahme
von wenigen Gegenständen, die noch dem 15. Jahrhundert angehören,
besteht der Inhalt aus gemeinen, knechtischen Waffen vom Ende des
16. und aus dem 17. Jahrhundert, aber in ungemein groſser Zahl,
in einer Reichhaltigkeit und einer relativen Vollständigkeit, die
Staunen erregt. Für das Studium des Waffenwesens vom rein
waffentechnischen und historischen Gesichtspunkte ist das Grazer
Zeughaus von hoher Wichtigkeit. Der Bestand ist ungemein groſs;
er beziffert sich mit 26000 Stücken, worunter freilich massenhaft
Stücke gleicher Form sich befinden. So zählt es nicht weniger
als 1000 Fuſsangeln von einerlei Gestalt und dgl., aber anderseits
auch Formen, die nur hier allein angetroffen werden.


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0644" n="626"/>
        <fw place="top" type="header">VI. Die hervorragendsten Waffensammlungen.</fw><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">5. Die gräflich Erbachsche Sammlung im Schlosse zu<lb/>
Erbach.</hi> </head><lb/>
          <p>In den gräflich Erbachschen Sammlungen bilden die Kriegs-<lb/>
und Jagdwaffen besondere Abteilungen; diese genie&#x017F;sen wegen ihres<lb/>
waffentechnischen und künstlerischen Wertes wie auch in anbetracht<lb/>
der Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Gegenstände einen Weltruf.</p><lb/>
          <p>Der Gründer der Sammlungen ist der Urgro&#x017F;svater des jetzigen<lb/>
Besitzers, Graf Franz zu Erbach-Erbach, der die Waffensammlung um<lb/>
1820 aus einer kleinen Rüstkammer bildete, die er im Schlosse vor-<lb/>
gefunden hatte. Diese ist in dem sogenannten Rittersaal, in der Ge-<lb/>
wehrkammer und in der Hirschgalerie aufgestellt. Die Sammlungen<lb/>
zählen rund 1100 Gegenstände, wovon allein 650 Stück auf Jagd-<lb/>
waffen entfallen.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">6. Das Landeszeughaus in Graz.</hi> </head><lb/>
          <p>Ein Zeughaus mit allem seinem Inhalte und seiner unversehrten<lb/>
Einrichtung aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eine Erschei-<lb/>
nung, die einzig dasteht in der Welt. Schon um deswillen mu&#x017F;s das<lb/>
Landeszeughaus in Graz das höchste Interesse des Waffenfreundes in<lb/>
Anspruch nehmen.</p><lb/>
          <p>Wenngleich anzunehmen ist, da&#x017F;s das Land in seinem schon<lb/>
seit dem 14. Jahrhundert und bis zur Stunde an demselben Orte<lb/>
bestehenden Landhause eine Rüstkammer besa&#x017F;s, so erfahren wir doch<lb/>
erst 1547 etwas von den darin untergebrachten Waffen. Das gegen-<lb/>
wärtige Zeughaus mit seinen vier Stockwerken stammt aus dem Jahre<lb/>
1642, und sein Waffeninhalt wie seine Lagerungseinrichtungen haben<lb/>
sich seit dem 17. Jahrhundert wunderbar erhalten. Mit Ausnahme<lb/>
von wenigen Gegenständen, die noch dem 15. Jahrhundert angehören,<lb/>
besteht der Inhalt aus gemeinen, knechtischen Waffen vom Ende des<lb/>
16. und aus dem 17. Jahrhundert, aber in ungemein gro&#x017F;ser Zahl,<lb/>
in einer Reichhaltigkeit und einer relativen Vollständigkeit, die<lb/>
Staunen erregt. Für das Studium des Waffenwesens vom rein<lb/>
waffentechnischen und historischen Gesichtspunkte ist das Grazer<lb/>
Zeughaus von hoher Wichtigkeit. Der Bestand ist ungemein gro&#x017F;s;<lb/>
er beziffert sich mit 26000 Stücken, worunter freilich massenhaft<lb/>
Stücke gleicher Form sich befinden. So zählt es nicht weniger<lb/>
als 1000 Fu&#x017F;sangeln von einerlei Gestalt und dgl., aber anderseits<lb/>
auch Formen, die nur hier allein angetroffen werden.</p>
        </div><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[626/0644] VI. Die hervorragendsten Waffensammlungen. 5. Die gräflich Erbachsche Sammlung im Schlosse zu Erbach. In den gräflich Erbachschen Sammlungen bilden die Kriegs- und Jagdwaffen besondere Abteilungen; diese genieſsen wegen ihres waffentechnischen und künstlerischen Wertes wie auch in anbetracht der Zahl und Mannigfaltigkeit ihrer Gegenstände einen Weltruf. Der Gründer der Sammlungen ist der Urgroſsvater des jetzigen Besitzers, Graf Franz zu Erbach-Erbach, der die Waffensammlung um 1820 aus einer kleinen Rüstkammer bildete, die er im Schlosse vor- gefunden hatte. Diese ist in dem sogenannten Rittersaal, in der Ge- wehrkammer und in der Hirschgalerie aufgestellt. Die Sammlungen zählen rund 1100 Gegenstände, wovon allein 650 Stück auf Jagd- waffen entfallen. 6. Das Landeszeughaus in Graz. Ein Zeughaus mit allem seinem Inhalte und seiner unversehrten Einrichtung aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts ist eine Erschei- nung, die einzig dasteht in der Welt. Schon um deswillen muſs das Landeszeughaus in Graz das höchste Interesse des Waffenfreundes in Anspruch nehmen. Wenngleich anzunehmen ist, daſs das Land in seinem schon seit dem 14. Jahrhundert und bis zur Stunde an demselben Orte bestehenden Landhause eine Rüstkammer besaſs, so erfahren wir doch erst 1547 etwas von den darin untergebrachten Waffen. Das gegen- wärtige Zeughaus mit seinen vier Stockwerken stammt aus dem Jahre 1642, und sein Waffeninhalt wie seine Lagerungseinrichtungen haben sich seit dem 17. Jahrhundert wunderbar erhalten. Mit Ausnahme von wenigen Gegenständen, die noch dem 15. Jahrhundert angehören, besteht der Inhalt aus gemeinen, knechtischen Waffen vom Ende des 16. und aus dem 17. Jahrhundert, aber in ungemein groſser Zahl, in einer Reichhaltigkeit und einer relativen Vollständigkeit, die Staunen erregt. Für das Studium des Waffenwesens vom rein waffentechnischen und historischen Gesichtspunkte ist das Grazer Zeughaus von hoher Wichtigkeit. Der Bestand ist ungemein groſs; er beziffert sich mit 26000 Stücken, worunter freilich massenhaft Stücke gleicher Form sich befinden. So zählt es nicht weniger als 1000 Fuſsangeln von einerlei Gestalt und dgl., aber anderseits auch Formen, die nur hier allein angetroffen werden.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/boeheim_waffenkunde_1890
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/boeheim_waffenkunde_1890/644
Zitationshilfe: Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde. Leipzig, 1890, S. 626. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boeheim_waffenkunde_1890/644>, abgerufen am 30.05.2020.