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Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Bd. 3. Berlin, 1834.

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Raumbestimmung.

450. Die Raumbestimmung beantwortet die Frage
wo gefochten werden soll, sowohl für das Ganze als
die Theile.

451. Der Ort des Gefechts für das Ganze ist eine
strategische Bestimmung die uns hier Nichts angeht. Wir
haben es hier nur mit der Konstruktion des Gefechts zu
thun und müssen also voraussetzen daß beide Theile an
einander kommen; also wird der allgemeine Ort des Ge-
fechts entweder der sein wo die feindliche Armee ist (beim
Angriff
), oder der wo wir sie erwarten dürfen (bei
der Vertheidigung
).

452. Was die Raumbestimmung für die Glieder
des Ganzen betrifft, so ist darin die geometrische Figur
enthalten welche die gegenseitigen Streitkräfte im Gefechte
einnehmen sollen.

453. Wir abstrahiren hier von den in der stehenden
Formation enthaltenen Formen, welche wir später betrach-
ten wollen.

454. Die geometrische Gestalt des Ganzen kann auf
zwei zurückgeführt werden: die geradlinige und die kon-
zentrischer Kreise. Auf Eins von Beidem läuft alles An-
dere hinaus.

455. Was nämlich wirklich mit einander im Gefecht
gedacht werden soll muß in parallelen Grundlinien gedacht
werden. Wenn also eine Armee senkrecht auf die Grund-
linie der andern aufmarschirt ist, so muß diese entweder
ihre Fronte ganz verändern und sich parallel mit jener
stellen, oder sie muß es wenigstens mit einem Theile thun.
Unsere Armee aber muß den Theil gegen welchen kein
Theil der feindlichen herumgeschwenkt ist selbst herum-

Raumbeſtimmung.

450. Die Raumbeſtimmung beantwortet die Frage
wo gefochten werden ſoll, ſowohl fuͤr das Ganze als
die Theile.

451. Der Ort des Gefechts fuͤr das Ganze iſt eine
ſtrategiſche Beſtimmung die uns hier Nichts angeht. Wir
haben es hier nur mit der Konſtruktion des Gefechts zu
thun und muͤſſen alſo vorausſetzen daß beide Theile an
einander kommen; alſo wird der allgemeine Ort des Ge-
fechts entweder der ſein wo die feindliche Armee iſt (beim
Angriff
), oder der wo wir ſie erwarten duͤrfen (bei
der Vertheidigung
).

452. Was die Raumbeſtimmung fuͤr die Glieder
des Ganzen betrifft, ſo iſt darin die geometriſche Figur
enthalten welche die gegenſeitigen Streitkraͤfte im Gefechte
einnehmen ſollen.

453. Wir abſtrahiren hier von den in der ſtehenden
Formation enthaltenen Formen, welche wir ſpaͤter betrach-
ten wollen.

454. Die geometriſche Geſtalt des Ganzen kann auf
zwei zuruͤckgefuͤhrt werden: die geradlinige und die kon-
zentriſcher Kreiſe. Auf Eins von Beidem laͤuft alles An-
dere hinaus.

455. Was naͤmlich wirklich mit einander im Gefecht
gedacht werden ſoll muß in parallelen Grundlinien gedacht
werden. Wenn alſo eine Armee ſenkrecht auf die Grund-
linie der andern aufmarſchirt iſt, ſo muß dieſe entweder
ihre Fronte ganz veraͤndern und ſich parallel mit jener
ſtellen, oder ſie muß es wenigſtens mit einem Theile thun.
Unſere Armee aber muß den Theil gegen welchen kein
Theil der feindlichen herumgeſchwenkt iſt ſelbſt herum-

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[359/0373] Raumbeſtimmung. 450. Die Raumbeſtimmung beantwortet die Frage wo gefochten werden ſoll, ſowohl fuͤr das Ganze als die Theile. 451. Der Ort des Gefechts fuͤr das Ganze iſt eine ſtrategiſche Beſtimmung die uns hier Nichts angeht. Wir haben es hier nur mit der Konſtruktion des Gefechts zu thun und muͤſſen alſo vorausſetzen daß beide Theile an einander kommen; alſo wird der allgemeine Ort des Ge- fechts entweder der ſein wo die feindliche Armee iſt (beim Angriff), oder der wo wir ſie erwarten duͤrfen (bei der Vertheidigung). 452. Was die Raumbeſtimmung fuͤr die Glieder des Ganzen betrifft, ſo iſt darin die geometriſche Figur enthalten welche die gegenſeitigen Streitkraͤfte im Gefechte einnehmen ſollen. 453. Wir abſtrahiren hier von den in der ſtehenden Formation enthaltenen Formen, welche wir ſpaͤter betrach- ten wollen. 454. Die geometriſche Geſtalt des Ganzen kann auf zwei zuruͤckgefuͤhrt werden: die geradlinige und die kon- zentriſcher Kreiſe. Auf Eins von Beidem laͤuft alles An- dere hinaus. 455. Was naͤmlich wirklich mit einander im Gefecht gedacht werden ſoll muß in parallelen Grundlinien gedacht werden. Wenn alſo eine Armee ſenkrecht auf die Grund- linie der andern aufmarſchirt iſt, ſo muß dieſe entweder ihre Fronte ganz veraͤndern und ſich parallel mit jener ſtellen, oder ſie muß es wenigſtens mit einem Theile thun. Unſere Armee aber muß den Theil gegen welchen kein Theil der feindlichen herumgeſchwenkt iſt ſelbſt herum-

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Zitationshilfe: Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Bd. 3. Berlin, 1834, S. 359. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/clausewitz_krieg03_1834/373>, abgerufen am 26.04.2019.