Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862.

Bild:
<< vorherige Seite
Rheinsberg.
1.
Die Kahlenberge. Französische Colonisten-Dörfer.
Einfahrt in Rheinsberg. Der Rathskeller.
Unter den Linden. Das Möskefest
.

Die Stadt Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen, ist
wirklich schwer. Die Eisenbahn zieht sich auf 6 Meilen Entfer-
nung daran vorbei und nur ein geschickt zu benutzendes Verbin-
dungsnetz von Hauderer und Fahrpost (die bloßen Worte ängstigen
das Gemüth!) führt schließlich den Reisenden an das ersehnte Ziel.
Dies mag es zum Theil erklären, weshalb ein Punkt unserer
heimathlichen Mark so völlig unbesucht bleibt, dessen Naturschön-
heiten mindestens nicht verächtlich zu behandeln und dessen histo-
rische Erinnerungen allerersten Ranges sind.

Wir haben es besser, wenigstens näher. Wir kommen von
dem nur 3 Meilen entfernten Ruppin und lassen uns durch die
Sandwüste nicht beirren, die auf der ersten Hälfte des Weges
vor uns liegt. Man passirt mehrere Hügelzüge, und so oft man
fragt, "wie heißt dieser Platz hier?" so schallt die Antwort zurück,
"die Kahlenberge." Diese Sandwüste wird hier und da durch ein
Dorf aus alter, guter Zeit unterbrochen, dessen ärmliche Stroh-
dächer ein spitzer Schindelthurm überragt. Vielen fehlt auch dieser
Thurm. Einzelne dieser Dörfer (z. B. Braunsberg), in denen,
bei ähnlichem Boden, wie ihn Teltow hat, auch die Rübenzucht

Rheinsberg.
1.
Die Kahlenberge. Franzöſiſche Coloniſten-Dörfer.
Einfahrt in Rheinsberg. Der Rathskeller.
Unter den Linden. Das Möskefeſt
.

Die Stadt Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen, iſt
wirklich ſchwer. Die Eiſenbahn zieht ſich auf 6 Meilen Entfer-
nung daran vorbei und nur ein geſchickt zu benutzendes Verbin-
dungsnetz von Hauderer und Fahrpoſt (die bloßen Worte ängſtigen
das Gemüth!) führt ſchließlich den Reiſenden an das erſehnte Ziel.
Dies mag es zum Theil erklären, weshalb ein Punkt unſerer
heimathlichen Mark ſo völlig unbeſucht bleibt, deſſen Naturſchön-
heiten mindeſtens nicht verächtlich zu behandeln und deſſen hiſto-
riſche Erinnerungen allererſten Ranges ſind.

Wir haben es beſſer, wenigſtens näher. Wir kommen von
dem nur 3 Meilen entfernten Ruppin und laſſen uns durch die
Sandwüſte nicht beirren, die auf der erſten Hälfte des Weges
vor uns liegt. Man paſſirt mehrere Hügelzüge, und ſo oft man
fragt, „wie heißt dieſer Platz hier?“ ſo ſchallt die Antwort zurück,
„die Kahlenberge.“ Dieſe Sandwüſte wird hier und da durch ein
Dorf aus alter, guter Zeit unterbrochen, deſſen ärmliche Stroh-
dächer ein ſpitzer Schindelthurm überragt. Vielen fehlt auch dieſer
Thurm. Einzelne dieſer Dörfer (z. B. Braunsberg), in denen,
bei ähnlichem Boden, wie ihn Teltow hat, auch die Rübenzucht

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0096" n="[78]"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Rheinsberg.</hi> </head><lb/>
          <div n="3">
            <head>1.<lb/><hi rendition="#g">Die Kahlenberge. Franzö&#x017F;i&#x017F;che Coloni&#x017F;ten-Dörfer.<lb/>
Einfahrt in Rheinsberg. Der Rathskeller.<lb/>
Unter den Linden. Das Möskefe&#x017F;t</hi>.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Stadt <hi rendition="#g">Rheinsberg</hi> von <hi rendition="#g">Berlin</hi> aus zu erreichen, i&#x017F;t<lb/>
wirklich &#x017F;chwer. Die Ei&#x017F;enbahn zieht &#x017F;ich auf 6 Meilen Entfer-<lb/>
nung daran vorbei und nur ein ge&#x017F;chickt zu benutzendes Verbin-<lb/>
dungsnetz von Hauderer und Fahrpo&#x017F;t (die bloßen Worte äng&#x017F;tigen<lb/>
das Gemüth!) führt &#x017F;chließlich den Rei&#x017F;enden an das er&#x017F;ehnte Ziel.<lb/>
Dies mag es zum Theil erklären, weshalb ein Punkt un&#x017F;erer<lb/>
heimathlichen Mark &#x017F;o völlig unbe&#x017F;ucht bleibt, de&#x017F;&#x017F;en Natur&#x017F;chön-<lb/>
heiten minde&#x017F;tens nicht verächtlich zu behandeln und de&#x017F;&#x017F;en hi&#x017F;to-<lb/>
ri&#x017F;che Erinnerungen allerer&#x017F;ten Ranges &#x017F;ind.</p><lb/>
            <p>Wir haben es be&#x017F;&#x017F;er, wenig&#x017F;tens näher. Wir kommen von<lb/>
dem nur 3 Meilen entfernten Ruppin und la&#x017F;&#x017F;en uns durch die<lb/>
Sandwü&#x017F;te nicht beirren, die auf der er&#x017F;ten Hälfte des Weges<lb/>
vor uns liegt. Man pa&#x017F;&#x017F;irt mehrere Hügelzüge, und &#x017F;o oft man<lb/>
fragt, &#x201E;wie heißt die&#x017F;er Platz hier?&#x201C; &#x017F;o &#x017F;challt die Antwort zurück,<lb/>
&#x201E;die Kahlenberge.&#x201C; Die&#x017F;e Sandwü&#x017F;te wird hier und da durch ein<lb/>
Dorf aus alter, guter Zeit unterbrochen, de&#x017F;&#x017F;en ärmliche Stroh-<lb/>
dächer ein &#x017F;pitzer Schindelthurm überragt. Vielen fehlt auch die&#x017F;er<lb/>
Thurm. Einzelne die&#x017F;er Dörfer (z. B. Braunsberg), in denen,<lb/>
bei ähnlichem Boden, wie ihn Teltow hat, auch die Rübenzucht<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[78]/0096] Rheinsberg. 1. Die Kahlenberge. Franzöſiſche Coloniſten-Dörfer. Einfahrt in Rheinsberg. Der Rathskeller. Unter den Linden. Das Möskefeſt. Die Stadt Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen, iſt wirklich ſchwer. Die Eiſenbahn zieht ſich auf 6 Meilen Entfer- nung daran vorbei und nur ein geſchickt zu benutzendes Verbin- dungsnetz von Hauderer und Fahrpoſt (die bloßen Worte ängſtigen das Gemüth!) führt ſchließlich den Reiſenden an das erſehnte Ziel. Dies mag es zum Theil erklären, weshalb ein Punkt unſerer heimathlichen Mark ſo völlig unbeſucht bleibt, deſſen Naturſchön- heiten mindeſtens nicht verächtlich zu behandeln und deſſen hiſto- riſche Erinnerungen allererſten Ranges ſind. Wir haben es beſſer, wenigſtens näher. Wir kommen von dem nur 3 Meilen entfernten Ruppin und laſſen uns durch die Sandwüſte nicht beirren, die auf der erſten Hälfte des Weges vor uns liegt. Man paſſirt mehrere Hügelzüge, und ſo oft man fragt, „wie heißt dieſer Platz hier?“ ſo ſchallt die Antwort zurück, „die Kahlenberge.“ Dieſe Sandwüſte wird hier und da durch ein Dorf aus alter, guter Zeit unterbrochen, deſſen ärmliche Stroh- dächer ein ſpitzer Schindelthurm überragt. Vielen fehlt auch dieſer Thurm. Einzelne dieſer Dörfer (z. B. Braunsberg), in denen, bei ähnlichem Boden, wie ihn Teltow hat, auch die Rübenzucht

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Fontanes "Wanderungen" erschienen zuerst in Forts… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg01_1862
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg01_1862/96
Zitationshilfe: Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. [Bd. 1: Die Grafschaft Ruppin. Der Barnim. Der Teltow]. Berlin, 1862, S. [78]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fontane_brandenburg01_1862/96>, abgerufen am 23.03.2019.