Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790.

Bild:
<< vorherige Seite

1. Buch. 1. Tit.
klärung am gehörigen Ort Lib. VII. Tit. 4. §. 642.
mit den nöthigen Beweißen unterstützen 29).

§. 2.

Begrif, Eintheilung und Quellen der Verbindlichkeit. Er-
klärung des pr. I. de obligat. und der L. 1. D. de
obligat. et action.

Wo ein Recht ist, da ist auch eine Verbind-
lichkeit
vorhanden, demselben gemäß zu handeln. (luri
respondet obligatio)
. Dieses kann auf zweierley Art
verstanden werden. Einmal, wenn man das Wort ius
für Gesetz nimmt, so heißt es soviel: wo ein Gesetz ist,
da ist auch eine Verbindlichkeit, seine Handlungen nach
der Vorschrift desselben einzurichten. Zum andern,

wenn
nis, quod per formulam damnationis relictum est: z.
B. Damnas esto heres, Titium sinere in illa domo habita-
re, quoad vivet.
Ein solches Legat war freylich seiner
Natur nach nur ein einiges, nehmlich in Ansehung des
Erben, welchem der Testator die Verbindlichkeit auferlegt
hatte, den Legatarius in dem bestimmten Hause wohnen
zu lassen. Diese Verbindlichkeit ist nur eine einzige, und
der Erbe hat derselben ein Genüge gethan, so bald er
nach angetretener Erbschaft dem Legatar die Wohnung ein-
geräumt hat. Nur auf Seiten des Legatars ist das Ver-
mächtniß der Habitation mehrfach. S. Böhmer a. a. O.
§. VII.
29) Von denen mancherley Bedeutungen des Worts ius ha-
ben übrigens G. Chr. gebauer in Diss. de iustitia
et iure
Gött. 1738. rec. 1777. §. VI. sqq. Georg.
Christoph.
neller in Principiis iuris, de iure,
quod tribuit Iustitia,
und in der Abhandlung de
bono, aequo et iusto
in Opusc. T. I. P. I. N. 3. et

4. desgleichen Ier. Eb. linck in Diss. de iure va-
riisque eius significationibus.
Argent.
1741.
obgleich alle nicht vollständig, gehandelt.

1. Buch. 1. Tit.
klaͤrung am gehoͤrigen Ort Lib. VII. Tit. 4. §. 642.
mit den noͤthigen Beweißen unterſtuͤtzen 29).

§. 2.

Begrif, Eintheilung und Quellen der Verbindlichkeit. Er-
klaͤrung des pr. I. de obligat. und der L. 1. D. de
obligat. et action.

Wo ein Recht iſt, da iſt auch eine Verbind-
lichkeit
vorhanden, demſelben gemaͤß zu handeln. (luri
reſpondet obligatio)
. Dieſes kann auf zweierley Art
verſtanden werden. Einmal, wenn man das Wort ius
fuͤr Geſetz nimmt, ſo heißt es ſoviel: wo ein Geſetz iſt,
da iſt auch eine Verbindlichkeit, ſeine Handlungen nach
der Vorſchrift deſſelben einzurichten. Zum andern,

wenn
nis, quod per formulam damnationis relictum eſt: z.
B. Damnas eſto heres, Titium ſinere in illa domo habita-
re, quoad vivet.
Ein ſolches Legat war freylich ſeiner
Natur nach nur ein einiges, nehmlich in Anſehung des
Erben, welchem der Teſtator die Verbindlichkeit auferlegt
hatte, den Legatarius in dem beſtimmten Hauſe wohnen
zu laſſen. Dieſe Verbindlichkeit iſt nur eine einzige, und
der Erbe hat derſelben ein Genuͤge gethan, ſo bald er
nach angetretener Erbſchaft dem Legatar die Wohnung ein-
geraͤumt hat. Nur auf Seiten des Legatars iſt das Ver-
maͤchtniß der Habitation mehrfach. S. Boͤhmer a. a. O.
§. VII.
29) Von denen mancherley Bedeutungen des Worts ius ha-
ben uͤbrigens G. Chr. gebauer in Diſſ. de iuſtitia
et iure
Gött. 1738. rec. 1777. §. VI. ſqq. Georg.
Chriſtoph.
neller in Principiis iuris, de iure,
quod tribuit Iuſtitia,
und in der Abhandlung de
bono, aequo et iuſto
in Opuſc. T. I. P. I. N. 3. et

4. desgleichen Ier. Eb. linck in Diſſ. de iure va-
riisque eius ſignificationibus.
Argent.
1741.
obgleich alle nicht vollſtaͤndig, gehandelt.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0040" n="20"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">1. Buch. 1. Tit.</hi></fw><lb/>
kla&#x0364;rung am geho&#x0364;rigen Ort <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Lib. VII. Tit.</hi></hi> 4. §. 642.<lb/>
mit den no&#x0364;thigen Beweißen unter&#x017F;tu&#x0364;tzen <note place="foot" n="29)">Von denen mancherley Bedeutungen des Worts <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">ius</hi></hi> ha-<lb/>
ben u&#x0364;brigens <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">G. Chr.</hi><hi rendition="#k">gebauer</hi> in Di&#x017F;&#x017F;. <hi rendition="#g">de iu&#x017F;titia<lb/>
et iure</hi> Gött. 1738. rec. 1777. §. VI. &#x017F;qq. <hi rendition="#i">Georg.<lb/>
Chri&#x017F;toph.</hi> <hi rendition="#k">neller</hi> <hi rendition="#g">in Principiis iuris, de iure,<lb/>
quod tribuit Iu&#x017F;titia,</hi></hi> und in der Abhandlung <hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">de<lb/>
bono, aequo et iu&#x017F;to</hi> in Opu&#x017F;c. T. I. P. I. N. 3. et</hi><lb/>
4. desgleichen <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Ier. Eb.</hi><hi rendition="#g"><hi rendition="#k">linck</hi></hi> in Di&#x017F;&#x017F;. <hi rendition="#g">de iure va-<lb/>
riisque eius &#x017F;ignificationibus.</hi> Argent.</hi> 1741.<lb/>
obgleich alle nicht voll&#x017F;ta&#x0364;ndig, gehandelt.</note>.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 2.</head><lb/>
            <argument>
              <p>Begrif, Eintheilung und Quellen der Verbindlichkeit. Er-<lb/>
kla&#x0364;rung des <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">pr. I. de obligat.</hi></hi> und der <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">L. 1. D. de<lb/>
obligat. et action.</hi></hi></p>
            </argument><lb/>
            <p>Wo ein <hi rendition="#fr">Recht</hi> i&#x017F;t, da i&#x017F;t auch eine <hi rendition="#fr">Verbind-<lb/>
lichkeit</hi> vorhanden, dem&#x017F;elben gema&#x0364;ß zu handeln. <hi rendition="#aq">(luri<lb/>
re&#x017F;pondet obligatio)</hi>. Die&#x017F;es kann auf zweierley Art<lb/>
ver&#x017F;tanden werden. Einmal, wenn man das Wort <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">ius</hi></hi><lb/>
fu&#x0364;r Ge&#x017F;etz nimmt, &#x017F;o heißt es &#x017F;oviel: wo ein Ge&#x017F;etz i&#x017F;t,<lb/>
da i&#x017F;t auch eine Verbindlichkeit, &#x017F;eine Handlungen nach<lb/>
der Vor&#x017F;chrift de&#x017F;&#x017F;elben einzurichten. Zum andern,<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">wenn</fw><lb/><note xml:id="seg2pn_5_2" prev="#seg2pn_5_1" place="foot" n="28)"><hi rendition="#aq">nis, quod per formulam damnationis relictum e&#x017F;t:</hi> z.<lb/>
B. <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Damnas e&#x017F;to heres, Titium &#x017F;inere in illa domo habita-<lb/>
re, quoad vivet.</hi></hi> Ein &#x017F;olches Legat war freylich &#x017F;einer<lb/>
Natur nach nur ein einiges, nehmlich in An&#x017F;ehung des<lb/>
Erben, welchem der Te&#x017F;tator die Verbindlichkeit auferlegt<lb/>
hatte, den Legatarius in dem be&#x017F;timmten Hau&#x017F;e wohnen<lb/>
zu la&#x017F;&#x017F;en. Die&#x017F;e Verbindlichkeit i&#x017F;t nur eine einzige, und<lb/>
der Erbe hat der&#x017F;elben ein Genu&#x0364;ge gethan, &#x017F;o bald er<lb/>
nach angetretener Erb&#x017F;chaft dem Legatar die Wohnung ein-<lb/>
gera&#x0364;umt hat. Nur auf Seiten des Legatars i&#x017F;t das Ver-<lb/>
ma&#x0364;chtniß der Habitation mehrfach. S. Bo&#x0364;hmer a. a. O.<lb/>
§. <hi rendition="#aq">VII.</hi></note><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[20/0040] 1. Buch. 1. Tit. klaͤrung am gehoͤrigen Ort Lib. VII. Tit. 4. §. 642. mit den noͤthigen Beweißen unterſtuͤtzen 29). §. 2. Begrif, Eintheilung und Quellen der Verbindlichkeit. Er- klaͤrung des pr. I. de obligat. und der L. 1. D. de obligat. et action. Wo ein Recht iſt, da iſt auch eine Verbind- lichkeit vorhanden, demſelben gemaͤß zu handeln. (luri reſpondet obligatio). Dieſes kann auf zweierley Art verſtanden werden. Einmal, wenn man das Wort ius fuͤr Geſetz nimmt, ſo heißt es ſoviel: wo ein Geſetz iſt, da iſt auch eine Verbindlichkeit, ſeine Handlungen nach der Vorſchrift deſſelben einzurichten. Zum andern, wenn 28) 29) Von denen mancherley Bedeutungen des Worts ius ha- ben uͤbrigens G. Chr. gebauer in Diſſ. de iuſtitia et iure Gött. 1738. rec. 1777. §. VI. ſqq. Georg. Chriſtoph. neller in Principiis iuris, de iure, quod tribuit Iuſtitia, und in der Abhandlung de bono, aequo et iuſto in Opuſc. T. I. P. I. N. 3. et 4. desgleichen Ier. Eb. linck in Diſſ. de iure va- riisque eius ſignificationibus. Argent. 1741. obgleich alle nicht vollſtaͤndig, gehandelt. 28) nis, quod per formulam damnationis relictum eſt: z. B. Damnas eſto heres, Titium ſinere in illa domo habita- re, quoad vivet. Ein ſolches Legat war freylich ſeiner Natur nach nur ein einiges, nehmlich in Anſehung des Erben, welchem der Teſtator die Verbindlichkeit auferlegt hatte, den Legatarius in dem beſtimmten Hauſe wohnen zu laſſen. Dieſe Verbindlichkeit iſt nur eine einzige, und der Erbe hat derſelben ein Genuͤge gethan, ſo bald er nach angetretener Erbſchaft dem Legatar die Wohnung ein- geraͤumt hat. Nur auf Seiten des Legatars iſt das Ver- maͤchtniß der Habitation mehrfach. S. Boͤhmer a. a. O. §. VII.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/40
Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen, 1790, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten01_1790/40>, abgerufen am 05.08.2020.