Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669.

Bild:
<< vorherige Seite

Deß Abentheurl. Simplicissimi
Zech mit Schincken und Würsten bezahlten/ und
wann ich so was heim brachte/ theilte ich so wol den
Officiern als meinen Cameraden getreulich mit/ da-
hero dorffte ich ein ander mal wieder hinauß/ und
da mein Diebstal verrathen oder außgekundschafftet
wurde/ halffen sie mir hübsch durch: Jm übrigen
dünckte ich mich viel zu gut darzu seyn/ daß ich die
Arme bestelen/ oder Hüner fangen/ und andere ge-
ringe Sachen hätte mausen sollen. Darbey fieng ich
an/ nach und nach mit Fressen und Sauffen ein Epi-
curisch Leben zu führen/ weil ich meines Einsidlers
Lehr vergessen/ und niemand hatte/ der meine Jugend
regierte/ oder auff den ich sehen dorffte/ dann meine
Officier machten selbst mit/ wann sie bey mir schma-
rotzten/ und die mich hätten straffen und abmahnen
sollen/ reitzten mich vielmehr zu allen Lastern/ dar-
von wurde ich endlich so gottioß und verrucht/ daß
mir kein Schelmstück/ solches zu begehen/ zu groß
war. Zuletzt wurde ich auch heimlich geneidet/ zu-
mal von meinen Cameraden/ daß ich ein glücklichere
Hand zu stelen hatte/ als ein anderer; von meinen
Officiern aber/ daß ich mich so doll hielte/ glücklich
auff Parteyen handelte/ und mir ein grössern Nah-
men und Ansehen machte/ als sie selbst hatten. Jch
halte auch gäntzlich darvor/ daß mich ein oder ander
Theil zeitlich auffgeopffert hätte/ wenn ich nicht so
spendirt hätte.

Das II. Capitel.

ALs ich nun so fort hausete/ und im Werck begrif-
fen war/ mir einige Teuffels-Larven und darzu
gehörige schröckliche Kleidungen mit Roß- und

Ochsen-

Deß Abentheurl. Simpliciſſimi
Zech mit Schincken und Wuͤrſten bezahlten/ und
wann ich ſo was heim brachte/ theilte ich ſo wol den
Officiern als meinen Cameraden getreulich mit/ da-
hero dorffte ich ein ander mal wieder hinauß/ und
da mein Diebſtal verꝛathen oder außgekundſchafftet
wurde/ halffen ſie mir huͤbſch durch: Jm uͤbrigen
duͤnckte ich mich viel zu gut darzu ſeyn/ daß ich die
Arme beſtelen/ oder Huͤner fangen/ und andere ge-
ringe Sachen haͤtte mauſen ſollen. Darbey fieng ich
an/ nach und nach mit Freſſen und Sauffen ein Epi-
curiſch Leben zu fuͤhren/ weil ich meines Einſidlers
Lehr vergeſſen/ und niemand hatte/ der meine Jugend
regierte/ oder auff den ich ſehen dorffte/ dann meine
Officier machten ſelbſt mit/ wann ſie bey mir ſchma-
rotzten/ und die mich haͤtten ſtraffen und abmahnen
ſollen/ reitzten mich vielmehr zu allen Laſtern/ dar-
von wurde ich endlich ſo gottioß und verꝛucht/ daß
mir kein Schelmſtuͤck/ ſolches zu begehen/ zu groß
war. Zuletzt wurde ich auch heimlich geneidet/ zu-
mal von meinen Cameraden/ daß ich ein gluͤcklichere
Hand zu ſtelen hatte/ als ein anderer; von meinen
Officiern aber/ daß ich mich ſo doll hielte/ gluͤcklich
auff Parteyen handelte/ und mir ein groͤſſern Nah-
men und Anſehen machte/ als ſie ſelbſt hatten. Jch
halte auch gaͤntzlich darvor/ daß mich ein oder ander
Theil zeitlich auffgeopffert haͤtte/ wenn ich nicht ſo
ſpendirt haͤtte.

Das II. Capitel.

ALs ich nun ſo fort hauſete/ und im Werck begrif-
fen war/ mir einige Teuffels-Larven und darzu
gehoͤrige ſchroͤckliche Kleidungen mit Roß- und

Ochſen-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="2">
        <p><pb facs="#f0274" n="268"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Deß Abentheurl. <hi rendition="#aq">Simplici&#x017F;&#x017F;imi</hi></hi></fw><lb/>
Zech mit Schincken und Wu&#x0364;r&#x017F;ten bezahlten/ und<lb/>
wann ich &#x017F;o was heim brachte/ theilte ich &#x017F;o wol den<lb/>
Officiern als meinen Cameraden getreulich mit/ da-<lb/>
hero dorffte ich ein ander mal wieder hinauß/ und<lb/>
da mein Dieb&#x017F;tal ver&#xA75B;athen oder außgekund&#x017F;chafftet<lb/>
wurde/ halffen &#x017F;ie mir hu&#x0364;b&#x017F;ch durch: Jm u&#x0364;brigen<lb/>
du&#x0364;nckte ich mich viel zu gut darzu &#x017F;eyn/ daß ich die<lb/>
Arme be&#x017F;telen/ oder Hu&#x0364;ner fangen/ und andere ge-<lb/>
ringe Sachen ha&#x0364;tte mau&#x017F;en &#x017F;ollen. Darbey fieng ich<lb/>
an/ nach und nach mit Fre&#x017F;&#x017F;en und Sauffen ein Epi-<lb/>
curi&#x017F;ch Leben zu fu&#x0364;hren/ weil ich meines Ein&#x017F;idlers<lb/>
Lehr verge&#x017F;&#x017F;en/ und niemand hatte/ der meine Jugend<lb/>
regierte/ oder auff den ich &#x017F;ehen dorffte/ dann meine<lb/>
Officier machten &#x017F;elb&#x017F;t mit/ wann &#x017F;ie bey mir &#x017F;chma-<lb/>
rotzten/ und die mich ha&#x0364;tten &#x017F;traffen und abmahnen<lb/>
&#x017F;ollen/ reitzten mich vielmehr zu allen La&#x017F;tern/ dar-<lb/>
von wurde ich endlich &#x017F;o gottioß und ver&#xA75B;ucht/ daß<lb/>
mir kein Schelm&#x017F;tu&#x0364;ck/ &#x017F;olches zu begehen/ zu groß<lb/>
war. Zuletzt wurde ich auch heimlich geneidet/ zu-<lb/>
mal von meinen Cameraden/ daß ich ein glu&#x0364;cklichere<lb/>
Hand zu &#x017F;telen hatte/ als ein anderer; von meinen<lb/>
Officiern aber/ daß ich mich &#x017F;o doll hielte/ glu&#x0364;cklich<lb/>
auff Parteyen handelte/ und mir ein gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;ern Nah-<lb/>
men und An&#x017F;ehen machte/ als &#x017F;ie &#x017F;elb&#x017F;t hatten. Jch<lb/>
halte auch ga&#x0364;ntzlich darvor/ daß mich ein oder ander<lb/>
Theil zeitlich auffgeopffert ha&#x0364;tte/ wenn ich nicht &#x017F;o<lb/>
&#x017F;pendirt ha&#x0364;tte.</p>
      </div><lb/>
      <div n="2">
        <head> <hi rendition="#fr">Das</hi> <hi rendition="#aq"> <hi rendition="#g">II.</hi> </hi> <hi rendition="#fr">Capitel.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">A</hi>Ls ich nun &#x017F;o fort hau&#x017F;ete/ und im Werck begrif-<lb/>
fen war/ mir einige Teuffels-Larven und darzu<lb/>
geho&#x0364;rige &#x017F;chro&#x0364;ckliche Kleidungen mit Roß- und<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">Och&#x017F;en-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[268/0274] Deß Abentheurl. Simpliciſſimi Zech mit Schincken und Wuͤrſten bezahlten/ und wann ich ſo was heim brachte/ theilte ich ſo wol den Officiern als meinen Cameraden getreulich mit/ da- hero dorffte ich ein ander mal wieder hinauß/ und da mein Diebſtal verꝛathen oder außgekundſchafftet wurde/ halffen ſie mir huͤbſch durch: Jm uͤbrigen duͤnckte ich mich viel zu gut darzu ſeyn/ daß ich die Arme beſtelen/ oder Huͤner fangen/ und andere ge- ringe Sachen haͤtte mauſen ſollen. Darbey fieng ich an/ nach und nach mit Freſſen und Sauffen ein Epi- curiſch Leben zu fuͤhren/ weil ich meines Einſidlers Lehr vergeſſen/ und niemand hatte/ der meine Jugend regierte/ oder auff den ich ſehen dorffte/ dann meine Officier machten ſelbſt mit/ wann ſie bey mir ſchma- rotzten/ und die mich haͤtten ſtraffen und abmahnen ſollen/ reitzten mich vielmehr zu allen Laſtern/ dar- von wurde ich endlich ſo gottioß und verꝛucht/ daß mir kein Schelmſtuͤck/ ſolches zu begehen/ zu groß war. Zuletzt wurde ich auch heimlich geneidet/ zu- mal von meinen Cameraden/ daß ich ein gluͤcklichere Hand zu ſtelen hatte/ als ein anderer; von meinen Officiern aber/ daß ich mich ſo doll hielte/ gluͤcklich auff Parteyen handelte/ und mir ein groͤſſern Nah- men und Anſehen machte/ als ſie ſelbſt hatten. Jch halte auch gaͤntzlich darvor/ daß mich ein oder ander Theil zeitlich auffgeopffert haͤtte/ wenn ich nicht ſo ſpendirt haͤtte. Das II. Capitel. ALs ich nun ſo fort hauſete/ und im Werck begrif- fen war/ mir einige Teuffels-Larven und darzu gehoͤrige ſchroͤckliche Kleidungen mit Roß- und Ochſen-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Der angegebene Verlag (Fillion) ist fiktiv. Die k… [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/274
Zitationshilfe: German Schleifheim von Sulsfort [i. e. Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von]: Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch. Monpelgart [i. e. Nürnberg], 1669, S. 268. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/grimmelshausen_simplicissimus_1669/274>, abgerufen am 15.08.2020.