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Hufeland, Christoph Wilhelm: Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern. Jena, 1797.

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VII.

Körperliche Bewegung.



Wenn ich das Physische des Menschen
betrachte, sagt der grosse Friedrich, so
kommt es mir vor, als hätte uns die Na-
tur mehr zu Postillions, als zu sitzenden
Gelehrten geschaffen. Und gewiss, ohn-
eracht der Ausdruck etwas stark ist, so
hat er doch viel Wahres. Der Mensch
ist und bleibt ein Mittelgeschöpf, das
immer zwischen Thier und Engel
schwankt, und so sehr er seiner höhern
Bestimmung untreu werden würde,
wenn er blos Thier bliebe, eben so sehr
versündigt er sich an seiner jetzigen,
wenn er blos Geist seyn, blos denken
und empfinden will. Er muss durchaus
die thierischen und geistigen Kräfte in


VII.

Körperliche Bewegung.



Wenn ich das Phyſiſche des Menſchen
betrachte, ſagt der groſse Friedrich, ſo
kommt es mir vor, als hätte uns die Na-
tur mehr zu Poſtillions, als zu ſitzenden
Gelehrten geſchaffen. Und gewiſs, ohn-
eracht der Ausdruck etwas ſtark iſt, ſo
hat er doch viel Wahres. Der Menſch
iſt und bleibt ein Mittelgeſchöpf, das
immer zwiſchen Thier und Engel
ſchwankt, und ſo ſehr er ſeiner höhern
Beſtimmung untreu werden würde,
wenn er blos Thier bliebe, eben ſo ſehr
verſündigt er ſich an ſeiner jetzigen,
wenn er blos Geiſt ſeyn, blos denken
und empfinden will. Er muſs durchaus
die thieriſchen und geiſtigen Kräfte in

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[558/0586] VII. Körperliche Bewegung. Wenn ich das Phyſiſche des Menſchen betrachte, ſagt der groſse Friedrich, ſo kommt es mir vor, als hätte uns die Na- tur mehr zu Poſtillions, als zu ſitzenden Gelehrten geſchaffen. Und gewiſs, ohn- eracht der Ausdruck etwas ſtark iſt, ſo hat er doch viel Wahres. Der Menſch iſt und bleibt ein Mittelgeſchöpf, das immer zwiſchen Thier und Engel ſchwankt, und ſo ſehr er ſeiner höhern Beſtimmung untreu werden würde, wenn er blos Thier bliebe, eben ſo ſehr verſündigt er ſich an ſeiner jetzigen, wenn er blos Geiſt ſeyn, blos denken und empfinden will. Er muſs durchaus die thieriſchen und geiſtigen Kräfte in

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Zitationshilfe: Hufeland, Christoph Wilhelm: Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern. Jena, 1797, S. 558. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/hufeland_leben_1797/586>, abgerufen am 23.07.2019.