Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745.

Bild:
<< vorherige Seite


§. 14.
Die äusser-
liche
Glückse-
ligkeit des
Volckes
GOttes
unter dem
Meßias.

Wir müssen bey dieser Materie noch ei-
ne Anmerckung einstreuen. Jn den Pro-
pheten lesen wir ungemein oft, daß der
HErr versichert, es sollten auch die äusser-
lichen Umstände seines Volckes d. i. des-
jenigen Volckes, so ihn erkennet und ver-
ehret, weit herrlicher werden, als in den
damahligen Zeiten. Damals wurden sie
bald von diesem bald von jenem heidnischen
Volcke geplaget, und in die härteste Scla-
verey geführet, und ihr äusserlicher Got-
tesdienst wurde bald von diesem bald von
jenem gestöhret und aufgehoben. Und der
HErr gab dieses immer zu, wenn sie die
Lust bekamen fremde Götter zu erwehlen,
damit sie überführet würden, ihre selbst-
gemachte Gottheiten könnten ihnen keinen
Schutz verschaffen. GOtt hat in dieser
Absicht sein Volck gar öfters die allerhär-
testen Drangsalen erfahren und sie unter
heidnischen Joche seufzen lassen, so daß die-
jenigen, welche noch rechtschaffen unter ih-
nen waren, öfters auf allerhand zweifel-
hafte Gedancken in Ansehung der gnädi-
gen Vorsehung GOttes geriethen. Man
nehme dieses ab aus Ps. 73. und 74. Der

HErr


§. 14.
Die aͤuſſer-
liche
Gluͤckſe-
ligkeit des
Volckes
GOttes
unter dem
Meßias.

Wir muͤſſen bey dieſer Materie noch ei-
ne Anmerckung einſtreuen. Jn den Pro-
pheten leſen wir ungemein oft, daß der
HErr verſichert, es ſollten auch die aͤuſſer-
lichen Umſtaͤnde ſeines Volckes d. i. des-
jenigen Volckes, ſo ihn erkennet und ver-
ehret, weit herrlicher werden, als in den
damahligen Zeiten. Damals wurden ſie
bald von dieſem bald von jenem heidniſchen
Volcke geplaget, und in die haͤrteſte Scla-
verey gefuͤhret, und ihr aͤuſſerlicher Got-
tesdienſt wurde bald von dieſem bald von
jenem geſtoͤhret und aufgehoben. Und der
HErr gab dieſes immer zu, wenn ſie die
Luſt bekamen fremde Goͤtter zu erwehlen,
damit ſie uͤberfuͤhret wuͤrden, ihre ſelbſt-
gemachte Gottheiten koͤnnten ihnen keinen
Schutz verſchaffen. GOtt hat in dieſer
Abſicht ſein Volck gar oͤfters die allerhaͤr-
teſten Drangſalen erfahren und ſie unter
heidniſchen Joche ſeufzen laſſen, ſo daß die-
jenigen, welche noch rechtſchaffen unter ih-
nen waren, oͤfters auf allerhand zweifel-
hafte Gedancken in Anſehung der gnaͤdi-
gen Vorſehung GOttes geriethen. Man
nehme dieſes ab aus Pſ. 73. und 74. Der

HErr
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0126" n="108"/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 14.</head><lb/>
          <note place="left">Die a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;er-<lb/><hi rendition="#g">liche</hi><lb/>
Glu&#x0364;ck&#x017F;e-<lb/>
ligkeit des<lb/>
Volckes<lb/>
GOttes<lb/>
unter dem<lb/>
Meßias.</note>
          <p>Wir mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en bey die&#x017F;er Materie noch ei-<lb/>
ne Anmerckung ein&#x017F;treuen. Jn den Pro-<lb/>
pheten le&#x017F;en wir ungemein oft, daß der<lb/>
HErr ver&#x017F;ichert, es &#x017F;ollten auch die a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;er-<lb/>
lichen Um&#x017F;ta&#x0364;nde &#x017F;eines Volckes d. i. des-<lb/>
jenigen Volckes, &#x017F;o ihn erkennet und ver-<lb/>
ehret, weit herrlicher werden, als in den<lb/>
damahligen Zeiten. Damals wurden &#x017F;ie<lb/>
bald von die&#x017F;em bald von jenem heidni&#x017F;chen<lb/>
Volcke geplaget, und in die ha&#x0364;rte&#x017F;te Scla-<lb/>
verey gefu&#x0364;hret, und ihr a&#x0364;u&#x017F;&#x017F;erlicher Got-<lb/>
tesdien&#x017F;t wurde bald von die&#x017F;em bald von<lb/>
jenem ge&#x017F;to&#x0364;hret und aufgehoben. Und der<lb/>
HErr gab die&#x017F;es immer zu, wenn &#x017F;ie die<lb/>
Lu&#x017F;t bekamen fremde Go&#x0364;tter zu erwehlen,<lb/>
damit &#x017F;ie u&#x0364;berfu&#x0364;hret wu&#x0364;rden, ihre &#x017F;elb&#x017F;t-<lb/>
gemachte Gottheiten ko&#x0364;nnten ihnen keinen<lb/>
Schutz ver&#x017F;chaffen. GOtt hat in die&#x017F;er<lb/>
Ab&#x017F;icht &#x017F;ein Volck gar o&#x0364;fters die allerha&#x0364;r-<lb/>
te&#x017F;ten Drang&#x017F;alen erfahren und &#x017F;ie unter<lb/>
heidni&#x017F;chen Joche &#x017F;eufzen la&#x017F;&#x017F;en, &#x017F;o daß die-<lb/>
jenigen, welche noch recht&#x017F;chaffen unter ih-<lb/>
nen waren, o&#x0364;fters auf allerhand zweifel-<lb/>
hafte Gedancken in An&#x017F;ehung der gna&#x0364;di-<lb/>
gen Vor&#x017F;ehung GOttes geriethen. Man<lb/>
nehme die&#x017F;es ab aus P&#x017F;. 73. und 74. Der<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">HErr</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[108/0126] §. 14. Wir muͤſſen bey dieſer Materie noch ei- ne Anmerckung einſtreuen. Jn den Pro- pheten leſen wir ungemein oft, daß der HErr verſichert, es ſollten auch die aͤuſſer- lichen Umſtaͤnde ſeines Volckes d. i. des- jenigen Volckes, ſo ihn erkennet und ver- ehret, weit herrlicher werden, als in den damahligen Zeiten. Damals wurden ſie bald von dieſem bald von jenem heidniſchen Volcke geplaget, und in die haͤrteſte Scla- verey gefuͤhret, und ihr aͤuſſerlicher Got- tesdienſt wurde bald von dieſem bald von jenem geſtoͤhret und aufgehoben. Und der HErr gab dieſes immer zu, wenn ſie die Luſt bekamen fremde Goͤtter zu erwehlen, damit ſie uͤberfuͤhret wuͤrden, ihre ſelbſt- gemachte Gottheiten koͤnnten ihnen keinen Schutz verſchaffen. GOtt hat in dieſer Abſicht ſein Volck gar oͤfters die allerhaͤr- teſten Drangſalen erfahren und ſie unter heidniſchen Joche ſeufzen laſſen, ſo daß die- jenigen, welche noch rechtſchaffen unter ih- nen waren, oͤfters auf allerhand zweifel- hafte Gedancken in Anſehung der gnaͤdi- gen Vorſehung GOttes geriethen. Man nehme dieſes ab aus Pſ. 73. und 74. Der HErr

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/126
Zitationshilfe: Jacobi, Johann Friedrich: Betrachtungen über die Weisen Absichten Gottes, bey denen Dingen, die wir in der menschlichen Gesellschaft und der Offenbahrung antreffen. Bd. 2. Göttingen, 1745, S. 108. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jacobi_betrachtungen02_1745/126>, abgerufen am 04.08.2020.