Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Knüppeln, Julius Friedrich: Die Rechte der Natur und Menschheit, entweiht durch Menschen. Berlin, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite


A) Angeklagter, überwiesener intendirter
Mörder, dem Scheine nach, und doch
am Ende ein ehrlicher Mann,
und unschuldig.


Dieses Opfer der Unschuld war als Subal-
ternofficier
in Diensten eines deutschen Für-
sten. Sein Wandel war von unbescholtnem
Ruf, und die eifrige Befolgung seiner Pflichten,
sein steter Gedanke. Er ward einst von seinem
Obern absichtlich beleidigt, und an seiner Ehre
gekränkt. Er litte es im Gefühl der Subor-
dination,
und im Bewustsein, solche Behand-
lung nicht verdient zu haben. Kurz darauf muste
er ebendemselben einen nötigen Rapport abstat-
ten, und hatte nicht die geringste Absicht, sich
auf irgend eine Art an ihn zu vergreifen; den-
noch, es sei nun, daß jener ihn gänzlich zu
Grunde richten wollte, oder sich so etwas ver-
muten war, genug, er ließ ihn sogleich arretiren,
und beschuldigte ihn, daß er ihm nach dem Le-
ben getrachtet habe. Seine Domestiken sagten



A) Angeklagter, uͤberwieſener intendirter
Moͤrder, dem Scheine nach, und doch
am Ende ein ehrlicher Mann,
und unſchuldig.


Dieſes Opfer der Unſchuld war als Subal-
ternofficier
in Dienſten eines deutſchen Fuͤr-
ſten. Sein Wandel war von unbeſcholtnem
Ruf, und die eifrige Befolgung ſeiner Pflichten,
ſein ſteter Gedanke. Er ward einſt von ſeinem
Obern abſichtlich beleidigt, und an ſeiner Ehre
gekraͤnkt. Er litte es im Gefuͤhl der Subor-
dination,
und im Bewuſtſein, ſolche Behand-
lung nicht verdient zu haben. Kurz darauf muſte
er ebendemſelben einen noͤtigen Rapport abſtat-
ten, und hatte nicht die geringſte Abſicht, ſich
auf irgend eine Art an ihn zu vergreifen; den-
noch, es ſei nun, daß jener ihn gaͤnzlich zu
Grunde richten wollte, oder ſich ſo etwas ver-
muten war, genug, er ließ ihn ſogleich arretiren,
und beſchuldigte ihn, daß er ihm nach dem Le-
ben getrachtet habe. Seine Domeſtiken ſagten

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0278" n="270"/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#aq">A</hi>) Angeklagter, u&#x0364;berwie&#x017F;ener intendirter<lb/>
Mo&#x0364;rder, dem Scheine nach, und doch<lb/>
am Ende ein ehrlicher Mann,<lb/>
und un&#x017F;chuldig.</head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>ie&#x017F;es <hi rendition="#fr">Opfer der Un&#x017F;chuld</hi> war als <hi rendition="#fr">Subal-<lb/>
ternofficier</hi> in Dien&#x017F;ten eines deut&#x017F;chen Fu&#x0364;r-<lb/>
&#x017F;ten. Sein Wandel war von unbe&#x017F;choltnem<lb/>
Ruf, und die eifrige Befolgung &#x017F;einer Pflichten,<lb/>
&#x017F;ein &#x017F;teter Gedanke. Er ward ein&#x017F;t von &#x017F;einem<lb/>
Obern ab&#x017F;ichtlich beleidigt, und an &#x017F;einer Ehre<lb/>
gekra&#x0364;nkt. Er litte es im <hi rendition="#fr">Gefu&#x0364;hl der Subor-<lb/>
dination,</hi> und im Bewu&#x017F;t&#x017F;ein, &#x017F;olche Behand-<lb/>
lung nicht verdient zu haben. Kurz darauf mu&#x017F;te<lb/>
er ebendem&#x017F;elben einen no&#x0364;tigen Rapport ab&#x017F;tat-<lb/>
ten, und hatte nicht die gering&#x017F;te Ab&#x017F;icht, &#x017F;ich<lb/>
auf irgend eine Art an ihn zu vergreifen; den-<lb/>
noch, es &#x017F;ei nun, daß jener ihn ga&#x0364;nzlich zu<lb/>
Grunde richten wollte, oder &#x017F;ich &#x017F;o etwas ver-<lb/>
muten war, genug, er ließ ihn &#x017F;ogleich arretiren,<lb/>
und be&#x017F;chuldigte ihn, daß er ihm nach dem Le-<lb/>
ben getrachtet habe. Seine Dome&#x017F;tiken &#x017F;agten<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[270/0278] A) Angeklagter, uͤberwieſener intendirter Moͤrder, dem Scheine nach, und doch am Ende ein ehrlicher Mann, und unſchuldig. Dieſes Opfer der Unſchuld war als Subal- ternofficier in Dienſten eines deutſchen Fuͤr- ſten. Sein Wandel war von unbeſcholtnem Ruf, und die eifrige Befolgung ſeiner Pflichten, ſein ſteter Gedanke. Er ward einſt von ſeinem Obern abſichtlich beleidigt, und an ſeiner Ehre gekraͤnkt. Er litte es im Gefuͤhl der Subor- dination, und im Bewuſtſein, ſolche Behand- lung nicht verdient zu haben. Kurz darauf muſte er ebendemſelben einen noͤtigen Rapport abſtat- ten, und hatte nicht die geringſte Abſicht, ſich auf irgend eine Art an ihn zu vergreifen; den- noch, es ſei nun, daß jener ihn gaͤnzlich zu Grunde richten wollte, oder ſich ſo etwas ver- muten war, genug, er ließ ihn ſogleich arretiren, und beſchuldigte ihn, daß er ihm nach dem Le- ben getrachtet habe. Seine Domeſtiken ſagten

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/knueppeln_rechte_1784
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/knueppeln_rechte_1784/278
Zitationshilfe: Knüppeln, Julius Friedrich: Die Rechte der Natur und Menschheit, entweiht durch Menschen. Berlin, 1784, S. 270. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/knueppeln_rechte_1784/278>, abgerufen am 13.08.2020.