Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.

Bild:
<< vorherige Seite
Der falsche Freund.
"O sey mein Freund!" so schallt's vom Heuchelmunde
Dem Falschen, der mit heimlichem Behagen
Den Vortheil überzählt von solchem Bunde.
Du traust ihm, und -- schon hast du eingeschlagen,
Ein edler Thor! naht einst die Wetterstunde,
So siehst den Schurken du mit bleichem Zagen
In seines Ichs bequeme Hütte springen,
Hinausgesperrt magst mit dem Sturm du ringen.

Die schlimme Jagd.
Das edle Wild der Freiheit scharf zu hetzen,
Durchstöbert eine finstre Jägerbande
Mit Blutgewehren, stillen Meuchelnetzen
Der Wälder Heiligthum im deutschen Lande.
Das Wild mag über Ström' und Klüfte setzen,
Und klettern mag's am steilen Klippenrande:
Der Waidruf schallt durch Felsen, Ström' und Klüfte,
Empört verschleudern ihn die deutschen Lüfte.

Der falſche Freund.
„O ſey mein Freund!“ ſo ſchallt's vom Heuchelmunde
Dem Falſchen, der mit heimlichem Behagen
Den Vortheil uͤberzaͤhlt von ſolchem Bunde.
Du trauſt ihm, und — ſchon haſt du eingeſchlagen,
Ein edler Thor! naht einſt die Wetterſtunde,
So ſiehſt den Schurken du mit bleichem Zagen
In ſeines Ichs bequeme Huͤtte ſpringen,
Hinausgeſperrt magſt mit dem Sturm du ringen.

Die ſchlimme Jagd.
Das edle Wild der Freiheit ſcharf zu hetzen,
Durchſtoͤbert eine finſtre Jaͤgerbande
Mit Blutgewehren, ſtillen Meuchelnetzen
Der Waͤlder Heiligthum im deutſchen Lande.
Das Wild mag uͤber Stroͤm' und Kluͤfte ſetzen,
Und klettern mag's am ſteilen Klippenrande:
Der Waidruf ſchallt durch Felſen, Stroͤm' und Kluͤfte,
Empoͤrt verſchleudern ihn die deutſchen Luͤfte.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0024" n="10"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Der fal&#x017F;che Freund</hi>.<lb/></head>
            <lg type="poem">
              <l>&#x201E;O &#x017F;ey mein Freund!&#x201C; &#x017F;o &#x017F;challt's vom Heuchelmunde</l><lb/>
              <l>Dem Fal&#x017F;chen, der mit heimlichem Behagen</l><lb/>
              <l>Den Vortheil u&#x0364;berza&#x0364;hlt von &#x017F;olchem Bunde.</l><lb/>
              <l>Du trau&#x017F;t ihm, und &#x2014; &#x017F;chon ha&#x017F;t du einge&#x017F;chlagen,</l><lb/>
              <l>Ein edler Thor! naht ein&#x017F;t die Wetter&#x017F;tunde,</l><lb/>
              <l>So &#x017F;ieh&#x017F;t den Schurken du mit bleichem Zagen</l><lb/>
              <l>In &#x017F;eines Ichs bequeme Hu&#x0364;tte &#x017F;pringen,</l><lb/>
              <l>Hinausge&#x017F;perrt mag&#x017F;t mit dem Sturm du ringen.</l><lb/>
            </lg>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          </div>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Die &#x017F;chlimme Jagd</hi>.<lb/></head>
            <lg type="poem">
              <l>Das edle Wild der Freiheit &#x017F;charf zu hetzen,</l><lb/>
              <l>Durch&#x017F;to&#x0364;bert eine fin&#x017F;tre Ja&#x0364;gerbande</l><lb/>
              <l>Mit Blutgewehren, &#x017F;tillen Meuchelnetzen</l><lb/>
              <l>Der Wa&#x0364;lder Heiligthum im deut&#x017F;chen Lande.</l><lb/>
              <l>Das Wild mag u&#x0364;ber Stro&#x0364;m' und Klu&#x0364;fte &#x017F;etzen,</l><lb/>
              <l>Und klettern mag's am &#x017F;teilen Klippenrande:</l><lb/>
              <l>Der Waidruf &#x017F;challt durch Fel&#x017F;en, Stro&#x0364;m' und Klu&#x0364;fte,</l><lb/>
              <l>Empo&#x0364;rt ver&#x017F;chleudern ihn die deut&#x017F;chen Lu&#x0364;fte.</l><lb/>
            </lg>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[10/0024] Der falſche Freund. „O ſey mein Freund!“ ſo ſchallt's vom Heuchelmunde Dem Falſchen, der mit heimlichem Behagen Den Vortheil uͤberzaͤhlt von ſolchem Bunde. Du trauſt ihm, und — ſchon haſt du eingeſchlagen, Ein edler Thor! naht einſt die Wetterſtunde, So ſiehſt den Schurken du mit bleichem Zagen In ſeines Ichs bequeme Huͤtte ſpringen, Hinausgeſperrt magſt mit dem Sturm du ringen. Die ſchlimme Jagd. Das edle Wild der Freiheit ſcharf zu hetzen, Durchſtoͤbert eine finſtre Jaͤgerbande Mit Blutgewehren, ſtillen Meuchelnetzen Der Waͤlder Heiligthum im deutſchen Lande. Das Wild mag uͤber Stroͤm' und Kluͤfte ſetzen, Und klettern mag's am ſteilen Klippenrande: Der Waidruf ſchallt durch Felſen, Stroͤm' und Kluͤfte, Empoͤrt verſchleudern ihn die deutſchen Luͤfte.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/24
Zitationshilfe: Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/24>, S. 10, abgerufen am 17.08.2017.