Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Parthey, Gustav: Alexander von Humboldt[:] Vorlesungen über physikalische Geographie. Novmbr. 1827 bis April,[!] 1828. Nachgeschrieben von G. Partheÿ. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.]

Bild:
<< vorherige Seite

dieser Thiere, und zwar gleichzeitig mit ihnen, Palmen und andre
Tropengewächse; es ist aber erwiesen, dass in der kalten Zone nur
Gewächse leben können, welche im Winter ihr Leben auf ihre
mittlere Axe konzentriren, und ihre appendikulären Organe
(zu deutsch: die Blätter) abwerfen können: wenn man aber eine
Palme köpft, oder ihr die obere Krone nimt, so stirbt sie
alsbald, und dasselbe würde geschehn, wenn sie durch den Frost
ihr Laub verlöre; - man findet endlich das Megatherion, von
Dalton in Bonn sehr gut beschrieben, welches von so wunderbarer
Zusammensezung ist, dass es beinahe wie ein Aerolith aus
einem andern Weltkörper herübergekommen zu sein scheint, ein
Mittelding zwischen Faulthier und Armadill.

In älterer Zeit haben sich besonders um die Wissenschaft der
vergleichenden Anatomie verdient gemacht: Kamper, Sömme-
ring
und Blumenbach; in neuer Zeit Cuvier für die Knochen,
Lamark und Borongniart für die Thiere selbst.

37. Vorlesung, 12. März 1828

Beinahe alle urweltlichen Thiere gehören zu der Klasse der heu-
tigen Pachydermen, Dikhäuter. Cuvier untersuchte 130 Skelette von
Landthieren: darunter waren 60 Rhinozeros- und Elephanten-ar-
tige, 20 wiederkäuende, wie Hirsche, Elennthiere pp., 22 reissende,

dieser Thiere, und zwar gleichzeitig mit ihnen, Palmen und andre
Tropengewächse; es ist aber erwiesen, dass in der kalten Zone nur
Gewächse leben können, welche im Winter ihr Leben auf ihre
mittlere Axe konzentriren, und ihre appendikulären Organe
(zu deutsch: die Blätter) abwerfen können: wenn man aber eine
Palme köpft, oder ihr die obere Krone nimt, so stirbt sie
alsbald, und dasselbe würde geschehn, wenn sie durch den Frost
ihr Laub verlöre; – man findet endlich das Megatherion, von
Dalton in Bonn sehr gut beschrieben, welches von so wunderbarer
Zusammensezung ist, dass es beinahe wie ein Aerolith aus
einem andern Weltkörper herübergekommen zu sein scheint, ein
Mittelding zwischen Faulthier und Armadill.

In älterer Zeit haben sich besonders um die Wissenschaft der
vergleichenden Anatomie verdient gemacht: Kamper, Sömme-
ring
und Blumenbach; in neuer Zeit Cuvier für die Knochen,
Lamark und Borongniart für die Thiere selbst.

37. Vorlesung, 12. März 1828

Beinahe alle urweltlichen Thiere gehören zu der Klasse der heu-
tigen Pachydermen, Dikhäuter. Cuvier untersuchte 130 Skelette von
Landthieren: darunter waren 60 Rhinozeros- und Elephanten-ar-
tige, 20 wiederkäuende, wie Hirsche, Elennthiere pp., 22 reissende,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div type="session" n="36">
          <p><pb facs="#f0434" n="215v"/>
dieser Thiere, und zwar gleichzeitig mit ihnen, Palmen und andre<lb/>
Tropengewächse; es ist <del rendition="#s">aber</del> erwiesen, dass in der kalten Zone nur<lb/>
Gewächse leben können, welche im Winter ihr Leben auf ihre<lb/>
mittlere Axe konzentriren, und ihre appendikulären Organe<lb/>
(zu deutsch: die Blätter) abwerfen können: wenn man aber eine<lb/>
Palme köpft, oder ihr die obere Krone nimt, so stirbt sie<lb/>
alsbald, und dasselbe würde geschehn, wenn sie durch den Frost<lb/>
ihr Laub verlöre; &#x2013; man findet endlich das <hi rendition="#u">Megatherion</hi>, von<lb/><persName resp="#CT" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-119061341 http://d-nb.info/gnd/119061341">Dalton</persName> in Bonn sehr gut beschrieben,<note resp="#BF" type="editorial">Vgl. <bibl>Alton, Eduard d&#x2019;: Das Riesen-Faulthier, Bradypus giganteus: abgebildet, beschrieben und mit den verwandten Geschlechtern verglichen. Bonn 1821. (= Pander, Christian Heinrich u. Alton, Eduard d&#x2019;: Vergleichende Osteologie. 12 u. 2 Hefte. Weber, Bonn 1821&#x2013;1838. 1. Heft.)</bibl> Online verfügbar: <ref target="http://biodiversitylibrary.org/item/124170#page/11/mode/1up">Biodiversity Heritage Library, abgerufen am 14.01.2016</ref>.</note> welches von so wunderbarer<lb/>
Zusammensezung ist, dass es beinahe wie ein Aerolith aus<lb/>
einem andern Weltkörper herübergekommen zu sein scheint, ein<lb/>
Mittelding zwischen Faulthier und Armadill.</p><lb/>
          <p>In älterer Zeit haben sich besonders um die Wissenschaft der<lb/>
vergleichenden Anatomie verdient gemacht: <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-119291827 http://d-nb.info/gnd/119291827">Kamper</persName>, <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-118805193 http://d-nb.info/gnd/118805193">Sömme-<lb/>
ring</persName> und <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-116208503 http://d-nb.info/gnd/116208503">Blumenbach</persName>; in neuer Zeit <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-118677578 http://d-nb.info/gnd/118677578">Cuvier</persName> für die Knochen,<lb/><persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-118726048 http://d-nb.info/gnd/118726048">Lamark</persName> und <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-116685298 http://d-nb.info/gnd/116685298">B<subst><del rendition="#ow">o</del><add place="across">r</add></subst>ongniart</persName> für die Thiere selbst.</p><lb/>
        </div>
        <div type="session" n="37">
          <head type="leftMargin">
            <choice>
              <orig>12 März. <space dim="horizontal"/><hi rendition="#b">37.</hi></orig>
              <reg resp="#CT">37. Vorlesung, <ref target="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/gliederung"><date when="1828-03-12">12. März 1828</date></ref></reg>
            </choice>
          </head><lb/>
          <p>Beinahe alle urweltlichen Thiere gehören zu der Klasse der heu-<lb/>
tigen Pachydermen, Dikhäuter. <persName resp="#SB" ref="http://www.deutschestextarchiv.de/kosmos/person#gnd-118677578 http://d-nb.info/gnd/118677578">Cuvier</persName> untersuchte 130 Skelette von<lb/>
Landthieren: darunter waren 60 Rhinozeros- und Elephanten-ar-<lb/>
tige, 20 wiederkäuende, wie Hirsche, Elennthiere <choice><orig>pp</orig><reg resp="#CT">pp.</reg></choice><choice><sic/><corr resp="#CT">,</corr></choice> 22 reissende,<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[215v/0434] dieser Thiere, und zwar gleichzeitig mit ihnen, Palmen und andre Tropengewächse; es ist aber erwiesen, dass in der kalten Zone nur Gewächse leben können, welche im Winter ihr Leben auf ihre mittlere Axe konzentriren, und ihre appendikulären Organe (zu deutsch: die Blätter) abwerfen können: wenn man aber eine Palme köpft, oder ihr die obere Krone nimt, so stirbt sie alsbald, und dasselbe würde geschehn, wenn sie durch den Frost ihr Laub verlöre; – man findet endlich das Megatherion, von Dalton in Bonn sehr gut beschrieben, welches von so wunderbarer Zusammensezung ist, dass es beinahe wie ein Aerolith aus einem andern Weltkörper herübergekommen zu sein scheint, ein Mittelding zwischen Faulthier und Armadill. In älterer Zeit haben sich besonders um die Wissenschaft der vergleichenden Anatomie verdient gemacht: Kamper, Sömme- ring und Blumenbach; in neuer Zeit Cuvier für die Knochen, Lamark und Borongniart für die Thiere selbst. 12 März. 37. Beinahe alle urweltlichen Thiere gehören zu der Klasse der heu- tigen Pachydermen, Dikhäuter. Cuvier untersuchte 130 Skelette von Landthieren: darunter waren 60 Rhinozeros- und Elephanten-ar- tige, 20 wiederkäuende, wie Hirsche, Elennthiere pp, 22 reissende,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Christian Thomas: Herausgeber
Sandra Balck, Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: Bereitstellen der Digitalisierungsvorlage; Bilddigitalisierung

Weitere Informationen:

Abweichungen von den DTA-Richtlinien:

  • I/J: Lautwert transkribiert



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/parthey_msgermqu1711_1828
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/parthey_msgermqu1711_1828/434
Zitationshilfe: Parthey, Gustav: Alexander von Humboldt[:] Vorlesungen über physikalische Geographie. Novmbr. 1827 bis April,[!] 1828. Nachgeschrieben von G. Partheÿ. [Berlin], [1827/28]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Berliner Universität, 3.11.1827–26.4.1828.], S. 215v. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/parthey_msgermqu1711_1828/434>, abgerufen am 21.09.2020.