Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Dritten Theils zweyte Abtheilung: Neuere Geschichte der Geschlechtsverbindung und Liebe. Leipzig, 1798.

Bild:
<< vorherige Seite

Gefahren. Die Beschreibung der listigen Anschläge, wodurch sie zu Stande gebracht sind, giebt diesem Romane das Hauptinteresse. Endlich muß Euryalus abreisen: Lukretia stirbt vor Gram, er aber heyrathet, nachdem er sie eine Zeitlang betrauert hat, eine Dame aus fürstlichem Geschlecht, die ihm der Kayser giebt. - Auch in diesem Romane ist die Liebe sinnlich dargestellt.

Späterhin haben die Italiäner viel aus dem Spanischen übersetzt, und der Geschmack an den Ritterromanen im Geiste der Amadis, der Primaleonen u. s. w. hat überhand genommen. Mir sind aber weiter keine Originalromane dieser Art in Prosa zu Gesicht gekommen. Der Stoff zu den Heldengedichten ist aus den älteren Ritterromanen entlehnt.

Ihre Novellendichter haben die Liebe im Geschmack des Boccaz behandelt: d. h. leicht und oft ausgelassen.

Neuntes Kapitel.

Fortsetzung. Ueber die Romane der Engländer und Deutschen.

Ich bin außer Stande über die Romane der Engländer etwas mehr zu sagen, als was ich in den Reliques of ancient English Poetry finde. Nach diesen zu urtheilen, dürften die Engländer schwerlich vor dem vierzehnten Jahrhunderte Romane in ihrer Sprache geschrieben aufzuweisen haben: und selbst nach dieser Zeit ist ihr Geschmack wahrscheinlich mit dem

Gefahren. Die Beschreibung der listigen Anschläge, wodurch sie zu Stande gebracht sind, giebt diesem Romane das Hauptinteresse. Endlich muß Euryalus abreisen: Lukretia stirbt vor Gram, er aber heyrathet, nachdem er sie eine Zeitlang betrauert hat, eine Dame aus fürstlichem Geschlecht, die ihm der Kayser giebt. – Auch in diesem Romane ist die Liebe sinnlich dargestellt.

Späterhin haben die Italiäner viel aus dem Spanischen übersetzt, und der Geschmack an den Ritterromanen im Geiste der Amadis, der Primaleonen u. s. w. hat überhand genommen. Mir sind aber weiter keine Originalromane dieser Art in Prosa zu Gesicht gekommen. Der Stoff zu den Heldengedichten ist aus den älteren Ritterromanen entlehnt.

Ihre Novellendichter haben die Liebe im Geschmack des Boccaz behandelt: d. h. leicht und oft ausgelassen.

Neuntes Kapitel.

Fortsetzung. Ueber die Romane der Engländer und Deutschen.

Ich bin außer Stande über die Romane der Engländer etwas mehr zu sagen, als was ich in den Reliques of ancient English Poetry finde. Nach diesen zu urtheilen, dürften die Engländer schwerlich vor dem vierzehnten Jahrhunderte Romane in ihrer Sprache geschrieben aufzuweisen haben: und selbst nach dieser Zeit ist ihr Geschmack wahrscheinlich mit dem

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0204" n="204"/>
Gefahren. Die Beschreibung der listigen Anschläge, wodurch sie zu Stande gebracht sind, giebt diesem Romane das Hauptinteresse. Endlich muß Euryalus abreisen: Lukretia stirbt vor Gram, er aber heyrathet, nachdem er sie eine Zeitlang betrauert hat, eine Dame aus fürstlichem Geschlecht, die ihm der Kayser giebt. &#x2013; Auch in diesem Romane ist die Liebe sinnlich dargestellt.</p>
          <p>Späterhin haben die Italiäner viel aus dem Spanischen übersetzt, und der Geschmack an den Ritterromanen im Geiste der Amadis, der Primaleonen u. s. w. hat überhand genommen. Mir sind aber weiter keine Originalromane dieser Art in Prosa zu Gesicht gekommen. Der Stoff zu den Heldengedichten ist aus den älteren Ritterromanen entlehnt.</p>
          <p>Ihre Novellendichter haben die Liebe im Geschmack des Boccaz behandelt: d. h. leicht und oft ausgelassen.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head>Neuntes Kapitel.<lb/></head>
          <argument>
            <p>Fortsetzung. Ueber die Romane der Engländer und Deutschen.<lb/></p>
          </argument>
          <p>Ich bin außer Stande über die Romane der Engländer etwas mehr zu sagen, als was ich in den <hi rendition="#aq">Reliques of ancient English Poetry</hi> finde. Nach diesen zu urtheilen, dürften die Engländer schwerlich vor dem vierzehnten Jahrhunderte Romane in ihrer Sprache geschrieben aufzuweisen haben: und selbst nach dieser Zeit ist ihr Geschmack wahrscheinlich mit dem
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[204/0204] Gefahren. Die Beschreibung der listigen Anschläge, wodurch sie zu Stande gebracht sind, giebt diesem Romane das Hauptinteresse. Endlich muß Euryalus abreisen: Lukretia stirbt vor Gram, er aber heyrathet, nachdem er sie eine Zeitlang betrauert hat, eine Dame aus fürstlichem Geschlecht, die ihm der Kayser giebt. – Auch in diesem Romane ist die Liebe sinnlich dargestellt. Späterhin haben die Italiäner viel aus dem Spanischen übersetzt, und der Geschmack an den Ritterromanen im Geiste der Amadis, der Primaleonen u. s. w. hat überhand genommen. Mir sind aber weiter keine Originalromane dieser Art in Prosa zu Gesicht gekommen. Der Stoff zu den Heldengedichten ist aus den älteren Ritterromanen entlehnt. Ihre Novellendichter haben die Liebe im Geschmack des Boccaz behandelt: d. h. leicht und oft ausgelassen. Neuntes Kapitel. Fortsetzung. Ueber die Romane der Engländer und Deutschen. Ich bin außer Stande über die Romane der Engländer etwas mehr zu sagen, als was ich in den Reliques of ancient English Poetry finde. Nach diesen zu urtheilen, dürften die Engländer schwerlich vor dem vierzehnten Jahrhunderte Romane in ihrer Sprache geschrieben aufzuweisen haben: und selbst nach dieser Zeit ist ihr Geschmack wahrscheinlich mit dem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-11-20T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-20T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-20T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als moderner Umlaut (ä, ö, ü) transkribiert.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798/204
Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Dritten Theils zweyte Abtheilung: Neuere Geschichte der Geschlechtsverbindung und Liebe. Leipzig, 1798, S. 204. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798/204>, abgerufen am 19.08.2019.