Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] vor Christi Geburt sieben hundert und achtzig/ ungefähr im ein und dreysigsten Jahr vor Erbauung der Stadt Rom. Wiewol andre ihren Anfang vom drey tausend/ hundert und vier und siebtzigsten Jahre nach der Schöpfung/ vom vier und zwantzigsten vor Erbauung Roms/ und sieben hundert und fünf und siebtzigsten vor Christi Menschwerdung/ rechnen/ und andre noch anders zehlen: so erhellet doch/ nach aller dieser Rechnung/ daß die Mahlerkunst bereits vor Erbauung der Stadt Rom im Gebrauch gewest.

Daß aber Plinius schreibet/ man habe zur Zeit/ da Troja florirt/ nichts darvon gewust/ darüber ist sich mehr zu verwundern/ als solchem Glauben beyzu Verschiedene Exempel aus dem Homerus, daß zu Troja die Kunst zu mahlen vollkommen im Schwang gewesen. messen/ weil man beym Homerus in seinen Iliaden liset/ daß die Trojanische Weiber/ als Helena und andere mehr/ Bild-stiche genehet oder gewirckt/ und sehr viel artige Dinge gemacht: insonderheit Helena, welche als die Iris, in Gestalt aber Laodicaea, sie zu besuchen kam/ eben in ihrem Zimmer ein ausbündig schön Stuck wirckte/ worein der Krieg zwischen denen Griechen und Trojanern mit herrlichen Figuren auch die Scharmützel/ das Ansetzen/ das grimmige Gefecht und der Angrieff beyder Armeen sehr künstlich nachgebildet war/ wie zu lesen im dritten Buch der Iliaden Homeri, welchs/ ohne die Mahler- und Zeichen-Kunst/ nicht geschehen können. Ferner erzehlet er/ was vor Historien auf denen Schilden geschildert gewesen: Und erstlich zwar im fünfften Buch/ allwo er sagt/ daß Minerva sich gewaffnet mit des Jupiters Harnische und auf ihre Schuldern seinen Schild genommen/ worauf Furcht und Schrecken/ Zwist/ Zwietracht/ Zanck/ Feindschafft oder Haß/ Drohung und Geschrey und in der Mitte das Gorgonische Haupt sehr greulich vorgestellet waren: Inmassen/ dergleichen Dinge/ nach Zeugnus dessen im eilfften Buch/ auch auf dem Schilde des Agamemnons gestanden. Zu geschweigen/[Spaltenumbruch] was vor Nettigkeiten auf dem Gürtel der Venus zu sehen gewesen/ als er im vierzehenden Buch erzehlet. Also ist unwidersprechlich/ daß die Mahlerkunst/ nach eben dieses Scribenten Aussage/ im achtzehenden Buch/ zur Zeit der Trojanen gnugsam bekannt gewesen: Dann alda erzehlet er/ daß Vulcanus, für die Thetys, in Von tausenderley Erfindungen über den Schild des Achillis. des Achilles Schild wol tausenderley Erfindungen gemacht habe/ als Himmel/ Erde und Meer/ den Lauff der Sonnen/ Mond und Sternen/ auch den Unterscheid der himmlischen Zeichen/ den Beer/ das Sieben-Gestirn und dergleichen. Ferner hatte er gemacht zwo Städte/ in der einen eine Hochzeit/ wobey man die Braut mit brennenden Fackeln leitete/ und offentliche Täntze anstellte/ die Weiber aber sassen an ihren Schwellen und sahen zu/ so daß man in ihren Augen eine Verwunderung spürte. An einem andern Orte hatten sich Leute versammlet/ einigen andern zu zuhören/ so wider einander vor Rechte stritten über einen Todschlag/ in welcher Historie (die hier zu lange zu erzehlen) er von wunderbaren Affecten oder Neigungen der Hertzen und Handlungen sagt/ also daß der bäste Maler von der Welt gnug zu thun haben wurde/ diese Dinge alle auszubilden. In der andern Stadt figurirte er viel Kriegsgeschichte/ nebst einer belägerten Stadt/ darinnen man viel Rahtschläge hielt/ Ausfälle that/ Hinterhalte machte/ da immittels Weiber und Kinder/ samt den alten Männern/ die Stadt vertheidigten. Der Hinterhalt hatte den Mars und die Minerva zu Geleitsleuten/ und lagerte sich an einen Fluß/ allda er dem Vieh/ wann es zur Träncke käme/ aufpassete. Endlich kamen zween Hirten die auf ihren Schallmeyen spielende/ ihre weidende Heerden erfrölichten/ und sich dieses Hinterhalts am wenigsten versahen: aber augenblicklich überfallen/ beyde niedergemacht/ und die fette Ochsen und weisse Wollenheerd weggenommen wurden: Worauf die im Lager im Kriegsraht versammlete ungesaumt

[Spaltenumbruch] vor Christi Geburt sieben hundert und achtzig/ ungefähr im ein und dreysigsten Jahr vor Erbauung der Stadt Rom. Wiewol andre ihren Anfang vom drey tausend/ hundert und vier und siebtzigsten Jahre nach der Schöpfung/ vom vier und zwantzigsten vor Erbauung Roms/ und sieben hundert und fünf und siebtzigsten vor Christi Menschwerdung/ rechnen/ und andre noch anders zehlen: so erhellet doch/ nach aller dieser Rechnung/ daß die Mahlerkunst bereits vor Erbauung der Stadt Rom im Gebrauch gewest.

Daß aber Plinius schreibet/ man habe zur Zeit/ da Troja florirt/ nichts darvon gewust/ darüber ist sich mehr zu verwundern/ als solchem Glauben beyzu Verschiedene Exempel aus dem Homerus, daß zu Troja die Kunst zu mahlen vollkommen im Schwang gewesen. messen/ weil man beym Homerus in seinen Iliaden liset/ daß die Trojanische Weiber/ als Helena und andere mehr/ Bild-stiche genehet oder gewirckt/ und sehr viel artige Dinge gemacht: insonderheit Helena, welche als die Iris, in Gestalt aber Laodicaea, sie zu besuchen kam/ eben in ihrem Zimmer ein ausbündig schön Stuck wirckte/ worein der Krieg zwischen denen Griechen und Trojanern mit herrlichen Figuren auch die Scharmützel/ das Ansetzen/ das grimmige Gefecht und der Angrieff beyder Armeen sehr künstlich nachgebildet war/ wie zu lesen im dritten Buch der Iliaden Homeri, welchs/ ohne die Mahler- und Zeichen-Kunst/ nicht geschehen können. Ferner erzehlet er/ was vor Historien auf denen Schilden geschildert gewesen: Und erstlich zwar im fünfften Buch/ allwo er sagt/ daß Minerva sich gewaffnet mit des Jupiters Harnische und auf ihre Schuldern seinen Schild genommen/ worauf Furcht und Schrecken/ Zwist/ Zwietracht/ Zanck/ Feindschafft oder Haß/ Drohung und Geschrey und in der Mitte das Gorgonische Haupt sehr greulich vorgestellet waren: Inmassen/ dergleichen Dinge/ nach Zeugnus dessen im eilfften Buch/ auch auf dem Schilde des Agamemnons gestanden. Zu geschweigen/[Spaltenumbruch] was vor Nettigkeiten auf dem Gürtel der Venus zu sehen gewesen/ als er im vierzehenden Buch erzehlet. Also ist unwidersprechlich/ daß die Mahlerkunst/ nach eben dieses Scribenten Aussage/ im achtzehenden Buch/ zur Zeit der Trojanen gnugsam bekannt gewesen: Dann alda erzehlet er/ daß Vulcanus, für die Thetys, in Von tausenderley Erfindungen über den Schild des Achillis. des Achilles Schild wol tausenderley Erfindungen gemacht habe/ als Himmel/ Erde und Meer/ den Lauff der Sonnen/ Mond und Sternen/ auch den Unterscheid der himmlischen Zeichen/ den Beer/ das Sieben-Gestirn und dergleichen. Ferner hatte er gemacht zwo Städte/ in der einen eine Hochzeit/ wobey man die Braut mit brennenden Fackeln leitete/ und offentliche Täntze anstellte/ die Weiber aber sassen an ihren Schwellen und sahen zu/ so daß man in ihren Augen eine Verwunderung spürte. An einem andern Orte hatten sich Leute versammlet/ einigen andern zu zuhören/ so wider einander vor Rechte stritten über einen Todschlag/ in welcher Historie (die hier zu lange zu erzehlen) er von wunderbaren Affecten oder Neigungen der Hertzen und Handlungen sagt/ also daß der bäste Maler von der Welt gnug zu thun haben wurde/ diese Dinge alle auszubilden. In der andern Stadt figurirte er viel Kriegsgeschichte/ nebst einer belägerten Stadt/ darinnen man viel Rahtschläge hielt/ Ausfälle that/ Hinterhalte machte/ da immittels Weiber und Kinder/ samt den alten Männern/ die Stadt vertheidigten. Der Hinterhalt hatte den Mars und die Minerva zu Geleitsleuten/ und lagerte sich an einen Fluß/ allda er dem Vieh/ wann es zur Träncke käme/ aufpassete. Endlich kamen zween Hirten die auf ihren Schallmeyen spielende/ ihre weidende Heerden erfrölichten/ und sich dieses Hinterhalts am wenigsten versahen: aber augenblicklich überfallen/ beyde niedergemacht/ und die fette Ochsen und weisse Wollenheerd weggenommen wurden: Worauf die im Lager im Kriegsraht versammlete ungesaumt

<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="preface">
        <p><pb facs="#f0007" xml:id="pb-991" n="[III (Malerei), S. 3]"/><cb/>
vor Christi Geburt sieben hundert und achtzig/ ungefähr im ein und dreysigsten Jahr vor Erbauung der Stadt <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName>. Wiewol andre ihren Anfang vom drey tausend/ hundert und vier und siebtzigsten Jahre nach der Schöpfung/ vom vier und zwantzigsten vor Erbauung <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Roms</placeName>/ und sieben hundert und fünf und siebtzigsten vor Christi Menschwerdung/ rechnen/ und andre noch anders zehlen: so erhellet doch/ nach aller dieser Rechnung/ daß die Mahlerkunst bereits vor Erbauung der Stadt <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> im Gebrauch gewest.</p>
        <p>Daß aber <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-326 http://d-nb.info/gnd/118595083 http://viaf.org/viaf/100219162"><hi rendition="#aq">Plinius</hi></persName> schreibet/ man habe zur Zeit/ da <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-138 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7002329"><hi rendition="#aq">Troja</hi></placeName> florirt/ nichts darvon gewust/ darüber ist sich mehr zu verwundern/ als solchem Glauben beyzu <note place="right">Verschiedene Exempel aus dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-109 http://d-nb.info/gnd/11855333X http://viaf.org/viaf/63292865"><hi rendition="#aq">Homerus</hi></persName>, daß zu <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-138 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7002329"><hi rendition="#aq">Troja</hi></placeName> die Kunst zu mahlen vollkommen im Schwang gewesen.</note> messen/ weil man beym <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-109 http://d-nb.info/gnd/11855333X http://viaf.org/viaf/63292865"><hi rendition="#aq">Homerus</hi></persName> in seinen <bibl><ref target="http://ta.sandrart.net/-bibliography-2345">Iliaden</ref></bibl> liset/ daß die <hi rendition="#aq">Trojani</hi>sche Weiber/ als <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-412 http://d-nb.info/gnd/118548778 http://viaf.org/viaf/45094221"><hi rendition="#aq">Helena</hi></persName> und andere mehr/ Bild-stiche genehet oder gewirckt/ und sehr viel artige Dinge gemacht: insonderheit <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-412 http://d-nb.info/gnd/118548778 http://viaf.org/viaf/45094221"><hi rendition="#aq">Helena</hi></persName>, welche als die <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3396"><hi rendition="#aq">Iris</hi></persName>, in Gestalt aber <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3769"><hi rendition="#aq">Laodicaea</hi></persName>, sie zu besuchen kam/ eben in ihrem Zimmer ein ausbündig schön Stuck wirckte/ worein der Krieg zwischen denen Griechen und <hi rendition="#aq">Troja</hi>nern mit herrlichen Figuren auch die Scharmützel/ das Ansetzen/ das grimmige Gefecht und der Angrieff beyder Armeen sehr künstlich nachgebildet war/ wie zu lesen im dritten Buch der <bibl><ref target="http://ta.sandrart.net/-bibliography-2345"><hi rendition="#aq">Iliad</hi>en <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-109 http://d-nb.info/gnd/11855333X http://viaf.org/viaf/63292865"><hi rendition="#aq">Homeri</hi></persName></ref></bibl>, welchs/ ohne die Mahler- und Zeichen-Kunst/ nicht geschehen können. Ferner erzehlet er/ was vor Historien auf denen Schilden geschildert gewesen: Und erstlich zwar im fünfften Buch/ allwo er sagt/ daß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-145 http://d-nb.info/gnd/118986155 http://viaf.org/viaf/13107718"><hi rendition="#aq">Minerva</hi></persName> sich gewaffnet mit des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiters</persName> Harnische und auf ihre Schuldern seinen Schild genommen/ worauf Furcht und Schrecken/ Zwist/ Zwietracht/ Zanck/ Feindschafft oder Haß/ Drohung und Geschrey und in der Mitte das Gorgonische Haupt sehr greulich vorgestellet waren: Inmassen/ dergleichen Dinge/ nach Zeugnus dessen im eilfften Buch/ auch auf dem Schilde des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-487 http://d-nb.info/gnd/119059738 http://viaf.org/viaf/45103428"><hi rendition="#aq">Agamemnons</hi></persName> gestanden. Zu geschweigen/<cb/>
was vor Nettigkeiten auf dem Gürtel der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-126 http://d-nb.info/gnd/11876800X http://viaf.org/viaf/30332680"><hi rendition="#aq">Venus</hi></persName> zu sehen gewesen/ als er im vierzehenden Buch erzehlet. Also ist unwidersprechlich/ daß die Mahlerkunst/ nach eben dieses Scribenten Aussage/ im achtzehenden Buch/ zur Zeit der <hi rendition="#aq">Troja</hi>nen gnugsam bekannt gewesen: Dann alda erzehlet er/ daß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-143 http://d-nb.info/gnd/118770462 http://viaf.org/viaf/42633769"><hi rendition="#aq">Vulcanus</hi></persName>, für die <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1908 http://d-nb.info/gnd/119070731 http://viaf.org/viaf/35258385"><hi rendition="#aq">Thetys</hi></persName>, in <note place="right">Von tausenderley Erfindungen über den Schild des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-110 http://d-nb.info/gnd/118500384 http://viaf.org/viaf/76551205"><hi rendition="#aq">Achillis</hi></persName>.</note> des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-110 http://d-nb.info/gnd/118500384 http://viaf.org/viaf/76551205"><hi rendition="#aq">Achilles</hi></persName> Schild wol tausenderley Erfindungen gemacht habe/ als Himmel/ Erde und Meer/ den Lauff der Sonnen/ Mond und Sternen/ auch den Unterscheid der himmlischen Zeichen/ den Beer/ das Sieben-Gestirn und dergleichen. Ferner hatte er gemacht zwo Städte/ in der einen eine Hochzeit/ wobey man die Braut mit brennenden Fackeln leitete/ und offentliche Täntze anstellte/ die Weiber aber sassen an ihren Schwellen und sahen zu/ so daß man in ihren Augen eine Verwunderung spürte. An einem andern Orte hatten sich Leute versammlet/ einigen andern zu zuhören/ so wider einander vor Rechte stritten über einen Todschlag/ in welcher Historie (die hier zu lange zu erzehlen) er von wunderbaren <hi rendition="#aq">Affect</hi>en oder Neigungen der Hertzen und Handlungen sagt/ also daß der bäste Maler von der Welt gnug zu thun haben wurde/ diese Dinge alle auszubilden. In der andern Stadt figurirte er viel Kriegsgeschichte/ nebst einer belägerten Stadt/ darinnen man viel Rahtschläge hielt/ Ausfälle that/ Hinterhalte machte/ da immittels Weiber und Kinder/ samt den alten Männern/ die Stadt vertheidigten. Der Hinterhalt hatte den <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-18 http://d-nb.info/gnd/118731181 http://viaf.org/viaf/101084029"><hi rendition="#aq">Mars</hi></persName> und die <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-145 http://d-nb.info/gnd/118986155 http://viaf.org/viaf/13107718"><hi rendition="#aq">Minerva</hi></persName> zu Geleitsleuten/ und lagerte sich an einen Fluß/ allda er dem Vieh/ wann es zur Träncke käme/ aufpassete. Endlich kamen zween Hirten die auf ihren Schallmeyen spielende/ ihre weidende Heerden erfrölichten/ und sich dieses Hinterhalts am wenigsten versahen: aber augenblicklich überfallen/ beyde niedergemacht/ und die fette Ochsen und weisse Wollenheerd weggenommen wurden: Worauf die im Lager im Kriegsraht versammlete ungesaumt
</p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[[III (Malerei), S. 3]/0007] vor Christi Geburt sieben hundert und achtzig/ ungefähr im ein und dreysigsten Jahr vor Erbauung der Stadt Rom. Wiewol andre ihren Anfang vom drey tausend/ hundert und vier und siebtzigsten Jahre nach der Schöpfung/ vom vier und zwantzigsten vor Erbauung Roms/ und sieben hundert und fünf und siebtzigsten vor Christi Menschwerdung/ rechnen/ und andre noch anders zehlen: so erhellet doch/ nach aller dieser Rechnung/ daß die Mahlerkunst bereits vor Erbauung der Stadt Rom im Gebrauch gewest. Daß aber Plinius schreibet/ man habe zur Zeit/ da Troja florirt/ nichts darvon gewust/ darüber ist sich mehr zu verwundern/ als solchem Glauben beyzu messen/ weil man beym Homerus in seinen Iliaden liset/ daß die Trojanische Weiber/ als Helena und andere mehr/ Bild-stiche genehet oder gewirckt/ und sehr viel artige Dinge gemacht: insonderheit Helena, welche als die Iris, in Gestalt aber Laodicaea, sie zu besuchen kam/ eben in ihrem Zimmer ein ausbündig schön Stuck wirckte/ worein der Krieg zwischen denen Griechen und Trojanern mit herrlichen Figuren auch die Scharmützel/ das Ansetzen/ das grimmige Gefecht und der Angrieff beyder Armeen sehr künstlich nachgebildet war/ wie zu lesen im dritten Buch der Iliaden Homeri, welchs/ ohne die Mahler- und Zeichen-Kunst/ nicht geschehen können. Ferner erzehlet er/ was vor Historien auf denen Schilden geschildert gewesen: Und erstlich zwar im fünfften Buch/ allwo er sagt/ daß Minerva sich gewaffnet mit des Jupiters Harnische und auf ihre Schuldern seinen Schild genommen/ worauf Furcht und Schrecken/ Zwist/ Zwietracht/ Zanck/ Feindschafft oder Haß/ Drohung und Geschrey und in der Mitte das Gorgonische Haupt sehr greulich vorgestellet waren: Inmassen/ dergleichen Dinge/ nach Zeugnus dessen im eilfften Buch/ auch auf dem Schilde des Agamemnons gestanden. Zu geschweigen/ was vor Nettigkeiten auf dem Gürtel der Venus zu sehen gewesen/ als er im vierzehenden Buch erzehlet. Also ist unwidersprechlich/ daß die Mahlerkunst/ nach eben dieses Scribenten Aussage/ im achtzehenden Buch/ zur Zeit der Trojanen gnugsam bekannt gewesen: Dann alda erzehlet er/ daß Vulcanus, für die Thetys, in des Achilles Schild wol tausenderley Erfindungen gemacht habe/ als Himmel/ Erde und Meer/ den Lauff der Sonnen/ Mond und Sternen/ auch den Unterscheid der himmlischen Zeichen/ den Beer/ das Sieben-Gestirn und dergleichen. Ferner hatte er gemacht zwo Städte/ in der einen eine Hochzeit/ wobey man die Braut mit brennenden Fackeln leitete/ und offentliche Täntze anstellte/ die Weiber aber sassen an ihren Schwellen und sahen zu/ so daß man in ihren Augen eine Verwunderung spürte. An einem andern Orte hatten sich Leute versammlet/ einigen andern zu zuhören/ so wider einander vor Rechte stritten über einen Todschlag/ in welcher Historie (die hier zu lange zu erzehlen) er von wunderbaren Affecten oder Neigungen der Hertzen und Handlungen sagt/ also daß der bäste Maler von der Welt gnug zu thun haben wurde/ diese Dinge alle auszubilden. In der andern Stadt figurirte er viel Kriegsgeschichte/ nebst einer belägerten Stadt/ darinnen man viel Rahtschläge hielt/ Ausfälle that/ Hinterhalte machte/ da immittels Weiber und Kinder/ samt den alten Männern/ die Stadt vertheidigten. Der Hinterhalt hatte den Mars und die Minerva zu Geleitsleuten/ und lagerte sich an einen Fluß/ allda er dem Vieh/ wann es zur Träncke käme/ aufpassete. Endlich kamen zween Hirten die auf ihren Schallmeyen spielende/ ihre weidende Heerden erfrölichten/ und sich dieses Hinterhalts am wenigsten versahen: aber augenblicklich überfallen/ beyde niedergemacht/ und die fette Ochsen und weisse Wollenheerd weggenommen wurden: Worauf die im Lager im Kriegsraht versammlete ungesaumt Verschiedene Exempel aus dem Homerus, daß zu Troja die Kunst zu mahlen vollkommen im Schwang gewesen. Von tausenderley Erfindungen über den Schild des Achillis.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/7
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679, S. [III (Malerei), S. 3]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/7>, abgerufen am 23.09.2020.