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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Politischen Qvacksalberey reden solte/ da man
offt quid pro quo nehmen müste/ der würde
vielleicht grössern Betrug antreffen/ als in
dieser elenden Bude/ da nichts als einfälti-
ge Bauren zu sammen kämen. Florindo
fragte/ ob die Politici auch mit Salben han-
delten? Ja wohl/ sagte der Hoffmeister/ sind
Salbenbüchsen genug/ damit den Leuten die
Augen verkleistert werden/ aber es ist nicht
von nöthen/ daß man solches allen Leuten weiß
macht. Florindo ward begierig die sonder-
lichen Sachen zu erfahren/ und hielt instän-
dig an/ Gelanor möchte doch etwas deutlicher
reden. Da sagte dieser/ habt ihr nicht das
Buch gesehen/ da forn auf dem Titel steht/
der Politische Quacksalber[:] seht dassel-
be durch/ so wird euch die Thüre zum Ver-
ständniß schon geöffnet werden. Mehr sagte
er nicht/ denn es ist vergebene Arbeit/ daß man
jungen unverständigen Leuten viel von Politischen
Staatshändeln auffbriefen will/ weil sie doch
mit ihrem einfältigen Verstande so weit nit
langen/ und alle dergleichen actiones viel-
mehr ansehen/ wie die Kuh das neue Thor.
Und fürwar hierinn erwieß Gelanor eine un-
gemeine Klugheit/ die man vielen grossen und
hochtrabenden Leuten vergebens wünschen
muß.

CAP.


Politiſchen Qvackſalberey reden ſolte/ da man
offt quid pro quo nehmen muͤſte/ der wuͤrde
vielleicht groͤſſern Betrug antreffen/ als in
dieſer elenden Bude/ da nichts als einfaͤlti-
ge Bauren zu ſammen kaͤmen. Florindo
fragte/ ob die Politici auch mit Salben han-
delten? Ja wohl/ ſagte der Hoffmeiſter/ ſind
Salbenbuͤchſen genug/ damit den Leuten die
Augen verkleiſtert werden/ aber es iſt nicht
von noͤthen/ daß man ſolches allen Leuten weiß
macht. Florindo ward begierig die ſonder-
lichen Sachen zu erfahren/ und hielt inſtaͤn-
dig an/ Gelanor moͤchte doch etwas deutlicher
reden. Da ſagte dieſer/ habt ihr nicht das
Buch geſehen/ da forn auf dem Titel ſteht/
der Politiſche Quackſalber[:] ſeht daſſel-
be durch/ ſo wird euch die Thuͤre zum Ver-
ſtaͤndniß ſchon geoͤffnet werden. Mehr ſagte
er nicht/ deñ es iſt vergebene Arbeit/ daß man
jungẽ unverſtaͤndigẽ Leutẽ viel von Politiſchẽ
Staatshaͤndeln auffbriefen will/ weil ſie doch
mit ihrem einfaͤltigen Verſtande ſo weit nit
langen/ und alle dergleichen actiones viel-
mehr anſehen/ wie die Kuh das neue Thor.
Und fuͤrwar hierinn erwieß Gelanor eine un-
gemeine Klugheit/ die man vielen groſſen und
hochtrabenden Leuten vergebens wuͤnſchen
muß.

CAP.
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[164/0170] Politiſchen Qvackſalberey reden ſolte/ da man offt quid pro quo nehmen muͤſte/ der wuͤrde vielleicht groͤſſern Betrug antreffen/ als in dieſer elenden Bude/ da nichts als einfaͤlti- ge Bauren zu ſammen kaͤmen. Florindo fragte/ ob die Politici auch mit Salben han- delten? Ja wohl/ ſagte der Hoffmeiſter/ ſind Salbenbuͤchſen genug/ damit den Leuten die Augen verkleiſtert werden/ aber es iſt nicht von noͤthen/ daß man ſolches allen Leuten weiß macht. Florindo ward begierig die ſonder- lichen Sachen zu erfahren/ und hielt inſtaͤn- dig an/ Gelanor moͤchte doch etwas deutlicher reden. Da ſagte dieſer/ habt ihr nicht das Buch geſehen/ da forn auf dem Titel ſteht/ der Politiſche Quackſalber: ſeht daſſel- be durch/ ſo wird euch die Thuͤre zum Ver- ſtaͤndniß ſchon geoͤffnet werden. Mehr ſagte er nicht/ deñ es iſt vergebene Arbeit/ daß man jungẽ unverſtaͤndigẽ Leutẽ viel von Politiſchẽ Staatshaͤndeln auffbriefen will/ weil ſie doch mit ihrem einfaͤltigen Verſtande ſo weit nit langen/ und alle dergleichen actiones viel- mehr anſehen/ wie die Kuh das neue Thor. Und fuͤrwar hierinn erwieß Gelanor eine un- gemeine Klugheit/ die man vielen groſſen und hochtrabenden Leuten vergebens wuͤnſchen muß. CAP.

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/170>, abgerufen am 25.04.2019.