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Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672.

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Entschuldigung/ und giengen hierauffin den
Laden

CAP. XXVII.

DOch wir müssen unsern ehrlichen
Schnarrpeter mit seinem Nürnberger/
Erffurter und Regenspurger Bratwürsten
nicht zu lange warten lassen/ ich weiß/ daß sich
keiner auff ein remedium besonnen hat/ daß
also ein jedweder/ der das Wort Daradirita-
rum tarides
gern außsprechen will/ dem Eury-
las
wird zu dancken haben. Denn er nahm
seinen Patienten vor/ und sagte/ mein Freund/
ich wolt euch gern geholffen wissen/ aber es ist
ein zärtlich Gliedmaß ümb die Kehle/ das man
nicht Bleche anflicken kan/ wie an die Regal-
pfeiffen. Es kan seyn/ daß sich eure Mutter
bey schwangerm Leibe an einem andern sol-
chen Knisterbart versehen hat. Was nun in
Mutterleibt schon der Natur mit getheilet
wird/ daß lansset sich so späth nicht ändern.
Doch aber damit ihr meine Treu verspühren
möget/ so lasset euch diß gesagt seyn/ und hütet
euch vor allen Worten die ein R. haben.
Sprecht zu niemanden/ mein Herr/ sondern
Monsieur, weil solches Wort der Frantzösi-

schen


Entſchuldigung/ und giengen hierauffin den
Laden

CAP. XXVII.

DOch wir muͤſſen unſern ehrlichen
Schnarrpeter mit ſeinem Nuͤrnberger/
Erffurter und Regenſpurger Bratwuͤrſten
nicht zu lange warten laſſen/ ich weiß/ daß ſich
keiner auff ein remedium beſonnen hat/ daß
alſo ein jedweder/ der das Wort Daradirita-
rum tarides
gern außſprechen will/ dem Eury-
las
wird zu dancken haben. Denn er nahm
ſeinen Patienten vor/ und ſagte/ mein Freund/
ich wolt euch gern geholffen wiſſen/ aber es iſt
ein zaͤrtlich Gliedmaß uͤmb die Kehle/ das man
nicht Bleche anflicken kan/ wie an die Regal-
pfeiffen. Es kan ſeyn/ daß ſich eure Mutter
bey ſchwangerm Leibe an einem andern ſol-
chen Kniſterbart verſehen hat. Was nun in
Mutterleibt ſchon der Natur mit getheilet
wird/ daß lãſſet ſich ſo ſpaͤth nicht aͤndern.
Doch aber damit ihr meine Treu verſpuͤhren
moͤget/ ſo laſſet euch diß geſagt ſeyn/ und huͤtet
euch vor allen Worten die ein R. haben.
Sprecht zu niemanden/ mein Herr/ ſondern
Monſieur, weil ſolches Wort der Frantzoͤſi-

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[228/0234] Entſchuldigung/ und giengen hierauffin den Laden CAP. XXVII. DOch wir muͤſſen unſern ehrlichen Schnarrpeter mit ſeinem Nuͤrnberger/ Erffurter und Regenſpurger Bratwuͤrſten nicht zu lange warten laſſen/ ich weiß/ daß ſich keiner auff ein remedium beſonnen hat/ daß alſo ein jedweder/ der das Wort Daradirita- rum tarides gern außſprechen will/ dem Eury- las wird zu dancken haben. Denn er nahm ſeinen Patienten vor/ und ſagte/ mein Freund/ ich wolt euch gern geholffen wiſſen/ aber es iſt ein zaͤrtlich Gliedmaß uͤmb die Kehle/ das man nicht Bleche anflicken kan/ wie an die Regal- pfeiffen. Es kan ſeyn/ daß ſich eure Mutter bey ſchwangerm Leibe an einem andern ſol- chen Kniſterbart verſehen hat. Was nun in Mutterleibt ſchon der Natur mit getheilet wird/ daß lãſſet ſich ſo ſpaͤth nicht aͤndern. Doch aber damit ihr meine Treu verſpuͤhren moͤget/ ſo laſſet euch diß geſagt ſeyn/ und huͤtet euch vor allen Worten die ein R. haben. Sprecht zu niemanden/ mein Herr/ ſondern Monſieur, weil ſolches Wort der Frantzoͤſi- ſchen

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Zitationshilfe: Weise, Christian: Die drey ärgsten Ertz-Narren. 2. Aufl. 1672. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/weise_ertznarren_1672/234>, S. 228, abgerufen am 22.11.2017.