[0661]
Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 131. Köln, Mittwoch den 1. November. 1848.
Die Wiener Briefe und Zeitungen sind wieder ausgeblieben.
Uebersicht.
Deutschland. Wien. (Eine Proclamation von Windischgrätz. ‒ Der Pr. Staatsanzeiger.) Olmütz. (Nachrichten aus Wien Reichstag in Kremsier. ‒ Die Entwaffnung der Brünner Garden.) Lundenburg. Windischgrätz und Wien.) Prag. (Cernirung Wiens. ‒ Eine Paralele.) Dortmund. (Köln-Mindener Eisenbahn.) Berlin. (Congreß der linken Deputirten. ‒ Demokratischer Congreß. ‒ Bekanntmachung Bardelebens. ‒ Bekanntmachung des Magistrats.) Schönwaldau. (Verbrechen und Strafe.) Frankfurt. (Paulskirchenjammer.) Thiengen. (Hecker.) Botzen. (Armeebefehl Radetzkis.)
Italien. (Zustand von Mailand. ‒ Fortdauernde Bewegung. ‒ Unruhen von Livorno.)
Französische Republik. Paris. (Vermischtes. ‒ Bugeaud. (Louis Napoleon.)
Großbritanien. London. (Die Breslauer Zeitung. ‒ Cobden. (Wellington. ‒ Friedenscongreß zu Brüssel.)
Türkei. Constantinopel. (Feuersbrunst.) Investitur Ibrahim Pascha′s zu Cairo.)
Deutschland.
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Wien, 24. Okt.
Soeben erschien folgende Kundmachung:
Durch den Parlamentär Herrn Hauptmann und Oberkommandanten-Stellvertreter Thurn sind dem Unterzeichneten eine Anzahl Exemplare der nachfolgenden Proklamation des Feldmarschalls Fürsten zu Windischgrätz mit dem Auftrage zugekommen, selbe ungesäumt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Ungeachtet das Oberkommando unter den Befehlen des Ministeriums des Innern, des hohen Reichstages und des Gemeinderaths steht; so sieht der Gefertigte dennoch keinen Grund, dem zwar in seltsamer Weise ausgedrückten Wunsche des Herrn Feldmarschalls nicht nachzukommen.
Wien, am 24. Oktober 1848.
Messenhauer, prov. Oberkommandant.
Proklamation.
Im Verfolge des von mir in meiner ersten Proklamation vom 20. d. M. verkündeten Belagerungszustandes und Standrechtes für die Stadt Wien, die Vorstädte und nächste Umgebung habe ich befunden, als fernere Bedingung zu stellen:
1) Die Stadt Wien, deren Vorstädte und die nächsten Umgebungen haben 48 Stunden nach Erhalt dieser Proklamation ihre Unterwerfung auszusprechen und legion- oder Compagnienweise die Waffen an einen zu bestimmenden Ort an eine Commission abzuliefern, so wie alle nicht in der Nationalgarde eingereihten Individuen zu entwaffnen, mit Bezeichnung der Waffen, welche Privateigenthum sind.
2) Alle bewaffneten Corps und die Studenten-Legion werden aufgelöst, ‒ die Aule gesperrt, die Vorsteher der akademischen Legion und 12 Studenten als Geißeln gestellt.
3) Mehrere von mir noch zu bestimmende Individuen sind auszuliefern.
4) Auf die Dauer des Belagerungszustandes sind alle Zeitungsblätter zu suspendiren, mit Ausnahme der Wiener Zeitung, welche sich bloß auf officielle Mittheilungen zu beschränken hat.
5) Alle Ausländer in der Residenz sind mit legalen Nachweisungen der Ursache ihres Aufenthaltes namhaft zu machen, die Paßlosen zur alsogleichen Ausweisung anzuzeigen.
6) Alle Clubbs bleiben während des Belagerungszustandes aufgehoben und geschlossen.
7) Ein Jeder, der sich
a. obigen Maßregeln entweder durch eigene That oder durch aufwieglerische Versuche bei andern widersetzt; ‒ wer
b. des Aufruhrs oder der Theilnahme an demselben überwiesen, oder
c. mit Waffen in der Hand ergriffen wird ‒ verfällt der standrechtlichen Behandlung.
Die Erfüllung dieser Bedingungen hat 48 Stunden nach Veröffentlichung dieser Proklamation einzutreten, widrigen Falls ich mich gezwungen sehen werde, die allerenergischsten Maßregeln zu ergreifen, um die Stadt zur Unterwerfung zu zwingen.
Hauptquartier Hetzendorf, am 23. October 1848.
Fürst zu Windischgrätz, Feldmarschall.
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Wien.
Der Preuß. Staats-[unleserlicher Text] schreibt: Nachrichten, welche aus der Umgegend Wiens über Breslau hierher gelangt sind, stellen fest, daß bis zum 27. Mittags noch kein Angriff auf die Stadt stattgefunden hatte. Dagegen waren von der Stadt aus mehrfache Angriffe auf die kaiserl. Truppen gemacht worden; so war am Breitensee und in der Vorstadt Lerchenfeld bedeutend gekämpft worden. Durch die wiederholten Angriffe hatte sich ein Theil des mährischen Armeekorps zum Vorrücken genöthigt gesehen und war bei dem schmelzer Kirchhof auf ein starkes Kartätschenfeuer gestoßen, wogegen eine Batterie herbeigeholt und der Kirchhof von den Füsilieren genommen, später aber, wegen zu exponirter Lage, wieder verlassen wurde. Auf der Nußdorfer Seite waren die Städtischen völlig in die Linie zurückgedrängt und alle Punkte der Umgegend besetzt, so auch Fünf- und Sechshaufen.
Der Fürst Windischgrätz hatte Befehl gegeben, das Feuer überall einzustellen, wo dasselbe nicht durch Angriffe von der Stadt aus unvermeidlich sei; auch waren keine Bomben in die Stadt geworfen. Der Banus hatte das Lusthaus im Prater und die Pulverthürme besetzt und lehnte sich an die Donau unterhalb der Stadt. Die Wasser- und Gasleitungen waren der Stadt abgeschnitten; erstere waren auf der Nußdorfer Seite von den Städtern mit großer Tapferkeit durch einen energischen Angriff genommen, aber bald darauf an die kaiserl. Truppen wieder verloren.
Es wurde erzählt, daß sechs Dampfböte mit Ungarn die Donau herabgekommen, aber wieder umgekehrt seien, als das erste davon heftig beschossen worden.
Aus der Stadt kamen fortwährend Deputationen an den Fürsten Windischgrätz; in Folge einer derselben, an deren Spitze ein Abgeordneter Pillersdorf gestanden haben soll, hatte der Fürst Windischgrätz die unten folgende Proklamation „an die Bewohner Wiens“ erlassen.
Vom Reichstage hatte sich eine Deputation von 3 Mitgliedern, an deren Spitze der Minister Kraus (welcher schon früher vom Kaiser nach Olmütz berufen war), ans Hoflager begeben, um gegen die Verlegung des Reichstage nach Kremsier zu remonstriren.
Es wurde behauptet, der Fürst habe dem Gemeinderath die Personen namhaft gemacht, auf deren Auslieferung er bestehen werde.
In der Nacht vom 26. zum 27. hörte man von mehreren Seiten den Donner des groben Geschützes, auch am Morgen des 27. hier und da vereinzeltes Feuern; am Mittag herrschte aber vollkommene Stille, und es hieß, daß sich wieder eine Deputation bei dem Fürsten befinde.
Der Nordbahnhof und der Prater bis nahe an die Leopold-Stadt waren bei Abgang der letzten Reisenden vom Banus besetzt; man wollte 50 bis 60 Gefangene aus der Stadt haben ins Hauptquartier abführen sehen.
Nach allen Nachrichten schlugen die Städtischen sich mit Tapferkeit; man wollte an ihrem guten Schießen besonders die Polen erkennen. Dagegen soll die Erbitterung der Truppen durch die fortwährend auf sie gemachten Angriffe, welche sie noch nicht erwiedern durften, aufs höchste gestiegen seyn.
An die Bewohner Wiens!
Es ist mir der Antrag gestellt worden, eine friedliche Vermittelung mit der Stadt einzugehen und mit meinen Truppen nach Wien einzurücken, um die von mir vorgeschriebenen Bedingungen selbst in Ausführung zu bringen.
Ich appellire an den Rechtlichkeitssinn eines gewiß großen Theiles der Bewohner Wiens und frage sie, ob es möglich ist, daß ich nach allem Vorgefallenen, nachdem auf meine Truppen ohne allen Anlaß gleich bei ihrem Erscheinen gefeuert wurde, mit denselben nach Wien einziehen könne, in die Stadt, die nach Aussage Aller, von bewaffneten Uebelgesinnten wimmelt, ehe diese Menge entwaffnet ist, ohne einen mörderischen Straßenkampf herbeizuführen. Ich frage, ob diejenigen, welche mir Frieden anbieten, welche mich auffordern, ungescheut nach Wien einzuziehen, auch wenn sie es gut mit mir meinten, im Stande wären, denen Ruhe und Mäßigung zu gebieten, die nun schon seit Wochen mit Waffen in der Hand die Stadt terrorisiren.
Es ist meine Pflicht, den guten Theil der Bewohner Wiens von dem in Kenntniß zu setzen, was seit der kurzen Zeit meines Erscheinens und vor derselben geschehen ist, da diese Vorfälle gewiß auf das Höchste entstellt werden. Seit mehreren Tagen finden stete Angriffe auf meine Truppen statt, die den Befehl haben, nur im dringendsten Falle dieselben zu erwiedern, was denn auch bereits an mehreren Orten geschehen ist. Die Partei, welche für die Urheber jener unerhörten Schandthat, die an dem Kriegs-Minister Grafen Latour und selbst noch an seiner Leiche begangen wurde, von Sr. Majestät Amnestie begehrt, welche die Entfernung der Truppen, die so schändlich angegriffen wurden, verlangt, einen Antrag auf Verbannung mehrerer Glieder des kaiserlichen Hauses stellte, noch vor Kurzem gegen die mir von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene Vollmacht protestirte und meine ganze Sendung als ungesetzlich erklärte, ‒ diese Partei schickt Friedensboten zu mir, um mich mit meinen Truppen ohne alle Garantie in die Stadt zu ziehen!
Fern ist von mir der Gedanke unnöthiger Gewalt-Maßregeln; es erfüllt mich mit Schmerz, gegen die Hauptstadt der Monarchie feindlich auftreten zu müssen; doch ich frage nochmals die rechtlich gesinnten Bewohner derselben: ist Vermittlung in der mir angetragenen Form unter solchen Voraussetzungen möglich?
Hauptquartier Hetzdorff, den 25. Okt. 1848.
(gez.) Fürst zu Windischgrätz.
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Ollmütz, 25. Okt.
Das Einrücken in die Vorstädte, wovon ich Ihnen gestern schrieb, ist dem Fürsten Windischgrätz nicht so leicht gewesen, als es die voraneilenden Nachrichten kundthaten. Wir erhielten gestern hier um 4 Uhr Nachmittag eine telegraphische Nachricht, daß Windischgrätz am Tabor heftig mit Kanonenfeuer begrüßt wurde, das er noch heftiger erwiderte. Die Stadtkanonen wurden zum Schweigen gebracht und die Truppen marschirten im Sturmschritt ein. Auch hat Windischgrätz von seinen Truppen einige Bataillone an Jellachich abgegeben. Der Reichstag soll sich nicht mehr versammeln und die heftigsten Führer der ultradeutschen Partei, ein Tausenau, Mahler u. dgl. haben sich nach Pesth begeben. Hier bei uns in Ollmütz wollen Viele schon das kaiserl. Manifest gelesen haben ‒ das den Wiener Reichstag nicht auf unbestimmt vertagt, sondern ihn nach Kremsier in Mähren auf den 15. November einberuft. Heute oder morgen soll es an unsern Straßenecken angeschlagen werden. Dreihundert Quartiere seien schon in Kremsier ermittelt und die drei Wochen bis zum 15. Nov. sollen nur dazu verwendet werden, im erzbischöflichen Palais den großen Saal zum Empfange der Deputirten herzurichten. Anfänglich soll man Brünn als Reichstagsstadt bestimmt haben, als aber Brünner Garden nach Wien zogen, hielt man Brünn nicht für neutral genug.
Bei der Entwaffnung der Brünner Garden in Lundenburg ‒ die den heftigsten Aufstand in Brünn selbst zur Folge hatte ‒ soll von beiden Seiten gefehlt worden sein. Man erzählt nämlich hier, daß die Brünner Garden unbewaffnet!. nach Wien gezogen, bewaffnet aber zurückgekehrt seien. Statt aber nur die Wiener Gewehre abzufordern, sollen die Soldaten auch manches Andere abgefordert haben. Das Brünner Plakat schließt mit den Worten: Der Wolf hat das Lamm zerfleischt ‒ und nennt als abgenommene Dinge auch Uhren, Geld etc. Die Prager, welche die Pfingstwoche durchgelebt, werden diesem Glauben beimessen.
[(C. Bl. a. B.)]
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Lundenburg, 26. Okt.
Am 24. gegen 2 Uhr Nachmittags wurden zwischen der ärarischen und der Eisenbahnbrücke Wiener Seits die ersten Kanonenschüsse gegen das am linken Ufer der Donau postirte Militär abgefeuert, wodurch drei Kanoniere getödtet [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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Venus und Adonis.
[Von
Shakespeare.
Uebersetzt von F. Freiligrath. ]
Als von dem thränenreichen Morgen g′rade
Die Sonne schied mit purpurnem Gesicht,
Da sucht′ Adonis schon des Waldes Pfade;
Zu jagen liebt′ er, doch zu lieben nicht.
Von Liebe siech, tritt Venus ihm entgegen
Und wirbt um ihn, wie kecke Werber pflegen.
„Du, dreimal schöner, als ich selbst,“ begann
Die Liebliche mit buhlerischem Kosen,
„Süß über Alles, holder als ein Mann,
Mehr weiß und roth, als Tauben sind und Rosen,
Sich selbst besiegend, da sie Dich vollendet,
Sagt die Natur, daß mit Dir Alles endet.
„Geruh′, Du Wunder, Dich vom Roß zu schwingen,
Und an den Sattelbogen festzuzäumen
Sein stolzes Haupt; zum Lohn von tausend Dingen
Erfährst Du auch, so süßen als geheimen.
O, komm ‒ dies Moos birgt keiner Schlangen Tücke! ‒
Daß ich mit meinen Küssen Dich ersticke.
„Und fürchte nicht, verhaßte Sattheit müsse
Den Mund Dir schließen; nein, im Ueberfluß
Soll er noch hungern, wundgeküßt: zehn Küsse
Wie Einer kurz, wie zwanzig lang Ein Kuß.
Ein Sommertag muß einer Stunde gleichen,
Läßt unter solchem Spiel man ihn verstreichen.“ ‒
Mit dem ergreift sie seine schweiß′ge Hand,
Die Botin seiner Kraft und Männlichkeit.
„′s ist edler Balsam,“ zittert sie, „gesandt,
Daß eine Göttin seiner sich erfreut.“
So rasend, gibt ihr Stärke die Begier,
Ihn sich herabzuziehn von seinem Thier.
Des Renners Zügel über einem Arm,
Schlägt sie den andern um des Knaben Leib,
Der dämisch schmollt, und roth wird, doch nicht warm,
Und abhold ist dem süßen Zeitvertreib.
Sie roth und heiß, wie Kohlen recht im Feuer;
Er roth vor Schaam, allein ein frost′ger Freier.
O, Lieb′ ist schnell! ‒ um einen knorr′gen Ast
Weiß sie behend den bunten Zaum zu winden;
Das Roß ist aufgestallt, und jetzt in Hast
Versucht sie auch den Reiter festzubinden.
Ihn rückwärts stoßend, wie er sie es müßte,
Lenkt seinen Leib sie, doch nicht seine Lüste.
Kaum sinkt er hin, so fällt auch sie zur Erde,
Gleich ihm auf Hüft′ und Ellenbogen lehnend;
Sie streichelt ihn, doch er mit Zorngeberde
Verweist es ihr; ‒ ihn zu beschwicht′gen wähnend,
Vor Wollust stammelnd, sagt sie unter Küssen:
„Ja, wenn Du schmälst, muß ich den Mund Dir schließen.“
Er brennt vor Schaam; sein mädchenhaft Erglühn
Löscht sie mit Thränen; drauf mit ihren Locken
Und ihren Seufzern wieder kühlt sie ihn,
Und fächelt seine Wangen wieder trocken.
Er nennt sie frech und schilt ihr zuchtlos Werben;
Was folgen soll, läßt sie durch Küsse sterben.
Und wie ein Aar, der lange Zeit gefastet,
Den Schnabel senkt in Federn, Fleisch und Bein,
Die Schwingen schüttelt und nicht eher rastet,
Als bis er voll ist, und der Raub herein:
So küßt sie Stirn ihm, Kinn und Mund und Wangen,
Um, wo sie endet, wieder anzufangen.
Er muß es schmollend wohl zufrieden sein;
Er liegt und keucht, und athmet ihr entgegen.
Sie saugt begierig seinen Odem ein,
Und nennt ihn Wonnedüften, Himmelsregen;
Und wünscht, ihr Antlitz trüge Blumenbeete,
Daß ewig sie ein solcher Thau umwehte.
Sieh, wie ein Netz den Vogel, so umstricken
Der Göttin Arme den Gefangenen; ‒ Wuth
Und finstres Zürnen sprüht aus seinen Blicken,
Und läßt sie glühn mit doppelt schöner Glut.
Wird Regen sich in volle Ström' ergießen,
Dann müssen wohl die Ufer überfließen.
Noch bittet sie, und artig bittet sie;
Denn art′gen Ohren ja tönt ihre Stimme.
Noch brütet er, noch lohnt er ihre Müh′
Mit rother Schaam und aschefarbnem Grimme.
Roth zieht sie vor, doch Blaß auch läßt sie gelten,
Der Neuheit wegen, denn blaß ist er selten.
Gleichviel, ob er sie liebt; sie muß ihn lieben,
Und schwört es laut bei ihrer Hand, der schönen,
Unsterblichen: „Durch nichts werd′ ich vertrieben
Von Deiner Brust, als bis mit meinen Thränen
Du Frieden machst; für Dich rinnt diese Flut;
Ein süßer Kuß macht Alles, Alles gut.“
Als dies Versprechen ihrer Lipp′ entflieht,
Hebt er das Kinn, wie Taucher sich erheben,
Und schnell versinken, wenn man sie ansieht: ‒
So will er ihr, was sie begehrte, geben;
Doch plötzlich blinzelt er, und kehrt zur Seite
Die Lippe, die zum Kusse schon bereite.
[0662]
[Deutschland]
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@facs0662
[Fortsetzung] und einer tödtlich verwundet wurde. Alsbald wurde das Kanonenfeuer beiderseits sehr lebhaft und dehnte sich weiter gegen Nußdorf und den Prater aus. Das Militär demontirte den Gegnern am jenseitigen Ufer einige (man sagt drei) Kanonen, denen Pferde (die allbekannten Schimmel) aus den k. k. Stallungen vorgespannt waren. Wie viele Menschen hierbei umkamen, ist ungewiß. Die Wiener zogen sich hierauf gegen das Kaiserwasser zurück, und an den nächsten Häusern zwischen den Brücken waren weiße Fahnen ausgesteckt. Ungefähr gegen vier Uhr stellte das Militär die schon früher theilweise zerstörte große Brücke wieder her und marschirte auf das rechte Ufer. Da sich hier kein Feind mehr vorfand, rückten die Truppen dem Kaiserwasser zu, fanden aber die kleine ärarische und die kleine Eisenbahnbrücke in Brand, wodurch der Weitermarsch verhindert und die Feindseligkeiten an diesem Tage eingestellt wurden. Gegen Abend wurde von Florisdorf aus an drei Punkten Feuer gesehen, nämlich in der Richtung gegen die Wieden, der Landstraße und gegen Nußdorf hin.
Am 25. gegen 10 Uhr Vormittags begann die Kanonade auf's Neue, und zwar in einer sehr bedeutenden Ausdehnung, welche man dem Gehöre nach von der St. Marxer bis zur Nußdorfer Linie annahm. Einige glaubten auch Kanonendonner in der Gegend von Kaiser-Ebersdorf gehört zu haben. Des Nachmittags stieg das Feuern zu einer schaudervollen Heftigkeit; der Boden erzitterte und einzelne Schüsse waren kaum mehr zu unterscheiden. Gegen Abend stiegen in Florisdorf Leute auf die Dächer, und hörten in der Richtung gegen die Stadt ein furchtbares Geschrei, wie bei einer heftigen Bestürmung. Gegen den Bahnhof hin entstand ein großes Feuer, doch war es nicht möglich, den Ort des Unglücks näher zu bezeichnen. Um ungefähr halb sieben Uhr Abends verstummte der Kanonendonner.
Was im Verlaufe dieser 8 Stunden geschah, wo überall gefeuert oder gemetzelt wurde, wer Sieger oder Besiegter war, wie viele Leben ausgehaucht wurden ‒ wer konnte es diese Nacht, als der Eisenbahntrain abfuhr, schon wissen! Schwerlich dürfte Jemand in so schauerlichem Kugelregen schon damals nähere Details gesammelt haben!
Die Eisenbahn ist bis Florisdorf ganz ungestört, und es finden in Lundenburg keine militärischen Durchsuchungen mehr statt.
Am 25. sollte von Brünn nach Florisdorf ärarisches Pulver auf der Eisenbahn befördert werden. Dieses wollte die Nationalgarde nicht zulassen. Während der Debatten hierüber erfolgte jedoch die Abstellung durch den Telegraphen.
[(C. Bl. a. B.)]
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Prag, 26. Oktober.
Die Cernirung Wiens ist eine so ausschließlich strenge, daß, wie wir aus guter Quelle vernahmen, nicht einmal Briefe und Geldsendungen in die Stadt gelassen werden. Alle Briefschaften, die aus dem Norden, aus Deutschland, Böhmen, Mähren, Polen u. s. w. nach Wien adressirt sind, werden in Lundenburg aufgehalten, und der dortige Postbeamte war schon gezwungen, die Ueberlassung noch einiger Zimmer zur Erweiterung seines Amtslokales zu fordern, da er blos an zurückgehaltenen Geldbeträgen, die für Wien bestimmt sind, schon an die 2 Mill. Gulden aufzubewahren hat. Gegen den Süden zu scheint aber die Kommunikation nicht so arg gehemmt zu sein, und die Sendungen, die über Linz, Grätz u. s. w. gehen, sollen richtig an ihren Bestimmungsort gelangen.
[(C. Bl. a. B.)]
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@facs0662
Prag, 26. Okt.
Erlauben Sie mir, Ihnen eine kleine Parallele aus neuester Zeit mitzutheilen, die vielleicht manches Interesse bieten dürfte und wenn nichts anderes, so doch den Satz beweist, daß sich auch im politischen Leben stets das Alte wiederholt:
17. Mai. Flucht des Kaisers nach Innsbruck.6. Okt. Flucht des Kaisers nach Olmütz.
18. Mai. Deputation der kaufmännischen Ressource an die Bürgerressource.9. Okt. Deputation der kaufmännischen Ressource an die Bürgerressource.
19. Mai. Adresse des Nationalausschusses an den Kaiser, beginnend: „Ein Schrei der Entrüstung etc.“9. Oktbr. Proklamation des Stadtverordneten-Kollegiums, beginnend mit den Worten: „Aufruhr, Mord und Gewaltthat etc.“
29. Mai. Ankunft eines Schreibens des Ban Jellachich an den Nationalausschuß de dato 20. Mai.24. Okt. Ankunft eines Schreibens des Van Jellachich an die Slowanska lipa, de dato 22. Okt.
16. Juni. Bombardement von Prag.(??) Bombardement (?) von Wien. (???)
[(C. Bl. a. B.)]
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[ 16 ] Dortmund, 29. Okt.
Es hat sich abermals ein bedeutender Unglücksfall auf der Köln-Mindener Eisenbahn zugetragen. Der Güterzug, welcher hier um Mittag einzutreffen pflegt, fuhr auf dem Bahnhofe von Gelsenkirchen in einen sehr kurzen, todten Seilenstrang, welchen man zum Kiestransport provisorisch gelegt hatte, hinein. Die beiden Maschinen, welche dem Zuge vorgespannt waren, wühlten sich mit ganzer Kraft in den Kies hinein und zehn nachfolgende schwerbeladene Güterwagen wurden gänzlich zertrümmert. Mehrere Bremser wurden mehr oder weniger schwer verwundet. Um's Leben kam Niemand. Der Schaden könnte sich leicht auf 80-100,000 Thlr. belaufen. Nur an den Maschinen und Wagen sind übersichtlich 25,000 Thlr. verloren. Bahnhofsaufseher und Weichensteller sind entflohen. ‒ Nach dem von Hrn. v. Möller bei der Köln-Mindener Bahn eingeführten System sind die Betriebsbeamten, mit Ausnahme der Ingenieure, so gestellt, daß sie mehr zum Hungerleiden als zum Sattessen sich hinneigen. Der Bahnhofsaufseher in Gelsenkirchen hat z. B. 15 Thlr. Gehalt, kann aber für 100,000 Thlr. Schaden verursachen. Ein Weichenzieher, welcher häufig mehrere Weichen gleichzeitig zu stellen hat, so daß er ventre á terre von einer zur andern hinlaufen muß, hat 10-12 Thlr. Um diese Mißverhältnisse zu kompensiren, kann man Aufseher und Weichenzieher ins Zuchthaus sperren. Das Betriebsreglement der Köln-Mindener Eisenbahn verordnet, daß keine provisorischen Seitenstränge an den Hauptstrang angelegt werden sollen. Gleichwohl ist es geschehen, wahrscheinlich aus ökonomischen Gründen. Ob auf dieses Vergehen auch Zuchthausstrafe gesetzt worden ist, wissen wir nicht.
Ueber die Rücksichtslosigkeit der Köln-Mindener Eisenbahn gegen das Publikum sind schon häufig Klagen geführt worden. Ein Beweis dieser Rücksichtslosigkeit ist es schon, daß die Stationsgebäude (aus ökonomischen Gründen) überall zuletzt aufgeführt wurden, während andere Bahnen sie zuerst bauten. Hier in Dortmund hat das reisende Publikum schon ein Jahr lang unter freiem Himmel stehen müssen, weil die Empfangsbaracke zu klein ist und Niemand vor Hitze und Tabaksrauch darin aushalten kann. Eine andere Beschwerde geht gegen das Beamtenpersonal. Hr. v. Möller, der ehemalige allmächtige Kommissarius der Köln-Mind. Eisenbahn stellte vorzugsweise altpreußische Militärpersonen niederen Grades an. Diese Herren Militärs empfehlen sich freilich häufig durch ihre Anspruchslosigkeit, durch ihre Genügsamkeit. Sie „mucksen“ nicht, wie man zu sagen pflegt. Je höfischserviler sie aber nach Oben zu sind, desto befehlshaberischer und brutaler sind sie nach Unten zu. Man müßte diese Leute auf einige Jahre nach Frankreich oder nach dem südlichen Deutschland schicken, damit sie dort humanere Sitten annähmen und ihren Zopf verlören, den sie freilich nicht mehr nach Hinten, sondern unter der Nase tragen.
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[ 103 ] Berlin, 29. Oktober.
Die großen Erwartungen, welche ganz Deutschland von der Versammlung der demokratischen Partei verschiedener deutscher konstituirenden und gesetzgebenden Versammlungen, und von dem Kongreß der deutschen Demokraten, welche Versammlungen hier seit einigen Tagen ihre Sitzungen hielten: sind vollständig getäuscht worden. Einen Augenblick erwachte die Versammlung der deutschen Oppositionsmitglieder aus ihrem Schlafe, und beschloß:
1) Die Versammlung macht die Sache Wiens zu der ihrigen.
2) Es wird sofort ein Aufruf im Namen der Versammlung erlassen. Eine Kommission wird ernannt, diesen Aufruf und Vorschläge über die Mittel einzubringen.
Sofort werden Jakobi, D'Ester und Simon (Trier) gewählt, die den Aufruf sogleich verfassen.
Als diese Nachricht im demokratischen Kongreß verkündigt wurde, wird dieselbe mit Begeisterung aufgenommen und man beschließt durch Acclamation sich den obigen Beschlüssen der Oppositionsmänner anzuschließen und stellt denselben die ganze Kraft der demokratischen Partei zur Disposition.
Die Sache endet jedoch ganz anders. Simon und D'Ester entwerfen einen begeisterten Aufruf an das deutsche Volk, Wien und die eigene Freiheit zu retten. Dieser Aufruf ist den gemäßigten Abgeordneten jedoch zu revolutionär. Waldeck, Behrends, Schulz (Wanzleben) und Andere sprachen dagegen. Der kurze Rausch der augenblicklichen Begeisterung war verflogen; man dachte der dadurch unmöglich gewordenen Ministerportefeuilles und der jetzigen Stellung und die Majorität verwarf den meisterhaft abgefaßten Aufruf an das deutsche Volk. Zur Ehre der auswärtigen Oppositionsmitglieder, der Dresdner, Altenburger, Dessauer, Mecklenburger, Frankfurter muß hinzugefügt werden daß sie begeistert für die Wiener und die Freiheit sprachen, was halfs? Die indifferente Masse unter Waldecks Anführung überstimmte.
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[ 14 ] Berlin, 29. Oct.
Der Demokratenkongreß ist in der größten Emsigkeit, sich aufzulösen. Wundern darf man sich eben nicht über diesen Entschluß. Wer die Mehrzahl unserer Berliner großen Klubredner in ihrer unbeschreiblichen Hohlheit kennt, wer ferner weiß, daß drei Viertel der sogenannten Republikaner des Nordens eine entsetzliche Angst hat, den Rechtsboden zu verlassen, der wird begreifen, daß diese „Herren“ sich nicht sonderlich befreunden können mit den „blutrothen“ Bürgern von Süd- und Mitteldeutschland. Die bisherigen Thaten des Kongresses bestehen darin, daß alle Vereinsmitglieder in Deutschland an den dreiköpfigen Centralausschuß zwei Pfennige per Monat zu entrichten haben, daß eine Adresse an die deutsche Nation erlassen werden soll und heute Nachmittag unter den Zelten eine Volksversammlung stattfindet. Ferner berichte ich Ihnen, daß „Bürger“ Oppenheim dem Kongresse die Zumuthung gestellt hat, die Robespierre'schen Menschenrechte zu adoptiren.
Der berüchtigte hiesige Sicherheitsausschuß läßt sich heute an den Straßenecken von den Herren Stadtverordneten und dem Magistrat wegen seines Benehmens am 16ten vertheidigen.
Von dem Kongreß der Deputirten der Linken mit ihren auswärtigen Collegen, werden Sie sich von besser Unterrichteten Nachricht geben lassen.
Nachschrift. Die Volksversammlung unter den Zelten war ungemein besucht. Es herrschte ein frischer entschiedener Geist unter dem Volke, wozu das Auftreten der fremden Redner beitragen mochte. Das Präsidium hatte Prof. Bayrhofer aus Marburg übernommen. Nach ihm sprach Berlepsch aus Erfurt, der den Berlinern den Zuzug der Thüringer im Fall der Noth zusicherte. Silberstein aus Wien, Mitglied der akademischen Legion, verlor sich aber in Polemik gegen das Czechenthum. Nach ihm trat Brausewetter aus Königsberg auf, der Republik ein ernstes Hoch bringend. In gleichem Sinne sprach Bracklow aus Holstein; Sennin aus Dresden hatte das Glück, nichts zu verderben, und sein Vivat auf die rothe Republik wurde vom Volke äußerst freundlich aufgenommen. Arnold Ruge berichtete darauf von Wien, und forderte wiederholt die Zuhörer durch Händeaufheben zum Schwure auf, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß Berlin's Sympathien für Wien durch die Regierungsgewalten manifestirt würden. Nachdem Bayrhofer die Versammlung geschlossen, redete noch der alte Karbe zu seiner Herzenserleichterung, und die vielen Tausende zogen fröhlich zur Stadt zurück.
Demnächst wird der Kongreßtag mit einer Abendsitzung beschlossen, worin die Oppenheim'schen Menschenrechte debattirt werden sollen.
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@facs0662
Berlin, 29. Oktober.
Heute sind folgende Bekanntmachungen erschienen:
Bekanntmachung.
Die freiere Bewegung im Volksleben und das allgemein erwachte politische Bewußtsein haben die schnellste und leichteste Verbreitung der Erzeugnisse der Tagesliteratur zum Bedürfniß gemacht. In Folge dessen ist der Handel mit Flugschriften und Bildern auf öffentlichen Straßen und Plätzen am hiesigen Orte zu einem ausgebreiteten Gewerbebetriebe geworden. Hierbei sind, wegen der Neuheit der Sache, häufig noch die allgemeinen Vorschriften der Steuer- und Gewerbepolizeigesetze außer Acht gelassen worden, und deswegen wiederholte Bestrafungen eingetreten. Dies veranlaßt das Polizeipräsidium, darauf hinzuweisen, daß jeder Gewerbebetrieb ohne Ausnahme vor seinem Beginn vorschriftsmäßig angemeldet werden muß; daß jeder Handel der Gewerbsteuer unterliegt und daß der Handel auf öffentlichen Straßen und Plätzen, sofern er kein Markthandel ist, nach Bestimmung in § 59 der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung vom 17. Januar 1845 außerdem noch eine besondere polizeiliche Erlaubniß bedingt. Um in letzterer Beziehung die bis jetzt vermißte Ordnung einzuführen, wird hierdurch Folgendes zur allgemeinen Nachachtung festgesetzt. § 1. Wer mit Flugschriften und Bildern auf öffentlichen Straßen oder Plätzen Handel treiben will, hat polizeiliche Erlaubniß nachzusuchen und sich deswegen, wenn der Handel im Umherziehen getrieben werden soll, bei seinem Revier-Polizeikommissarius, wenn aber eine feste Verkaufsstelle eingenommen werden soll, bei dem Polizeikommissarius des Reviers, in dem diese belegen ist, unter Vorlegung des Steuer- und Gewerbe-Anmeldungsscheins zu melden. § 2. Die Erlaubniß selbst wird von dem Polizeipräsidium in Form gestempelter Karten, widerruflich ertheilt. § 3. Diese Erlaubnißkarte muß der Gewerbetreibende bei Ausübung seines Gewerbes stets bei sich führen und auf Erfordern jedem Polizeibeamten vorzeigen, auch die darauf vermerkten nähern Bedingungen genau erfüllen. § 4. Wer den Bestimmungen in § 1 und 3 zuwiderhandelt, hat Geldbuße bis zu 20 Thlr. oder verhältnißmäßige Gefängnißstrafe zu gewärtigen. Zugleich sollen alle unbefugte Händler von den Straßen und Plätzen fortgewiesen werden. § 5. Diejenigen Personen, welche beim Erscheinen dieser Verordnung bereits Handel mit Flugschriften und Bildern auf öffentlichen Straßen oder Plätzen betreiben, haben ihre Anträge wegen Ertheilung der polizeilichen Erlaubniß binnen drei Tagen unmittelbar bei dem Polizeipräsidium anzubringen, widrigenfalls die vorstehenden Strafbestimmungen gegen sie zur Anwendung gebracht werden müssen.
Berlin, den 28. Oktober 1848.
Königliches Polizei-Präsidium.
v. Bardeleben.
Bekanntmachung, betreffend den städtischen Sicherheits-Ausschuß.
Das Publikandum vom 29. März 1848, im Auftrage des Königlichen Staatsministerii erlassen, enthält die Bestimmung: „Es versteht sich von selbst, daß die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung lediglich der Bürgerwehr überlassen bleibt, und die mögliche Hülfsleistung des Militairs nur für den äußersten Nothfall, und auch dann nur auf ausdrückliche Anforderung des Commandeurs der Bürgerwehr, oder der städtischen Behörden erfolgen wird.“ Diese Bestimmung rief den Sicherheits-Ausschuß der Stadt Berlin in das Leben, indem die Unmöglichkeit, die Stadtbehörden für jeden Fall unruhiger Auftritte in der Stadt in der Vollzahl zu versammeln, dazu führte, daß der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung aus ihrer Mitte Deputirte mit der General-Vollmacht entsendeten, vorkommenden Falles für die Sicherheit der Stadt sorgen zu helfen, und zu diesem Zwecke, im Fall der Noth, die Hülfsleistung des Militairs zu erfordern. Der Sicherheits-Ausschuß tritt zusammen, sobald die Umstände es erfordern, unaufgefordert jedesmal, wenn die Bürgerwehr wegen unruhiger Auftritte in der Stadt in den Bezirken allarmirt wird, in welchem Falle derselbe sich mit dem Bürgerwehr-Commando in einem und demselben Lokale vereinigt, um mit demselben Hand in Hand zu gehen. Da die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten lediglich der Bürgerwehr überlassen ist, das Militär nur für den äußersten Nothfall mitwirken soll und wird, so hatte der Sicherheits-Ausschuß sich mit dem Bürgerwehr-Commando dahin geeinigt, daß letzteres auf seine Verantwortlichkeit, zur rechten Zeit, und unter Mittheilung der Gründe, denselben zur Requisition des Militärs auffordere, da in der Regel der Sicherheits-Ausschuß nur durch das Commando der Bürgerwehr davon zuverlässig unterrichtet werden kann, wenn die Bürgerwehr überhaupt, oder an einzelnen Punkten nicht mehr im Stande ist, die Sicherheit der Stadt zu schirmen. Mit dem städtischen Sicherheits-Ausschusse nicht zu verwechseln ist eine hier zusammengetretene Commission der Königlichen und städtischen Behörden, zu welcher das Ministerium des Innern, das Polizei-Präsidium, der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung Deputirte schicken, welcher der Commandant von Berlin, so wie der Bürgerwehr-Commandant und eine Anzahl von Bürgerwehrmännern aller Grade beiwohnen. Zweck dieser Commission ist, zur Vermeidung von Schreibereien auf dem kurzen Wege der Besprechung die Mittel zu berathen und für die Bestimmung der gesetzlichen Behördeninstanz vorzubereiten, wodurch die öffentliche Ruhe nach allen Seiten hin zu schützen und zu erhalten sei, und die dabei mitwirkenden Behörden im Einklange des Verfahrens zu erhalten. Durch die unruhigen Auftritte am 16. d. Mts. und die Wendung, welche die Angelegenheiten nach der anderweit durch stenographische Berichte über die National-Versammlung bekannt gewordenen Ereignisse [Fortsetzung]
[Feuilleton]
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@facs0662
[Fortsetzung]
Nie lechzt' ein Wandrer in der Hitze so Nach einem Trunk, wie sie nach diesem Kusse;
Dem Heile nah, wird sie des Heils nicht froh,
In Flammen steh'nd, trotz ihrer Thränen Gusse.
„O, Mitleid,“ ruft sie, „kieselherz'ger Knabe!
Ein Kuß nur ist's, drum ich gebeten habe!“
„Wie ich um Dich, so hat um mich gefreit
Der fürchterliche, rauhe Gott des Krieges,
Der seinen Nacken bog in keinem Streit,
Der, wo er wandelt, sich erfreut des Sieges;
Doch hab' ich ihn zu Füßen mir gesehn,
Erflehend das, was Dir wird ohne Flehn.
„An meinen Altar hängt er seine Lanze,
Sein beulig Schlachtschild und sein Helmgefieder,
Ließ sich herab zu Tändelspiel und Tanze,
Und lernte Lächeln, Schmeichelworte, Lieder,
Verschwörend Fahn' und Trommel ;‒ sieh, sein Feld
Ward diese Brust, mein Bett ward sein Gezelt.
„So den Besiegenden hab' ich besiegt;
An Rosenketten hielt ich ihn gefangen.
Er, dessen Stärke starker Stahl sich biegt,
Ließ meiner Schönheit dienen sein Verlangen.
O, sei nicht stolz! nicht rühme Deines Sieges
Dich über sie, die schlug den Gott des Krieges.
„Laß Deine Lippen auf den meinen ruhn ‒
Sie sind ja roth, wenn auch nicht schön, wie Deine! ‒
Der Kuß soll Dein sein, wie er mein ist! ‒ nun,
Das Haupt empor! was suchst Du auf dem Raine?
Sieh mir ins Aug', sieh Dich auf seinem Grunde!
Wenn Aug' in Aug', warum nicht Mund auf Munde?
„Schämst Du, zu küssen, Dich? o, sprich geschwind!
Ein Wink von mir, und dunkel wird die Helle!
Die Liebe schwärmt, wo Zwei beisammen sind;
Beginne kühn! kein Aug' sieht diese Stelle!
Die blauen Veilchen unsres Lagers wissen
Nicht, was wir thun, und plaudern nicht von Küssen.
„Der zarte Lenz, der Deine Lipp' umweht,
Nennt unreif, doch wohl mag man kosten Dich.
O, daß die Zeit nicht nutzlos Dir vergeht!
Nicht in sich selbst verzehre Schönheit sich!
Die Blum', die man nicht bricht im ersten Schimmern,
Wird in sich selbst vergehn bald und verkümmern.
„Wär' ich verrunzelt, mißgestaltet, alt,
Von rauher Stimme, bucklig, ekelhaft,
Verachtet, kränklich, abgenutzt und kalt,
Tiefäugig, mager, dürr und ohne Saft:
Dann möcht' es sein, dann taugt' ich nicht für Dich!
Doch ohne Mängel, was verschmähst Du mich?
„Nie wird das Alter meiner Stirn gefährlich;
Mein Auge blitzt, und ist im Aeugeln stark;
Dem Lenze gleich, wächst meine Schönheit jährlich;
Mein Fleisch ist weich, und brennend ist mein Mark.
Läg' meine Hand feucht in der feuchten Deinen,
Sie würde schmelzend zu vergehen scheinen.
„Befiehl, und schmeichelnd soll mein Wort Dich locken;
Mich schwingen will ich, leicht wie eine Fee;
Wie eine Nymphe, mit gelös'ten Locken,
Bewandeln will ich dieser Primeln Schnee.
Lieb' ist ein Geist, von Feuer ganz gewoben,
Leicht, nimmer sinkend, strebend nur nach oben.
„Sieh nur mein Lager, diese Blumen, an!
Sie tragen mich, wie starker Bäume Macht;
Ein schwaches Taubenpaar ist mein Gespann,
Und zieht mich leicht, vom Morgen bis zur Nacht.
Wenn also leicht die Liebe sich bewährt,
Wie, Süßer, glaubst Du, daß sie Dich beschwert?
„Versah Dein Herz an Deinen Augen sich?
Kann Deine Linke lieben Deine Rechte?
Wirb um Dich selbst dann, selbst verschmähe Dich,
Und mache Dich zu Deinem eignen Knechte.
So ging Nareiß der eignen Schöne nach,
Und starb vor Sehnsucht, als er stand am Bach.
„Die Fackel ward, das Dunkel zu verjagen,
Gestein zum Schmücken, Schönheit zum Genießen,
Das Kraut zum Duften, wie der Baum zum Tragen;
Die Sprossen sünd'gen, die für sich nur sprießen:
Saat stiftet Saat, Schönheit der Schönheit Licht;
Du wardst gezeugt, und Zeugen ist Dir Pflicht.
„Wie wären Dir der Erde Kinder eigen,
Wenn Deiner Kinder nicht auch sie erworben?
Sieh, die Natur gebietet Dir, zu zeugen,
Daß Dein Geschlecht lebt, wenn Du selbst gestorben:
So wirst Du ganz nicht in den Tod gegeben,
Dein Bild ja lebt, und in ihm wirst Du leben!“ ‒
Und jetzt begann die Lechzende zu schwitzen;
Der Schatten ließ die Stelle, wo sie lagen;
Und Titan, keuchend in des Mittags Hitzen,
Sah heiß herab auf sie aus seinem Wagen:
Wünschend, Adonis säß' im goldnen heute,
Wär' er Adonis und an Venus' Seite.
(Fortsetzung folgt.)
[0663]
[Deutschland]
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@facs0663
[Fortsetzung] später um 8 Uhr Abends genommen, ist der Sicherheits-Ausschuß im Einvernehmen mit dem Commandeure der Bürgerwehr in die Lage gebracht worden, 2 Bataillone Militär, jedoch lediglich zur Aufstellung im Königlichen Schlosse zu requiriren, welche dem Bürgerwehr-Commando zur Verfügung gestellt werden sollten. Die Maaßregel wurde durch ungünstige Rapporte aus den verschiedenen Theilen der Stadt herbeigeführt, um das Commando der Bürgerwehr in den Stand zu setzen, Hülfe nach den bedrohten Punkten der Stadt aus der Bürgerwehrbesetzung des Schlosses zu entsenden. Das Millitair hatte daher nur die Bestimmung im Schloßhofe aufgestellt, durch obige Maaßregel etwa nothwendig werdende Requisition des Bürgerwehr-Commandeurs, gewärtig zu sein. Der Sicherheits-Ausschuß durfte kein Bedenken tragen, einer solchen Maaßregel zu genügen, wie er eben so wenig Bedenken trug, dieselbe auf Erfordern des Bürgerwehr-Commandos, als unmittelbar darauf die Umstände sich günstiger gestaltet hatten, rückgängig zu machen.
Um für ähnliche Fälle jede Besorgniß wegen der Stellung des Militärs zu der Bürgerwehr zu begegnen, hat der Sicherheitsausschuß von dem königl. Staatsministerio die Erklärung und resp. amtliche Zusage erbeten, daß das vom Sicherheitsausschusse und dem Bürgerwehrkommando requirirte Militär, auf Verlangen derselben jederzeit wieder zurückgezogen werden müsse. Wir haben es für nothwendig erachtet, dies zur öffentlichen Kenntniß der Bewohner Berlins zu bringen, um durch eine vollständige Darlegung der Anordnungen das Vertrauen zu denselben zu kräftigen, da die Stadtbehörden bei allen ihren Beschlüssen nur ein Interesse leiten kann, das Interesse des Vaterlandes mit dem der Stadt durch Aufrechthaltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit, gegen jedwede widersetzliche Ueberschreitung auf das engste zu verbinden, und dadurch es möglich zu machen, daß die Bewegungen, welche die Entwickelung des Völkerlebens überall hervorgerufen haben, für unser Vaterland sich im freien Wege der geistigen Revolution auf dauernde Weise beruhigen, und zur Wohlfahrt Aller sich verwahrheiten.
Berlin, den 28. Oktober 1848
Der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung.
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@facs0663
Schönwaldau bei Schönau, 23. Oktober.
Ein hiesiger Bauer hat auf dem Kirchhofe zwei Grabsteine von zwei verstorbenen Ehefrauen. Die Wurzeln einer nahebeistehenden Pappel verrücken fortwährend diese Steine und drohen sie zuletzt umzustürzen. Die Bitten jenes Bauers: „der gnädige Herr Patron möge erlauben die revolutionäre Pappel zu fällen,“ blieben unerhört, bis endlich die Märztage dem Bauer den Muth einflößten, sich selbst Recht zu verschaffen, d. h. durch den Todtengräber den bewußten Baum niederhauen zu lassen. ‒ Der Gutsherr, welchem jener Bauer ein Dorn im Auge ist, da er meist an der Spitze der Gemeinde gegen die feudalen Willkürlichkeiten operirt hat, verklagt den Bauer und Todtengräber beim Criminalgericht zu Jauer unter der Firma: „Tumultsache.“ (!) ‒ Gestern nun kam von dort das Erkenntniß. Man höre: „Der Bauer ist verurtheilt zu acht Wochen Gefängniß; ‒ Todtengräber zu acht Wochen Zuchthaus, Verlust der Nationalgarde und der Kriegsdenkmünze (!!).“ Die Gemeinde ist durch diesen Akt der Gerechtigkeit furchtbar aufgeregt, um so mehr als der Gutsherr (Müller heißt er) seit Jahren schon die Kirchhofspappeln, welche von der Gemeinde zur Zierde des friedlichen Platzes gesetzt worden sind, jeden Sommer ihres Laubes berauben läßt, um Schaffutter zu gewinnen, ‒ so daß man in der Regel keine Bäume, sondern die unheimlichen Gerüste eines Hochgerichtes vor sich zu sehen glaubt.
[(O. Ztg.)]
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@facs0663
Frankfurt.
Der Ekel, den wir schon lange gegen die in der Paulskirche gepflogenen Verhandlungen empfinden, theilt sich nun endlich auch den Gemäßigteren der bei jenen Verhandlungen selbst Betheiligten, den Gemäßigteren der sogenannten Volksvertreter mit. Daß aber jetzt ein Leue, ein ehrlicher Mann der guten rechten Mitte, ein Republikanerfeind, öffentlich gegen die Versammlung auftritt, in deren Mitte ihn selbst das Vertrauen seiner Wahlmänner berufen: das ist eine Thatsache, über welche die Presse nicht schweigend hinweggehen darf. Leue, Deputirter für Salzwedel und Gardelegen, erläßt eine Erklärung von Frankfurt den 19., in der er sich über die Verhandlungen gegen Zitz, Simon und Schlöffel in offener Weise ausspricht.
„Mit der Gewißheit“ ‒ ruft Leue, der Jurist, der Oberprokurator aus ‒ „mit der Gewißheit, daß gar keine strafbare Handlung vorliegt, daß die Freisprechung von der Anklage, wie sie formuliert ist, das unausbleibliche Resultat sein wird, sollen drei Abgeordnete des deutschen Volkes einer langwierigen Untersuchung hingegeben werden! Die es getroffen hat und deren Anhänger werden sagen, daß sie der numerischen Stärke ihrer Gegenpartei unterlegen hätten. Und wirklich würde diese Angabe in dem Umstande eine scheinbare Bestätigung finden, daß die rechte Seite und das Centrum des Hauses für die Genehmigung der Untersuchung, die linke Seite dagegen stimmte. Jener merkwürdige Beschluß erklärt sich indeß einfach daraus, daß die Versammlung in völliger Unkenntniß über den Kern der Frage geurtheilt hat, weil sie nicht ein Wort zu ihrer Belehrung darüber gehört hatte.“
Und nachdem er einen kurzen Bericht von dem Inhalte der Reden gegeben hat, schließt er seine Erklärung also:
„Dieser eine Fall gibt ein Bild unserer Versammlung. Beredsamkeit findet man keine, aber eine Redseligkeit, vor der man sich nicht zu retten weiß.
Durch dieses eitle Geschwätz und so manche unverständige Beschlüsse (dessen natürliche Folge), durch das Verderben der kostbarsten Zeit haben wir das Vertrauen des Volkes verloren. Ohne den Besitz einer physischen Macht waren wir im Anfange allmächtig durch die Gewalt der öffentlichen Meinung, und wir sind nichts mehr, wenn wir von ihr nicht gehalten und getragen werden. Niemand erwarte sodann das Heil unseres Vaterlandes von Frankfurt aus; in Wien und Berlin wird es ausgemacht werden, leider vielleicht mit Kanonen!“
So der Deputirte Leu.
[(A. Od.-Z.)]
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@facs0663
Thiengen, 26. Okt.
Bei der heute stattgehabten Wahl eines Deputirten zur Nationalversammlung in Frankfurt erhielten von 135 Stimmen
Dr. Friedrich Hecker von Mannheim 82 Stimmen.
Ober-Amtm. Dreyer von Blumenfeld 50 Stimmen.
Fabrikant Buhl von Ettlingen 2 Stimmen.
Frhr. v. Andlaw in Freiburg 1 Stimmen.
135 Stimmen.
[(M. Abendz.)]
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Botzen, 21. Okt.
Der Feldmarschall Graf Radetzky hat aus dem Hauptquartier, Mailand, den 16. Oktober, an die Soldaten der Garnison von Wien folgende Worte gerichtet: „Ich bin nicht Euer kommandirender General, Ihr seid nicht gewohnt, auf meine Stimme zu hören und ihr im Kampfe zu folgen; aber als Feldmarschall und ältester Soldat der Armee steht mir das Recht zu, ein ernstes Wort an Euch zu richten. Unerhörte Dinge haben unter Euern Augen stattgefunden, Oesterreichs makellose Fahne ist durch Verrath und Blut befleckt. Zum zweiten Male hat Euer Kaiser aus seiner Hauptstadt fliehen müssen; der Kriegsminister, Feldzeugmeister Graf Latour ward grausam und schändlich ermordet, sein Leichnam entehrt. Ein tapferer General fiel, wie man sagt, durch die Hand eines Grenadiers! Ein Grenadier-Bataillon vergißt in Orgien und schändlicher Trunkenheit seine Pflicht, verweigert den Gehorsam und feuert, o ewige Schmach! auf seine eigenen Waffenbrüder. Soldaten der Wiener Garnison, sagt mir, im Namen der Armee von Italien, Eurer Waffenbrüder, frage ich Euch ‒ habt Ihr Eure Pflicht gethan? Wo war die Wache, die den Feldzeugmeister Latour vertheidigen sollte, die eher zu seinen Füßen sterben mußte, als ihn der Wuth eines blutdürstigen aufgereizten Pöbels preisgeben? Wo weilen die Verräther, die unsere Fahne mit Schmach bedeckten? Hat sie die gerechte Strafe schon ereilt? Oder schleppen sie ihr verächtliches Dasein noch in den Reihen der Empörung fort? Soldaten! Schmerz ergriff mich, Thränen erfüllten mein altes Auge, als ich die Kunde dieser in den Annalen der österreichischen Armee unerhörten Schandthaten erfuhr. Ein Trost blieb mir noch: daß es nur ein kleiner Haufe war, der seine Ehre so schändlich vergaß, seine Pflicht so schmachvoll verletzte. An Euch, Ihr treugebliebenen wackern Männer, ist es nun, den Thron Eures Kaisers und die freisinnigen Institutionen zu schützen, die seine väterliche Güte seinen Völkern verlieh, und die eine Horde von Empörern so schändlich mißbraucht. Soldaten! öffnet die Augen vor dem Abgrunde, der sich vor Euren Füßen aufthut; Alles steht auf dem Spiele, die Grundfesten der bürgerlichen Ordnung sind erschüttert, das Besitztthum, Moral und Religion mit Untergang bedroht, Alles, was dem Menschen heilig und theuer ist, was die Reiche gründet und erhält, will man vernichten. ‒ Das, und nicht die Freiheit ist der Zweck jener Aufwiegler, die Euch mit in Schande und Verderben reißen wollen. Soldaten! In Eurer Hand liegt jetzt der Schutz des Thrones und mit ihm die Erhaltung des Reiches. Möge Gottes Gnade mir gestatten, den Tag zu erleben, wo man sagen wird: „Die Armee hat Oesterreich gerettet,“ dann, erst dann wird der 6. und 7. Oktober dieses unheilschwangeren Jahres gesühnt sein und in Vergessenheit sinken, dann reicht Euch die Armee von Italien, die jetzt die Gränzmarken der Monarchie gegen äußere Feinde schützt, die Bruderhand. (Gez.) Radetzky, Feldmarschall.“
Ein zweiter Armeebefehl, Hauptquartier Mailand, den 18. Okt. 1848, lautet im Wesentlichen wie folgt: „Soldaten! Ich habe Euch den Aufruf bekannt gemacht, den ich an die Garnison von Wien erließ. Ihr werdet daraus ersehen haben, daß das Grenadier-Bataillon Richter, im Rausche seine Pflicht vergaß, den Gehorsam verweigerte und auf seine Kameraden feuerte. Es ist mir die Nachricht zugekommen, daß dieses Bataillon reumüthig zu seiner Pflicht zurückgekehrt und, damit es seine Reue durch die That beweisen könne, den Kommandirenden gebeten habe, es an die Spitze der ersten Sturmkolonne zu stellen. Soldaten! Ich habe Euch mit der Schmach dieses Bataillons bekannt gemacht, ich muß Euch auch seine Reue mittheilen.“
Italien.
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@facs0663
[ * ]
Man berichtet aus Mailand, daß 1900 Ungarn, theils in der Stadt, theils in deren Umgebungen kantonnirt, in Masse nach ihrer Heimath desertirt sind.
Die Physiognomie Mailands ist ruhig; die Einwohner fürchteten jedoch, daß es im Kriegsfalle zu einer Entscheidung in und um Mailand kommen wird, und viele wandern deshalb aus. Das Gold hat einen außergewöhnlich hohen Preis erreicht. Auf jeder Ecke und fast an jedem Hause liest man die Inschriften: Nieder mit der östreichischen Regierung! Es lebe Italien! Es leben die Ungarn! Die Sterblichkeit unter den östreichischen Truppen nimmt in beunruhigender Weise zu; jede Nacht werden 60 bis 70 Soldaten begraben. Typhus, gelbes Fieber und andere akute Krankheiten raffen die meisten hin; China wird selten. Die täglichen Auslagen belaufen sich für Mailand auf 80,000, für Monza auf 7 bis 8000 Lire. Der Augenblick zur Eröffnung des Feldzuges könnte nicht günstiger sein.
Die Bewegung zeigt sich allenthalten und in aller Weise. Durch Turin passirte eine Schaar bewaffneter Lombarden, um sich nach Frankreich zu begeben. Zu Reggio, zu Lukka, überall nationale Demonstrationen. Am meisten aber ist Livorno aufgeregt. Als Montenelli, vom Großherzog nach Florenz berufen, am 21. Okt. die Stadt verließ, wurde sofort auf dem Schloßplatze eine bewaffnete Demonstration organisirt, Emissäre begaben sich nach den verschiedenen Punkten Toskana's, das Volk besetzte die Forts und die Thore, Montenelli konnte nur mit Mühe abreisen. Das neue Ministerium ist noch immer nicht definitiv gebildet.
Französische Republik.
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@facs0663
Paris, 29. Okt.
Heute, Sonntag, weder Börse noch Nationalversammlung. Dagegen hält Cavaignac so eben (Mittags) bei ziemlich trübem Wetter über die gesammte Mobilgarde auf dem Marsfelde eine Revue ab, während Changarnier seiner Seits drei Legionen der Bürgerwehr in dem Tuilerienhofe an sich vorbeimarschiren ließ.
‒ Der Moniteur erfreut uns diesen Morgen mit einer bogenlangen Instruktion, des Ackerbauministers Tourret rücksichtlich der Anlage der neuen Ackerbauschulen (Aufnahme der Schüler u. s. w.) mittelst welcher die Nationalversammlung den Werth unserer Ackerbürger zu heben gedenkt.
‒ Der Moniteur veröffentlicht heute die amtlichen Tabellen über den maritimen Handelsverkehr während der ersten 9 Monate des Jahres 1848. Hieraus ersehen wir folgendes Sinken des maritimen Handels:
Während der ersten 9 Monate des Jahres 1846 bezog die Staatskasse blos an Zufuhrzöllen noch die Summe von 114,394,806 Fr., während derselben Frist des Jahres 1847 fielen diese Steuern auf 99,847,294 Fr. und bis zum 1. Okt. 1848 sanken sie sogar auf 62,826,100 Fr. Die Ausfuhrzölle fielen von 112,522 Fr. (1846) und 122,342 Fr. (1847) auf 96,527 Fr. bis zum 1. Okt. 1848. Hiebei ist jedoch der Spezialhandel mit und ohne Prämien nicht gerechnet. Der Spezialhandel ohne Prämien auf ausschließlich französische Waaren brachte bis zum 1. Okt. 94,240 Fr., im Jahre 1847 aber 118,140 und 1846 noch 109,716 Fr. Zölle. Die Ausfuhrzölle von reinfranzösischen Produkten mit Prämien erreichten für einzelne Posten z. B. Seide, Zucker, Baumwolle etc. auch in diesem Jahre noch die Höhe von 20-40,000 Fr.
„Aber wenn das Land meint, mich für dieses Amt bezeichnen zu müssen, so glaube ich für die Verweigerung desselben kein größeres Recht zu haben, als ich am 24. Febr. gegen den Volkswillen hatte, Paris ohne Regierung zu lassen.“
Ich glaube mich keineswegs von einer solchen Gefahr bedroht und ich berichtige den Kurrier de la Gironde blos deshalb, um für die Folge jedem Mißverständniß vorzubeugen. Mich um die Präsidentschaft eifrig bewerben, wäre lächerlich; sie zu wünschen, wäre verwegen; sie zu verweigern, hieße der Republik in seinem Vaterlande widerstehen. Ich bin eines solchen Ehrgeizes unfähig, aber auch unfähig einer solchen Feigheit.
Genehmigen Sie, Herr Redakteur u. s. w.
(gez.) Lamartine.
‒ Gestern hörten wir ein neues Volksblatt „Les Judas de la République“ ausrufen. Ebenso ein sozialistisch-demokratisches Programm, dessen Verfasser Jules Lechevalis ist.
‒ Heute Vormittag zwischen 10 und 12 Uhr fuhren abermals 800 Proletarier vom Quai de Saint-Bernard nach ihrem neuen Bestimmungsort, Algerien, ab.
‒ Louis Napoleon Bonaparte, unser künftiger demokratischer Kaiser, jagte vorgestern mit A. Dumas in den Forsten von St. Germain. Er konnte darum der Nationalversammlung unmöglich beiwohnen.
Ferner wird erzählt, daß sich S. kaiserl. Majestät um die Aufnahme in den Jocquey-Klub bewerben.
‒ Die Nationalversammlung hat gestern Abend mit 436 gegen 281 Stimmen beschlossen, daß der künftige Präsident der Republik auf Erhaltung der neuen Verfassung und der republikanischen Staatsform schwören müsse. Die moralische Sanktion im Auge des Volks!… Es handele sich um Stellung des Volksgewissens! rief die gesammte Rechte und der politische Eid wurde für den Präsidenten ausnahmsweise wieder eingeführt. Somit erlitt die provisorische Regierung in der Person des Hrn. Cremieur eine abermalige Niederlage.
‒ Es gibt fast keine Stadt, die nicht ihr demokratisch-sozialistisches Bankett haben wollte. Heute finden davon in den verschiedenen Städten der Republik nicht weniger als 42 statt, wie wir aus einer uns zu Gesicht gekommenen polizeilichen Notiz ersehen.
‒ Ledru-Rollin führte gestern den Vorsitz, sagt man, in Aubenas. Wir sahen das ehrenwerthe Glied in der That nicht in der Nationalversammlung.
‒ Lamartine beeilt sich, aus seinem Sommersitz bei Macon folgendes Schreiben an die hiesigen Journale zu richten, in dem er gegen die Behauptung protestirt, daß er auf den Präsidentenstuhl der Republik verzichte:
Saint-Point 26. Okt.
Herr Redakteur des Journal des Debats!
Ich lese in dem Journal des Debats einen dem Kurrier de la Gironde entnommenen Artikel, den zu berichtigen ich Sie um Erlaubniß bitte. Ich antwortete in der That einem Korrespondenten aus Bordeaux in einem Briefe folgende Worte:
„Ich trete nicht als Kandidat für die Präsidentschaft vor. Ich bitte Gott und meine Freunde, eine meinen Kräften so unangemessene Bürde fern zu halten.“
‒ Sibour, der neue Pariser Erzbischof an Affres Stelle (der an der Barrikade erschossen wurde) hat zwei Hirtenbriefe erlassen, die nichts weniger als liberaler oder republikanischer Natur sind. Er zieht darin gegen den Sozialismus fürchterlich zu Felde und außerdem scheint ihm die Verbesserung oder Emanzipation der niederen Geistlichkeit aus dem Unterthanenzwange der Bischöfe weniger als dem Affre selbst am Herzen zu liegen.
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@facs0663
[ * ] Paris, 29. Okt.
Bugeaud fährt fort, sich als Kandidaten zur Präsidentschaft der Republik zu geriren.
An den Redakteur des „Currier de la tomme“, Hrn. Viktor de Bouvion hat er folgendes Sendschreiben erlassen.
„Sie haben die ausnehmende Güte, mir den Currier de la tomme zuzuschicken. Wem kann ich diese Galanterie, die ich unendlich schätze, zuschreiben? Nur der guten Meinung, die sie von meiner Hingebung an die wahren Interessen des Landes haben, von meiner Ordnungsliebe, von meiner energischen Mißbilligung der sogenannten socialistischen Theorien. Sie haben sich nicht getäuscht, mein Herr; es gibt kein Opfer in der Welt, das ich zu bringen nicht bereit wäre, um die Gesellschaft zu vertheidigen gegen die Barbaren, welche sie bedrohn mit einer Ausdauer und einer Kühnheit, welche die Freunde der Ordnung zur Vertheidigung der Gesellschaft nachahmen sollten. Man muß noch waghalsiger sein als die Unruhstifter, und die Gesellschaft wird gerettet sein.
Ich wünschte, es wäre mir gegeben alle wohlmeinenden Leute zu bestimmen, in der Politik eine Regel militärischer Taktik zu befolgen, die mir immer geglückt ist: es ist die, die Defensive offensiv zu machen.
Sollte es wahr sein, daß es unmöglich ist, so viel Feuereifer für das Gute zu haben, wie die Schlechten für das Böse haben?“
Trotz alledem ist Bugeaud kein ernsthafter Kandidat. Gelingt es wirklich, es bis zur Präsidentenwahl zu bringen, so fällt die Präsidentenkrone auf das Haupt eines Cretins ‒ Louis Napoleons.
Von dem Fanatismus der Bauern an der Loire, in Burgund und Franche-Corte, in Lothringen, Champagne, Isle de France, Pikardie und Normandie für den Namen Napoleon macht man sich keine Vorstellung.
Großbritannien.
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@facs0663
[ * ]
Die „Breslauer Zeitung“, das Organ der Weinreisenden, des kein Deutsch verstehenden Engländers, genießt auch jenseits des Kanals des ihr gebührenden ausgezeichneten Rufes. Der „Standard“ vom 27. Oktbr. gibt ihr, bei Gelegenheit ihrer Nachricht, die Russen würden mit 100,000 Mann auf Wien losmarschiren, sobald die Ungarn die österreichische Gränze überschritten hätten, ein glänzendes allgemeines Mißtrauensvotum.
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@facs0663
[ * ] London, 28. Okt.
Ein Jahr ist ungefähr verflossen, seit der eiserne Herzog, der alte Wellington, eines Morgens emporfuhr aus schweren Träumen. Er zog seine Reitstiefeln an, setzte sich an sein Schreibpult und schrieb einen Brief an Sir John Bourgoyne.
Dieser Brief machte damals großes Aufsehen; er ging durch die ganze europäische Presse. Wenn nicht die Revolution dazwischen gekommen wäre, so sprächen die Engländer vielleicht noch davon. Glücklicherweise kam aber eben die Revolution.
Der alte Herzog schrieb nämlich damals an Sir John, daß sich die englischen Küsten in einem wahrhaft beunruhigenden Zustande der Vertheidigungslosigkeit befänden, und daß es den Franzosen ein Leichtes sein würde, bei Nacht und Nebel plötzlich einmal herüberzufahren und zu landen und London in Brand zu schießen und ein Unheil anzurichten, wogegen die Zerstörung Karthagos ein Kinderspiel sei.
Hübsch gedruckt stand dieser Brief in der Times, in der Morning Post, im Standard, und man kann sich denken, wie den guten Britten zu Muthe war und wie ihnen die Haare zu Berge standen, als sie von so hoher Autorität so entsetzliche Dinge hörten.
Die Franzosen in London! ‒ John Bull entfärbte sich; er ließ die Arme sinken; er wußte nicht, ob er fluchen oder beten sollte: der Gedanke war zu schrecklich. ‒ Aber der Herzog hatte alles auf's schönste ausgemalt. Man meinte, man sähe die kleinen Franzosen aus ihren Schiffen hüpfen, jetzt in Reihe und Glied springen und dann nach der Metropole marschieren, um im Hayde-Park Kankan zu tanzen, um im London-Kaffeehause Turtlesuppe zu essen und singend durch die City zu ziehen. Der Brief des alten Herzogs ließ das schlimmste fürchten. Männer und Weiber träumten nur von Franzosen. Wer weiß, wem diese Träume am unangenehmsten waren?
Acht oder vierzehn Tage dauerte dieser Skandal; man machte schon Pläne, wie man dem herannahenden Unglück durch die großartigsten Maßregeln steuern könne, und schon wollte sich Groß und Klein zu einer allgemeinen Befestigungswuth hinreißen lassen, als plötzlich Cobden, der Baumwollheiland Cobden, dem eisernen Herzog in die Zügel fiel und nicht nur erklärte, daß es Wahnsinn sei, die Streitkräfte des Landes zu vergrößern, sondern daß man im Gegentheil darauf bedacht sein müsse, die Armee und die Marine bis auf ein wahres Minimum zu reduziren.
Jeder andere Manchester-Mann würde sich lächerlich gemacht haben, wenn es ihm in den Sinn gekommen wäre, sich in kriegerischen Dingen mit dem Helden von Waterloo messen zu wollen; Cobden stand aber damals noch auf dem Gipfel seines Ruhmes; der Mann, der eben erst die alte Aristokratie in der Kornzollfrage so glänzend geschlagen hatte: er konnte Alles wagen, er durfte selbst einem Wellington feierlich entgegentreten.
Cobden war Held des Tages. Um seine niedrige Stirn grünten noch die Lorbeeren, die er auf der Reise durch Frankreich, durch Italien und durch Deutschland gepflückt hatte; die englischen Blätter brachten noch die letzten Freihandelstoaste aller großen Städte des Kontinents, Toaste auf Richard Cobdens Wohl, und auf das Wohl seiner Genossen Bright, Wilson und Thompson; dem Triumph der Freetrader daheim war der sehnlich erwünschte Beifall des Auslandes gefolgt und der Beifall des Auslandes ließ den Liebling der Mittelklasse nur um so mehr in der Gunst der [0664] freihandelsseligen Menge steigen. Was Wunder, daß der Manchester Kaliko-Drucker fast ebenso große Sensation machte, wie der franzosenfressende Herzog!
Die Opposition Cobdens fand Anklang. Sie wurde namentlich deswegen mit ungemeiner Akklamation aufgenommen, weil sie eine Opposition in Pfunden, Schillingen und Pencen war, eine Opposition, die der Engländer immer versteht, mag sie kommen zu welcher Gelegenheit sie will.
Der mahnenden Stimme des alten Herzogs, der seine Landsleute daran erinnerte, welche Schmach es vor Gott und Menschen sein würde, wenn je ein feindlicher Franzose den geweihten Boden Alt-Englands betrete und der ihnen begreiflich zu machen suchte, wie leicht man dieses Unheil noch heute durch die gewöhnlichsten Mittel verhüten könnte: folgte die kalte Freihandels-Argumentation Cobden's, der weder von Schmach vor Gott und Menschen, noch von Ruhm und Ehre etwas wissen wollte und geradezu behauptete, daß es den Franzosen nicht einfallen würde, in feindlicher Absicht über den Kanal zu setzen, wenn man nur fortfahre, jenes System des Handels zu befolgen, das durch den freien Austausch der beiderseitigen Produkte, beide Länder zu einem bessern Einverständnisse führen werde, als es je durch Wälle und Kanonen hervorzubringen sei. In Pfunden, Schillingen und Pence rechnete Herr Cobden dann seinen Verehrern vor, was es dem Lande kosten werde, wenn man den Phantasieen des alten Herzogs folge und es ist kein Zweifel, daß er seinen Gegner auch total aus dem Felde geschlagen haben würde, wenn nicht plötzlich die Februar-Revolution allen Streitigkeiten, wenigstens für den Augenblick, ein Ende gemacht, und sowohl die Stimme des alten Herzogs, wie die Stimme eines Cobden, mit ihrem Donner übertönt hätte.
Wellington und Cobden sind wirklich seit jenem Augenblicke kaum mit ihrer Weisheit wieder an's Licht getreten.
Da will es plötzlich der Zufall, daß wenigstens Herr Cobden wieder einmal Gelegenheit hat, sich in seiner ökonomischen Glorie zu zeigen, denn sieh, in Belgien, in dem gesegneten Musterstaate, wo da Milch und Faro fleußt, trotz aller Revolutionen, sammeln sich in den September-Tagen die Freunde des Friedens, um einen Kongreß zu halten, auf dem sie ihre weltbeglückenden Ideen austauschen wollen, ‒ einen Kongreß, zu dem sie auch Hrn. Cobden einladen.
Die Brüsseler Friedensfarce ist erst eben vorüber. Wie wir sahen, hatten sich außer vielen amerikanischen und englischen Quäkern, ungefähr dieselben Leute eingestellt, die im vergangenen Jahre zuerst in einer dreitägigen Debatte das Heil der Bourgeoisie in der Durchsetzung des Freihandels suchten, um dann in einer ebenfalls drei Tage langen Diskussion zu Gunsten der arbeitenden Klasse mit dem Zahlen-System hervorzutreten. Es waren wieder dieselben Leute wie damals. Der alte Holländer Suringan, dessen Beredsamkeit dem grunzenden Geräusche einer Walkemühle gleicht; der Schotte Ewart, der gewiß ein guter Mensch, aber ein schlechter Musikant ist; der Spanier Ramon de la Sagra, der sich einzig und allein dadurch auszeichnet, daß er ein Spanier ist; dann der Belgier Ducpétiaur, der als Fourierist und Oberkerkermeister ein warmes Herz im Busen trägt und schon mehr als 12 Dutzend Bücher und Broschüren über die Leiden des Proletariats geschrieben hat. Genug, alle Biedermänner des Freihandels und des Zellen-Systems waren anwesend und nur Einer fehlte, es fehlte der Heiland Cobden.
Cobden war nicht erschienen. Und doch hätte er eine so treffliche Gelegenheit gehabt, aus seinem Dunkel herauszutreten und seine Polemik gegen den Herzog von Wellington fortzusetzen. Wie hübsch würde sich der konsequente Cobden, der Alles auf Pfunde, Schillinge und Pence reduzirt, gegenüber den holden Menschenfreunden ausgenommen haben, die Alles auf die Moral reduziren und auf die christliche Liebe.
Während uns die friedlichen Quäker den „Shade“ (Schatten) der Sache gezeigt hätten, würde der große Richard von Manchester mit der„substance“ (Substanz) herangerückt sein. Die heuchlerisch philantropische Salbaderei eines Suringan, eines Ewart, eines Elihn Burritt würde sich in ein einfaches Bourgeois-Exempel aufgelöst haben, in ein lustiges Rechnenkunststück.
In derselben Weise wie Cobden dem eisernen Herzog gegenüber den heiligen, unantastbaren Boden Altenglands verhöhnte, in derselben Manier würde er durch kalte, kahle Ziffern die moralische Entrüstung der Brüsseler Friedensfreunde blamirt haben. Alles Gewäsch von Menschenwohl und von Menschenliebe würde durch Hrn. Cobden darauf hinausgekommen sein, daß es tout bonnement eine Ersparniß ist, wenn hinfort alle Kriege vermieden werden, eine Staatsersparniß, die durch wenige zu erhebende Steuern der Bourgeoisie zu Gute kommt, der Mittelklasse, die in ihrem Bestreben: die Produktionskosten auf ein Minimum zu reduziren das nützlichste und deswegen christlichste Ziel des Jahrhunderts zu verfolgen glaubt.
Gewiß, Jesus Christus Cobden würde den Brüsseler Kongreß zu einem praktischen Resultate gebracht haben. Aus einem Briefe sehen wir dies, den Cobden vor einiger Zeit an Joseph Sturge in Birmingham schrieb, um sich zu entschuldigen, daß er nicht zu dem Brüsseler Kongreß hinüberreiste.
„ Als ich im vorigen Jahre auf dem Kontinente reiste,“ schreibt Cobden, „gab ich mir einige Mühe, zuverlässige statistische Details zu sammeln, wodurch ich zu der Ueberzeugung gelangte, daß der Effektivbestand der europäischen Landheere im Jahre 1847 (einschließlich Großbritanniens) über 2,200,000 Mann zählte, und daß 150,000 Mann auf den Kriegsschiffen dienten, mithin im Ganzen 2,350,000 Soldaten und Seeleute. Bemerken wir zugleich, daß sich bis dahin revolutionäre Bewegungen nirgends gezeigt hatten, und daß in diesem Jahre 1848 überall eine Verstärkung der Streitkräfte stattgefunden hat. Die Nationalgarde Frankreichs und der Schweiz, die Landwehr in Deutschland und andere Korps, welche dem Militärdienste temporär unterworfen sind, schätze ich wohl nicht zu hoch auf 1,000,000 Menschen. Zu diesen kommen noch die bewaffnete Polizei, Bürgerwehr, Gendarmerie und Zollbeamten, und somit wächst die Zahl auf wenigstens 4 Mill. Bewaffneter. Halten wir uns aber einstweilen nur an die 2,350,000 Mann reguläres Militär und Marine.
Es ist keine leichte Aufgabe, die Kosten dieser bewaffneten Macht genau zu berechnen. Wenn sie auf dem Continente so groß wären, wie in England, ‒ was man jedoch nicht annehmen darf ‒ so würden sie sich für die reguläre Macht allein auf 250 Mill. L. jährlich belaufen. Andererseits muß man bedenken, daß die Instandsetzung und Erhaltung der Festungen auf dem Continent eine große Summe jährlich erfordert, während diese Ausgabe in England unbekannt ist. Ferner ist in Betracht zu ziehen, daß die Männer, die auf diese Weise der produktiven Arbeit entzogen werden, sämmtlich in ihren besten Lebensjahren stehen, und wenn wir annehmen, daß sie im Stande wären, jährlich 50 L. pr. Mann durch Handarbeit oder Ackerbau zu verdienen, resp. zu erzeugen, so geht noch eine Summe von 100 Mill. L. jährlich verloren. Jedenfalls darf man annehmen, daß dieses System der stehenden Heere in Europa jährlich über 200 Mill. L. kostet.“
So schreibt Richard Cobden, und mit allem moralischen Geschwätze ist es zu Ende.
Was ist der alte Herzog mit seinem rostigen Ruhme und was ein sentimentaler Quäker mit seinem abgehärmten Duldergesicht, gegen den Kaliko-Drucker aus Manchester?
Doch den Arbeitern bleibt es überlassen, den Augenblick zu bestimmen, wo die Bourgeoisie mit der Reduzirung der Produktionskosten aufhören wird.
Türkei.
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Konstantinopel, 12. Oktbr.
Von gestern auf heute wieder eine Nacht voll Schrecken für die Bewohner Pera's! Auf der östlich nach dem Meer abfallenden Seite Pera's standen noch einige Seitenstraßen, Lechsökak (Polenstraße), Lenardisokat und Jenitscharfi nebst einigen kleinern Zwischengassen, sie alle sind heute Nacht abgebrannt. Das Feuer begann gegen Mitternacht in Lenardisokak, und gegen 5 Uhr Morgens standen von all den Häusern dieser Straßen ‒ wenigstens 3 bis 400 ‒ nur noch die steinernen Rauchfänge. Die medizinische Schule von Galataserai, die an Jenitscharfi, obwohl durch eine Mauer davon getrennt, anstieß, ist gleichfalls abgebrannt. Sie bestand aus mehreren großen, durch einen weiten Hof in der Mitte von einander getrennten Gebäuden, der Wohnung der Zöglinge, dem Spital u. s. w. Alle diese Gebäude waren aber unsinniger Weise ebenfalls von Holz gebaut. Durch die brennende Schule gerieth die daran stoßende Polizeihauptwache gleichfalls in Brand, und hätten dort nicht einige, eben erst vollendete massive Steinbauten dem ferneren Weitergreifen der Flammen Einhalt gethan, so läge, da der Wind stark nach jener Richtung wehte, der oberhalb des Galataserai noch stehende Rest von Pera vielleicht heute ebenfalls in Asche. In der Straße, wo das Feuer ausbrach sowie in den anstoßenden Straßen war diesen Sommer schon 6 bis 8 Mal Feuer gelegt worden. Man hatte es glücklicherweise jedesmal bald entdeckt. Diesmal ist die verruchte That gelungen. Aber hätte man nicht durch tüchtige Nachtwachen dem vorbeugen können? Höchst wahrscheinlich. Ist das Feuer, wie es scheint, wirklich gelegt worden, so muß man also jedenfalls der Unthätigkeit und Nachlässigkeit der Polizei einen großen Theil der Schuld beimessen. Die Staatskasse leidet selbst bei diesen Feuerbrünsten großen Verlust, so heute durch die Einäscherung des Galataserai und der Hauptwache, und die früheren diesjährigen Feuersbrünste verzehrten schon mehrere andere Wachen, auch, was viel bedeutender ist, mehrere Moscheen und selbst kaiserl. Paläste, wie den, welchen Fethi Achmet Pascha bewohnte. Aber alle diese Lektionen sind fruchtlos. Man läßt's brennen, Gott ist groß! Am 22. fand in Kairo unter großem Pomp die Lesung des Investiturfermans statt. Darauf Handkuß und Empfang des diplomatischen Korps. Ibrahim Pascha zog sich nachher wieder in sein Landhaus zurück. Wie es heißt, will Ibrahim Pascha in der ganzen Verwaltung den Gebrauch der arabischen Sprache einführen. Schon ist Befehl ergangen, in den Provinzen mehrere Schulen einzurichten. Die Cholera hat in Aegypten aufgehört. Auch in Beyruth, Salonichi, Smyrna, Adrianopel hat sie den hier erhaltenen Nachrichten zufolge gegen Ende vorigen Monats aufgehört.
[(A. A. Z.)]
[Leserbrief]
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Auf der am 22. October d. J. zu Derendorf bei Düsseldorf stattgehabten 3 ‒ 4000 Menschen starken Volksversammlung ist folgende
Adresse an die Wiener beschlossen worden.
Wiener!
Als im Februar dieses Jahres für sämmtliche Tyrannen die letzte Stunde gekommen zu sein schien, richtete Mancher seine Blicke nach Oesterreich und fragte sich: Wird dann auch das künftige Metternich'sche Staatsgebäude zusammenkrachen, oder ist es wirklich fest zusammengefügt und unerschütterlich wie Chinas altes Reich? Und gar Mancher, eingedenk der Berichte und Urtheile, welche uns Reisende und Schriftsteller zur Sabbathstille Deutschlands über Oesterreichs und vorzugsweise Wiens Bevölkerung gegeben hatten, schüttelte zweifelnd den Kopf und hatte keinen Glauben an eine Erhebung der deutschen Stämme in Oesterreich. Man vergaß dabei, daß Extreme sich berühren, daß der ganze Despotismus eher als der halbe zur ganzen Freiheit führt. Ein unermeßlicher Jubel erscholl daher, als eines Tages auch in Wien der Sturm losbrauste, Die Wiener haben seitdem eine solche Thatkraft, einen solchen Muth bewiesen, daß nunmehr die Hoffnungen der Republikaner sich gerade nach Wien gewandt haben.
Wiener! Ihr habt in diesem Augenblicke das Schicksal Deutschlands, das Schicksal Europas, das Schicksal der Demokratie, das Schicksal der Menschheit in Händen! Wiener! Bedenkt die erhabene Wichtigkeit eurer Aufgabe! Bedenkt, daß der jetzige einen Welttheil erschütternde Kampf ein Kampf zwischen Thyrannei und Freiheit, zwischen Monarchie und Republik, zwischen allgemeiner Herrschaft russischer Knute und allgemeiner Verbrüderung freier Völker ist! Und wißt, daß jene Menschen die edelsten und besten sind, welche diesen mörderischen Kampf so rasch wie möglich zur völligen Entscheidung bringen, damit der an so vielen Gebrechen leidende europäische Körper recht bald der Genesung, der blühenden Gesundheit entgegengehe.
Wiener! Vielleicht thun wir euch Unrecht, allein nach den Nachrichten, die wir über euch erhalten, müssen wir das Urtheil fällen, daß ihr bei all eurer Tapferkeit, eurer Energie, eurer Begeisterung für die Sache der Freiheit noch immer nicht mit dem Absolutismus, mit eurem Kaiserthume und besten Anhängern entschieden für immer zu brechen versteht. Warum laßt ihr die Zügel der Regierung in den Händen von schlaffen und verrätherischen Reichstagsdeputirten? Soll Deutschlands Freiheit durch die schurkische Majorität seiner Nationalversammlungen verloren gehen? Warum erklärt euer Reichstag den flüchtigen Kaiser nicht für abgesetzt? Warum rief er die Ungarn nicht sofort zu Hülfe und schlug die kaiserlichen Truppen, wo sie noch gering an Zahl waren? Oder besser, warum löstet ihr den Reichstag nicht auf und wähltet eine provisorische Regierung, welche, aus tüchtigen Volksmännern bestehend, sofort die Republik zu proklamiren und energische Maßregeln wider die Feinde der Republik zu ergreifen hatte? Wiener! Die Republikaner Düsseldorfs bitten euch im Namen der großen Sache, für welche wir Alle kämpfen, holt das Versäumte nach. Es ist noch Zeit. Wir bitten euch, daß ihr nach errungenem Siege über die Horden des Kaisers euren Reichstag nicht unterhandeln und vermitteln laßt mit einer niederträchtigen Kamarilla. Soll eure Erhebung nur dazu gedient haben, dem Kaiser bei seiner zweiten Rückkehr nach Wien einen leichen- und blutbedeckten Weg zu bereiten?
Wiener, nochmals, bedenkt die erhabene Wichtigkeit eurer Aufgabe! Bedenkt, daß alle Republikaner ihre Augen auf euch richten, daß alle Republikanerherzen euch entgegenschlagen werden, indem ihr wie Männer aus diesem Kampfe hervorgeht! Wiener, seid herzlich begrüßt von den Republikanern Düsseldorfs.
Düsseldorf, 24. October 1848.
Das Comite des Volksklubs.
Anzeigen.
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Schifffahrts-Anzeige.
Köln, 1. November 1848.
Angekommen: C. Hartig vom Niedermain. L. Klee von Kannstadt.
Abgefahren: Jos. Zeiler nach Koblenz. P. O. Schlaegel nach Mannheim.
In Ladung: Nach Ruhrort bis Emmerich Wwe. H. Lübbers. Nach Düsseldorf bis Mülheim an der Ruhr A. Meyer. Nach Andernach und Neuwied Jacob Schilowski G. Kaiser. Nach Koblenz, der Mosel. u. Saar G. Weidner. Nach der Mosel, nach Trier und der Saar R. Pisbach. Nach Mainz J. Hirschmann. Nach dem Niedermain C. Rees. Nach dem Mittel-und Obermain. C. Hegewein. Nach Worms und Mannheim B. Sommer. Nach Heilbronn G. C. Schmidt. Nach Bingen Wwe. Jonas.
Nach Rotterdam Kapt. Lützenkirchen Köln Nr. 26. Nach Amsterdam Kapt. Schneider Köln Nr. 19. Rheinhöhe am 31. Okt. 5'5“.
Zur Anfertigung der Auszüge liegen offen die Deklarationen der Schiffer Bovens, W. Fromm u. P. v. Lith.
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Bekanntmachung.
Vom 1. November ab, wird die jetzt zwischen Koblenz und Bonn koursirende Schnellpost, während der Wintermonate oder bis auf weitere Bestimmung bis Köln ausgedehnt.
Zu dieser Post werden wie früher 12-sitzige Wagen eingestellt.
Der Abgang aus Koblenz erfolgt täglich Abends 7 3/4 Uhr, Ankunft in Köln des Morgens 4 Uhr. Der Abgang aus Köln, täglich Abends 8 Uhr, Ankunft in Koblenz des Morgens 5 Uhr.
Die mit dieser Post abzusendenden Briefe, müssen in Köln spätestens bis 6 1/2 Uhr Abends zur Post gegeben werden.
Köln, den 25. Oktober 1848.
Ober-Post-Amt, Rehfeldt.
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Eine Theke und Ladengestell für ein Manufaktur oder Ladengeschäft geeignet, stehen billig zu verkaufen. Bescheid Columbastraße Nr. 5.
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Versteigerung.
Am Freitag den 3. November 1848, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu St. Aposteln in Köln, verschiedene gutgehaltene Hausmobilien, als: 2 Kanapee's mit Damast überzogen, 1 Sekretair, Tische, Stühle, Spiegel, ein Ofen mit einer Figur etc., sodann ein Ladentisch u. s. w. gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.
Der Gerichtsvollzieher, Clören.
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Obstbäume und Pflanzen sowie 15,000 Stück kanad. Pappeln sind in unserer Baumschule vorräthig und billig zu kaufen.
Neusrath zwischen Opladen und Langenfeld.
Theodor Pohlig et Söhne.
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Einladung zur dritten Sitzung der
Gesellschaft zur Vereinbarung der
„Heuler und Wühler“
heute Abend 1/2 8 Uhr im Lokale der Gesellschaft Lätitia,
Mühlengasse Nr. 1.
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Inserat.
Während das herrliche Wien von dem neuen Alba Windischgrätz mit seiner Sklavenlegion bereits zum Theil eingeäschert wird, legen die Bruderstämme der todesmuthigen, für die deutsche Freiheit kämpfenden Helden ihre Hände thatenlos in den Schooß und betrachten kalt und müßig vielleicht ihren eigenen Untergang. Ewig währt die Schande dieses Wütherichs, welcher die Geißel des Absolutismus schwingend den Freiheitsmord beging, ‒ aber eben so unvertilgbar, Söhne des Teut, würde auch Eure Schmach sein, wenn Ihr noch länger zögern wolltet, Euch zu erheben wie Ein Mann, in zahllosen Freischaaren Euren hochherzigen und heldenmüthigen Brüdern an der Donau gegen die überlegende Gewalt der blutigen Bürger und Zerstörer zu Hülfe zu eilen. Ermannt Euch, ehe es zu spät sein wird! Wartet nicht auf den Ruf Eurer Fürsten, deren Deutschvergessenheit Deutschland bisher zerrüttet hat! Laßt schwinden alle Sonderinteressen, alle Eigensucht und Zwietracht, durch welche die Ehre und Größe der deutschen Nation bisher verkümmerte, und welche die gegenwärtige verzweifelte Lage Eures einst großen und mächtigen Vaterlandes zur Folge hatte.
Eure Brüder in Sachsen entsenden bereits thatendurstige Freischaren nach den schönen Ufern der Donau, und in Leipzig ist ein Hülfscomite für hinterbliebene Wittwen und Waisen der gefallenen Helden zusammengetreten. Köln wird nicht zögern, diesem schönen Beispiele nachzueifern! Seine Freischaaren werden ohne Zeitverlust unter dem schwarz-roth-goldenen Banner mit glühender Begeisterung hinausziehen in den erhabenen Kampf für Deutschlands Einheit und Freiheit auf Leben und Tod!
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! Aufruf !
zur Bildung einer Freischaar, um unsern deutschen bedrängten Wiener Brüdern zu Hülfe zu eilen.
Aus dem Schreiben des Banus Jellachich an die Slowanska Lipa geht deutlich hervor, daß man gesonnen ist, das deutsche Element aus Oestreich zu verdrängen, und auszurotten, und mit Gewalt der Bajonnette und Kanonen das ganze Oestreich und vielleicht Süddeutschland unter slavische Herrschaft zu bringen. Es ergeht daher der dringende Aufruf an alle für Deutschland's Freiheit beseelte Männer, sich diesem Freischaarenzuge anzuschließen, um in einigen Tagen den ersten Zug abgehen zu lassen.
Da Viele jedoch nicht die nöthigen Mittel besitzen, um die Reise zu unternehmen und sich die gehörigen Waffen anzuschaffen, so erlassen wir an alle diejenigen, welche sich selbst nicht an dem Freischaarenzuge betheiligen können und die gute Sache befördern wollen, die ergebene Bitte, uns Waffen aller Art zuzusenden und uns mit Geld zu unterstützen, um unsern Gedanken durch die That auszuführen und für Deutschland's Freiheit in den Kampf zu ziehen gegen ein uns bevorstehendes Slavisch-Russisches Knutenthum.
Die Expedition der „ Neuen Rheinischen Zeitung “ wird gebeten, eingehende Beiträge zur Unterstützung in Empfang zu nehmen. Waffen und sonstige zur Armirung gehörende Gegenstände bei C. Keil, große Sandkaul Nr. 32, wo auch Theilnehmer am Freischaarenzuge sich melden können.
Die provisorische Kommission.
Alle Redaktionen werden höflichst ersucht, obigen Aufruf in ihre geehrten Blätter aufzunehmen.
Die Expedition nimmt Beiträge gern im Empfang.
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Herrenkleider werden gewaschen und reparirt, Herzogstraße Nr. 11.
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Römischer Circus.
Von Alexandro Guerra.
Letzte Woche.
Heute den 1. November 1848, große Damen-Vorstellung mit ganz neuen Abwechselungen, worunter die Damen die Stelle der Stallmeister vertreten werden, zum Beschluß großes Damen-Manövre, geritten von 9 Damen, kommandirt von Mme. Guerra, nebstbei das Damen-Karossell von Damen der Gesellschaft, worunter Mll. Kremzof, Mll. Baviera, Mll. Relly und Mme. Tourniaire die Stelle der Stallmeister vertreten werden.
Alexandro Guerra.
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Heute Mittwoch den 1. November 1848
Abends 7 Uhr.
Restauration im Stollwerck'schen Saale.
Entree à Person 10 Sgr., wofür Getränke verabreicht werden.
Hierbei
große musikalische dramatische Abend-Unterhaltung.
Spiele des Zufalls.
Lustspiel in drei Aufzügen von Lebrun.
Hierauf: Lorenz und seine Schwester.
Baudevill-Posse in 1 Akt von Friedrich.
Kassa-Eröffnung 6 Uhr.
Franz Stollwerck.
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Theater-Anzeige.
Mittwoch den 1. November: Stadt und Land oder der Viehhändler in Ober-Oesterreich.
Heiteres Charakter-Gemälde in 3 Akten von Friedrich.
Musik von A. Müller.
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Der Gerant: Korff.
Druck von J. W.Dietz, unter Hutmacher Nr. 17.