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Kremer, Abraham: Eine Christliche Leichvermanung. Frankfurt (Oder), 1610.

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zweiffeln an dem/ das man nicht sihet. Vnnd David
spricht: Gott ist vnser Zuversicht: eine Hülffe in den gros-Psalm 46.
sen Nöten/ die vns troffen haben Darumb fürchten wir vns
nicht/ wenn gleich die Welt vnter gienge. Wir lesen/ dasMatth. 8.
der Hauptman eine starcke Zuversicht zu dem HErrn Chri-
sto/ als zu dem einigen Heylande der Welt hatte/ vnnd gewiß
glaubete/ das er auch/ wenn er gleich mit jhm vnter sein
Dach nicht gienge/ durch sein allmechtiges Wort/ seinen
gichtbrüchtigen Knecht gesund machen köndte vnd wolte.
Derowegen auch Christus dieses Hauptmans Glauben
hoch rühmete/ sprechende: Er habe warlich solchen Glau-
ben in Jsrael nicht funden. Als das Cananeische Weib-Matth. 15.
lein vmb Hülffe vnd Errettung/ wegen jhrer Tochter/ an-
hielt/ vnd zeigete an/ sie were wol vnwürdig der Hülffe: a-
ber doch nichts desto weniger hoffe sie auff des HErrn güte:
Do preisete der Heiland den Glauben dieses Weibleins
auch/ vnd sprach: O Weib dein Glaube ist gross/ dir ge-
schehe/ wie du wilt

Hie sihet nun jederman/ das der Glaube heisse eine
hertzliche Zuversicht: Do man in Christi Namen zu Gott
schreyet/ vnd die[s]e[l]be von jhm erwartet.

Solcher Glaube aber kompt nicht her aus vns selbstWoher der
Glaube kome.

oder aus vnserm freyen willen: Denn was vom fleisch ge-Iohan. 3.
boren ist/ das ist fleisch/ spricht Christus Paulus schrei-Roman 8.
bet auch: Fleischlich gesinnet sein/ ist eine feindschafft widerNicht aus den
freyen willen
des Menschen

Gott. Darumb ists onm[ö]glich das der Mensch von sich
selbst Gott [lo]b[e]n/ vnd an jhn gleuben könne Wie die Aug-
spurgische Confession klar saget: Das die Menschen innAug. conf.
2. artic.

sünden empfangen vnd geboren/ ke[in]en wahren Glauben an
Gott von Natur haben. Welches auch Herr Lutherus/

seliger
B

zweiffeln an dem/ das man nicht ſihet. Vnnd David
ſpricht: Gott iſt vnſer Zuverſicht: eine Huͤlffe in den groſ-Pſalm 46.
ſen Noͤten/ die vns troffen haben Darumb fuͤrchten wir vns
nicht/ wenn gleich die Welt vnter gienge. Wir leſen/ dasMatth. 8.
der Hauptman eine ſtarcke Zuverſicht zu dem HErrn Chri-
ſto/ als zu dem einigen Heylande der Welt hatte/ vnnd gewiß
glaubete/ das er auch/ wenn er gleich mit jhm vnter ſein
Dach nicht gienge/ durch ſein allmechtiges Wort/ ſeinen
gichtbruͤchtigen Knecht geſund machen koͤndte vnd wolte.
Derowegen auch Chriſtus dieſes Hauptmans Glauben
hoch ruͤhmete/ ſprechende: Er habe warlich ſolchen Glau-
ben in Jſrael nicht funden. Als das Cananeiſche Weib-Matth. 15.
lein vmb Huͤlffe vnd Errettung/ wegen jhrer Tochter/ an-
hielt/ vnd zeigete an/ ſie were wol vnwuͤrdig der Huͤlffe: a-
ber doch nichts deſto weniger hoffe ſie auff des HErrn guͤte:
Do preiſete der Heiland den Glauben dieſes Weibleins
auch/ vnd ſprach: O Weib dein Glaube iſt groſs/ dir ge-
ſchehe/ wie du wilt

Hie ſihet nun jederman/ das der Glaube heiſſe eine
hertzliche Zuverſicht: Do man in Chriſti Namen zu Gott
ſchreyet/ vnd die[ſ]e[l]be von jhm erwartet.

Solcher Glaube aber kompt nicht her aus vns ſelbſtWoher der
Glaube kome.

oder aus vnſerm freyen willen: Denn was vom fleiſch ge-Iohan. 3.
boren iſt/ das iſt fleiſch/ ſpricht Chriſtus Paulus ſchrei-Roman 8.
bet auch: Fleiſchlich geſinnet ſein/ iſt eine feindſchafft widerNicht aus den
freyen willen
des Menſchen

Gott. Darumb iſts onm[oͤ]glich das der Menſch von ſich
ſelbſt Gott [lo]b[e]n/ vnd an jhn gleuben koͤnne Wie die Aug-
ſpurgiſche Confeſsion klar ſaget: Das die Menſchen innAug. conf.
2. artic.

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Gott von Natur haben. Welches auch Herr Lutherus/

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Zitationshilfe: Kremer, Abraham: Eine Christliche Leichvermanung. Frankfurt (Oder), 1610, S. [9]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/510973/9>, abgerufen am 28.05.2024.