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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Was zog sie aus der Tasche gar schnell,
Viel hundert Duckaten von Gold:
"Nimms hin, du schöner du feiner Gesell.
"Nimms hin zu deinem Gold.
"Und wenn dir Wein zu sauer ist,
"So trinke du Malvasier,
"Und wenn mein Mündlein dir süßer ist
"So komme nur wieder zu mir.


Albertus Magnus.

Von den Geheimnissen der Weiber.

Die Königin blickt zum Laden aus,
Ein Jüngling stand wohl vor dem Haus,
Sie winkt ihm da,
Daß er sollt zu ihr kommen.
Der Jüngling kam heimlichen dar,
Er sprach: Zart edle Fraue klar,
Kein Mann soll sich
In eurem Dienst versäumen.
Da sprach die Königin hochgebohr'n:
In meinem Dienst hast du geschwor'n
Leibeigen dich,
Das sollst du nun erkennen.
Dein Willen mach dem Meinen gleich,
So wird mein Herz ganz Freudenreich,
Lieblich Begier,
Die will ich dir bekennen.

Was zog ſie aus der Taſche gar ſchnell,
Viel hundert Duckaten von Gold:
„Nimms hin, du ſchoͤner du feiner Geſell.
„Nimms hin zu deinem Gold.
„Und wenn dir Wein zu ſauer iſt,
„So trinke du Malvaſier,
„Und wenn mein Muͤndlein dir ſuͤßer iſt
„So komme nur wieder zu mir.


Albertus Magnus.

Von den Geheimniſſen der Weiber.

Die Koͤnigin blickt zum Laden aus,
Ein Juͤngling ſtand wohl vor dem Haus,
Sie winkt ihm da,
Daß er ſollt zu ihr kommen.
Der Juͤngling kam heimlichen dar,
Er ſprach: Zart edle Fraue klar,
Kein Mann ſoll ſich
In eurem Dienſt verſaͤumen.
Da ſprach die Koͤnigin hochgebohr'n:
In meinem Dienſt haſt du geſchwor'n
Leibeigen dich,
Das ſollſt du nun erkennen.
Dein Willen mach dem Meinen gleich,
So wird mein Herz ganz Freudenreich,
Lieblich Begier,
Die will ich dir bekennen.

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[237/0249] Was zog ſie aus der Taſche gar ſchnell, Viel hundert Duckaten von Gold: „Nimms hin, du ſchoͤner du feiner Geſell. „Nimms hin zu deinem Gold. „Und wenn dir Wein zu ſauer iſt, „So trinke du Malvaſier, „Und wenn mein Muͤndlein dir ſuͤßer iſt „So komme nur wieder zu mir. Albertus Magnus. Von den Geheimniſſen der Weiber. Die Koͤnigin blickt zum Laden aus, Ein Juͤngling ſtand wohl vor dem Haus, Sie winkt ihm da, Daß er ſollt zu ihr kommen. Der Juͤngling kam heimlichen dar, Er ſprach: Zart edle Fraue klar, Kein Mann ſoll ſich In eurem Dienſt verſaͤumen. Da ſprach die Koͤnigin hochgebohr'n: In meinem Dienſt haſt du geſchwor'n Leibeigen dich, Das ſollſt du nun erkennen. Dein Willen mach dem Meinen gleich, So wird mein Herz ganz Freudenreich, Lieblich Begier, Die will ich dir bekennen.

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 237. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/249>, abgerufen am 07.03.2021.