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Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808.

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Man schickt eh Pulver und grob Geschütz,
Daß man sie mög zertreten.

Gott aber sieht mit Macht darein,
Und wehrt des Teufels falschen Schein,
Und seinen bösen Tücken,
Er wird ohn Zweifel den Kaiser gut
Nicht lassen unterdrücken.


Wunderliche Zumuthung.

(Geschichte des Lutherischen Gesangbuchs von Schmidt. Altenburg 1707, S. 276.)

Einsmals zu Frankfurt an dem Main
Viel Fürsten thäten ziehen ein,
Ihrer lutherischen Religion gemäß,
Nach dem Stift zu St. Barthelmäs.
Als dieser Schluß ward offenbar,
Vom Volk ein großer Zulauf war;
Da nun ein Zeichen ward geläut,
Dadurch die Predigt angedeut,
Siehe, da kam ein Priester dar,
Der dem Papstthum anhängig war:
Trat auf die Kanzel stracks hinauf.
Des wundert sich des Volkes Hauf,
Thät sich doch nicht besinnen lang,
Sondern fing bald an den Gesang:
Nun bitten wir den H. Geist
Um den rechten Glauben allermeist.
Da nun der Gesang vollendet was,
Das Evangelium er las,

Man ſchickt eh Pulver und grob Geſchuͤtz,
Daß man ſie moͤg zertreten.

Gott aber ſieht mit Macht darein,
Und wehrt des Teufels falſchen Schein,
Und ſeinen boͤſen Tuͤcken,
Er wird ohn Zweifel den Kaiſer gut
Nicht laſſen unterdruͤcken.


Wunderliche Zumuthung.

(Geſchichte des Lutheriſchen Geſangbuchs von Schmidt. Altenburg 1707, S. 276.)

Einsmals zu Frankfurt an dem Main
Viel Fuͤrſten thaͤten ziehen ein,
Ihrer lutheriſchen Religion gemaͤß,
Nach dem Stift zu St. Barthelmaͤs.
Als dieſer Schluß ward offenbar,
Vom Volk ein großer Zulauf war;
Da nun ein Zeichen ward gelaͤut,
Dadurch die Predigt angedeut,
Siehe, da kam ein Prieſter dar,
Der dem Papſtthum anhaͤngig war:
Trat auf die Kanzel ſtracks hinauf.
Des wundert ſich des Volkes Hauf,
Thaͤt ſich doch nicht beſinnen lang,
Sondern fing bald an den Geſang:
Nun bitten wir den H. Geiſt
Um den rechten Glauben allermeiſt.
Da nun der Geſang vollendet was,
Das Evangelium er las,
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[341/0353] Man ſchickt eh Pulver und grob Geſchuͤtz, Daß man ſie moͤg zertreten. Gott aber ſieht mit Macht darein, Und wehrt des Teufels falſchen Schein, Und ſeinen boͤſen Tuͤcken, Er wird ohn Zweifel den Kaiſer gut Nicht laſſen unterdruͤcken. Wunderliche Zumuthung. (Geſchichte des Lutheriſchen Geſangbuchs von Schmidt. Altenburg 1707, S. 276.) Einsmals zu Frankfurt an dem Main Viel Fuͤrſten thaͤten ziehen ein, Ihrer lutheriſchen Religion gemaͤß, Nach dem Stift zu St. Barthelmaͤs. Als dieſer Schluß ward offenbar, Vom Volk ein großer Zulauf war; Da nun ein Zeichen ward gelaͤut, Dadurch die Predigt angedeut, Siehe, da kam ein Prieſter dar, Der dem Papſtthum anhaͤngig war: Trat auf die Kanzel ſtracks hinauf. Des wundert ſich des Volkes Hauf, Thaͤt ſich doch nicht beſinnen lang, Sondern fing bald an den Geſang: Nun bitten wir den H. Geiſt Um den rechten Glauben allermeiſt. Da nun der Geſang vollendet was, Das Evangelium er las,

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Zitationshilfe: Arnim, Achim von; Brentano, Clemens: Des Knaben Wunderhorn. Bd. 2. Heidelberg, 1808, S. 341. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnim_wunderhorn02_1808/353>, abgerufen am 05.03.2021.