Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite

einer zu mir auf dem Schlachtfeld, sanft von Gesicht,
von gemessenem Wesen, (als wär es Hofer) der sagte
mitten unter Leichen stehend zu mir: Die starben alle
mit großer Freudigkeit
. In demselben Augenblick
erwachte ich unter Thränen, da lag dein Brief auf dem
Bett.

Ach vereine Dich doch mit mir, Ihrer zu gedenken
die da hinstürzen ohne Namen, kindliche Herzen ohne
Fehl, lustig geschmückt wie zur Hochzeit mit goldnen
Sträußern, die Mützen geziert mit Schwungfedern der
Auerhähne und mit Gemsbärten, das Zeichen tollkühner
Schützen. Ja! gedenke ihrer; es ist des Dichters Ruhm
daß er den Helden die Unsterblichkeit sichere.


Gestern da ich Dir geschrieben hatte, da war die
Sonne schon im Untergehen, da ging ich noch hinaus
wo man die Alpen sieht, was soll ich anders thun? es
ist mein täglicher Weg, da begegne ich oft einen der
auch nach den Tyroler Alpen späht. An jenem späten
Abend, ich glaub es war in der Mitte Mai wo Schwatz
abbrennte, da war er mit auf dem Thurm, da konnte
er sich gar nicht fassen, er rang die Hände und jam-

einer zu mir auf dem Schlachtfeld, ſanft von Geſicht,
von gemeſſenem Weſen, (als wär es Hofer) der ſagte
mitten unter Leichen ſtehend zu mir: Die ſtarben alle
mit großer Freudigkeit
. In demſelben Augenblick
erwachte ich unter Thränen, da lag dein Brief auf dem
Bett.

Ach vereine Dich doch mit mir, Ihrer zu gedenken
die da hinſtürzen ohne Namen, kindliche Herzen ohne
Fehl, luſtig geſchmückt wie zur Hochzeit mit goldnen
Sträußern, die Mützen geziert mit Schwungfedern der
Auerhähne und mit Gemsbärten, das Zeichen tollkühner
Schützen. Ja! gedenke ihrer; es iſt des Dichters Ruhm
daß er den Helden die Unſterblichkeit ſichere.


Geſtern da ich Dir geſchrieben hatte, da war die
Sonne ſchon im Untergehen, da ging ich noch hinaus
wo man die Alpen ſieht, was ſoll ich anders thun? es
iſt mein täglicher Weg, da begegne ich oft einen der
auch nach den Tyroler Alpen ſpäht. An jenem ſpäten
Abend, ich glaub es war in der Mitte Mai wo Schwatz
abbrennte, da war er mit auf dem Thurm, da konnte
er ſich gar nicht faſſen, er rang die Hände und jam-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0081" n="71"/>
einer zu mir auf dem Schlachtfeld, &#x017F;anft von Ge&#x017F;icht,<lb/>
von geme&#x017F;&#x017F;enem We&#x017F;en, (als wär es Hofer) der &#x017F;agte<lb/>
mitten unter Leichen &#x017F;tehend zu mir: <hi rendition="#g">Die &#x017F;tarben alle<lb/>
mit großer Freudigkeit</hi>. In dem&#x017F;elben Augenblick<lb/>
erwachte ich unter Thränen, da lag dein Brief auf dem<lb/>
Bett.</p><lb/>
          <p>Ach vereine Dich doch mit mir, Ihrer zu gedenken<lb/>
die da hin&#x017F;türzen ohne Namen, kindliche Herzen ohne<lb/>
Fehl, lu&#x017F;tig ge&#x017F;chmückt wie zur Hochzeit mit goldnen<lb/>
Sträußern, die Mützen geziert mit Schwungfedern der<lb/>
Auerhähne und mit Gemsbärten, das Zeichen tollkühner<lb/>
Schützen. Ja! gedenke ihrer; es i&#x017F;t des Dichters Ruhm<lb/>
daß er den Helden die Un&#x017F;terblichkeit &#x017F;ichere.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <dateline> <hi rendition="#et">6. Juni.</hi> </dateline><lb/>
          <p>Ge&#x017F;tern da ich Dir ge&#x017F;chrieben hatte, da war die<lb/>
Sonne &#x017F;chon im Untergehen, da ging ich noch hinaus<lb/>
wo man die Alpen &#x017F;ieht, was &#x017F;oll ich anders thun? es<lb/>
i&#x017F;t mein täglicher Weg, da begegne ich oft einen der<lb/>
auch nach den Tyroler Alpen &#x017F;päht. An jenem &#x017F;päten<lb/>
Abend, ich glaub es war in der Mitte Mai wo Schwatz<lb/>
abbrennte, da war er mit auf dem Thurm, da konnte<lb/>
er &#x017F;ich gar nicht fa&#x017F;&#x017F;en, er rang die Hände und jam-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[71/0081] einer zu mir auf dem Schlachtfeld, ſanft von Geſicht, von gemeſſenem Weſen, (als wär es Hofer) der ſagte mitten unter Leichen ſtehend zu mir: Die ſtarben alle mit großer Freudigkeit. In demſelben Augenblick erwachte ich unter Thränen, da lag dein Brief auf dem Bett. Ach vereine Dich doch mit mir, Ihrer zu gedenken die da hinſtürzen ohne Namen, kindliche Herzen ohne Fehl, luſtig geſchmückt wie zur Hochzeit mit goldnen Sträußern, die Mützen geziert mit Schwungfedern der Auerhähne und mit Gemsbärten, das Zeichen tollkühner Schützen. Ja! gedenke ihrer; es iſt des Dichters Ruhm daß er den Helden die Unſterblichkeit ſichere. 6. Juni. Geſtern da ich Dir geſchrieben hatte, da war die Sonne ſchon im Untergehen, da ging ich noch hinaus wo man die Alpen ſieht, was ſoll ich anders thun? es iſt mein täglicher Weg, da begegne ich oft einen der auch nach den Tyroler Alpen ſpäht. An jenem ſpäten Abend, ich glaub es war in der Mitte Mai wo Schwatz abbrennte, da war er mit auf dem Thurm, da konnte er ſich gar nicht faſſen, er rang die Hände und jam-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/81
Zitationshilfe: Arnim, Bettina von: Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde. Bd. 2. Berlin, 1835, S. 71. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/arnimb_goethe02_1835/81>, abgerufen am 27.02.2021.