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Benner, Johann Hermann: Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 3. Gießen, 1748.

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dritter Theil.
sen, wann er sprechen wolte: Jch muß dir
einen Methodismum aufündig machen.

Wäre es in der That ein altes Kennzeichen,
und bey den Nachkommen verlohren worden;
so hat Zinzendorf die alten Bekenner nam-
haft zu machen. Welches er gleichwol weder
gethan hat, noch zu thun vermögend ist.
Sprichst du: Das dritte ist übrig: Das
Kennzeichen kan alt seyn, und der Erfinder
kan ihm einen neuen Namen geben, um meh-
rerer Begreiflichkeit willen? so antworte ich
zweyerley. 1) Der Erfinder sagt oben, (§.
53.) daß es nicht um das Wort/ sondern
um die Sache, gelte, und er protestiret zum
voraus gantz feyerlich, daß man am Ende nicht
sagen solle, er habe nur mit Worten gehan-
delt. Ja er rühmet sich, daß er ein neues
Kennzeichen
erfunden habe, (§. 59.) wel-
ches zum seelig werden anderer Leute so nö-
thig seye, daß man ohne dasselbe seiner Chri-
stenpflicht kein Genügen thun könne, (§. 59.
60.) und welches die Unzulänglichkeit der vo-
rigen Kennzeichen ergäntze. (§. 61.) 2) Wä-
re es ein bloß neu erfundenes Wort, so ist
nicht abzusehen, wie eine damit bezeichnete
Sache, solte deutlicher, ja wie die alte War-
heiten, welche unzureichend heisen, durch ein
solch bloses Wort ergäntzet werden. Es wä-
re entweder ein Schriftwort, mithin kein neu
erfundenes Wort. Oder wäre es neu erfun-

den,
G 3

dritter Theil.
ſen, wann er ſprechen wolte: Jch muß dir
einen Methodismum aufuͤndig machen.

Waͤre es in der That ein altes Kennzeichen,
und bey den Nachkommen verlohren worden;
ſo hat Zinzendorf die alten Bekenner nam-
haft zu machen. Welches er gleichwol weder
gethan hat, noch zu thun vermoͤgend iſt.
Sprichſt du: Das dritte iſt uͤbrig: Das
Kennzeichen kan alt ſeyn, und der Erfinder
kan ihm einen neuen Namen geben, um meh-
rerer Begreiflichkeit willen? ſo antworte ich
zweyerley. 1) Der Erfinder ſagt oben, (§.
53.) daß es nicht um das Wort/ ſondern
um die Sache, gelte, und er proteſtiret zum
voraus gantz feyerlich, daß man am Ende nicht
ſagen ſolle, er habe nur mit Worten gehan-
delt. Ja er ruͤhmet ſich, daß er ein neues
Kennzeichen
erfunden habe, (§. 59.) wel-
ches zum ſeelig werden anderer Leute ſo noͤ-
thig ſeye, daß man ohne daſſelbe ſeiner Chri-
ſtenpflicht kein Genuͤgen thun koͤnne, (§. 59.
60.) und welches die Unzulaͤnglichkeit der vo-
rigen Kennzeichen ergaͤntze. (§. 61.) 2) Waͤ-
re es ein bloß neu erfundenes Wort, ſo iſt
nicht abzuſehen, wie eine damit bezeichnete
Sache, ſolte deutlicher, ja wie die alte War-
heiten, welche unzureichend heiſen, durch ein
ſolch bloſes Wort ergaͤntzet werden. Es waͤ-
re entweder ein Schriftwort, mithin kein neu
erfundenes Wort. Oder waͤre es neu erfun-

den,
G 3
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[101/0117] dritter Theil. ſen, wann er ſprechen wolte: Jch muß dir einen Methodismum aufuͤndig machen. Waͤre es in der That ein altes Kennzeichen, und bey den Nachkommen verlohren worden; ſo hat Zinzendorf die alten Bekenner nam- haft zu machen. Welches er gleichwol weder gethan hat, noch zu thun vermoͤgend iſt. Sprichſt du: Das dritte iſt uͤbrig: Das Kennzeichen kan alt ſeyn, und der Erfinder kan ihm einen neuen Namen geben, um meh- rerer Begreiflichkeit willen? ſo antworte ich zweyerley. 1) Der Erfinder ſagt oben, (§. 53.) daß es nicht um das Wort/ ſondern um die Sache, gelte, und er proteſtiret zum voraus gantz feyerlich, daß man am Ende nicht ſagen ſolle, er habe nur mit Worten gehan- delt. Ja er ruͤhmet ſich, daß er ein neues Kennzeichen erfunden habe, (§. 59.) wel- ches zum ſeelig werden anderer Leute ſo noͤ- thig ſeye, daß man ohne daſſelbe ſeiner Chri- ſtenpflicht kein Genuͤgen thun koͤnne, (§. 59. 60.) und welches die Unzulaͤnglichkeit der vo- rigen Kennzeichen ergaͤntze. (§. 61.) 2) Waͤ- re es ein bloß neu erfundenes Wort, ſo iſt nicht abzuſehen, wie eine damit bezeichnete Sache, ſolte deutlicher, ja wie die alte War- heiten, welche unzureichend heiſen, durch ein ſolch bloſes Wort ergaͤntzet werden. Es waͤ- re entweder ein Schriftwort, mithin kein neu erfundenes Wort. Oder waͤre es neu erfun- den, G 3

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Zitationshilfe: Benner, Johann Hermann: Herrnhuterey in ihrer Schalkheit. Bd. 3. Gießen, 1748, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/benner_herrnhuterey03_1748/117>, abgerufen am 20.04.2024.