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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816.

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(Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber un-
ter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungsart,
die man sich von einer solchen allmählichen Bildung
machen kann und gemacht hat*), darauf an, sie so zu
bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Kör-
pern, und dann den Phänomenen, die uns die Be-
obachtung bey Entstehung derselben lehrt, am unge-
zwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß
der reife, vorher zwar ungeformte, aber organisirba-
re Zeugungsstoff der Ältern, wenn er zu seiner Zeit,
und unter den erforderlichen Umständen an den Ort
seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in den-
selben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähm-
lich den Bildungstrieb (nisus formativus) zu-
erst empfänglich wird; - für einen Trieb, der sich
von aller bloß mechanischen bildenden Kraft (als wel-
che auch im unorganischen Reiche Krystallisationen**)

*) Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kinder bey ih-
rer Empfängniß im Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie
der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese.Aber das schlechterdings Unstatthafte aller solchen bloß me-
chanischen
Erklärungsarten der allmählichen Ausbildung or-
ganisirter
Körper durch eine sogenannte vis plastica (wie
es unsere ehrlichen Alten nannten), als welche eben so gut im
Mineralreich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff
von organisirten Körpern, als welcher durchaus zugleich Zweck-
mäßigkeit
involvirt. - s. Kant a. a. O. S. 292.
**) Die Krystallisationen unterscheiden sich von den organisirten Kör-
pern selbst schon durch die geometrische Regularität ihrer fast
immer geradlinichten Umrisse, die auf wenige Fundamentalfor-
men reducirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der Thie-
re und Gewächse eben wegen ihrer unübersehbar vielartigen
Zweckmäßigkeit zu bestimmten Verrichtungen auch in unü-
bersehlich vielartige Formen (von endlos variirenden Umrissen)
gebildet werden mußten.

(Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber un-
ter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren
Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungsart,
die man sich von einer solchen allmählichen Bildung
machen kann und gemacht hat*), darauf an, sie so zu
bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Kör-
pern, und dann den Phänomenen, die uns die Be-
obachtung bey Entstehung derselben lehrt, am unge-
zwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß
der reife, vorher zwar ungeformte, aber organisirba-
re Zeugungsstoff der Ältern, wenn er zu seiner Zeit,
und unter den erforderlichen Umständen an den Ort
seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in den-
selben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähm-
lich den Bildungstrieb (nisus formativus) zu-
erst empfänglich wird; – für einen Trieb, der sich
von aller bloß mechanischen bildenden Kraft (als wel-
che auch im unorganischen Reiche Krystallisationen**)

*) Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kinder bey ih-
rer Empfängniß im Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie
der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese.Aber das schlechterdings Unstatthafte aller solchen bloß me-
chanischen
Erklärungsarten der allmählichen Ausbildung or-
ganisirter
Körper durch eine sogenannte vis plastica (wie
es unsere ehrlichen Alten nannten), als welche eben so gut im
Mineralreich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff
von organisirten Körpern, als welcher durchaus zugleich Zweck-
mäßigkeit
involvirt. – s. Kant a. a. O. S. 292.
**) Die Krystallisationen unterscheiden sich von den organisirten Kör-
pern selbst schon durch die geometrische Regularität ihrer fast
immer geradlinichten Umrisse, die auf wenige Fundamentalfor-
men reducirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der Thie-
re und Gewächse eben wegen ihrer unübersehbar vielartigen
Zweckmäßigkeit zu bestimmten Verrichtungen auch in unü-
bersehlich vielartige Formen (von endlos variirenden Umrissen)
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[15/0034] (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber un- ter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt. Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungsart, die man sich von einer solchen allmählichen Bildung machen kann und gemacht hat *), darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Kör- pern, und dann den Phänomenen, die uns die Be- obachtung bey Entstehung derselben lehrt, am unge- zwungensten entspricht. §. 9. Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß der reife, vorher zwar ungeformte, aber organisirba- re Zeugungsstoff der Ältern, wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Umständen an den Ort seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in den- selben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähm- lich den Bildungstrieb (nisus formativus) zu- erst empfänglich wird; – für einen Trieb, der sich von aller bloß mechanischen bildenden Kraft (als wel- che auch im unorganischen Reiche Krystallisationen **) *) Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kinder bey ih- rer Empfängniß im Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese. Aber das schlechterdings Unstatthafte aller solchen bloß me- chanischen Erklärungsarten der allmählichen Ausbildung or- ganisirter Körper durch eine sogenannte vis plastica (wie es unsere ehrlichen Alten nannten), als welche eben so gut im Mineralreich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff von organisirten Körpern, als welcher durchaus zugleich Zweck- mäßigkeit involvirt. – s. Kant a. a. O. S. 292. **) Die Krystallisationen unterscheiden sich von den organisirten Kör- pern selbst schon durch die geometrische Regularität ihrer fast immer geradlinichten Umrisse, die auf wenige Fundamentalfor- men reducirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der Thie- re und Gewächse eben wegen ihrer unübersehbar vielartigen Zweckmäßigkeit zu bestimmten Verrichtungen auch in unü- bersehlich vielartige Formen (von endlos variirenden Umrissen) gebildet werden mußten.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1816/34>, abgerufen am 21.05.2022.