Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bluntschli, Johann Caspar: Allgemeine Statslehre. Stuttgart, 1875.

Bild:
<< vorherige Seite

Eilftes Capitel. II. Monarch. Statsformen. D. Fränkisches Königthum.
müthigung des Adels. Der alte Römercharakter, früher noch
als der Römergeist, war schwach und krank geworden, und
es büszten die Römer den unersättlichen Trieb nach Herr-
schaft, der sie von Eroberung zu Eroberung geführt hatte,
nun mit der eigenen gemeinsamen Knechtschaft.



Eilftes Capitel.
D. Fränkisches Königthum.

Auf römischem Boden erhob sich das grosze Reich der
deutschen Franken. Die fränkische Monarchie, aus römischen
und deutschen Elementen gemischt, bildet denn auch den
Uebergang aus der antiken in die mittelalterliche Weltord-
nung. 1 Viel mächtiger als ein alt-germanischer König ist der
fränkische König, doch weder so absolut noch so übermächtig
als der römische Kaiser. Die Ideen des germanischen
Rechts
und der germanischen Freiheit haben sich ge-
wissermaszen vermählt mit den Gedanken der römischen
Statshoheit
und Macht, und aus dieser Verbindung ist
die monarchische Institution hervorgegangen, wie wir sie in
der Zeit Karls des Groszen in voller Kraft entfaltet sehen.

Eine Reihe von Gründen wirkten zusammen, um die ein-
heitliche Macht der karolingischen Könige zu stärken: vorerst
die merkwürdige Folge individuell ausgezeichneter und glück-
licher Herrscher, sodann die wachsende Ausdehnung eines
groszen Reiches, für welches ein umfassendes und starkes
politisches Regiment Bedürfnisz ward, die Nothwendigkeit
einer stets verfügbaren groszen Kriegsmacht, und die Siege,

1 Die älteren Uebergangsstufen unter andern germanischen Völkern,
welche auf römischem Boden neue Reiche begründet haben, sind in dem
Werke von Felix Dahn. Die Könige der Germanen sorgfältig und
quellenmäszig dargestellt.

Eilftes Capitel. II. Monarch. Statsformen. D. Fränkisches Königthum.
müthigung des Adels. Der alte Römercharakter, früher noch
als der Römergeist, war schwach und krank geworden, und
es büszten die Römer den unersättlichen Trieb nach Herr-
schaft, der sie von Eroberung zu Eroberung geführt hatte,
nun mit der eigenen gemeinsamen Knechtschaft.



Eilftes Capitel.
D. Fränkisches Königthum.

Auf römischem Boden erhob sich das grosze Reich der
deutschen Franken. Die fränkische Monarchie, aus römischen
und deutschen Elementen gemischt, bildet denn auch den
Uebergang aus der antiken in die mittelalterliche Weltord-
nung. 1 Viel mächtiger als ein alt-germanischer König ist der
fränkische König, doch weder so absolut noch so übermächtig
als der römische Kaiser. Die Ideen des germanischen
Rechts
und der germanischen Freiheit haben sich ge-
wissermaszen vermählt mit den Gedanken der römischen
Statshoheit
und Macht, und aus dieser Verbindung ist
die monarchische Institution hervorgegangen, wie wir sie in
der Zeit Karls des Groszen in voller Kraft entfaltet sehen.

Eine Reihe von Gründen wirkten zusammen, um die ein-
heitliche Macht der karolingischen Könige zu stärken: vorerst
die merkwürdige Folge individuell ausgezeichneter und glück-
licher Herrscher, sodann die wachsende Ausdehnung eines
groszen Reiches, für welches ein umfassendes und starkes
politisches Regiment Bedürfnisz ward, die Nothwendigkeit
einer stets verfügbaren groszen Kriegsmacht, und die Siege,

1 Die älteren Uebergangsstufen unter andern germanischen Völkern,
welche auf römischem Boden neue Reiche begründet haben, sind in dem
Werke von Felix Dahn. Die Könige der Germanen sorgfältig und
quellenmäszig dargestellt.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0439" n="421"/><fw place="top" type="header">Eilftes Capitel. II. Monarch. Statsformen. D. Fränkisches Königthum.</fw><lb/>
müthigung des Adels. Der alte Römercharakter, früher noch<lb/>
als der Römergeist, war schwach und krank geworden, und<lb/>
es büszten die Römer den unersättlichen Trieb nach Herr-<lb/>
schaft, der sie von Eroberung zu Eroberung geführt hatte,<lb/>
nun mit der eigenen gemeinsamen Knechtschaft.</p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>Eilftes Capitel.<lb/><hi rendition="#b">D. Fränkisches Königthum.</hi></head><lb/>
          <p>Auf römischem Boden erhob sich das grosze Reich der<lb/>
deutschen Franken. Die fränkische Monarchie, aus römischen<lb/>
und deutschen Elementen gemischt, bildet denn auch den<lb/>
Uebergang aus der antiken in die mittelalterliche Weltord-<lb/>
nung. <note place="foot" n="1">Die älteren Uebergangsstufen unter andern germanischen Völkern,<lb/>
welche auf römischem Boden neue Reiche begründet haben, sind in dem<lb/>
Werke von <hi rendition="#g">Felix Dahn</hi>. Die Könige der Germanen sorgfältig und<lb/>
quellenmäszig dargestellt.</note> Viel mächtiger als ein alt-germanischer König ist der<lb/>
fränkische König, doch weder so absolut noch so übermächtig<lb/>
als der römische Kaiser. Die Ideen des <hi rendition="#g">germanischen<lb/>
Rechts</hi> und der <hi rendition="#g">germanischen Freiheit</hi> haben sich ge-<lb/>
wissermaszen vermählt mit den Gedanken der <hi rendition="#g">römischen<lb/>
Statshoheit</hi> und <hi rendition="#g">Macht</hi>, und aus dieser Verbindung ist<lb/>
die monarchische Institution hervorgegangen, wie wir sie in<lb/>
der Zeit Karls des Groszen in voller Kraft entfaltet sehen.</p><lb/>
          <p>Eine Reihe von Gründen wirkten zusammen, um die ein-<lb/>
heitliche Macht der karolingischen Könige zu stärken: vorerst<lb/>
die merkwürdige Folge individuell ausgezeichneter und glück-<lb/>
licher Herrscher, sodann die wachsende Ausdehnung eines<lb/>
groszen Reiches, für welches ein umfassendes und starkes<lb/>
politisches Regiment Bedürfnisz ward, die Nothwendigkeit<lb/>
einer stets verfügbaren groszen Kriegsmacht, und die Siege,<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[421/0439] Eilftes Capitel. II. Monarch. Statsformen. D. Fränkisches Königthum. müthigung des Adels. Der alte Römercharakter, früher noch als der Römergeist, war schwach und krank geworden, und es büszten die Römer den unersättlichen Trieb nach Herr- schaft, der sie von Eroberung zu Eroberung geführt hatte, nun mit der eigenen gemeinsamen Knechtschaft. Eilftes Capitel. D. Fränkisches Königthum. Auf römischem Boden erhob sich das grosze Reich der deutschen Franken. Die fränkische Monarchie, aus römischen und deutschen Elementen gemischt, bildet denn auch den Uebergang aus der antiken in die mittelalterliche Weltord- nung. 1 Viel mächtiger als ein alt-germanischer König ist der fränkische König, doch weder so absolut noch so übermächtig als der römische Kaiser. Die Ideen des germanischen Rechts und der germanischen Freiheit haben sich ge- wissermaszen vermählt mit den Gedanken der römischen Statshoheit und Macht, und aus dieser Verbindung ist die monarchische Institution hervorgegangen, wie wir sie in der Zeit Karls des Groszen in voller Kraft entfaltet sehen. Eine Reihe von Gründen wirkten zusammen, um die ein- heitliche Macht der karolingischen Könige zu stärken: vorerst die merkwürdige Folge individuell ausgezeichneter und glück- licher Herrscher, sodann die wachsende Ausdehnung eines groszen Reiches, für welches ein umfassendes und starkes politisches Regiment Bedürfnisz ward, die Nothwendigkeit einer stets verfügbaren groszen Kriegsmacht, und die Siege, 1 Die älteren Uebergangsstufen unter andern germanischen Völkern, welche auf römischem Boden neue Reiche begründet haben, sind in dem Werke von Felix Dahn. Die Könige der Germanen sorgfältig und quellenmäszig dargestellt.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/bluntschli_staatslehre_1875
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/bluntschli_staatslehre_1875/439
Zitationshilfe: Bluntschli, Johann Caspar: Allgemeine Statslehre. Stuttgart, 1875, S. 421. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bluntschli_staatslehre_1875/439>, abgerufen am 14.08.2022.