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Consentius, Ernst: Meister Johann Dietz erzählt sein Leben. Nach der alten Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Ebenhausen, 1915.

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dies mit Dank an. Jedoch war das salarium schlecht, wöchentlich sechs Groschen, weil es hieß: wann ich mich beßerte, sollte ich mehr bekommen.

Ich war froh und dankte GOtt, war fleißig und behäglich, blieb zu Hause. Insonderheit hatt' ich deswegen Gunst von der Frauen, weil ich ihr zur Hand ging und Ehre erzeigete, welches sie gerne; und sie den Mann reich gemacht hatte.

Und siehe, da war Zank und Hader zwischen ihnen; also tötlich, daß auch einsmals der Mann im Zorn mit einem großen Messer auf die Frau losfiel und ihr ohnfähr einen tötlichen Stich in die Brust gegeben hätte, wo ich nicht dazwischen gesprungen und ihn daran verhindert hätte. Die Verbitterung wurd darauf noch größer und zur Klage gesuchter Ehescheidung. Ich mußte selbst zeugen darüber. Allein es wurde nichts draus, als daß sie sich einander das Herz abfraßen und ihr schön Geld dem Richter und Advokaten zuwendeten. Durch welchen Zustand der Mann je länger, je lieder- und verdrüßlicher geworden und in die ärgsten Spiel- und Bordellhäuser aus Verdruß liefe: Welches die Frau, weil sie fleißig drauf spionierte, alles erfuhr und sie noch mehr zum Eifer reizte. Da ging es an ein neu Zanken und Vorwerfen. Denn rappte sich der Mann zusammen und lief wieder fort. Ihre alte, fromme Mutter hatt' das größte Herzeleid und Betrübnis. Ich aber beider Gunst, welche mir endlich wohl zustatten kam, indem mir ein sonderlich Unglück wieder aufs neue zugestossen.

Ich hatte viel Kunden an diesem weitläuftigen Ort zu bedienen und mußte mich wohl tummlen, wenn ich wollte fertig werden. Deswegen, die Zeit zu gewinnen, ich Winterszeit aus der Lappstrasse in die Fischergasse übers Eis, ein Liedlein singende, ging, in guten

dies mit Dank an. Jedoch war das salarium schlecht, wöchentlich sechs Groschen, weil es hieß: wann ich mich beßerte, sollte ich mehr bekommen.

Ich war froh und dankte GOtt, war fleißig und behäglich, blieb zu Hause. Insonderheit hatt’ ich deswegen Gunst von der Frauen, weil ich ihr zur Hand ging und Ehre erzeigete, welches sie gerne; und sie den Mann reich gemacht hatte.

Und siehe, da war Zank und Hader zwischen ihnen; also tötlich, daß auch einsmals der Mann im Zorn mit einem großen Messer auf die Frau losfiel und ihr ohnfähr einen tötlichen Stich in die Brust gegeben hätte, wo ich nicht dazwischen gesprungen und ihn daran verhindert hätte. Die Verbitterung wurd darauf noch größer und zur Klage gesuchter Ehescheidung. Ich mußte selbst zeugen darüber. Allein es wurde nichts draus, als daß sie sich einander das Herz abfraßen und ihr schön Geld dem Richter und Advokaten zuwendeten. Durch welchen Zustand der Mann je länger, je lieder- und verdrüßlicher geworden und in die ärgsten Spiel- und Bordellhäuser aus Verdruß liefe: Welches die Frau, weil sie fleißig drauf spionierte, alles erfuhr und sie noch mehr zum Eifer reizte. Da ging es an ein neu Zanken und Vorwerfen. Denn rappte sich der Mann zusammen und lief wieder fort. Ihre alte, fromme Mutter hatt’ das größte Herzeleid und Betrübnis. Ich aber beider Gunst, welche mir endlich wohl zustatten kam, indem mir ein sonderlich Unglück wieder aufs neue zugestossen.

Ich hatte viel Kunden an diesem weitläuftigen Ort zu bedienen und mußte mich wohl tummlen, wenn ich wollte fertig werden. Deswegen, die Zeit zu gewinnen, ich Winterszeit aus der Lappstrasse in die Fischergasse übers Eis, ein Liedlein singende, ging, in guten

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[0034] dies mit Dank an. Jedoch war das salarium schlecht, wöchentlich sechs Groschen, weil es hieß: wann ich mich beßerte, sollte ich mehr bekommen. Ich war froh und dankte GOtt, war fleißig und behäglich, blieb zu Hause. Insonderheit hatt’ ich deswegen Gunst von der Frauen, weil ich ihr zur Hand ging und Ehre erzeigete, welches sie gerne; und sie den Mann reich gemacht hatte. Und siehe, da war Zank und Hader zwischen ihnen; also tötlich, daß auch einsmals der Mann im Zorn mit einem großen Messer auf die Frau losfiel und ihr ohnfähr einen tötlichen Stich in die Brust gegeben hätte, wo ich nicht dazwischen gesprungen und ihn daran verhindert hätte. Die Verbitterung wurd darauf noch größer und zur Klage gesuchter Ehescheidung. Ich mußte selbst zeugen darüber. Allein es wurde nichts draus, als daß sie sich einander das Herz abfraßen und ihr schön Geld dem Richter und Advokaten zuwendeten. Durch welchen Zustand der Mann je länger, je lieder- und verdrüßlicher geworden und in die ärgsten Spiel- und Bordellhäuser aus Verdruß liefe: Welches die Frau, weil sie fleißig drauf spionierte, alles erfuhr und sie noch mehr zum Eifer reizte. Da ging es an ein neu Zanken und Vorwerfen. Denn rappte sich der Mann zusammen und lief wieder fort. Ihre alte, fromme Mutter hatt’ das größte Herzeleid und Betrübnis. Ich aber beider Gunst, welche mir endlich wohl zustatten kam, indem mir ein sonderlich Unglück wieder aufs neue zugestossen. Ich hatte viel Kunden an diesem weitläuftigen Ort zu bedienen und mußte mich wohl tummlen, wenn ich wollte fertig werden. Deswegen, die Zeit zu gewinnen, ich Winterszeit aus der Lappstrasse in die Fischergasse übers Eis, ein Liedlein singende, ging, in guten

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Zitationshilfe: Consentius, Ernst: Meister Johann Dietz erzählt sein Leben. Nach der alten Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Ebenhausen, 1915, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dietz_leben_1915/34>, abgerufen am 22.05.2022.