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Dilthey, Wilhelm: Die Einbildungskraft des Dichters: Bausteine für eine Poetik. In: Philosophische Aufsätze. Eduard Zeller zu seinem fünfzigjährigen Doctor-Jubiläum gewidmet. (= Philosphische Aufsätze, 10.) Leipzig, 1887, S. 303–482.

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Die von Aristoteles geschaffene Poetik war in allen Zeitaltern pdi_305.002
bewussten kunstmässigen Dichtens bis in die zweite Hälfte pdi_305.003
des 18. Jahrhunderts das Werkzeug der Poeten bei ihrer Arbeit pdi_305.004
und das gefürchtete Richtmaass der Kritiker bis auf Boileau, pdi_305.005
Gottsched und Lessing. Sie war das wirksamste Hilfsmittel der pdi_305.006
Philologie für Auslegung, Kritik und Werthbestimmung griechischer pdi_305.007
Dichtung. Sie war zugleich neben Grammatik, Rhetorik und pdi_305.008
Logik ein Bestandtheil des höheren Bildungswesens. Dann hat pdi_305.009
die aus dem deutschen Geiste geborene Aesthetik in der grossen pdi_305.010
Zeit unsrer Dichtung Goethe und Schiller bei ihrem Schaffen geleitet, pdi_305.011
Humboldt, Körner und die Schlegel in ihrem Verständniss pdi_305.012
gesteigert sowie in ihrem Urtheil gefestigt. Sie hat durch diese pdi_305.013
beiden Fürsten der deutschen Poesie das ganze Reich derselben pdi_305.014
beherrscht, unter Mitwirkung von Humboldt, Moritz, Körner, pdi_305.015
Schelling, den Schlegel, endlich Hegel, als den unter ihnen pdi_305.016
wirkenden Ministern der schönen Künste. Sie hat die Philologie pdi_305.017
umgestaltet; denn sie hat die rationale Hermeneutik, wie sie im pdi_305.018
Streit zwischen dem tridentinischen Katholicismus und den Protestanten pdi_305.019
geschaffen und von Ernesti durchgeführt worden war, ergänzt pdi_305.020
durch jene aesthetisch begründete hermeneutische Kunst, pdi_305.021
deren Regeln Schleiermacher nach dem Vorgange Friedrich Schlegels pdi_305.022
aus dem Princip der Form eines schriftstellerischen Werkes pdi_305.023
abgeleitet hat. Sie hat eine Werthabmessung und Kritik, welche pdi_305.024
den Verstand, die Regel sowie die grammatische, metrische und pdi_305.025
rhetorische Technik zu Grunde legte, ergänzt durch jene ästhetische pdi_305.026
Kritik, welche von der Zergliederung der Form ausging und

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  Die von Aristoteles geschaffene Poetik war in allen Zeitaltern pdi_305.002
bewussten kunstmässigen Dichtens bis in die zweite Hälfte pdi_305.003
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Zitationshilfe: Dilthey, Wilhelm: Die Einbildungskraft des Dichters: Bausteine für eine Poetik. In: Philosophische Aufsätze. Eduard Zeller zu seinem fünfzigjährigen Doctor-Jubiläum gewidmet. (= Philosphische Aufsätze, 10.) Leipzig, 1887, S. 303–482, hier S. E305. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dilthey_poetik_1887/7>, abgerufen am 22.05.2022.